Kategorie: Mafia

Ein toller Stoß.

Freitag, 26. August 2016

Nach dem Erdbeben ist vor dem Erdbeben, in Italien. Millionen für den Wiederaufbau, lese ich auf SPON – wenn man seit langem in Italien lebt, hat man diesen Satz schon öfter gehört, genauer gesagt, nach jedem Erdbeben. Das Geschäft läuft glänzend, für die Mafia, für die Bauindustrie – nur nicht für die Opfer der Erdbeben.

Nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert“ versucht man gar nicht mehr, den Zynismus dahinter zu verbergen: Auf Rai Uno konnten sich der Talkmaster Bruno Vespa und Graziano Delrio, Minister für Infrastruktur, gar nicht mehr einkriegen vor lauter Begeisterung über die Steigerung des Bruttosozialprodukts qua Erdbeben:

Vespa: „Ein toller Stoß für den Wirtschaftsaufschwung, wenn man bedenkt, was die Bauwirtschaft jetzt alles machen kann.“

Minister: „L’Aquila ist jetzt die größte Baustelle Europas und auch die Emilia ist eine riesig wachsende Baustelle, die das Bruttosozialprodukt steigern wird“

Vespa: „Wird einem Haufen Leuten Arbeit geben.“

In der ZEIT habe ich vor langer Zeit darüber geschrieben, was Erdbeben für Italien bedeuten. Der Text ist nach wie vor aktuell. Im Grunde muss man nur an die Stelle von L’Aquila „Amatrice“ setzen. Leider.

Wiederaufbau mit der Mafia

Aus der Geschichte wissen die Italiener: Der Gewinner eines Erdbebens ist immer die Mafia. Auch die Hilfsfonds zum Wiederaufbau von L’Aquila drohen zur Einkommensquelle verbrecherischer Kreise zu werden
Von Petra Reski
8. April 2009
Die Erde bebt noch und schon jetzt teilt sich die Mafia die Aufträge auf. So sagt man in Italien – und das nicht erst seit dem Erdbeben in den Abruzzen. Silvio Berlusconi hat ein erstes Hilfspaket von 30 Millionen Euro angekündigt, man erwartet auch EU-Gelder aus dem Solidaritätsfond für Naturkatastrophen – am Ende werden Milliarden von Euro nach Abruzzen strömen. Private Spenden und staatliche Gelder, regionale Zuschüsse und europäische Notstandsfonds: Ein langer, ruhiger Fluss, den die Clans in ihre eigenen Taschen umzuleiten gedenken.

Seit Jahrzehnten sind öffentliche Bauaufträge eine Einkommensquelle der Mafia – weshalb sie in der Bau- und Immobilienbranche immer schon zu Hause war. Was kann da Besseres passieren, als wenn eine ganze Region wieder aufgebaut werden muss? In der vom Erdbeben betroffenen Region sind laut Francesco Forgione, dem Präsidenten der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission, vor allem die aus Kampanien stammende Camorra aktiv sowie die apulische Sacra Corona Unita, die jüngste und kleinste Mafia-Organisation.

Die historische Erfahrung hat die Italiener gelehrt, dass der Gewinner eines Erdbebens immer die Mafia ist. Auch dank dieser Naturkatastrophen gelang es ihr, zu „Italiens größtem Unternehmen“ aufzusteigen. Der Umsatz betrage mehr als sieben Prozent des italienischen Bruttosozialprodukts, teilte der italienische Unternehmerverband mit.

Am 20. Januar 1968 zerstörte ein Erdbeben ein Drittel der Häuser im Belice-Tal in der sizilianischen Provinz Agrigent – ganz so, als hätte die Natur der ärmsten Provinz Italiens noch den letzten Stoß versetzen wollen. Als die Erde in jener Januarnacht bebte, starben 370 Menschen unter den Trümmern ihrer Häuser, rund 1000 wurden verletzt, 70.000 Menschen verloren ihre Bleibe. Ganze Dörfer waren von der Erde verschluckt worden, und in Partanna, Montevago und Santa Margherita di Belice zogen die Überlebenden in Notunterkünfte – in der Hoffnung, hier nur den Winter überstehen zu müssen. Aus einem Winter wurden für die meisten mehr als 25 Jahre. Das Belice-Tal verkörpert seither für ganz Italien die Macht der Allianz von Mafia und korrupten Politikern: Von jenen 2600 Milliarden Lire, die von der römischen Regierung damals für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt wurden, erreichte nur ein verschwindend kleiner Teil die Bedürftigen.

