Und dann kam der grobe Klotz zum Einsatz

09. Januar 2017

Ich musste nicht mal bis drei zählen, da hatte sich das Establishment schon wieder gefangen: Verhofstadt hat sich gegen den Eintritt der Fünfsterne-Bewegung in ALDE ausgesprochen. Die Seilschaften funktionieren eben immer. Martin Schulz&Co waren wohl kurz vor dem Herzkasper, wie sagte er doch so schön:

„Wir beobachten, dass die Zerstörer Zulauf habe“und: „Den Parolen der Populisten und Rechtsextremen kommt man nicht bei durch fein ziselierte Argumente. Auf einen groben Klotz gehört manchmal auch ein grober Keil“.

Gesagt, getan.

Jetzt bleibt der Fünfsterne-Bewegung nur, nach der nächsten Europawahl eine eigene parlamentarische Gruppe zu gründen: „Direct Democracy Movement“. Und wie heißt es in Italien: „Si chiude una porta e si apre un portone“: Es schließt sich eine Tür, und ein Tor geht auf.


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Smart Move

09. Januar 2017

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Gestern, als ich an meinem Manuskript herumfummelte und wie gewöhnlich im Hintergrund das Radio lief (Ich brauche zur Inspiration immer so ein Grundrauschen um mich herum, deshalb schreibe ich auch gerne in Hotelhallen oder in Zügen), hörte ich, wie schätzungsweise siebzigmal in sechzig Minuten auf Radio Capital (das mal mein Lieblingsradio war, jetzt aber leider voll durchrenzisiert ist: Radio Capital gehört wie die gesamte Espresso-Repubblica-Pressegruppe dem italienischen Industriellen – mit Schweizer Pass, zur Sicherheit – Carlo De Benedetti, der das Sprachrohr der PD etabliert hat) vom europäischen Parlament und von den Fünfsternen die Rede war.

Mann, was ist da los?, fragte ich mich, haben die Abgeordneten der Fünfsterne das europäische Parlament gekapert? Peitschen sie Martin Schulz aus? Ist Virginia Raggi mit blutverschmiertem Mund im europäischen Parlament aufgetaucht und frisst kleine, unschuldige europäische Kinder? Ich habe aber dennoch ungerührt weitergeschrieben, weil das Fünfsterne-Bashing (In der Art: „Starke Schneefälle in ganz Italien – nur nicht in Rom: Ermittlungen gegen Virginia Raggi“) inzwischen zur italienischen Presse gehört wie der Wetterbericht. Oder wie der Mafioso Marcello Dell’Utri zu Berlusconi. (Übrigens war in den italienischen Radios oder Fernsehnachrichten nie davon die Rede, dass Marcello Dell’Utri eine Zeit lang Mitglied im Justizausschuss (!!) des Europäischen Parlaments war.)

Später am Abend war die Hauptmeldung (!!) sämtlicher italienischer  Fernsehnachrichten, ja was: Dass die Fünfsterne-Bewegung im europäischen Parlament die Fraktion wechseln will.

Ist ja nicht so der Aufreger, dachte ich. Weiterlesen »


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Die Kartoffelchips der Literatur

06. Januar 2017
Mondello im Winter (Foto: ©Rosario Riina)

Mondello im Winter (Foto: ©Rosario Riina)

Manchmal werde ich auf Lesungen gefragt, welche Krimis ich am liebsten lese. „Ich lese keine Krimis“, sage ich dann. Klingt jetzt snobistischer, als es gemeint ist. Wobei: Nichts gegen Snobismus.

