Kategorie: Mafia

Überwintern in Kalabrien.

Montag, 16. Januar 2012

So schön kann die Mafia sein. Jedenfalls für deutsche Rentner.

“Dieter Esch poliert seinen Mercedes, den er in Kalabrien überall unbesorgt stehen lassen könne, wie er meint. Hier sorge schließlich die Mafia dafür, dass zahlungskräftige Gäste aus Deutschland in Ruhe gelassen werden.‘Wir sind geschützt durch diese ‘Organisation’. Und deshalb fühlen wir uns hier wohl und sicher. Sehr sicher. Also das ist schon im Prinzip gut. Auch wenn man hier in die Stadt reinfährt, auf den Markt, und man stellt den Wagen ab, man kriegt ihn wieder, wenn man zurückkommt.’ Rosarno: Süditalienisches Alltagsfair. Dieter und Gudrun Esch haben ihren Mercedes irgendwo in einer Nebenstraße geparkt. Und weil sie davon ausgehen, dass die Mafia jedem auf die Finger haut, der sich an deutschem Eigentum vergreift, genießen sie das bunte Treiben. Und sprechen so viel Italienisch, wie sie können.”

In Rosarno herrscht seit der Vertreibung der Afrikaner in der Tat Feierlaune.

Rita Atria

Donnerstag, 29. September 2011

Soeben ist in Italien “Rita Atria”  erschienen. Mein erstes Buch. Es war eine eigenartige Erfahrung, dieses Buch nach so langer Zeit noch mal zu lesen. Hier ist das Vorwort für die italienische Ausgabe:

“Rita Atria” ist mein erstes Buch. Ich hatte Angst, es wieder zu lesen. Ich hatte Angst, zu entdecken, dass es mit der Wirklichkeit von heute nicht standhält. Ich hatte Angst, eine Welt zu entdecken, die nichts mehr mit dem Italien von heute zu tun hat. Als ich Ritas Geschichte dann mit dem Abstand von fast zwanzig Jahren wieder las, hat mich erschreckt, wie gegenwärtig sie auch heute noch ist. So weit, dass ich mir fast gewünscht hätte, am Ende von Ritas Geschichte sagen zu können: Gott sei Dank hat sich heute alles verändert! Unfassbar, wie sehr sich Italien seither gewandelt hat! Ich wünschte mir, in einem Italien zu leben, das mit jenem Land des Jahres 1992 nichts mehr zu tun hat, in dem die beiden Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino von der Mafia in die Luft gesprengt wurden. Ich wünschte mir, dass die Geschichte von Rita Atria zur Historie geronnen wäre: Die Geschichte eines mutigen, jungen Mädchens, das zum Vorbild für viele geworden wäre. Mafiaaussteiger, die immer mehr geworden wären – bis sie das Netz des organisierten Verbrechens, das dieses Land stranguliert, zerrissen hätten.

Leider ist das Gegenteil der Fall. Es lohnt sich immer weniger, der Mafia den Rücken zu kehren, denn das Kronzeugengesetz, die schärfste Waffe im Kampf gegen den Krebs, der Italien fast vollständig aufgefressen hat, wurde unschädlich gemacht. Es ist eines von vielen Antimafiagesetzen, die nach und nach ihrer Wirksamkeit beraubt wurden. Heute gibt es kaum noch Mafiaaussteiger, und die wenigen, die es gibt, fühlen sich immer isolierter.

Und den wenigen „Augenzeugen der Justiz“ – Menschen wie Piera Aiello und Rita Atria, die den Mut haben, über die Mafia in ihrem nächsten Umfeld auszusagen, wird dieser Mut nicht belohnt. Als ich mein Buch im Jahr 1993 schrieb, galten alle Menschen, die Aussagen über die Mafia gemacht haben, noch unterschiedslos als „Mitarbeiter der Justiz“ (collaboratori). Erst im Jahr 2001 wurde zwischen abtrünnigen Mafiosi und Menschen wie Rita und Piera Aiello unterschieden, die fortan „Augenzeugen der Justiz“ (testimoni di giustizia) genannt wurden. Menschen, die sich nichts zuschulde haben kommen lassen – außer einem ausgeprägten Glauben an Wahrheit und Gerechtigkeit.