Das große Geld machte die Mafia. Sie übernahm das Baugeschäft, sicherte sich die privaten und öffentlichen Bauaufträge und wurde so zum größten Arbeitgeber im Belice-Tal. Wer Arbeit gibt, der kontrolliert auch Wählerstimmen. Das ist heute noch ein Naturgesetz in Süditalien. Dank der römischen Subventionsmilliarden konnte sich die bäuerliche Mafia des Belice-Tals zum politischen Faktor entwickeln. Wer wie die Erdbebenopfer in Partanna, Montevago oder Santa Margherita di Belice ein Vierteljahrhundert in Wellblechhütten und Pappcontainern überlebt hat, der glaubt nicht mehr an Gerechtigkeit – außer, er verschafft sie sich selbst.

Beim Erdbeben in Irpinia 1980, einem Landstrich in Kampanien, stellte die italienische Regierung 50.000 Milliarden Lire für den Wiederaufbau zur Verfügung, aber nur die Hälfte wurde tatsächlich für den Wiederaufbau genutzt. Stattdessen entstanden Firmen, Stadtviertel, ganze Dörfer nur auf dem Papier. Das Epizentrum befand sich in Neapel – und zwar nicht nur das des Erdbebens, sondern auch das der Camorra-Clans, die dank der Subventionsmilliarden erst richtig reich wurden. Sie verschafften sich damals den politischen und sozialen Einfluss, von dem sie noch heute profitieren.

Ponticelli, ein Vorort von Neapel, der noch heute aus den Bauruinen des Erdbebens besteht, wurde zur Camorra-Festung. Der Camorrista Ciro Sarno wurde „o’ sindaco“ genannt, der Bürgermeister, weil er sich zum Gebieter über das Volk der Terremotati erklärte: jener vom Erdbeben 1980 Vertriebenen, die Ponticellis Bauruinen besetzten – Bauskelette, die von neapolitanischen Bauunternehmern hinterlassen worden waren, nachdem diese ihre Subventionen kassiert hatten. Ciro o’ sindaco hatte die Wohnungen aufgeteilt. Und für Strom, Wasser und Gasanschlüsse gesorgt. Und sich damit die bedingungslose Ergebenheit derer verschafft, die nichts mehr zu verlieren haben.

*

Als Staatsanwälte einen Korruptionsskandal rund um die Arbeiten der Zivilschutzbehörde für den auf Berlusconis Betreiben ausgerechnet in L’Aquila abgehaltenen G8-Gipfel aufdeckten, hörten sie die Telefone zweier Bauunternehmer ab, die bereits in der Nacht, als in L’Aquila die Erde bebte, von der Aussicht entzückt waren, dass ihnen nun viel Geld in die Taschen fließen würde. Der eine sagte: „Kümmer dich um die Sache, wir müssen sofort los, im vierten Gang! Ein Erdbeben passiert nicht jeden Tag.“ Und der andere jubelte: „Ich weiß, ich weiß, ich habe mich kaputtgelacht, heute morgen im Bett um halb vier.“

L’Aquila ist bis heute nicht wieder aufgebaut worden. Sieben Jahre danach.

 

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A Very Sicilian Justice

Donnerstag, 07. Juli 2016

Al Jazeera hat einen tollen Dokumentarfilm („A Very Sicilian Justice“) über den Prozess und den Staatsanwalt Di Matteo gedreht, der sich der „Trattativa“ widmet, der Geschäftsbeziehung zwischen dem italienischen Staat und der Mafia – über den ich nicht nur Reportagen und etliche Male in diesem Blog, etwa hier und hier, geschrieben habe, sondern der mich auch zu meinem Roman „Palermo Connection“ inspiriert hat.

Unbedingt ansehen!