Tatsächlich habe ich meine Lektüre nie nach Genres ausgesucht, sondern weil mich eine Geschichte neugierig gemacht hat oder ein Autor. Zumal die Bezeichnung „Krimi“ für Romane, die im weitesten Sinne mit Verbrechen zu tun haben, nicht mal ein Genre ist, sondern vor allem eine Vermarktungsstrategie. Gegen die nichts einzuwenden ist –  auch wenn sie wenig aussagekräftig, wenn nicht sogar kontraproduktiv ist, weil sie Erwartungen weckt, die viele Autoren gar nicht zu befriedigen beabsichtigen. Der Krimi gilt als die Tüte Kartoffelchips der Literatur: Unterhaltung, leicht konsumierbar. Ein vorschneller Stempel, der vor allem in Deutschland aufgedrückt wird: Als ich nach meiner allerersten Reportage in Palermo Leonardo Sciascia entdeckte und mit meinen noch dürftigen Italienisch-Kenntnissen Jedem das Seine las, einen Roman über die Mafia in einem kleinen, sizilianischen Dorf, wusste ich gar nicht, dass Sciascia in Deutschland als „Krimiautor“ galt. In Italien wurden seine Romane nie als „Krimi“ bezeichnet.

In Deutschland gilt auch Graham Greene als Krimiautor  (Ich sage nur: Unser Mann in Havanna – ein Staubsaugervertreter als Geheimdienstagent Weiterlesen »


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Postfaktische Funksignale

31. Dezember 2016

Eins muss ich noch loswerden, bevor sich das Jahr zu Ende neigt. Die Geschichte mit dem „Populismus“, dem „Postfaktischen“ und dem „Narrativ“, aargh.

(Gott sei Dank bin ich mit meiner Narrativ-Allergie nicht allein, Hermann Unterstöger hat auch etwas gegen den Narrativ und so) Also: Der Narrativ ist eine Hülse, ein Scheißdreck – würde jetzt an dieser Stelle der von mir sehr geschätzte, in seiner Branche aber unbeliebte und auch unterbezahlte Wolfgang W. Wieneke sagen. Und wo der Narrativ ist, darf der  „Populismus“ nicht fehlen- meist in Zwangskoppelung mit dem „Postfaktischen“. Zuletzt heute morgen in der Repubblica. Gerne auch in der Kombination des „postfaktischen Narrativs des Populismus“.

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In Italien wabert der Populismus-Vorwurf schon lange herum: Nicht erst seit Beppe Grillo die Fünfsterne-Bewegung gründete, wird die Populismuskeule hier nahezu täglich geschwungen – immer jedoch gegen diejenigen, die gerade nicht mitspielen dürfen, wenn es um die Macht geht. Was einmal die Lega war, dann die sogenannten girotondisti (die „Ringelreihen“ genannten Demonstrationen gegen Berlusconi), später die Partei des ehemaligen Staatsanwalts Antonio Di Pietro, die extreme Linke und eben jetzt die Fünfsterne-Bewegung. (Wenn jemand wie Berlusconi der Fünfsterne-Bewegung vorwirft populistisch zu sein, ist das ungefähr so, als würde ein Fleischesser einem Vegetarier vorwerfen, Salatblätter zu ermorden)

Aber in den letzten Monaten hat der Populismus-Vorwurf eine kometengleiche Karriere auch außerhalb von Italien hingelegt, nach Trump&Brexit und den Erfolgen der AfD schwingt auch die deutsche Presse die Populismuskeule. In den Jahresrückblicken der Tageszeitungen fehlt er ebensowenig wie in den Vorausschauen in das neue Jahr und in den Prognosen der Zukunftsforscher. Und dann das schöne Wort „postfaktisch“, haha, auf Italienisch „post-verità“, auf Englisch „post-truth“, und sogar in Frankreich ist die postfaktische Ära mit der „Ère post-factuelle“ angebrochen. (Hier übrigens ein sehr interessanter, tendenziöser, wie ich finde französischer Wikipedia-Eintrag dazu). Nachdem post-truth vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres ernannt wurde, wollten die Deutschen nicht nachstehen, zumal Angela Merkel es doch selbst gebraucht hatte: „Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.“

