„Bei aller Liebe“ on the road

14. September 2017

Getz (sagt man im Ruhrgebiet) geht’s los: Nächste Woche Lesungen in Hamburg, Marburg und Kassel. Und demnächst noch mehr.


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Lido. Ende des Sommers

13. September 2017

Das Schönste am Filmfestival, ich erwähnte es schon, ist die Fahrt zum Lido, so wie hier, an dem Abend nach der Regatta storica:

Ich meine, das ist doch herzbewegend.

(Und das sagt eine, die vor so langer Zeit nach Venedig gezogen ist, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern kann, jemals woanders gelebt zu haben.) Auch wenn gleich danach wieder so ein blödes Kreuzfahrtschiff ins Bild fuhr:

Inzwischen ist der Lido der einzige Ort in Venedig, wo die Venezianer noch unter sich sind. Ja, am Strand hört man noch Venezianisch. (In Venedig hört man nicht mal mehr Italienisch, geschweige denn Venezianisch).

Und wie jedes Jahr wird mir immer ganz schwer ums Herz, wenn ich meine Badesachen aus meiner Badekabine abhole und mich von meinen Badekabinengenossen- und Genossinnen verabschiede. Heute war auch noch so ein mürbes Spätsommerlicht, das mich noch melancholischer stimmte, genau wie der Geruch der Badekabine, nach Sonnenöl und feuchten Handtüchern und Salzwasser, das Ganze aber schon irgendwie kälter, abgestandener.

Dann drehe ich mich noch einmal um, werfe einen letzten Blick aufs Meer –

und weiß, dass es mindestens bis Mai dauern wird, bevor ich wieder einen Fuß auf den Lido setzen werde. In dieser Hinsicht habe ich mich sofort venezianisiert: Obwohl das Meer hier vor der Haustür liegt, kommen Venezianer nicht im Traum auf die Idee, im Winter einen Strandspaziergang zu machen. Märsche in Gummistiefeln und Friesennerz findet man hier pervers. Meer, das ist Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Und nicht Sturm und Drang.


Deshalb fällt mir der Abschied vom Lido immer so schwer.



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Filmfest 2 (und Mafia)

09. September 2017

Dieses wunderbare Bild gibt es als Postkarte von No Grandi Navi – die eine große Demo (darunter eine kleine, feine Seeschlacht)  für den 23./24. September planen. Was uns hier natürlich am Herzen liegt, zumal in diesen Tagen des Filmfests, das morgen zu Ende geht.

Frühmorgens, wenn die Horden noch nicht eingefallen sind, lief für mich (wie immer) der schönste Film des ganzen Festivals. Also habe ich, wenn ich zum Lido fuhr, habe ich immer wie blöde fotografiert, (und mich ein bisschen geschämt, wie immer, wenn ich mich wie ein Tourist benehme). Aber ja, auch ich wollte diese seltenen Momente festhalten, wenn Venedig noch sich selbst gehört: Venedig ist wie ein Liebhaber, von dem du weißt, dass er dich mit allen betrügt und den du dennoch nicht verlassen kannst.

Der Preis wird wie immer an einen Film gehen, den ich entweder nicht gesehen habe (The Shape of Water), aus dem ich rausgegangen bin (First Reformed, Paul Schrader) oder den ich komplett schwachsinnig fand (Mother von Darren Aronofsky :ganz oben auf meiner Liste idiotischer Festivalfilme – ich würde sogar sagen, dass er diesen im Schlamm spielenden russischen Schwachsinnsfilm übertrifft, wo sich die Frau die Barthaare ihres Geliebten in den Mund steckt.) Bei „Mother“ gab es jede Menge blutiger Astlöcher, in denen Jennifer Lawrence herumpult, und selbst Javier Bardem konnte die Chose nicht retten. Als Schriftstellerin bin ich allerdings beeindruckt, wie es ein Regisseur hinkriegt, komplett auf jede Logik zu … und einfach nur diverse blutige Astlöcher, einen Schriftsteller mit Schreibblockade, irre Fans, ein kleingehacktes Baby und ein explodierendes Spukhaus aneinander zu reihen und zu glauben, dass das Ganze funktioniert.

