Mafia ist keine höhere Gewalt. Sagt der europäische Gerichtshof.
Kategorie: Mafia
Di Girolamo II
Nachdem er eine herzerweichende Rede im Senat gehalten hat und dort von den Kollegen zum Abschied umarmt wurde, ist der Senator Nicola di Girolamo nun verhaftet worden. Er tat mir schon fast leid. Was hat sich zuschulden kommen lassen, fragten sich viele Italiener, dass seine Parteikollegen und Spießgesellen ihn so ungerührt fallen ließen? Weil er sich, anders als seine Spießgesellen, erwischen ließ?
“Ich habe weder die Cosa Nostra noch die ‘Ndrangheta in diese Säle geschleust”, sagte Di Girolamo. Das Einschleusen war auch nicht mehr nötig. Die Mafia benutzt schon lange den Haupteingang. Dafür hatten schon andere gesorgt.
Pizza con Würstel
Es ist eine ehrenwerte Initiative, die “Pizza ohne Pizzo” der deutschen Botschaft in Rom - auch aus dem Grunde, dass auf diese Weise vielleicht einige Deutsche beginnen, sich etwas mehr für das Phänomen “Mafia” zu interessieren - das gar nicht so weit weg ist, wie es sich manche Politiker in Deutschland wünschen: “Pizza ohne Pizzo” wäre auch in Deutschland wünschenswert, wo Ermittler allein von 300 Restaurants ausgehen, die von der ‘Ndrangheta betrieben werden, und von denen 61 im Besitz des Clans Pelle-Romeo sind - jenem Clan, zu dem die Opfer des Blutbades von Duisburg gehörten und dessen Hauptstützpunkte sich in Duisburg und Erfurt befinden.
Das Schutzgeld ist in Deutschland kaum ein Problem - die Clans nutzen die Restaurants vor allem als “Relaisstationen”, um von hier aus den Handel mit Drogen, Waffen und gegebenfalls auch mit Falschgeld abzuwickeln. Die anderen, anständigen italienischen Restaurants werden über die mafiosen Zuliefererbetriebe der Gastronomie erpresst: Sie werden genötigt, bestimmte Waren für einen überhöhten Preis abzunehmen - so üben die Clans ohne Risiko ihre Kontrolle aus. In Deutschland.
Rosarno
Zu Rosarno fällt mir nur eine Episode ein:
Als Shobha und ich San Luca wieder verließen, hatte die Nacht alles verschluckt, die Bauruinen und das Meer und sogar das Wrack eines illegalen Schlepperschiffes, das am Strand verrostete. Plötzlich bremste vor uns ein Auto scharf, man sah etwas durch die Luft fliegen. Es war ein indischer Wanderarbeiter, der auf dem Fahrrad fuhr, und der nun in seinem Blut lag. Als ich mich über ihn beugte, fragte er noch: „Bist du meine Mutter?“, dann verlor er das Bewusstsein. Und spürte nicht, wie das Auto, das ihn überfahren hatte, vor aller Augen jählings auf und davon fuhr. Und wie ein Mann dem davonfahrenden Auto nachblickte und entschuldigend sagte: „Vielleicht hatte er einfach nur Angst.“
Sicher, das hätte überall passieren können. Aber.
Rosarno
A proposito di Rosarno mi ricordo solo un episodio.
Quando Shobha ed io lasciammo Locri e tornammo a Reggio Calabria percorrendo la strada litoranea, la notte aveva inghiottito tutto, le case mai finite e il mare, e persino il relitto del rimorchiatore illegale che arrugigginiva sullla spiaggio. D’un tratto la machina davanti a noi frenò bruscamente e vedemmo qualcosa volare per aria. Era un indiano immigratao in cerca di lavoro che un attimo prima andava in bicicletta e adesso giaceva a terra in un lago di sangue. Quando mi chinai su di lu, fece in tempo a chiedere: Sei mia mardre? poi perse conoscenza. Cosi non riuscì a vedere la macchina che lo aveba investito mettersi prontamente in moto e allontarnarsi sotto gli occhi di tutti. E un uomo seguire con lo sguardo la macchina che sfrecciava via e dire a discolpa del conduscente: forse ha avurto solo pauro.
Certo, sarebbe potuto succedere anche altrove. Ma.
Grazie, grazie, grazie.
Neulich fragte eine Leserin dieses Blogs, was ich von der Aussage des Mafiabosses Giuseppe Graviano hielte, besser gesagt, von seiner Nicht-Aussage im Mafia-Prozess gegen Marcello Dell’Utri, der (ja, ich werde nicht müde, es zu wiederholen) rechten Hand von Berlusconi. Giuseppe Graviano berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht. Aus gesundheitlichen Gründen. Und sein Bruder Filippo sagte auf die Frage, ob er Marcello Dell’Utri persönlich kenne: (Pause. Pause. Pause.) “Nein”. Und ob er ihm bereits begegnet sein: (Pause. Pause. Pause. Noch mal Pause) “Nein”.
