Mit ‘Medien’ getaggte Artikel

La libertà di stampa non è una parola. E’ un atto

Mittwoch, 19. April 2017

Cari amici, per pagare le mie spese legali, sto facendo una colletta online: Sarei felice se poteste partecipare e condividere. Clicccate qui per arrivare al crowdfunding. Titolo: „La libertà di stampa non è una parola. E’ un atto“

Qui il testo per spiegare il senso della mia „colletta“:

Chi intende parlare di mafia in Germania deve pentirsene: “Colpirne uno per educarne cento”.

Col vostro sostegno contribuirete a far sì che la libertà di stampa in Germania non sia solo sulla carta – e a far sì che il tema “Mafia in Germania” non sia ancora un tabù.

“Chi scrive di mafia, lo fa a proprio rischio e pericolo”, mi ha detto una volta Alberto Spampinato, fratello di un giornalista siciliano assassinato dalla mafia.

Quanto è vero, ho pensato, quando la redazione del “Freitag” mi ha piantato in asso nella causa con un “imprenditore italiano di successo”, adducendo a motivo che le spese legali “per una piccola casa editrice come la nostra sono un peso considerevole” e mi ha anche diffamato pubblicamente.

Per i giornalisti freelance le spese legali sono di un peso gran lunga maggiore. E dal momento che anche il sindacato Verdi mi ha rifiutato l’assistenza, non mi rimane altro che sperare nel vostro sostegno. Perché qui non si tratta solo di me e del “mio caso“ – si tratta del fatto che in Germania ogni giornalista che viene querelato per via dei suoi articoli sulla mafia, inevitabilmente perde il processo.

La legge tedesca rende molto facile alla mafia querelare i giornalisti – e vincere anche questi processi. Con le spese processuali, le spese legali, le cause per risarcimento danni si costruisce uno scenario minaccioso teso a colpire giornalisti, autori, film-maker, case editrici ed emittenti radiotelevisive.

Col denaro raccolto vorrei pagare le spese legali e le spese processuali, il cui preciso ammontare potrò calcolare solo quando la controversia giudiziaria sarà risolta – comprese le altre cause notificatemi (tra l’altro per risarcimento danni). Alla fine farò naturalmente sapere a tutti i donatori l’esatto ammontare delle spese.

Se resterà qualcosa (speriamo!) lo devolverò a un’organizzazione antimafia – naturalmente renderò pubblico tutto questo. Con la vostra donazione non solo mi aiuterete a far fronte alle mie spese legali, ma promuoverete anche lo scambio di idee su un tema che merita l’attenzione di tutti.

Per saperne di più potete consultare il mio blog: www.petrareski.com

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat.

Mittwoch, 12. April 2017

Wer auf die Idee kommt, über die Mafia in Deutschland zu berichten, soll es bereuen: „Einen treffen, um hunderte zu erziehen“.

Mit Ihrer Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass die Pressefreiheit in Deutschland nicht nur auf dem Papier besteht – und das Thema „Mafia in Deutschland“ nicht weiter ein Tabu ist .

Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr,“ sagte mir einmal Alberto Spampinato, der Bruder eines von der Mafia ermordeten sizilianischen Journalisten. Wie wahr, dachte ich, als die Redaktion des „Freitag“ mich in dem Rechtsstreit mit einem „erfolgreichen italienischen Geschäftsmann“ fallen ließ, weil die Rechtskosten „für einen kleinen Verlag wie unseren eine ziemliche Belastung sind“ und mich danach noch öffentlich verhöhnte.

Für freie Autoren sind die Rechtskosten eine ungleich größere Belastung. Und da mir die Gewerkschaft Verdi ebenfalls den Beistand versagt hat, bleibt mir nichts anderes, als auf Ihre Unterstützung zu hoffen. Denn hier geht es mehr als um mich und „meinen Fall“ – es geht darum, dass jeder Journalist, der wegen seines Berichts über die Mafia in Deutschland verklagt wurde, den Prozess zwingend verliert.