Mein Lieblingsfilm war „Three Billboards outside Ebbing“ (die Mutter eines ermordeten Mädchens mischt die verschlafene Polizei auf) mit der wunderbaren Frances Mc Dormand Und ich nehme an, dass er schon aus diesem Grunde nichts gewinnen wird.

Mafia gab es auf dem Filmfest natürlich auch, in rauen Mengen, etwa bei Suburra, jetzt als Netflix-Serie, nachdem es letztes Jahr als Film lief (hatte einige Déjà-Vu-Erlebnisse). Wie der Roman auch geht es um die Geschichte der römischen Mafia (die laut Urteilsspruch plötzlich gar keine Mafia war, sondern nur Bandenkriminalität): „Mafia Capitale“, also Mafiosi, Politiker und Priester, wie im wirklichen Leben.

Aus Neapel kam das Mafia-Musical Ammore e Malavita   Und obwohl ich immer skeptisch bin, bei „Mafia jetzt mal lustig“, fand ich es wunderbar, am besten natürlich die Szene im Krankenhaus, zu What a feeling auf Neapolitanisch. (Ist natürlich nicht das erste Mafia-Musical, das erste hat Roberta Torre 1997 ebenfalls in Venedig vorgestellt: Tano da morire.)

Mich erinnerte das an meine Begegnung mit Carmine Sarno, auch genannt ‚o topolino, das Mäuschen, einem neapolitanischen Camorra-Boss und Musikproduzenten, weshalb sein Herrschaftsgebiet, der Vorort Ponticelli in Neapel auch „la piazza dei cantanti“ genannt wird. Die Musik der Neomelodici dient, wie die Mafiamusik der ‚Ndrangheta auch, nicht nur dazu, Propaganda für die Mafia zu machen, sondern auch, Botschaften an Clans zu überbringen, wie es ein abtrünniger Camorrista über den Sänger Alessio behauptete (gegen den allerdings nicht ermittelt wird, die Behauptungen eines Abtrünnigen sind erst relevant, wenn sie von anderen Quellen bestätigt werden). Eine Nacht lang habe ich Carmine und Alessio begleitet, eine sehr interessante Erfahrung. „Alessio wurde durch mich geboren“, sagte Carmine Sarno damals zu mir. „Und er wird mit mir sterben.“ Alessio tritt übrigens auch in der Serie Gomorrha auf. Die Mafia liebt es, wenn sie als blutrünstig dargestellt wird.

An Carmine habe ich auch gedacht, als ich die erste Szene von Loving Pablo  sah, den Film über Pablo Escobars Aufstieg und Fall aus der Sicht seiner Geliebten. Da präsentiert sich Pablo Escobar einer Journalistin und späteren Geliebten (Penelope Cruz) als Wohltäter, der Häuser für die Armen baut. Sozusagen ein Klassiker. Carmine Sarno erzählte mir von seinen Wohltätigkeitskonzerten: eines für Kinder am Dreikönigsfest und eines zugunsten Körperbehinderter im September.

Allein Javier Bardem mit Kraushaar und Bauch zu sehen, lohnt sich. Ich Herzchen glaubte natürlich, dass sich Bardem das Fett dank Robert De Niros Method-Acting-Methode angefressen hätte, war aber nur eine – sehr glaubhafte – digitale Plauze. Die Narcos sind natürlich etwas grobschlächtiger als ihre italienischen Vorbilder, in jeder Hinsicht.