Ich hatte mal einen französischen Freund, der jeden Deutschen, der bei Rot an der Fußgängerampel stehen blieb, als Faschisten bezeichnete. Das war damals so, in den Achtzigerjahren, da war alles irgendwie fascho (un peu facho), was nicht links war. Fiel mir wieder ein, als ich neulich im ZDF den Film „Die Wutbürger – Europa und die Populisten“ sah (leider nicht mehr online). Weiterlesen »


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Don Pino

31. Dezember 2016

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Don Pino, der Pfarrer von San Luca, der in Duisburg nach dem Mafiamassaker eine „Versöhnungsmesse“ abhielt (und dem ich in meinem Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern ein ganzes Kapitel gewidmet habe) steht laut der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria im Verdacht, ein Gehilfe der Mafia zu sein. Hat mich jetzt nicht wirklich überrascht.

Don Pino ist auch geistiger Vater des Wallfahrtsortes Santa Maria di Polsi, wo dieses Foto aufgenommen wurde, während meiner Recherchen für mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern„. Auf meine Frage, ob der Wallfahrtsort, wie die Staatsanwälte vermuteten, auch der Ort sei, an dem sich die ‚Ndrangheta zu einer Art jährlichen Betriebsversammlung trifft, sagte Don Pino damals:

Versammlungsort der ‚Ndrangheta? Sehen Sie, wir leugnen nicht, dass das in der Vergangenheit geschehen ist. Aber nicht weil sich die Leute da versammelten, um … wer weiß was zu verwirklichen. Es geht hier um eine Art von Frömmigkeit, eine Art von populärer Gottesfürchtigkeit der negativen Art. Das Abbild der Madonna zu verehren und gleichzeitig Verbrechen zu begehen, ist nicht miteinander zu vereinbaren. Es ist eine Todsünde. Aber in Polsi werden im Angesicht der Madonna auch die härtesten Herzen weich – und lösen sich in Tränen auf. Ich habe dort Männer gesehen, die den Boden zum Altar der Madonna mit der Zunge abgeleckt haben. Natürlich erlaubt die Kirche so etwas nicht mehr. Wieviele Wunder vollbringt diese Madonna – indem sie Herzen wieder belebt! Und dann wird sie immer noch als Madonna der ‚Ndrangheta bezeichnet! Und für uns Kalabresen ist die Madonna di Polsi der Bezugspunkt unseres Glaubens.

Bei der Ermittlungsaktion „Crimine“ 2010, in deren Verlauf über 340 Mitglieder der ’Ndrangheta in der ganzen Welt verhaftet wurden, in Italien, Australien, Kanada, Deutschland und der Schweiz – filmten die Ermittler auch ein Treffen der Bosse im Wallfahrtsort Polsi.

Don Pino war mit seinem guten Freund und Bischof von Locri zur „Versöhnungsmesse“ in Duisburg angereist, Monsignor Bregatini. Dem Don Pino mitgeteilt hatte: „Nach Polsi gehen nicht die Menschen, die in Diskotheken gehen wollen. Nach Polsi kommen Menschen, die Tränen in den Augen haben. Und wer kann die Tränen besser trocknen als eine Mutter? Die Mutter Gottes? Und der Bischof sagte dann im Fernsehen: Wenn das hier in Polsi eine Versammlung der ‘Ndrangheta ist, dann bin ich der erste Mafioso.“

Bald darauf wurde Bischof Bregantini von Locri nach Campobasso versetzt. Ein kalabrischer Staatsanwalt sagte damals: „Die Kirche ist immer schneller als wir.“

 


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Nessun dorma.

30. Dezember 2016

 

Palermo im Winter

Palermo im Winter (Foto: Rosario Riina)

Heute mal wieder mit Serena Vitale telefoniert. Um zu hören, was es so Neues gibt. Sie hielt sich ziemlich bedeckt, logisch, ist ja auch keine gute Idee, am Telefon über laufende Ermittlungen zu reden. Zumal sie einen neuen Chef hat, der alte ist ins Justizministerium weggelobt worden. Was sie über den neuen gesagt hat, kann ich hier nicht schreiben, nicht jugendfrei. (Und da fand ich es, unter uns gesagt, ziemlich erstaunlich, wie offen sie über ihn geredet, nein, gelästert hat, am Telefon, ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich hatte fast den Eindruck, dass es ihr ein gewisses Vergnügen bereitete, nach dem Motto: Ein offenes Geheimnis, dass R. eine Nulpe ist, genau aus diesem Grunde wurde er für diesen Job ausgesucht.)