Das deutsche Recht macht es der Mafia leicht, Journalisten zu verklagen – und diese Prozesse auch zu gewinnen. Mit Gerichtskosten, Anwaltskosten, Schadensersatzklagen wird eine Drohkulisse aufgebaut, die auf Journalisten, Autoren, Filmemacher, Verlage und Sender wirken soll.

Mit dem gesammelten Geld möchte ich meine Rechtskosten bezahlen. Wenn (hoffentlich!) etwas übrig bleibt, werde ich das einer Antimafia-Organisation zukommen lassen – all das werde ich selbstverständlich öffentlich machen. Mit Ihrer Spende tragen Sie nicht nur dazu bei, dass ich meine Rechtskosten bestreiten kann, sondern Sie fördern damit auch den Austausch über ein Thema, das die Aufmerksamkeit aller verdient.

Hier geht es zum Schwarmsammeln für die Pressefreiheit. 

 

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Vermasselt

Montag, 10. April 2017

Übrigens: Die Chance, eine goldene Ehrennadel für 30 Jahre Mitgliedschaft bei Verdi zu bekommen, habe ich mir auch noch vermasselt. Jahrzehntelang habe ich, wie viele andere freie Journalisten auch, meine Beiträge in der Hoffnung gezahlt, dass mir die Gewerkschaft Verdi  im Fall der Fälle beistehen würde. Ich dachte: Hey, denen geht es ja auch um den Kampf für das freie Wort! Tja, mein Fall gehört in ihren Augen wohl irgendwie nicht dazu. Die Gewerkschaft Verdi könne mir keinen Rechtsschutz gewähren, weil ich mir einen „externen“ Rechtsanwalt selbst ausgesucht habe, wurde mir beschieden. Ansonsten wünschten sie mir alles Gute, viel Kraft, Erfolg und Glück.

Ende meiner Mitgliedschaft bei Verdi. Keine Ehrennadel.

Aber weil sich die Rechtskosten mit guten Wünschen allein nicht bezahlen lassen, werde ich in Kürze ein Crowdfunding starten. Schwarmsammeln. Alles was über meine Rechtskosten hinaus geschwarmsammelt wird, werde ich einer Antimafia-Organisation zukommen lassen. Dazu bald mehr.

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Die Mafia dankt ihren freundlichen Unterstützern …

Montag, 10. April 2017

 

für ihren selbstlosen Einsatz.  Hier weiterlesen

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Wie ich meinen Glauben an den Journalismus wiederfand.

Samstag, 01. April 2017

So geschehen dank des FAZ-Feuilletons, in dem heute dieser von Andreas Rossmann verfasste Artikel erschienen ist, mit der schönen Überschrift:

Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen
Eine investigative Reporterin wird eingeschüchtert und von der Wochenzeitung „Der Freitag“ im Stich gelassen: Der Fall Petra Reski ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.

(mehr …)

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Das Ding mit der vermeintlichen Distanz

Sonntag, 26. Februar 2017

Jetzt mal was anderes. Heute morgen beim Herumklicken stieß ich auf das Haftprotokoll, das der in der Türkei inhaftierte Korrespondent Deniz Yücel geschrieben hat, dessen Lektüre ich allen an das Herz legen möchte, weil es ein grandioser und bewegender Text ist.

Post

Noch wertvoller als die paar Minuten frische Luft auf dem Weg zum Arzt sind die Anwaltsbesuche. Anwalt bedeutet: frische Socken und vor allem Post von draußen! Der Anwalt bringt mir Nachrichten aus meiner Redaktion, Grüße von meiner geliebten Dilek und von meinen Freunden, und Zeitungsartikel. In die Zelle mitnehmen darf ich die Ausdrucke nicht, nur im Anwaltsraum lesen. Das meiste kann ich nur überfliegen, weil die Zeit knapp ist. Und weil mich das alles so sehr rührt, dass mir die Tränen hochsteigen. Das darf einem hier eigentlich nicht passieren. Aber das tut so gut. So unglaublich gut zu wissen, dass ich hier nicht allein bin und vergessen werde.