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Der Bankautomat der Mafia

Montag, 27. Juni 2016

Ich wollte auch noch was zum #Brexit sagen, ja, Leute, tut mir leid, da müsst Ihr durch, zumal ja schon eifrig über den vermeintlichen Euroskeptizismus der Italiener berichtet wurde und wird,  wobei die SZ es hinkriegte, die römische Bürgermeisterin der Fünfsternebewegung mit der Rechten zusammenrühren (Le Pen, AfD, etc.pp.): Wenn es um Fünfsterne-Bashing geht, ist man ja vor nix fies.

Bis vor wenigen Jahren waren die Italiener nicht nur Ah-La-Germania-Eiferer, sondern auch glühendste Europaverfechter: Nur Europa kann uns retten, hieß es. Retten vor der Mafia, einer korrupten Politikerkaste, der Vetternwirtschaft im öffentlichen Dienst, der Jugendarbeitslosigkeit von 42 Prozent und einer Pressefreiheit, um die es nur in der Mongolei oder Bulgarien schlechter bestellt ist. Solo in Italia! Die Italiener verlangten nicht weniger, sondern mehr Europa, weil Europa da noch kein Theorem der Hochfinanz war, sondern ein Synonym für Freiheit und Demokratie, für Menschenrechte und Vielfalt. (mehr …)

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Tischgespräch

Samstag, 30. April 2016

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Wer sich für Venedig, das Ruhrgebiet, ostpreußische Familien und die Mafia interessiert (im Wesentlichen das Gleiche, bis auf winzige Unterschiede …), dem sei das kurzweilige Tischgespräch empfohlen, das Gisela Steinhauer mit mir in Venedig für WDR 5 geführt hat. Nachzuhören hier.

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Willkommen im Club der geschwärzten Bücher

Freitag, 22. April 2016

Gestern las ich, dass das Buch „Emanzipation im Islam“ von Sineb El Masrar auf Geheiß des Landgerichts München geschwärzt werden müsse. Die islamische Organisation Milli Görüs erwirkte die einstweilige Verfügung. DIE WELT hat darüber berichtet und auch ein schönes Foto von der geschwärzten Passage veröffentlicht:

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Mich hat das Urteil natürlich neugierig gemacht, auf das Buch (leider ist es erst am 28. April wieder lieferbar, weshalb es vielleicht ganz nützlich ist, bis dahin die vom Freitag veröffentlichte Leseprobe zu lesen) und auf die Autorin, Tochter marokkanischer Einwanderer und, wie ich dem Wikipedia-Eintrag entnehme, Gründerin des ersten deutschen multikulturellen Frauenmagazins Gazelle (sehr interessante Texte, unbedingt mal einen Blick reinwerfen!).

Im Ausland ist man über die deutsche Praxis, missliebige Bücher dank des Persönlichkeitsrechts zu schwärzen (wie es auch bei den Büchern von Francesco Forgione „Mafiaexport“ oder von Jürgen Roth „Mafialand Deutschland“ der Fall war) sehr erstaunt – ich habe darüber bereits mehrmals geschrieben, unter anderem hier, anlässlich der einstweiligen Verfügung gegen den MDR-Film über die ‘Ndrangheta in Erfurt, oder auch in der taz:

Mit der vermeintlichen Verletzung des Persönlichkeitsrechts lassen sich nicht nur Berichte über mutmaßliche Stasi-Kontakte eines Politikers stoppen, sondern auch über Mafiosi und ihre Verbindungen in Politik und Wirtschaft. Wer gegen einen Artikel oder ein Buch klagen will, kann sich das Gericht und sogar den Richter aussuchen – und wendet sich dabei an Gerichte, die für ihre Pressefeindlichkeit bekannt sind. Ende der Berichterstattung. Als mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ erschien, verklagten mich mehrere italienische Gastronomen – und weder diverse BKA-Berichte, Aussagen hochrangiger Antimafia-Ermittler noch kiloweise Ermittlungsunterlagen italienischer und deutscher Staatsanwaltschaften reichten aus, um die Gerichte zu überzeugen, dass die eigentliche Aufgabe eines Journalisten in der Verdachtsberichterstattung besteht – und nicht darin, lediglich erfolgte Urteile zu referieren. Wir wurden dazu verurteilt, Passagen des Buches zu schwärzen und Schmerzensgeld für das erlittene Unrecht zu zahlen.

