Kategorie: Mafia in Deutschland

Thüringer Palmen

Freitag, 26. Mai 2017

Heute ist der TAZ ein sehr aufschlussreicher Artikel erschienen, mit der schönen Überschrift „Thüringer Palmen“, der von dem Schmerzensgeldprozess des italienischen Gastronomen gegen den MDR handelt, der auch mich verklagt hat. Das mit den Palmen war eine schöne Metapher von Leonardo Sciascia: Aufgrund der Erderwärmung würden Palmen in absehbarer Zeit auch an Orten wachsen, an denen sie heute undenkbar seien. Und genau so verhalte es sich mit der Verbreitung der Mafia.

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In memoriam Giovanni Falcone (1939 – 1992)

Donnerstag, 25. Mai 2017
DIENSTAG, 23. MAI 2017
FAZ-FEUILLETON
In Deutschland gehört selbst die Mafia zum Markt
Die Mafia-Morde von 1992 beben bis heute nach, aber hierzulande wird die Gefahr immer noch sträflich unterschätzt / Von Petra Reski

Wie jedes Jahr wird in Palermo heute um 17.56 Uhr und 48 Sekunden Nini Rossos Trompetensolo „Il silenzio“ ertönen. Als die 572 Kilo schwere Bombe am 23. Mai 1992 in einem Abflussrohr unter der Autobahn vom Flughafen in die sizilianische Hauptstadt unweit von Capaci explodierte und den Richter Giovanni Falcone zusammen mit seiner Frau und drei Leibwächtern tötete, verzeichneten die Messstationen sizilianischer Seismographen die Bombenexplosion als ein kleines Erdbeben, mit Epizentrum bei Capaci. 57 Tage später, am 19. Juli 1992, wird Falcones Freund und Kollege Paolo Borsellino vor dem Haus seiner Mutter in die Luft gesprengt – zusammen mit seinen fünf Leibwächtern.

Die Nachbeben dieser Attentate sind in Italien bis heute zu spüren. Für viele Italiener sind die Morde an Falcone und Borsellino das Kainsmal der Republik. Niemand glaubt ernsthaft daran, dass ein halbes Dutzend Analphabeten in der Lage war, Attentate mit einer Präzision auszuführen, die selbst die Sprengstoffexperten des CIA vor Neid erblassen ließ. Wie immer wird an der Magnolie unter Falcones Wohnhaus in der Via Notarbartolo in Palermo die Nationalhymne gesungen, wie immer werden Politiker Reden halten – und wie immer werden sich viele Anti-Mafia-Staatsanwälte von diesem „Schaulaufen“ fernhalten.

In Deutschland erinnert sich kaum jemand daran, dass der letzte anonyme Brief mit einer Morddrohung für Falcone in Wuppertal abgestempelt wurde. Und dass Paolo Borsellinos letzte Reise vor seinem Tod nach Deutschland führte, wo er einen der Killer des jungen sizilianischen Staatsanwaltes Rosario Livatino verhörte, die in Leverkusen, Mannheim und Köln lebten. Sowohl Giovanni Falcone als auch Paolo Borsellino versuchten bis zu ihrem Tod die Hintergründe der Ermordung Livatinos zu ermitteln, der stets davon gesprochen hatte, dass man nach Deutschland gehen müsse, um die „neue Mafia“ zu verstehen. 1990 war Giovanni Falcone mit seinem neapolitanischen Kollegen Franco Roberti nach Düsseldorf gereist, um einen Waffen- und Sprengstoffhandel zwischen Italien und Solingen aufzuklären. Roberti, der heute Italiens nationale Anti-Mafia-Ermittlungsbehörde leitet, erinnert sich daran, dass es Falcone bereits damals um mehr ging: Er wollte verstehen, wie es der Cosa Nostra gelungen war, in Deutschland Wurzeln zu schlagen. Mit der ihm eigenen Weitsicht habe Falcone dafür plädiert, gemeinsam zu ermitteln und dauerhaft einen Informationskanal einzurichten, sei aber auf „eine Mauer aus eisiger Höflichkeit und totaler Kommunikationslosigkeit“ gestoßen: „Das Ergebnis unseres Rechtshilfeersuchens waren drei Verhörprotokolle, ausgeführt von einem deutschen Richter, gestempelt und versiegelt – und komplett nutzlos“, sagte Roberti. Die einzige Sorge der Deutschen sei die Angst vor einem Attentat gewesen, weshalb man bemüht gewesen sei, Falcone in einer Kaserne unterzubringen – was dieser aber rüde ablehnte und auf einem Hotelzimmer bestand.