Giuseppe Graviano kündigte aber gleichzeitig an, dass er möglicherweise, wenn es ihm seine Gesundheit ermögliche, sehr wohl bereit sei auszusagen. Was die Gründe für seinen schlechten Gesundheitszustand betreffe, habe er einen Brief an den Richter des Marcello Dell’Utri-Prozesses geschickt - den zu verlesen der Richter sich weigerte.
Was darin stand, wurde trotzdem bekannt - oder besser: Der Inhalt war so naheliegend, dass jeder Prozessbeobachter ahnte, dass es um die Bedingungen der Hochsicherheitshaft handelte. Unter den Augen der Öffentlichkeit liefen hier Verhandlungen zwischen Mafiabossen und der Politik ab: Die beiden Graviano-Brüder machten mit ihrer nur wenig verklausulierten Aussage klar, dass sie, wenn Berlusconi und Dell’Utri nicht bald für Hafterleichterung sorgen würden, sehr wohl bereit seien, ihr Schweigen zu brechen.
Und am ersten Tag dieses Jahres wurde die Isolationshaft für Giuseppe Graviano aufgehoben. Grazie, grazie, grazie.
Spatuzza
Ich habe heute über mehrere Stunden die Vernehmung des abtrünnigen Mafiosos Gaspare Spatuzza verfolgt. Er ist derjenige, der Marcello Dell’Utri und Berlusconi schwer belastet: Schon 1993 habe die Mafia mit ihnen Verhandlungen geführt - um den Einzug von Berlusconis Partei Forza Italia ins Parlament vorzubereiten. Spatuzzas Aussage soll in das Berufungsverfahren des Prozesses gegen Marcello Dell’Utri einfließen, der in erster Instanz zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Das ist allein schon ungewöhnlich, normalerweise wird das Urteil in der zweiten Instanz nur auf Basis der vorliegenden Beweise und Ermittlungen gefällt, es geschieht sehr selten, dass neue Aussagen aufgenommen werden. Fast alle haben darüber geschrieben: ZEIT, Spiegel, FAZ, Tagesspiegel.
Immer noch herrscht in Deutschland eine große Unkenntnis über die italienische Wirklichkeit. Denn wie ich in als Antwort auf einen Kommentar geschrieben habe, wählen die Italiener Berlusconi nicht aus Ignoranz, sondern weil es dafür ganz konkrete historische, politische und soziale Gründe gibt. Das Medienmonopol ist ein Grund: 90 Prozent der Italiener informieren sich über das Fernsehen, dass zu 90 Prozent Berlusconi gehört. Die italienische Opposition verharrt in Schreckstarre, hypnotisiert vom “Schwarzen Mann” B. Zuletzt gaben die Linksdemokraten ein jämmerliches Bild ab, als sie sich nicht dazu durchringen konnten, an dem morgigen Anti-Berlusconi-Tag teilzunehmen. Um anschließend der (der Opposition nahestehenden) Rai Tre eine Direktübertragung von der Demonstration zu verbieten. Wer sich, was viele in Deutschland nicht wissen, auch noch vor Augen führt, wie die erste Regierung Berlusconi zustande kam, nämlich mit Unterstützung der Mafia, wie heute noch der Mafia-Abtrünnige Spatuzza vor Gericht erläutert hat, wundert sich nicht mehr, dass Berlusconi die Wahlen jedes Mal wieder gewinnt.
Sbraitare
In Italia si sa cosa c’è dietro l’ultima minaccia di Berlusconi: di “strozzare” quelli che scrivono su Cosa Nostra. Ovviamente, mi ha fatto impressione di sentire il Presidente del Consiglio usare una espressione di linguaggio mafioso. La notizia ha fatto il giro del mondo. Però arrivata all’estero, si è già trasformata in una specie di notizia di colore che SPIEGEL-online intitola così: “Berlusconi sbraita contro scrittori antimafia”. Sbraita. Il solito buffone! Niente di serio!
Come se Berlusconi fosse nient’altro che un colerico che ognitanto sgrida i bambini.
Poltern
Ich finde die Überschrift von Spiegel-Online (”Berlusconi poltert gegen Anti-Mafia-Autoren”) etwas bizarr. Oder sollte ich sagen: ahnungslos? Der italienische Ministerpräsident droht damit, Anti-Mafia-Autoren zu erwürgen, und Spiegel-Online findet das so niedlich, dass sie dafür das Wort “poltern” wählen. Ha, ha, dieser Berlusconi! So kennen wir ihn ja! Poltert gerne mal.

verfasst von reski