 

Zuvor hatte ich auf Zeit-online einen Text gelesen, in dem die Journalistin Mely Kiyak über ihre Hate-Poetry-Tour (Verlesen von Hassmails) zusammen mit Deniz  Yücel schrieb:

Wir lernten das Land kennen, das unterschiedliche Publikum, im Süden, im Norden. Wir lernten, dass unser türkischsprachiges Publikum nicht genug davon bekam, wenn wir Briefe von Nazis vorlasen. Lasen wir Texte, die Bezug nahmen auf unsere Türkeiberichterstattung oder den Islam, waren die Reaktionen schon seltsamer. Einmal stand ein türkischer alter Herr auf, als Doris ein wichtiges Element unserer Bühnendeko, einen Moscheewecker anschmiss, und den scheppernden Gebetsruf aus der Plastikverschalung mit ihrem Mikro verstärkte. Der türkische Herr rief laut und deutlich in die wie immer schon Wochen zuvor ausverkaufte und völlig überfüllte Veranstaltung hinein: „Ich distanziere mich von diesem Witz!“ Da wir extrem exzellent im Zurückrufen sind, rief Doris oder Yassin, ich weiß es nicht mehr genau, zurück: „Wir nehmen Ihre Protestnote an und halten fest, dass sie sich von einem Wecker distanzieren.“

 

Mely Kiyak schrieb voller Wut und Herzblut:

Ein Autor lebt weder am Schreibtisch noch auf einer Gefängnispritsche. Es sind die Texte, die leben und einen Autor zum Autor machen. Man kann einen Menschen einsperren, aber den Autor kriegt man nicht weggesperrt. Weshalb das Einsperren eines Journalisten die hilfloseste Maßnahme ist, die eine Regierung veranlassen kann. Die Ideen lassen sich nicht festhalten, die Gedanken nicht wegsperren. Schreiben ist schärfer als Waffen. Ach Türkei, Du lernst es nie!

Ich denke, dass man einen Geist wie Deniz‘ besser so schnell wie möglich frei lassen sollte, denn seine Kraft, seine Energie und sein Witz, seine klugen Bemerkungen, seine unbändige Menschenliebe und seine Abscheu gegenüber jeglichem Unrecht werden den Laden, egal ob Polizeirevier, Kerker oder das Scheißkulturzentrum in dieser hessischen Provinz, das ihm so auf die Nerven ging, innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf stellen.
Man hat weniger Ärger mit ihm, wenn man ihm seine Freiheit gibt. Und man hat weniger Ärger mit mir, denn ich kann niemals Ruhe geben, solange mein Kollege, Hate-Poetry-Bruder und Freund Deniz Yücel nicht frei ist.

 

Natürlich ging dem Ganzen in Deutschland auch eine Polemik voraus – in der FAS war ein Kommentar des FAS-Korrespondenten für südosteuropäische Länder zu lesen, der sich die Frage stellte: Können wirklich nur Journalisten mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben? (mehr …)

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Die heiße Kartoffel. Ein #Aufschrei

Freitag, 10. Februar 2017

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Ich habe mich bis jetzt, wie es überhaupt nicht meine Art ist, zurückgehalten, das Virginia-Raggi-Bashing seitens der deutschen Korrespondenten zu kommentieren. Auch weil es mich langweilt, mich zu wiederholen. Über das Copy&Paste-Prinzip der Italien-Berichterstattung habe ich schon so oft (zuletzt hier) geschrieben, dass ich es singen kann. Erst gestern wieder in der Süddeutschen, ein mit Fussball-Termini (der Korrespondent, so heißt es, war mal Sportreporter, wobei: Nichts gegen Sportreporter!) gespicktes Copy-Paste-Bravourstück:

Nun droht ein eklatantes Scheitern, eine Art Kanterniederlage. (…) Die Grillini regieren die Hauptstadt wie ein Provinznest (…) Da war plötzlich diese junge Frau, die niemand kannte und die keine Verpflichtungen zu haben schien. Feenhaft leicht wirkte sie, anders. (…) Nur stellte sich bald heraus, dass sie nicht feenhaft leicht und frei war, sondern eher federleicht. Raggi umgab sich mit Leuten aus der ehemaligen Entourage des Postfaschisten Alemanno. Sie bedachte sie mit fragwürdigen Beförderungen und Lohnerhöhungen, deretwegen nun ermittelt wird. Warum sie das tat, ist ein Rätsel. Das Ehrlichkeitsgelübde klang jedenfalls plötzlich hohl.

Mehr passierte bisher nicht.

Und genau das ist das Problem. Dass man Virginia Raggi bislang immer noch nichts anhängen kann. Außer, dass sie sich auf einen Schlag die gesamte italienische und römische Führungsklasse zum Feind gemacht hat, nachdem sie beschlossen hat, Rom nicht für die olympischen Spiele kandidieren zu lassen und dem Vatikan, dem größten Immobilienbesitzer in Rom, Grundsteuer zu berechnen. Das bedeutet: Sie hat sich zur politischen Führungsklasse, die die Fünfsterne-Bewegung hasst wie der Teufel das Weihwasser, auch die beiden Machtcliquen Roms zum Feind gemacht: die Baulöwen und den Vatikan. Was in der Süddeutschen natürlich ganz anders klingt:

Große Entscheidungen schiebt Raggi vor sich her, oder sie sagt einfach Nein, wie zu Olympischen Sommerspielen. Nun möchten private Investoren ein Fußballstadion bauen, dazu ein Geschäftsviertel, neue Infrastrukturen: ein Milliardenprojekt, alles selbstfinanziert. Natürlich gibt es immer gute Gründe, große Bauprojekte zu hinterfragen. Doch in diesem Fall geht es um Tausende Jobs, mehr Steuereinnahmen, eine neue Dynamik. Und da die Cinque Stelle an der Macht sind, könnten sie zeigen, dass so etwas legal und umweltfreundlich geht. Vor dem Gestalten aber scheint man sich zu fürchten.

Halbfinale also. Wenn es so weitergeht, droht der Spielabbruch.

Genau das lese ich täglich hier in der italienischen Presse, die mehrheitlich Industriellen, Baulöwen, Parteien oder vorbestraften Milliardären mit eigener Partei gehört. Heute kam es zu einem besonderen Höhepunkt: „Patata bollente“ titelte das Berlusconi-Hausblatt Libero über dem Bild von Virginia Raggi – was man mit „heiße Kartoffel“, aber auch mit „heiße Möse“ übersetzen kann.

Und von all denjenigen, die sonst bei jeder Gelegenheit Sexismus! Sexismus! schreien – etwa wenn die ehemalige „Reforministerin“ und jetzige Staatssekretärin Boschi beschuldigt wird, Insiderwissen an ihren Bankdirektoren-Vater weitergegeben zu haben (Näheres nachzulesen hier): Stille. Kein Pussy Hat-Marsch für Virginia Raggi. Nichts. Auch nicht die klitzekleinste Solidaritätserklärung, als der jetzt der im Abflug befindliche Stadtplaner  (mehr …)

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Smart Move

Montag, 09. Januar 2017

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Gestern, als ich an meinem Manuskript herumfummelte und wie gewöhnlich im Hintergrund das Radio lief (Ich brauche zur Inspiration immer so ein Grundrauschen um mich herum, deshalb schreibe ich auch gerne in Hotelhallen oder in Zügen), hörte ich, wie schätzungsweise siebzigmal in sechzig Minuten auf Radio Capital (das mal mein Lieblingsradio war, jetzt aber leider voll durchrenzisiert ist: Radio Capital gehört wie die gesamte Espresso-Repubblica-Pressegruppe dem italienischen Industriellen – mit Schweizer Pass, zur Sicherheit – Carlo De Benedetti, der das Sprachrohr der PD etabliert hat) vom europäischen Parlament und von den Fünfsternen die Rede war.