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Filmfest 1

02. September 2017

Terrasse Hotel Danieli

Natürlich, verehrte Blogleser, haben Sie schon ungeduldig auf meine seit Jahren bewährte einseitige Berichterstattung über das venezianische Filmfest gewartet, in die ich so spät einsteige, weil ich andere, wichtigere Dinge zu tun hatte (Was meinen Sie, wie anstrengend es sein kann, auf Partys herumzustehen). In der Zwischenzeit hat natürlich bereits selbst das letzte Online-Zipfelchen sein Urteil abgegeben: über den Eröffnungsfilm (Downsizing, diese Schrumpf-Dystopie, Sie wissen schon: Klimawandel und andere Auswirkungen der Überbevölkerung sollen dadurch bekämpft werden, dass man die Menschen verkleinert), Ai Weiweis Migrationsdokumentation The Human Flow, der mich, auch wegen des Themas meines letzten Romans „Bei aller Liebe“ besonders interessiert hat. Und mich doch enttäuscht hat, ähnlich wie das meine kluge Kollegin Christiane Peitz vom Tagesspiegel beschrieben hat: „Immer schneller wechselt „Human Flow“ die Schauplätze, bis sich eben die Immunisierung einstellt, die Ai Weiwei eigentlich aushebeln will. Oder entwickelt man mit solchen Bedenken nur einen Schutzmechanismus gegen den moralischen Appell, der in jeder einzelnen seiner Aufnahmen steckt?“ Dann habe ich mir noch die Staffel von Suburra angesehen, die sich aber nicht wesentlich vom Suburra-Film unterscheidet, also: Sex&Crime&Priester&Mafia&korrupte Politiker=Rom. Und habe pflichtgemäß Paul Schraders Film First Reformed über einen Priester in der Glaubenskrise angeschaut – und während des ganzen Films an den Bombengürtel gedacht, den der Priester an sich nimmt (Hinterlassenschaft eines depressiven Selbstmörders, der sich erschossen hat) – ganz im Sinne von Hitchcocks Feststellung über den Unterschied zwischen Spannung und Überraschung:

The bomb is underneath the table and the public knows it, probably because they have seen the anarchist place it there. The public is aware the bomb is going to explode at one o’clock and there is a clock in the decor. The public can see that it is a quarter to one. In these conditions, the same innocuous conversation becomes fascinating because the public is participating in the scene. The audience is longing to warn the characters on the screen: „You shouldn’t be talking about such trivial matters. There is a bomb beneath you and it is about to explode!“

Alles gut und schön. Aber der Film, auf den ich wirklich gewartet habe, war „The Electric Horseman„: Robert Redford. My all time hero. Der gestern zusammen mit Jane Fonda (hier übrigens ein tolles Interview, das Katja Nicodemus einmal mit ihr geführt hat) mit dem Ehrenlöwen ausgezeichnet wurde und einen neuen Film vorstellte (Our Souls at Night. Späte Liebe. Robert Redford mit Lesebrille – aber egal: Der Mann ist 81 Jahre alt, er könnte auch das Postleitzahlverzeichnis vorlesen, und ich wäre hingerissen.) Und ja, sogar Wolfgang W. Wieneke hat in Bei aller Liebe einen Robert-Redford-Moment:

„Sie könnten es bereuen«, ergänzte der Kahle lächelnd.
»Werden wir ja sehen«, sagte Wieneke, deutete eine Verbeugung an und drehte sich auf seinem Absatz um, bevor er an dem Eisberg vorbei in der Dunkelheit verschwand.

Ein Abgang wie Robert Redford in Der elektrische Reiter, der mit seinem Pferd einfach von der Bühne der Werbeshow in Las Vegas getrabt war, in die Dunkelheit hinein, bis die Lämpchen an seinem Cowboyanzug verglüht waren.
Hey, hey, hey.“

 


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„Das italienische Beben“

29. August 2017

so lautet die Überschrift zu meiner Erinnerung an die Morde von Giovanni Falcone und Paolo Borsellino: „Vor 25 Jahren führte der Terror in Italien zu einer dramatischen Wende: Die Mafia schwor der Gewalt ab und ging in die Politik. Dort ist sie bis heute geblieben.“

Nachzulesen im Magazin des Tagesanzeigers.