Fast mutet dieser Glauben wie eine Schuld an: Denn während die abtrünnigen Mafiosi immerhin mit einem Straferlass belohnt werden – so gering der inzwischen auch geworden ist – gibt es wenig Anerkennung für die Leistung der „Augenzeugen der Justiz“. Vielmehr werden sie für ihren Glauben an Wahrheit und Aufrichtigkeit bestraft: Wie Piera Aiello und Rita Atria müssen sie ihre Heimat und ihre Familien verlassen, sie müssen unter falschem Namen leben und werden oft schlecht beschützt. Der italienische Staat, genauer gesagt: das für „Augenzeugen der Justiz“ zuständige Innenministerium, nutzt ihre Aussagen. Und lässt sie, nachdem sie ihre Aussagen gemacht haben, oft fallen.

Piera Aiello hat für ihre Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe einen hohen Preis zahlen müssen. Sie muss heute noch versteckt leben, während die Täter von damals ihre Freiheit seit langem wieder genießen.

Ich danke Piera Aiello dafür, dass sie mir damals ihr Vertrauen geschenkt hat. Und das Vertrauen schenken ist hier ganz wörtlich gemeint: Piera Aiello wurde weder damals noch heute dafür entlohnt, mir ihre Erlebnisse zu erzählen. Sie hat ihre Geschichte uns allen geschenkt. Weil sie an Wahrheit und an Gerechtigkeit glaubt.

Immer noch.

 

 

La mafia in Avanti

Samstag, 02. Juli 2011

Intervista di “Avanti” – “Sulla strada per Corleone”

Lamezia T.

Samstag, 25. Juni 2011

Morgen (oder heute, je nachdem) wird “Von Kamen nach Corleone” auf dem ersten Festival des “Mafiabuches” in Lamezia Terme vorgestellt.

Sieben Fragen

Freitag, 17. Juni 2011

aus Palermo

Soundtrack “Von Kamen nach Corleone”

Mittwoch, 04. Mai 2011

Marcel Misset, mein holländischer Übersetzer, hatte die Idee, den Soundtrack meines Buches zu veröffentlichen: mein Lieblingslied Via con me von Paolo Conte etwa, dann Mi sono innamorato di te von Luigi Tenco oder Lasciatemi cantare von Totò Cotugno. Und ich füge noch das ultimative Spiderlied Disperata erotico stomp von Lucio Dalla und Amandoti von Gianna Nannini an.

Am 18. Mai erscheint “Von Kamen nach Corleone” in Italien, unter dem Titel “Sulla strada di Corleone.Storie di mafia tra Germania e Italia”.

Und am 1. Juni stelle ich die holländische Ausgabe meines Buches im Goethe-Institut in Amsterdam vor. In Holland erscheint “Von Kamen nach Corleone” unter dem Titel “Enkeltje Corleone” bei Lebowski. Der Übersetzer Marcel Misset hat bereits meine Bücher “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” und “Rita Atria” ins Holländische übersetzt, die unter dem Titel “Maffia” und “Rita Atria. Een Siciliaanse rebel” ebenfalls bei Lebowski erschienen sind.

Brüssel

Freitag, 29. April 2011

Tausend Dank dem Einsatz von Sonia Alfano: Hier sind die einige Vorträge auf You tube zu sehen, leider nur auf Italienisch. Von Nicola Gratteri (Reggio Calabria), Franco Roberti (Salerno), Antonio Ingroia (Palermo). Und ein kleiner Beitrag von mir.

Bruxelles

Freitag, 29. April 2011

Grazie a Sonia Alfano! Qui alcuni interventi di Nicola Gratteri (Reggio Calabria), Franco Roberti (Salerno), Antonio Ingroia (Palermo). E un umile contributo dalla Germania.

Alfano II

Samstag, 16. April 2011

Angelino Alfano, auch Angelina Jolie genannt, der italienische Justizminister, war dann doch unpässlich. Offenbar hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht, dass einige Italiener den Minister erwarteten, die, anders als die verschlafenen Organisatoren der Humboldt-Universität sehr wohl wussten, wer dort eingeladen war.

Man habe einen “Austausch auf der Ebene der Rechtspolitik” beabsichtigt, zitiert die TAZ einen Juristen der Humboldt-Universität. Da stellt sich natürlich die Frage, was die deutschen Juristen von Alfano zu lernen glaubten: Wie man Gesetze verfasst, die kriminelle Politiker schützen?

Chi meglio di Angelino Alfano

Mittwoch, 13. April 2011

può spiegare ai tedeschi cos’è la mafia? Dunque era un ottimo idea dell’università di Berlino di invitarlo.