Letztes Jahr  ist Serena Vitale zu Silvester übrigens mit ihrer Mutter und ihrer Tante in das Teatro Massimo gegangen, es gab Turandot von Puccini. Serenas Mutter und ihre Tante fanden, dass die Geschichte an sich hahnebüchen sei, vor allem das Ende, wenn Prinzessin Turandot gesteht, dass sie den Prinzen Kalaf von Anbeginn gehasst und zugleich geliebt habe – zumal das Ganze von einem moppeligen Tenor und einer strammen Sopranistin interpretiert wurde, die vergeblich versuchten, sich zu umarmen. Es sei ihnen lediglich gelungen, die Bäuche gegeneinander zu reiben. Serena, ihre Mutter und ihre Tante aber fielen Mutter keineswegs vor Lachen von den Stühlen, sondern sahen der Annäherung ergriffen zu. Um jetzt ihren Ausdruck zu benutzen: „Bis in die Nackenhaare bewegt, erfüllt von zu Herzen gehenden Taktwechseln, verzweifelten Todesgesängen und gläsernen Orchestersätzen. Das ist das wahre Wunder der Musik: zwei Zeppeline zu sehen und an die Liebe zu denken.“

Bei Nessun dorma fing Serena Vitale an zu heulen. Was nicht so erstaunlich ist, wie es klingt. Sie bricht sogar bei Nationalhymnen in Tränen aus, selbst bei der nicht singbaren italienischen, sie heult bei Militärmärschen, bei Blechmusik ohnehin, und bei Trauermärschen, so wie man sie auf den Karfreitagsprozessionen in Sizilien hört, etwa  „Una lacrima sulla tomba di mia madre“ ist bei ihr kein Halten mehr.

Hätten Sie jetzt nicht gedacht? Tja, an Serena Vitale gibt es eben noch viele Seiten zu entdecken. Wir haben uns für das neue Jahr verabredet, sie will mir ein paar Sachen erzählen. Und das, was sie mir angedeutet hat, klang schon so unfassbar, na ja, mehr will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Fortsetzung folgt.

 


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Über Männer. Und historische Fehleinschätzungen

27. Dezember 2016

„Eine digitale Rampensau“, so hat mich neulich eine Freundin (wozu Feinde, wenn man Freundinnen hat?) genannt, als ich sie mal wieder zum Bloggen peitschen wollte und sie mich bei der Gelegenheit daran erinnerte, dass sie es war, die mich im fernen Jahr 2008 dazu überredet hat, mit der supereinfachen WordPress-Software einen Blog zu schreiben. Perfiderweise brachte sie auch einen meiner Texte zur Sprache, in dem sie ein beeindruckendes Beispiel einer historischen Fehleinschätzung sah: Ein Text, den ich im noch ferneren Jahr 1997 über Mobiltelefone (so nannte man das damals noch, liebe Kinder, es waren Geräte, groß und schwer wie Dampfbügeleisen, wenn man damit zu lange telefoniert  hatte, glühte das Ohr) geschrieben habe, eine gut bezahlte Auftragsarbeit, was soll ich sagen: Ich war jung und brauchte das Geld.

Der Italiener an meiner Seite reibt mir übrigens bis heute unter die Nase, dass ich mich über sein erstes Handy (es war ein Motorola und sah aus wie ein Satellitentelefon, mit dem man auch in den Bergen Afghanistans eine Konferenzschaltung hinkriegt) aufgeregt habe, ich hätte angeblich sogar dafür plädiert,  den Gebrauch von Handys in Restaurants zu verbieten, ähnlich wie das Rauchen. Meine Handy-Aversion legte sich schlagartig, als mir meine Mutter das erste Handy schenkte, welches ich kurz darauf in einem Münchener Taxi verlor, weshalb ich in Tränen aufgelöst den Italiener an meiner Seite anrief, der dann seinerseits mein Handy so lange anrief, bis der Münchener Taxifahrer es endlich unter dem Autositz klingeln hörte und mir zurückbrachte. Ich habe ihm fünfzig Mark geschenkt, dem Taxifahrer.