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#BeiallerLiebe (das harte Brot der Schriftstellerei)

16. August 2017

Die Leute, mit denen ich die meiste Zeit verbringe, sind auf ihre Art alle etwas anstrengend. Wolfgang W. Wieneke ist ein Investigativreporter im kritischen Alter, der unter der Medienkrise und der unerwiderten Liebe zu einer italienischen Übersetzerin namens Francesca leidet.

Serena Vitale ist Staatsanwältin in Palermo und heißt eigentlich Santa Crocifissa Vitale: kein Name, sondern eine Heimsuchung. Ihre Mutter hatte auf der Heiligen Kruzifixin bestanden, zu Ehren der im Kindbett verstorbenen Großmutter. Serena Vitale ermittelt gegen die Mafia, was ihre Mutter für eine schwachsinnige Idee hält: Hättest du als Notarin nicht ein schöneres Leben gehabt? Hat dir etwa der Arzt verschrieben, die Mafia zu bekämpfen?

Alle drei (die Mutter auch) existieren nur in meiner Fantasie. Was die Sache nicht besser macht. Denn alle drei versuchen ständig, ihre Macken an mir auszulassen.

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, wie es dazu kam: Lehrstühle blieben unbesetzt, Schreibschulen leer, Doktoranden ohne Doktortitel, Feuilletonseiten müssten mit Kreuzworträtseln gefüllt werden, wollte der Mensch nicht wissen, wie ein Schriftsteller zu den Figuren kommt, die seine Romane bevölkern.

Im Wesentlichen gibt es dabei zwei Denkschulen: Die einen glauben, dass Romanfiguren kein bisschen ausgedacht sind, sondern eins zu eins aus der Wirklichkeit kopiert wurden. Das andere Lager, meist aus Schriftstellern bestehend, verkündet genau das Gegenteil, nämlich, dass die Romanfiguren nur in der Fantasie des Schriftstellers existieren – weil es für einen Schriftsteller etwas beleidigend ist, wenn der Gipfel der Schaffenskraft darin bestünde, sich am verhassten Exfreund im Wollflusenpullover abzuarbeiten, der im wahren Leben braune Augen hat, im Roman jedoch blaue.

Schlimmer für Schriftsteller ist nur noch, wenn ihre Romane auf autobiografische Bezüge hin geflöht werden, als könnte man nur über sich selbst schreiben. Was es natürlich gibt. Bei Thomas Mann fanden emsige Literaturdetektive heraus, dass sich hinter Aschenbach kein Geringerer als Thomas Mann selbst verbirgt, der von seinem Begehren schrieb. In meinem bescheidenen Fall geht man davon aus, dass ich Serena Vitale bin, vor allem, weil Serena Vitale und ich falsche Blondinen sind.

Flaubert sagte „Madame Bovary c’est moi“, und ich sage: „Wolfgang W. Wieneke c’est moi“, obwohl der keine Haare mehr hat (die letzten Fussel hat er sich neulich bei einem türkischen Friseur abrasieren lassen), ich bin aber auch Serena Vitale und Francesca – und Serenas Mutter bin ich auch, obwohl die erhebliche charakterliche Defizite aufweist, vom Altersunterschied ganz zu schweigen.

Schriftsteller geben dann auch noch gerne damit an, dass ihre Romanfiguren ein Eigenleben und eine solche Kraft entwickeln, dass sie zu einer Art Flaschengeist werden: Eigenständige Personen, die dem Autor auf dem Kopf herumtanzen und den Verlauf des Romans diktieren. Ich habe dem Auf-dem-Kopf-Herumtanzen sofort einen Riegel vorgeschoben. Der Wieneke will ständig etwas enthüllen, Serena Vitale will die Mafia besiegen: Meine Aufgabe besteht darin, ihnen Steine in den Weg zu legen. Bei meinen Protagonisten bin mehr so für die harte Hand.

Schließlich werde ich mich nicht von so einer hergelaufenen Romanfigur kujonieren lassen, so weit kommt’s noch.