Als der sizilianische Generalstaatsanwalt Roberto Scarpinato 22 Jahre später auf Einladung des Bundes deutscher Kriminalbeamter nach Deutschland kommt, berichtet er zum Erstaunen der anwesenden Presse von einem Italiener, der in Solingen als Unternehmer glänzte, in Italien als international tätiger Drogenhändler zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde – und dessen Unternehmen in Deutschland weiter florierte. Die Deutschen erwiesen sich als beratungsresistent und verteidigten ihre heiligen Kühe: Abhören ist praktisch unmöglich und Mafia-Zugehörigkeit kein Strafdelikt. Anders als in Italien, wo die alleinige Zugehörigkeit bereits bestraft wird, muss in Deutschland die konkrete Vorbereitung einer Straftat nachgewiesen werden.

In der Praxis bedeutet das, dass die heutige, neoliberal geprägte, „marktwirtschaftliche“ Mafia, die zum internationalen Anbieter illegaler Güter (Drogen, Waffen, billige Arbeitskräfte) und Dienstleistungen (Investitionskapital, illegale Giftmüllbeseitigung) aufgestiegen ist, in Deutschland als Bestandteil des Marktes geschätzt wird. Dass niemand nachfragt, woher das Geld kommt, dafür sorgt die Beweislastumkehr: Der Polizist muss nachweisen, dass das Geld aus schmutzigen Quellen stammt, kann aber nicht einfach auf Verdacht ermitteln, anlassunabhängige Finanzermittlungen sind in Deutschland nicht erlaubt. Mafia-Güter zu beschlagnahmen ist nur theoretisch möglich, praktisch aber nicht, denn anders als in Italien, wo Güter bereits konfisziert werden können, wenn nur der Verdacht auf Mafia-Zugehörigkeit besteht, kann das in Deutschland erst dann geschehen, wenn ein definitives, letztinstanzliches Urteil wegen Mafia-Zugehörigkeit vorliegt. Was bei Mafiosi, die seit vierzig Jahren in Deutschland leben und gegen die in Italien nicht ermittelt wird, gar nicht der Fall sein kann. Aber nicht nur italienische Strafverfolger wundern sich, auch deutsche: „Für die Verbrecherkartelle ist Deutschland das gelobte Land, weil unsere Justiz die Aktivität der Mafia völlig unterschätzt“, schreibt Egbert Bülles, langjähriger Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität des Kölner Justizzentrums, in seinem Buch „Deutschland, Verbrecherland?“.

Im Juli 2015 wurden acht mutmaßliche ’ndranghetisti im Bodenseeraum festgenommen, Männer im Alter zwischen vierzig und 69 Jahren. Die Ermittlung hieß „Rheinbrücke“, die ersten Verhaftungen gingen zurück auf die Operation Crimine, als 340 Mitglieder der kalabrischen Mafia in der ganzen Welt verhaftet und ’ndrangheta-Zellen in Italien, Australien, Kanada, Deutschland und der Schweiz entdeckt wurden. Im deutschen Grenzgebiet zur Schweiz, in Singen, Rielasingen und Radolfzell, aber auch in Ravensburg und Frankfurt sowie in Frauenfeld und Zürich wickelten voll funktionstüchtige Clans ihre Geschäfte ab.

„Wichtiger Schlag gegen Mafia-Schläfer“ war in der deutschen Presse zu lesen. Tatsächlich ist es aber nicht die Mafia, die schläft, sondern Deutschland. Denn vier Monate später wurden sieben der mutmaßlichen ’ndranghetisti vom Oberlandesgericht Karlsruhe wieder freigelassen, weil die Verjährungsfrist für die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Deutschland nur fünf Jahre beträgt.

Und als die italienische Polizei vor wenigen Wochen aufdeckte, dass der kalabrische Clan Arena Millionen an einem Flüchtlingszentrum in Crotone verdiente, erinnerte sich in Deutschland niemand mehr daran, dass derselbe Clan hier seit langem ungestört glänzende Geschäfte macht: 2008 fiel der Clan in der Wahlfälschungsaffäre um den Senator Nicola di Girolamo auf, der nur durch die Stimmen der ’ndrangheta in Deutschland 2008 als Abgeordneter der Auslandsitaliener in den Senat einziehen konnte. Im Frühjahr 2010 wurde der Senator als Protagonist eines gigantischen Geldwäscheskandals festgenommen. Di Girolamo war dank der tatkräftigen Vermittlung des Clans Arena gewählt worden, dessen Wahlhelfer die Wahlzettel fälschten. So war es dem bis dahin völlig unbekannten, politisch zuvor nie aktiven römischen Rechtsanwalt Di Girolamo gelungen, sich als Kandidat der in Europa lebenden Auslandsitaliener aufstellen zu lassen und auf Anhieb 25000 Stimmen zu erlangen – darunter auffallend viele aus Stuttgart und Umgebung.