In dem Zusammenhang finde ich die Ausführungen von Hamed Abdel-Samad interessant, der sich in seinem Buch „Mohamed. Eine Abrechnung“ die Frage stellte: „Sind der Islam und die Mafia vergleichbar?“ und erstaunliche Parallelen im Hinblick auf Entstehungsgeschichte, Strukturen, Freund und Feind, Raubüberfälle und Schutzgelderpressung, unbedingter Gehorsam und die Abstrafung von Abtrünnigen und Kritikern feststellte.

Und wer jetzt hier – auch angesichts der seit drei! Wochen! andauernden! Böhmermann-Staatskrise in Deutschland anti-islamische Gefühle wähnt und sofort was lostwittern möchte, dem sei zur Beruhigung gesagt, dass ich in meinem geschwärzten Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern„, das in der italienischen Übersetzung übrigens den schönen Titel „Santa Mafia“ trägt, die Gemeinsamkeiten zwischen der Mafia und der katholischen Kirche aufgeführt habe.

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Palermo und Berlin, Gianroberto und Heimweh.

Dienstag, 12. April 2016

Von Palermo

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nach Berlin,

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Ryanair sei Dank. Aber trotzdem komisch. Fühle mich irgendwie so hingebeamt. Wie Indianer, die sich hinsetzen mussten, wenn sie mit dem Zug gereist waren, weil ihre Seele noch nicht mitgekommen war.

Das Deutschlandradio hat ein Interview mit mir geführt, nachzuhören hier.

Und hier in Berlin habe ich heute erfahren, dass Gianroberto Casaleggio heute gestorben ist, einer der beiden Gründerväter der Fünfsterne-Bewegung. Mit nur 61 Jahren.

Ciao Gianroberto. Mit Dir hat Italien einen Menschen verloren, der sein Land wirklich liebte.

Und plötzlich hatte ich Heimweh nach Italien.

 

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Deutschland offshore.

Freitag, 08. April 2016

Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade in Palermo bin.

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(hier die etwas deprimierende Ansicht des Justizpalastes von hinten)

Jedenfalls klingt es hier so, als wollte man in Deutschland gerade mal ganz schnell das Rad neu erfinden, dank #PanamaPapers. Vulgo, die Geldwäsche in Deutschland spitzkriegen. (Auf Italienisch nennt man das: „Die Entdeckung des heißen Wassers.“) Auf allen Kanälen wird knallhart recherchiert: Spiegel online entdeckt „Deutschlands Kämpfchen gegen die Geldwäsche“ (schöne Überschrift, muss man ihnen lassen):

Nicht zuletzt wegen laxer Geldwäschekontrollen gilt Deutschland inzwischen als beliebte Destination für die italienische Mafia. Sie soll beispielsweise in Erfurt Drogenerlöse in Restaurants und Unternahmen gesteckt haben. „Wenn ich Mafioso wäre, würde ich meine Gelder in Deutschland anlegen“, sagte der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato. Lange konnten Mafiosi für Geldwäsche nicht zusätzlich belangt werden, wenn sie schon für das zugrundeliegende Delikt wie etwa Drogenhandel bestraft wurden. Erst vor Kurzem wurde ein Gesetz gegen diese sogenannte Eigengeldwäsche auf den Weg gebracht – auch darauf hatte die FATF (die Anti-Geldwäschegruppe der OECD) gedrungen.

 

Maybritt Illner wirft Deutschland vor, ein Hort der Geldwäsche zu sein, und die Süddeutsche Zeitung stellt fest, dass wir „Steuerkriminellen den roten Teppich ausrollen„:

SZ: Gerade reden alle über das mittelamerikanische Land Panama. Sie bezeichnen auch Deutschland als Steueroase. Warum?

Markus Meinzer: Steueroasen ermöglichen Ausländern, Gesetze ihrer Heimatländer zu brechen. Nach dieser Definition ist Deutschland eine Steueroase. Wir rollen Steuerkriminellen den roten Teppich aus, etwa weil Ausländer keine Steuer auf Zinserträge in Deutschland bezahlen müssen und eine Meldung ans Heimatfinanzamt unterbleibt. Außerdem haben deutsche Banker keinerlei Sanktionen zu befürchten, selbst wenn sie wissentlich und vorsätzlich bei der Hinterziehung ausländischer Steuern behilflich sind. Alle verfügbaren Studien zeigen: Wenn Menschen ihr Geld über die Grenze bringen, ist Steuerhinterziehung die Regel und nicht die Ausnahme. Damit ist Deutschland nicht nur Opfer von Steueroasen, sondern Teil des Problems.