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Ein paar Bemerkungen zu Duisburg

15. August 2017

Die Mafia macht ihre besten Geschäfte, wenn es ruhig ist. Und heute spricht ja niemand mehr über die Mafia. Außer an Jahrestagen, so wie heute. Da wachen selbst die verschlafensten Tageszeitungen auf und erinnern sich schaudernd an jenen 15. August 2007, als plötzlich sechs tote Italiener vor dem Restaurant „Da Bruno“ lagen.

Ich war damals auch überrascht. Und das, obwohl ich seit langem wusste, wie aktiv die Mafia im Ruhrgebiet ist: Die Killer des 1990 ermordeten Antimafia-Staatsanwalts Rosario Livatino kamen aus Leverkusen. Und letzte Morddrohung gegen den ermordeten Antimafia-Staatsanwalt Falcone kam aus Wuppertal.

Ich hätte der Mafia in Deutschland aber eine so spektakuläre Tat nicht zugetraut. Denn es war ja klar, dass das die Deutschen aufschrecken würde. Extrem kontraproduktiv für die Mafia. Aber wahrscheinlich haben sie die Situation schon von Anfang an doch richtig eingeschätzt: Es wird am Anfang einen Aufschrei geben, dann gehen wir in Deckung, dann werden die Deutschen es wieder vergessen, und alles geht weiter wie immer. Weil die Beziehungen, die die ‘Ndrangheta stets gepflegt hat, also zu Politikern, Unternehmern, Geheimdiensten in West und vor allem Ost (sehr interessant sind übrigens die Verbindungen zwischen Stasi und ‘Ndrangheta), immer noch die besten sind.

Drogenhandel, Bauindustrie, Gastronomie, Giftmüllbeseitigung, Immobilienhandel – vor allem aber Geldwäsche. Die klassischen Geschäftsfelder der Mafia. Später kam noch die Windenergie hinzu. Öffentliche Gelder in ihre Taschen umzuleiten, ist die Königsdisziplin der Mafia – und da haben sich mit den europäischen Fördergeldern und dem gemeinsamen europäischen Markt viele neue Perspektiven ergeben.

An Ermittlungsergebnissen hat es in Deutschland auch 2007 nicht gemangelt. Indes, es fehlen die Gesetze. Auch hinter den angeblich „neuen Gesetzen“ zur Bekämpfung der Mafia verbirgt sich vor allem der Wahlkampf. In der sogenannten Neuregelung kommt das Wort „Mafia“ gar nicht vor. Staatsanwälte sind nach wie vor skeptisch. Außerdem ist jetzt der Zoll für die Verdachtsmeldungen wegen Geldwäsche zuständig. Und da wurde das Personal nicht nur halbiert, sondern hat auch keinen Zugriff auf polizeiliche Datenbestände. Wie der Bund deutscher Kriminalbeamter sagt: „Der Bundesfinanzminister hat uns einen Bärendienst erwiesen.“

Es müsste einen politischen Willen zur Bekämpfung der Mafia in Deutschland geben. Und den sehe ich nicht. Von vielen Politikern wird die Geldwäsche immer noch als ein Konjunkturankurbelungsprogramm gesehen. Nach dem Motto: Pecunia non olet. Die Mafia wird in Deutschland für eine Art von Folklore gehalten, selbst in deutschen Gerichten fehlen die wesentlichsten Kenntnisse.

Wir könnten von allein schon von der italienischen Antimafia-Gesetzgebung lernen und auch von den schlechten Erfahrungen: Seit 25 Jahren sitzt die Mafia im italienischen Parlament – und dagegen kämpfen die ehrlichen Italiener.

Nachdem ich verklagt und bedroht worden bin, habe ich versucht, dem ganzen etwas Positives abzugewinnen: Ich habe diese Erfahrungen in meine Romane einfließen lassen, ich hätte die Protagonisten meiner Romane nie so agieren lassen können, wenn ich manches nicht am eigenen Leibe gespürt hätte. Bei Schauspielern nennt man das „Method Acting“.