Mann, was ist da los?, fragte ich mich, haben die Abgeordneten der Fünfsterne das europäische Parlament gekapert? Peitschen sie Martin Schulz aus? Ist Virginia Raggi mit blutverschmiertem Mund im europäischen Parlament aufgetaucht und frisst kleine, unschuldige europäische Kinder? Ich habe aber dennoch ungerührt weitergeschrieben, weil das Fünfsterne-Bashing (In der Art: „Starke Schneefälle in ganz Italien – nur nicht in Rom: Ermittlungen gegen Virginia Raggi“) inzwischen zur italienischen Presse gehört wie der Wetterbericht. Oder wie der Mafioso Marcello Dell’Utri zu Berlusconi. (Übrigens war in den italienischen Radios oder Fernsehnachrichten nie davon die Rede, dass Marcello Dell’Utri eine Zeit lang Mitglied im Justizausschuss (!!) des Europäischen Parlaments war.)

Später am Abend war die Hauptmeldung (!!) sämtlicher italienischer  Fernsehnachrichten, ja was: Dass die Fünfsterne-Bewegung im europäischen Parlament die Fraktion wechseln will.

Ist ja nicht so der Aufreger, dachte ich. (mehr …)

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Über Männer. Und historische Fehleinschätzungen

Dienstag, 27. Dezember 2016

„Eine digitale Rampensau“, so hat mich neulich eine Freundin (wozu Feinde, wenn man Freundinnen hat?) genannt, als ich sie mal wieder zum Bloggen peitschen wollte und sie mich bei der Gelegenheit daran erinnerte, dass sie es war, die mich im fernen Jahr 2008 dazu überredet hat, mit der supereinfachen WordPress-Software einen Blog zu schreiben. Perfiderweise brachte sie auch einen meiner Texte zur Sprache, in dem sie ein beeindruckendes Beispiel einer historischen Fehleinschätzung sah: Ein Text, den ich im noch ferneren Jahr 1997 über Mobiltelefone (so nannte man das damals noch, liebe Kinder, es waren Geräte, groß und schwer wie Dampfbügeleisen, wenn man damit zu lange telefoniert  hatte, glühte das Ohr) geschrieben habe, eine gut bezahlte Auftragsarbeit, was soll ich sagen: Ich war jung und brauchte das Geld.

Der Italiener an meiner Seite reibt mir übrigens bis heute unter die Nase, dass ich mich über sein erstes Handy (es war ein Motorola und sah aus wie ein Satellitentelefon, mit dem man auch in den Bergen Afghanistans eine Konferenzschaltung hinkriegt) aufgeregt habe, ich hätte angeblich sogar dafür plädiert,  den Gebrauch von Handys in Restaurants zu verbieten, ähnlich wie das Rauchen. Meine Handy-Aversion legte sich schlagartig, als mir meine Mutter das erste Handy schenkte, welches ich kurz darauf in einem Münchener Taxi verlor, weshalb ich in Tränen aufgelöst den Italiener an meiner Seite anrief, der dann seinerseits mein Handy so lange anrief, bis der Münchener Taxifahrer es endlich unter dem Autositz klingeln hörte und mir zurückbrachte. Ich habe ihm fünfzig Mark geschenkt, dem Taxifahrer.

Hier also der Text:

Nach dem Pferdeschwanz, dem Knopf im rechten Ohr und Calvin Kleins Unterhosen sind die Männer wieder mal einer geschmacklichen Verirrung erlegen: dem Funktelefon, kurz und neckisch „Händi“ genannt. (öbrigens: Heißt der Computer bei solchen Männern Compi, der Mercedes Merci und ihre Frau Susi?? Etwa so: „Gerade hab‘ ich Susi aus dem Merci mit dem Händi angerufen“?)