Und im Jahr 2012 fiel der Clan Arena in den Ermittlungen rund um den Windpark Isola Capo Rizzuto auf: Die mit Steuergeldern gerettete HSH-Nordbank hatte mit 200 Millionen Euro den Windpark in Kalabrien finanziert, der vom Clan Arena betrieben wurde, worüber der für Deutschland zuständige Staatsanwalt Carlo Caponcello vor der italienischen Anti-Mafia-Kommission berichtete: „Den Deutschen muss klargemacht werden, dass die Gefahr nicht abstrakt, sondern ganz konkret ist. Die ’ndrangheta ist auch in der Schweiz und in Belgien präsent – aber ohne die Situation zu überschätzen, können wir sagen, dass Deutschland das bevorzugte Ziel ist.“

Wie günstig sich die deutschen Gesetze für die Mafia auswirken, wissen in Deutschland alle Journalisten, die einmal den Versuch unternommen haben, Ross und Reiter zu nennen. Falls sie nicht bereits von den Justitiaren daran gehindert wurden, werden sie sich vor Gericht wiedergefunden – und ihren Prozess verloren haben.

Wenn man bei Google den Suchbegriff „Falcone Deutschland“ eingibt, lautet das Ergebnis übrigens: „Moto Guzzi Falcone-Club Deutschland“. Seliges Deutschland, könnte man meinen.

Petra Reski hat mehrere Bücher und viele Zeitungsartikel über die Mafia geschrieben. Unlängst verlor sie vor einem deutschen Gericht, weil sich ein von ihr namhaft gemachter Erfurter Restaurant-Besitzer in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sah.

Das Grab von Giovanni Falcone befindet sich übrigens in Palermo seit kurzem in der Kirche von San Domenico. Die Schwester von Giovanni Falcone hat darauf bestanden, ihren Bruder in das „Pantheon der berühmten Sizilianer“ umzubetten – wo er nun an der Seite von sizilianischen Heimatdichtern und sizilianischen Juristen des Risorgimento ruht – und so von seiner Frau Francesca Morvillo getrennt wurde, Staatsanwältin auch sie. Mit der Falcone nicht nur im Leben, sondern auch im Tod vereint war: Sie ist bei dem Attentat auf Falcone ebenfalls ums Leben gekommen.

Tja. Feinfühligkeit ist nicht jedem gegeben.

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Tja.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Dieses Bild von Paolo Borsellino hängt auf dem Flur der Antimafia-Staatsanwaltschaft im Justizpalast von Palermo. Am letzten Tag meiner Recherche habe ich (mal wieder) den Antimafia-Staatsanwalt Antonino Di Matteo interviewt. Am Rande des Interviews habe ich ihm vom Erfolg meiner Crowdfunding-Aktion erzählt. Er war begeistert von der Anteilnahme – und konnte kaum glauben, dass Journalisten, die über die Mafia in Deutschland geschrieben haben und verklagt wurden, systematisch ihre Prozesse verlieren.

„Wie kann es sein“, fragte er, „dass dafür jegliche Sensibilität fehlt? Es handelt sich doch ganz eindeutig um eine Drohkulisse. Das muss man doch verstehen.“

Tja. Sagte ich.

 

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat.

Mittwoch, 12. April 2017

Wer auf die Idee kommt, über die Mafia in Deutschland zu berichten, soll es bereuen: „Einen treffen, um hunderte zu erziehen“.

Mit Ihrer Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass die Pressefreiheit in Deutschland nicht nur auf dem Papier besteht – und das Thema „Mafia in Deutschland“ nicht weiter ein Tabu ist .

Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr,“ sagte mir einmal Alberto Spampinato, der Bruder eines von der Mafia ermordeten sizilianischen Journalisten. Wie wahr, dachte ich, als die Redaktion des „Freitag“ mich in dem Rechtsstreit mit einem „erfolgreichen italienischen Geschäftsmann“ fallen ließ, weil die Rechtskosten „für einen kleinen Verlag wie unseren eine ziemliche Belastung sind“ und mich danach noch öffentlich verhöhnte.