Außerdem finde ich es sehr interessant zu beobachten, wie sich sich die Mafia immer weiter entwickelt: Mit der Flüchtlingskrise hat sich für die Mafia ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Das Zauberwort heißt emergenza: Notstand. Den gab es ja auch in Deutschland, in jenem Sommer 2015. Und genau davon handelt mein neuer Roman „Bei aller Liebe“.

Und hier auch noch ein Radio-Interview mit mir auf WDR 5 anlässlich Duisburg (etwas mehr als 7 Minuten, Sie schaffen das!)


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Jugend Rittet

11. August 2017

Ok, ich wusste schon, dass „Bei aller Liebe“ aktuell ist – aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell so hoch her gehen würde. Zwischen Deutschland und Italien. Allein schon mal orthografisch. Von „Jugend rittet“ bis „Jugend bettet“ – war alles drin: In so gut wie keinem Artikel der italienischen Presse wurde „Jugend rettet“ richtig geschrieben, nicht mal im Beschlagnahmungsbefehl der Staatsanwaltschaft von Trapani, die letzteren auf Geheiß des Untersuchungsrichters ausgestellt haben. Das muss jetzt hier so pingelig ausklamüsert werden, weil im Eifer des Gefechts (anders kann man die Berichterstattung darüber nicht bezeichnen) doch einiges durcheinander geraten ist.

Auf Facebook, Twitter und in Artikeln wurden Südkurven-Schlachten ausgetragen, Ninja Turtles gegen Shredder, hätte man meinen können. Dabei war es nur eine normale Ermittlung rund um die „Begünstigung illegaler Einwanderung“. Die zur Folge hatte, dass die „Iuventa“, das Schiff der NGO „Jugend Rettet“ beschlagnahmt wurde und, wohlgemerkt, gegen einzelne Mitglieder der NGOs  von „Jugend Rettet“, „Ärzte ohne Grenzen„, „Save the children“ und andere ermittelt wird.

Kurzum: Hier wird kein Rundumschlag gegen alle NGOs gefahren, es geht es auch nicht darum, Rettungsorganisationen zu kriminalisieren Weiterlesen »


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„Bei aller Liebe“

05. August 2017

Was soll ich sagen? Ich habe mich über diese Rezension von Günter Keil in der Abendzeitung sehr gefreut – die ich heute durch Zufall gefunden habe und die mir die Bitternis meines letzten Urlaubstages versüßt hat. Grazie, grazie, grazie!

 

Das Geschäft mit dem Leid

Petra Reskis neuer Anti-Mafia-Roman „Bei aller Liebe“ zeigt, wie die Organisation an Flüchtlingen verdient

Dieser Roman ist mutig. Er enthält unangenehme Wahrheiten und gibt verstörende Einblicke. Petra Reski erzählt von dem Milliardengeschäft, das mit den aktuellen Flüchtlingsströmen gemacht wird. Sie berichtet von skrupellosen Schleusern, korrupten Politikern, ängstlichen Staatsanwälten, opportunistischen Journalisten und kriminellen Kirchenmännern.

Vor allem anderen erzählt Reski jedoch von der sizilianischen Mafia, die im Flüchtlingsbusiness eine entscheidende Rolle spielt. Wie sich herausstellt, verdienen Cosa Nostra und die kalabrische ´Ndrangheta auch in Deutschland kräftig am Elend der Flüchtlinge.

Pure Fiktion? Mitnichten. Reskis Romane sind stets umfassend recherchiert und erschreckend realistisch. In ihrem dritten Fall ermittelt Serena Vitale, eine Anti-Mafia-Staatsanwältin aus Palermo, gegen afrikanische Schlepperbanden. Doch dann wird ein deutscher Oberstaatsanwalt in ihrer Heimatstadt ermordet – auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Medien und die Polizei gehen von einem Verbrechen aus Leidenschaft aus.