Eine Frau mit Stil jedenfalls hat einen Sekretär oder mindestens einen Anrufbeantworter und denkt nicht im Traum daran, jeden Anruf selbst und noch dazu in jeder Lebenslage entgegenzunehmen. Aber Männer sind sich ja für nix zu blöd. Kein Herrenmagazin von Rang kommt mehr ohne eine Doppelseite mit den neuesten 113-Gramm-Modellen aus, jeder Gemüsehändler glaubt sich unersetzlich und will immer und für alle erreichbar sein.

Seither klingelt es überall: im Bett, im Restaurant, auf der Straße, im Beichtstuhl, auf dem Klo.

Natürlich ist die Welle aus Italien nach Deutschland geschwappt, einem Land, in dem das Mitteilungsbedürfnis existentiell („Ich telefoniere, also bin ich“) ist. Umberto Eco meinte zwar, dass nur drei Kategorien von Menschen das Recht auf ein Telefonino haben: Behinderte, Politiker und Ehebrecher, aber diese Erkenntnis ist noch nicht nach Deutschland vorgedrungen. Hier sind die Männer, die normalerweise nicht mehr als „Hm, hm, hm, aha, aha“ am Telefon rauskriegten, und es nicht mal schafften, die Grundgebühr zu vertelefonieren, neuerdings von einer ungermanisch zu nennenden Geschwätzigkeit befallen. Kein Mann kann sich mehr vorstellen, dass es mal ein Leben ohne Händi gab. Was man sich da hatte alles verkneifen müssen! Im Flughafenbus wird gleich nach der Landung, klapp-klapp, das kleine schwarze Monstrum ans Ohr gehalten, um was mitzuteilen? Die unverzichtbare Botschaft: „Hilde, ich bin jetzt im Bus. Gerade gelandet.“ (mehr …)

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Immer noch und mehr denn je: No!

Samstag, 03. Dezember 2016

Wir befinden uns im Jahre 2016 nach Christi. Alle deutschen Redaktionen sind von Renzi-Freunden besetzt? Nein! Unversehens tauchen aus dem Nichts hier und da Unbeugsame auf. Zum Beispiel in der TAZ, wo Marco D’Eramo versucht hat, den Deutschen das Referendum zu erklären, nachzulesen hier.

Von zehn jungen Italienern sind vier arbeitslos; das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bewegt sich gerade so auf dem Niveau von vor 15 Jahren; die Neueinschreibungen an den Universitäten haben sich zwischen 2004 und 2015 um 20 Prozent verringert; gemessen am BIP, liegen die Ausgaben für Forschung und Innovation bei weniger als der Hälfte von denen in Deutschland und Österreich und bei einem Drittel der Ausgaben in Schweden; der Sekundäranalphabetismus nimmt zu; das Land deindustrialisiert sich; die Korruption frisst nach vorsichtigen Schätzungen 60 Milliarden Euro im Jahr, die Steuerhinterziehung nimmt sich noch mal 90 Milliarden. Und erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nimmt die Lebenserwartung der Italiener nicht zu, sondern ab. (…) Keines der eingangs aufgezeigten dramatischen Probleme wird von dieser Reform angegangen. (…)

Und doch wird dieses Referendum in den ausländischen Medien – mit der bemerkenswerten Ausnahme der britischen Wochenzeitung The Economist – als entscheidend angesehen, in seiner Bedeutung gleichauf mit der Abstimmung über den Brexit oder mit den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.
Doch am Sonntag stehen sich nicht ein Votum „für das bestehende System“ und für ein „populistisches“ gegenüber. Wenn das Nein bei dem Referendum siegt – dann ändert sich erst mal gar nichts. Die Italiener stimmen nicht über den Italexit ab, auch wenn die Panikkampagne der Finanzindustrie via Wall Street Journal und Financial Times die Katastrophe ausruft: Austritt aus dem Euro, Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems et cetera. Dass man mit solchen Warnungen vor der Apokalypse einen Wahlausgang beeinflussen könnte, hat sich schon beim Brexit als Irrtum erwiesen. Wie der Economist sagte: „Die Italiener dürfen sich nicht erpressen lassen.“

(mehr …)

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