Für freie Autoren sind die Rechtskosten eine ungleich größere Belastung. Und da mir die Gewerkschaft Verdi ebenfalls den Beistand versagt hat, bleibt mir nichts anderes, als auf Ihre Unterstützung zu hoffen. Denn hier geht es mehr als um mich und „meinen Fall“ – es geht darum, dass jeder Journalist, der wegen seines Berichts über die Mafia in Deutschland verklagt wurde, den Prozess zwingend verliert.

Das deutsche Recht macht es der Mafia leicht, Journalisten zu verklagen – und diese Prozesse auch zu gewinnen. Mit Gerichtskosten, Anwaltskosten, Schadensersatzklagen wird eine Drohkulisse aufgebaut, die auf Journalisten, Autoren, Filmemacher, Verlage und Sender wirken soll.

Mit dem gesammelten Geld möchte ich meine Rechtskosten bezahlen. Wenn (hoffentlich!) etwas übrig bleibt, werde ich das einer Antimafia-Organisation zukommen lassen – all das werde ich selbstverständlich öffentlich machen. Mit Ihrer Spende tragen Sie nicht nur dazu bei, dass ich meine Rechtskosten bestreiten kann, sondern Sie fördern damit auch den Austausch über ein Thema, das die Aufmerksamkeit aller verdient.

Hier geht es zum Schwarmsammeln für die Pressefreiheit. 

 

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Vermasselt

Montag, 10. April 2017

Übrigens: Die Chance, eine goldene Ehrennadel für 30 Jahre Mitgliedschaft bei Verdi zu bekommen, habe ich mir auch noch vermasselt. Jahrzehntelang habe ich, wie viele andere freie Journalisten auch, meine Beiträge in der Hoffnung gezahlt, dass mir die Gewerkschaft Verdi  im Fall der Fälle beistehen würde. Ich dachte: Hey, denen geht es ja auch um den Kampf für das freie Wort! Tja, mein Fall gehört in ihren Augen wohl irgendwie nicht dazu. Die Gewerkschaft Verdi könne mir keinen Rechtsschutz gewähren, weil ich mir einen „externen“ Rechtsanwalt selbst ausgesucht habe, wurde mir beschieden. Ansonsten wünschten sie mir alles Gute, viel Kraft, Erfolg und Glück.

Ende meiner Mitgliedschaft bei Verdi. Keine Ehrennadel.

Aber weil sich die Rechtskosten mit guten Wünschen allein nicht bezahlen lassen, werde ich in Kürze ein Crowdfunding starten. Schwarmsammeln. Alles was über meine Rechtskosten hinaus geschwarmsammelt wird, werde ich einer Antimafia-Organisation zukommen lassen. Dazu bald mehr.

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Die Mafia dankt ihren freundlichen Unterstützern …

Montag, 10. April 2017

 

für ihren selbstlosen Einsatz.  Hier weiterlesen

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Imparare dalla mafia significa imparare a tacere

Dienstag, 04. April 2017

grazie alla Frankfurter Allgemeine Zeitung in cui il giornalista Andreas Rossmann ha descritto il mio „caso“ mi sono ricreduta sul giornalismo. Analisi sobria non solo della querela degli imprenditori italiani di successo in Germania, ma anche dell’atteggiamento del caporedattore del giornale per il quale ho scritto il mio articolo: il „Freitag“ – uno noto per ostentare il suo grande impegno sociale.

  Imparare dalla mafia significa imparare a tacere

Una giornalista d’inchiesta viene intimidita e piantata in asso dal settimanale „Der Freitag“: il caso Petra Reski è per molteplici aspetti insolito.

di Andreas Rossmann

Chi scrive sulla mafia, lo fa “a proprio rischio e pericolo“, dice il giornalista italiano Alberto Spampinato. Questo siciliano sa di cosa parla: da quando suo fratello Giovanni nel 1972, all’epoca venticinquenne, e corrispondente dalla sua città natale Ragusa del quotidiano palermitano „L’Ora“, fu assassinato da Cosa Nostra, questo tema non gli dà pace. Nel 2009 ha pubblicato un libro su suo fratello, scritto in prima persona. L’anno prima Spampinato, che ha lavorato a lungo a Roma per l’agenzia di stampa Ansa, ha dato vita al progetto „Ossigeno per l’informazione“, una sorta di „Osservatorio sui diritti umani“ per i giornalisti. Dalla sua fondazione, „Ossigeno“ ha documentato un numero crescente di casi, e questo non solo nel Sud Italia: nel 2009 sono stati 91, nel 2016 più di quattrocento.