Vitale findet allerdings heraus, dass der Kölner wegen brisanter Mafia-Recherchen nach Sizilien gekommen war. Mit der für sie typischen Energie und Unnachgiebigkeit stürzt sich die schlagfertige Staatsanwältin in die Ermittlungen. Sie setzt Heuchler, Bedenkenträger und Opportunisten unter Druck. Und sie stößt auf Dino Grecco. Der Sohn eines mächtigen Mafiabosses lebt als angeblich seriöser Unternehmer in Deutschland. Schon vor Jahren hatte er mit Cosa-Nostra-Millionen zahlreiche Lagerhallen, Altenheime, Kliniken und Hotels gekauft, die er später gewinnbringend in Flüchtlingsunterkünfte umwandelte. Darüber hinaus gründete er Sicherheitsdienste, Reinigungsfirmen und Catering-Unternehmen, mit denen er Millionenbeträge rund um die Heime erwirtschaftet – ein florierendes Geschäftsmodell.

Die Mafia ist nicht nur struktureller Bestandteil des Geschäfts mit den Flüchtlingen, sondern auch des internationalen Finanzkapitalismus. Obwohl seit Jahren beteuert wird, dass sie ausgerottet sei.

Mit Serena Vitale hat Petra Reski eine umwerfende Figur erschaffen. Die intelligente Staatsanwältin kämpft unermüdlich gegen die Mafia und ihre Unterstützer, gegen das Vergessen und die allgegenwärtige Korruption. Dass sie sich mit ihrem Engagement selbst in Gefahr bringt, nimmt sie in Kauf.

Parallelen zur Autorin sind unübersehbar: auch die vielfach für ihre Texte und Bücher ausgezeichnete Petra Reski wird als Mafia-Expertin bewundert und bedroht. Die 57-jährige wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Ihre Hauptfigur wird „La crucca“ genannt, die Deutsche. Was Vor- und Nachteile haben kann: „An schlechten Tagen wurde ihr vorgeworfen, unflexibel, phantasielos und pedantisch zu sein. An guten Tagen galt sie als aufrichtig, tiefgründig und verlässlich.“

Mit ihrem Wissen über die Cosa Nostra könnte Petra Reski in ihren Romanen dozieren oder belehren – stattdessen unterhält sie auf hohem Niveau, erzählt trocken, lakonisch und unverblümt. „Bei aller Liebe“ ist ein spannender Kriminalroman, von dem man viel lernt – über das Geschäft mit Flüchtlingen, die Mafia und ihre verhängnisvolle Verbindung nach Deutschland.

Günter Keil

Petra Reski: „Bei aller Liebe“ (Hoffmann und Campe, 318 Seiten, 20 Euro)

Abendzeitung vom 22. 7. 2017

 


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Kleines Update zur Sommerpause

26. Juli 2017

Liebe Freunde und Unterstützer,

bevor Sie in die Ferien fahren, bereits im Liegestuhl liegen oder schon wieder zurückgekehrt sind, freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass das Landgericht Leipzig einen Antrag auf Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen mich zurückgewiesen hat. Der Kläger war der Ansicht, dass ich mit der Veröffentlichung des FAZ-Artikels von Andreas Rossmann auf meiner Webseite gegen das gegen mich erlassene Urteil verstoßen hätte. Gegen diesen Beschluss hat der Kläger Beschwerde eingelegt.  Anhängig sind jetzt noch die Klage auf Geldentschädigung und meine Klage gegen Jakob Augstein, die am 29. September in Hamburg verhandelt wird.

Außerdem, was mich am meisten freut, ist am 18. Juli mein neuer Roman erschienen: „Bei aller Liebe“, der von Mafia, Medien und Migranten handelt.

Protagonisten sind wie immer die sizilianische Antimafia-Staatsanwältin Serena Vitale und der von der Medienkrise gebeutelte deutsche Investigativjournalist Wolfgang W. Wieneke, der sich übrigens darüber empört, von mir mit Klarnamen genannt zu werden.

In der Hoffnung, Ihnen beim nächsten Update nur gute Nachrichten verkünden zu können, grüßt Sie herzlich und unbeirrbar positiv gestimmt, Petra Reski


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