Hier also der Text:

Nach dem Pferdeschwanz, dem Knopf im rechten Ohr und Calvin Kleins Unterhosen sind die Männer wieder mal einer geschmacklichen Verirrung erlegen: dem Funktelefon, kurz und neckisch „Händi“ genannt. (öbrigens: Heißt der Computer bei solchen Männern Compi, der Mercedes Merci und ihre Frau Susi?? Etwa so: „Gerade hab‘ ich Susi aus dem Merci mit dem Händi angerufen“?)

Eine Frau mit Stil jedenfalls hat einen Sekretär oder mindestens einen Anrufbeantworter und denkt nicht im Traum daran, jeden Anruf selbst und noch dazu in jeder Lebenslage entgegenzunehmen. Aber Männer sind sich ja für nix zu blöd. Kein Herrenmagazin von Rang kommt mehr ohne eine Doppelseite mit den neuesten 113-Gramm-Modellen aus, jeder Gemüsehändler glaubt sich unersetzlich und will immer und für alle erreichbar sein.

Seither klingelt es überall: im Bett, im Restaurant, auf der Straße, im Beichtstuhl, auf dem Klo.

Natürlich ist die Welle aus Italien nach Deutschland geschwappt, einem Land, in dem das Mitteilungsbedürfnis existentiell („Ich telefoniere, also bin ich“) ist. Umberto Eco meinte zwar, dass nur drei Kategorien von Menschen das Recht auf ein Telefonino haben: Behinderte, Politiker und Ehebrecher, aber diese Erkenntnis ist noch nicht nach Deutschland vorgedrungen. Hier sind die Männer, die normalerweise nicht mehr als „Hm, hm, hm, aha, aha“ am Telefon rauskriegten, und es nicht mal schafften, die Grundgebühr zu vertelefonieren, neuerdings von einer ungermanisch zu nennenden Geschwätzigkeit befallen. Kein Mann kann sich mehr vorstellen, dass es mal ein Leben ohne Händi gab. Was man sich da hatte alles verkneifen müssen! Im Flughafenbus wird gleich nach der Landung, klapp-klapp, das kleine schwarze Monstrum ans Ohr gehalten, um was mitzuteilen? Die unverzichtbare Botschaft: „Hilde, ich bin jetzt im Bus. Gerade gelandet.“ Weiterlesen »


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Weiterrudern

23. Dezember 2016

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Ein bisschen so wie diese venezianischen Weihnachtsmänner mühen wir uns ab, in diesen unruhigen Zeiten. Und vielleicht ist das die einzige Möglichkeit.

Weiterrudern. Kurs halten.

Geht doch.

Buon Natale. Love you all.


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Von Klugscheißern und Wunderkackern

17. Dezember 2016

Unten im Bild: die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi, der folgender Satz in den Mund gelegt wird: „Ich will jetzt sofort innerhalb der nächsten drei Stunden fünf Stadträte, gegen die nicht ermittelt wird. Wenn nicht, werde ich alle 15 Minuten eine Geisel umbringen.

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Das Schöne in Italien ist: Man langweilt sich nie. So auch jetzt. Und weil ich vermute, dass meine geschätzten Korrespondenten-Kollegen sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen werden, mal wieder gegen die Fünfsterne-Bewegung im Allgemeinen, und gegen die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi im Besonderen zu schäumen (in gewohnter Copy&Paste-Manier – und falls ich jetzt, undifferenziert, wie es meine Art ist, jemanden beleidigt haben sollte, also einen von den redlichen, aufrechten, gegen die stromlinienförmige Italien-Berichterstattung tapfer ankraulenden Kollegen, dann möge er mir bitte seinen differenzierten Beitrag, falls ich ihn überlesen haben sollte, zukommen lassen: Ich verspreche ihm eine Kerze anzuzünden, in der Chiesa des Campo Santo Stefano.)