(mehr …)

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Deutschland, das Paradies der ‘Ndrangheta.

Mittwoch, 23. März 2016

Heute findet in Bologna der erste Verhandlungstag der Prozesses „Aemilia“ statt – ein Mafiaprozess, der nicht nur wegen seines Umfangs ( 147 Angeklagte, weitere 71 in einem getrennten, abgekürzten Verfahren) interessant ist, sondern weil er in Norditalien stattfindet. In einer reichen Region, die nicht nur für das klassische Made in Italy steht (Parmaschinken, Ferrari, Pasta von Barilla … jedenfalls, insofern die Firmen noch nicht ins Ausland verkauft worden sind, aber das ist eine andere Geschichte) – sondern auch für die Tatsache, sich gegen den „Virus“ Mafia immun zu glauben.

Wie Deutschland auch.

Und das ist nicht die einzige Parallele zwischen der Emilia Romagna und Deutschland: Wie in Deutschland sind hier seit über vierzig Jahren alle italienischen Mafiaorganisationen präsent: die ‘Ndrangheta, die kalabrische Mafia, die Camorra aus Kampanien und die sizilianische Cosa Nostra.

Einige Mafiosi kamen nach Norditalien, weil sie sich, wie es das italienische Recht damals vorsah, nachdem sie straffällig geworden waren, nicht mehr in ihren Heimatsregionen niederlassen durften. Andere kamen im Gefolge der Gastarbeiter, wie in Deutschland auch.

Norditalien ist reich – und damit bestens geeignet für die mafiosen Geschäfte: Was mit dem Kerngeschäft des Drogen- und Waffenhandels anfing, ging weiter mit der Bauindustrie, Müllbeseitigung und dem Immobilienhandel, aber auch mit der Lebensmittelindustrie: Im Grunde gibt es keine Branche, in der die Mafia nicht vertreten wäre. Wie die Antimafia-Staatsanwälte feststellen, handelt es sich hier schon lange nicht mehr um eine mafiose Infiltration: Die Mafia ist in Norditalien nicht hier und da eingesickert, sondern beherrscht große Teile der Wirtschaft. Ganz legal.

Allein 17 Ndrangheta-Clans, 4 Clans der Cosa Nostra und 3 Camorra-Clans sind in der Provinz Reggio Emilia aktenkundig – der Prozess Aemilia ist der erste große Prozess gegen die ‘Ndrangheta. Im Juli 2015 wurden Besitztümer und Unternehmen im Wert von 330 Millionen Euro beschlagnahmt – im Zentrum der Anklage steht der aus dem kalabrischen Crotone stammende Clan Grande Aracri. Die Anklage lautet auf Korruption, Geldwäsche, Stimmenkauf, Erpressung, Mord. Angeklagt sind nicht nur Mafiosi, sondern auch ihre Handlanger: Stadträte, Journalisten, Polizisten, Unternehmer. Und hier fängt es an, interessant zu werden.

Wie aus den Ermittlungsunterlagen hervorgeht wurden die Geldgeschäfte fast immer über Deutschland abgewickelt. (mehr …)

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On the road again

Montag, 14. März 2016

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Mit Serena Vitale im Gepäck. Detmold, Stuttgart, München.

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Die Sonntagsfragen

Montag, 29. Februar 2016

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Das ist praktisch der Hintergrund für das Interview, das Gisela Steinhauer mit mir vor kurzem geführt hat: Die berühmten Sonntagsfragen des WDR2, meinem alten Heimatsender. Und darin geht es erstmal um das Wesentliche, also praktisch Mafia für Anfänger, aber nicht nur. Es geht auch um Venedig, Familie und überhaupt. Wer Lust hat, reinzuhören: Hier ist der Podcast.

(Gleich zu Anfang des Interviews betont Gisela Steinhauer übrigens, dass sie sich die Reise nach Venedig aus eigener Tasche bezahlt hat – und nicht etwa auf Kosten des Gebührenzahlers gereist ist, weil sonst: böse, böse Hassmails. Und Shitstorm in den Kommentarspalten …)

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