alla Süddeutsche Zeitung
Sie war überfällig, die Supersilviostatue in Sandstein, fast so etwas wie die Buddha-Statuen in Afghanistan. Zu verdanken ist sie dem albanischen Künstler Sislej Xhafa. Zu besichtigen hier.

Der Kult des Kollektivs im Internet ist in der Tat beängstigend. Aber interessant ist auch, dass die Süddeutsche den Artikel mit “Google will, dass alle unbezahlt arbeiten” betitelt. Als freie Journalistin meine ich mich jedoch daran zu erinnern, dass es genau die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger waren, die das Modell des unbezahlten Arbeitens mit ihren Buy-Out-Verträgen eingeführt haben. Für jeden Auftrag muss ich einen Vertrag unterschreiben, der mehr Seiten umfasst als der Warschauer Pakt und der mich zwingt, auf jedes Recht an meinem Text zu verzichten. Der dann unendlich oft unbezahlt gedruckt, gesendet und ins Internet gestellt werden kann. Komisch eigentlich.
Pizza con Würstel
Es ist eine ehrenwerte Initiative, die “Pizza ohne Pizzo” der deutschen Botschaft in Rom - auch aus dem Grunde, dass auf diese Weise vielleicht einige Deutsche beginnen, sich etwas mehr für das Phänomen “Mafia” zu interessieren - das gar nicht so weit weg ist, wie es sich manche Politiker in Deutschland wünschen: “Pizza ohne Pizzo” wäre auch in Deutschland wünschenswert, wo Ermittler allein von 300 Restaurants ausgehen, die von der ‘Ndrangheta betrieben werden, und von denen 61 im Besitz des Clans Pelle-Romeo sind - jenem Clan, zu dem die Opfer des Blutbades von Duisburg gehörten und dessen Hauptstützpunkte sich in Duisburg und Erfurt befinden.
Das Schutzgeld ist in Deutschland kaum ein Problem - die Clans nutzen die Restaurants vor allem als “Relaisstationen”, um von hier aus den Handel mit Drogen, Waffen und gegebenfalls auch mit Falschgeld abzuwickeln. Die anderen, anständigen italienischen Restaurants werden über die mafiosen Zuliefererbetriebe der Gastronomie erpresst: Sie werden genötigt, bestimmte Waren für einen überhöhten Preis abzunehmen - so üben die Clans ohne Risiko ihre Kontrolle aus. In Deutschland.
Rosarno
Zu Rosarno fällt mir nur eine Episode ein:
Als Shobha und ich San Luca wieder verließen, hatte die Nacht alles verschluckt, die Bauruinen und das Meer und sogar das Wrack eines illegalen Schlepperschiffes, das am Strand verrostete. Plötzlich bremste vor uns ein Auto scharf, man sah etwas durch die Luft fliegen. Es war ein indischer Wanderarbeiter, der auf dem Fahrrad fuhr, und der nun in seinem Blut lag. Als ich mich über ihn beugte, fragte er noch: „Bist du meine Mutter?“, dann verlor er das Bewusstsein. Und spürte nicht, wie das Auto, das ihn überfahren hatte, vor aller Augen jählings auf und davon fuhr. Und wie ein Mann dem davonfahrenden Auto nachblickte und entschuldigend sagte: „Vielleicht hatte er einfach nur Angst.“
Sicher, das hätte überall passieren können. Aber.
Weltkulturerbe
Es ist sehr interessant, was in Deutschland alles so als schützenswert betrachtet wird. Zum Beispiel die “Kultur” der Mafia. Nachzulesen hier. Als sei die Mafia nichts anderes als eine alte Eiche. So etwas kann man natürlich nur denjenigen deutschen Journalisten verkaufen, die mit großer Ahnungslosigkeit geschlagen sind. Ihnen wurde ja auch bereits erfolgreich die “Musik der Mafia” verkauft. Italiener sehen das naturgemäß etwas anders. Francesca Viscone hat darüber bereits in der ZEIT geschrieben.
Grazie, grazie, grazie.
Neulich fragte eine Leserin dieses Blogs, was ich von der Aussage des Mafiabosses Giuseppe Graviano hielte, besser gesagt, von seiner Nicht-Aussage im Mafia-Prozess gegen Marcello Dell’Utri, der (ja, ich werde nicht müde, es zu wiederholen) rechten Hand von Berlusconi. Giuseppe Graviano berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht. Aus gesundheitlichen Gründen. Und sein Bruder Filippo sagte auf die Frage, ob er Marcello Dell’Utri persönlich kenne: (Pause. Pause. Pause.) “Nein”. Und ob er ihm bereits begegnet sein: (Pause. Pause. Pause. Noch mal Pause) “Nein”.
Giuseppe Graviano kündigte aber gleichzeitig an, dass er möglicherweise, wenn es ihm seine Gesundheit ermögliche, sehr wohl bereit sei auszusagen. Was die Gründe für seinen schlechten Gesundheitszustand betreffe, habe er einen Brief an den Richter des Marcello Dell’Utri-Prozesses geschickt - den zu verlesen der Richter sich weigerte.
Was darin stand, wurde trotzdem bekannt - oder besser: Der Inhalt war so naheliegend, dass jeder Prozessbeobachter ahnte, dass es um die Bedingungen der Hochsicherheitshaft handelte. Unter den Augen der Öffentlichkeit liefen hier Verhandlungen zwischen Mafiabossen und der Politik ab: Die beiden Graviano-Brüder machten mit ihrer nur wenig verklausulierten Aussage klar, dass sie, wenn Berlusconi und Dell’Utri nicht bald für Hafterleichterung sorgen würden, sehr wohl bereit seien, ihr Schweigen zu brechen.
Und am ersten Tag dieses Jahres wurde die Isolationshaft für Giuseppe Graviano aufgehoben. Grazie, grazie, grazie.

verfasst von reski