Erst mal kurz eine Vorbemerkung: Wir reden hier von Rom – einer Stadt, die dreißig Jahre lang von Neofaschisten und von der PD regiert wurde – vor allem aber von Mafiaclans und Baulöwen, die sich Bürgermeisterin Virginia Raggi mit ihrer Weigerung, Rom für die olympischen Spiele aufzustellen, zum Feind gemacht hat. Und seitdem Virginia Raggi den Vatikan zur Kasse gebeten hat, der zum ersten Mal in seiner Geschichte Grundsteuern auf seine unzähligen Immobilien zahlen soll, verscherzte sie sich auch schlagartig die Sympathien des Kirchenstaats.

Denn ohne etwas Hintergrundinformation können meine deutschen Freunde natürlich kein Fitzelchen von dem Mysterienspiel verstehen, das gerade in den italienischen Kommentarspalten von Facebook&Twitter&etc.pp. aufgeführt wird: Gestern wurde in Rom der städtische Beamte Raffaele Marra, stellvertretender Personalchef der Bürgermeisterin Virginia Raggi, wegen Korruption verhaftet: Vor drei Jahren soll er Schmiergelder von einem (jetzt ebenfalls verhafteten) Bauunternehmer kassiert haben. Marra ist ein ehemaliger Finanzbeamter, der seit zehn Jahren im römischen Rathaus arbeitet: nicht nur unter Raggis Vorgänger Marino, sondern auch und vor allem unter dem einstigen neofaschistischen Bürgermeister Alemanno, der gegenwärtig im Zusammenhang mit „Mafiacapitale“ in Rom vor Gericht steht, sowie an der Seite der ehemaligen Regionalpräsidentin (und Skandalnudel) der Region Lazio Renata Polverini. Weiterlesen »


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Neues über den Wüterich

17. Dezember 2016

Und hier mal wieder etwas über den bekannten Menschenfresser Beppe Grillo, erschienen in Focus, von denen auch der Vorspann stammt: Er gilt als der Dämon der italienischen Politik, seine Bewegung als Gefahr für die EU. Wer ist dieser Beppe Grillo?

Liest man europäische Zeitungen, kriegt man Angst. Sollten die Italiener, die ihren Sonnyboy-Premier Matteo Renzi gerade nach Hause geschickt haben, sich jetzt in die Arme eines „zotteligen Wüterichs“ werfen, der nun lauthals Neuwahlen fordert? Eines „Politclowns“, der eine Bewegung anführt, die Umfragen zufolge Renzis Partito Democratico bereits überrundet hat und von der man nicht mehr erfährt, als dass sie „schwierig zu verorten“ sei?

Neulich war der „zottelige Wüterich“ in Venedig, er quetschte sich in das überfüllte Vaporetto wie alle anderen auch – die ihn sofort fotografieren und anfassen wollten, so wie man in Italien einen Buckligen anfassen will, weil das Glück bringt. Von den vorbeifahrenden Booten schrien die Leute „Ciao Beppe!“ und „Grande!“ und „Mach weiter!“, die Schaffner machten Selfies mit ihm, die Feuerwehrmänner später auf der Architekturbiennale auch – und alle erwarteten einen kleinen Witz von ihm, einen wie in jener Show 1986, als er sagte: „Wenn in China alle Sozialisten sind, wen beklauen sie dann?“ – worauf ihn der Sozialistenchef Bettino Craxi höchstpersönlich vom Bildschirm eliminierte.

Zwar war Grillo mit sämtlichen Fernsehpreisen überschüttet worden und hatte Quoten von 22 Millionen Zuschauern erreicht – doch als er Weiterlesen »


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