“A proprio rischio e pericolo“, riguarda anche il pericolo di vita. Negli ultimi trent’anni sono stati tredici in Italia i rappresentanti della stampa uccisi dalla mafia. E ciò significa a proprie spese: giornalisti sono stati minacciati, con gomme forate e bombe incendiarie o con richieste di risarcimento danni e diffamazioni, cose che, data la lentezza della giustizia, possono impegnare le forze fino a fiaccarle. Alcuni – come Roberto Saviano– sono sotto scorta, e questo non solo a Napoli, Caserta o Reggio Calabria. Ma Spampinato intende anche il pericolo per l’integrità: ostilità e intimidazioni devono ridurre al silenzio i giornalisti. Ne sa qualcosa anche Petra Reski, che, come autrice libera, indaga sulla mafia e della cui storia qui si parla.

Affari miliardari anche qui da noi in Germania.

Un mezzo legale per assicurarsi il silenzio, lo offre il diritto della personalità, che però per i tribunali italiani vale di meno in rapporto al pubblico interesse. Ciò stimola i media a svolgere il loro ruolo di guardiani e controllori. In Germania questo avviene solo occasionalmente, anche perché volentieri ci si comporta come se qui la mafia non fosse presente. Benché questa una volta si sia rivelata con assoluta evidenza, come nel 2007 a Duisburg, dove in una faida tra due Clan della ‘ndrangheta furono giustiziate sei persone, o due anni fa al Lago di Costanza, dove furono arrestati otto componenti dell’organizzazione calabrese, la polizia – e anche le notizie di stampa danno non di rado l’impressione che si tratti di “faccende interne” italiane.

Il BKA, il dipartimento federale d’investigazione criminale, tuttavia, ritiene che ci siano oltre cinquecento affiliati alla mafia in Germania e conosce gli affari miliardari con la droga – e il traffico di armi, con ditte prestanome e con il riciclaggio di danaro sporco. Ma gli strumenti giuridici non sono all’altezza, le azioni penali poco efficaci. La sola appartenenza alla mafia, diversamente che in Italia, non è un reato, e mentre in Germania le autorità devono dimostrare a un presunto mafioso, che i milioni che ha investito in immobili, li ha acquisiti illegalmente, in Italia è all’opposto: se il sospettato non può provare come è venuto in possesso del suo patrimonio, questo gli viene sequestrato.

Le conseguenze del suo lavoro coraggioso

Già nel 2013 il governo federale aveva annunciato l’inversione dell’onere della prova, tuttavia, fintantoché manca la riforma, la mafia ha gioco facile e la polizia si trova in difficoltà. In proporzione ai danni provocati all’economia e alla società civile, gli affari della mafia trovano scarsa attenzione. Le ricerche sono dispendiose e difficili, e sebbene l’obbligo da parte della stampa di riferire su un sospetto sia sancito giuridicamente, alcuni uffici stampa di tribunali pretendono dai giornalisti fatti probatori che vadano oltre gli indizi.

Petra Reski scrive di continuo ed è bene informata sulla mafia. Ha buoni contatti ed è bilingue, da più di vent’anni segue da Venezia gli sviluppi e gli intrecci nei due paesi. In articoli e libri, tra i quali „Mafia – di padrini, pizzerie e falsi preti“ (2008) (edizione italiana: Santa Mafia), la pubblicista, nata ad Unna nel 1958, fa luce sulle strutture di potere e le trame, fa capire i pericoli e si espone essa stessa al pericolo. Nei suoi lavori, opinioni e analisi si legano ad audacia e coraggio. Ma le conseguenze non si sono fatte attendere: azioni inibitorie e querele per diffamazione, pressioni, processi.

Un caso per molteplici aspetti insolito

„Chi scrive sulla mafia lo fa a proprio rischio e pericolo.“ La frase viene citata anche da Petra Reski in un articolo apparso il 17 marzo 2016 sul settimanale „Freitag“ col titolo „Ai boss piace il tedesco“ . In un’intera pagina ella descrive come la mafia ha potuto rapidamente e agevolmente prendere piede nella Germania dell’est, espone le difficoltà di raccontarne le attività e documenta alcune esperienze. Un anno dopo, quella frase ha coinvolto l’autrice in modo preoccupante. La querela al tribunale di Lipsia da parte di un uomo d’affari italiano, citato per nome nell’articolo, che vede lesi i suoi diritti della personalità, ha colpito la giornalista – finanziariamente, nel suo onore e nella sua esistenza. E’ probabile che il querelante mirasse anche principalmente proprio a questo, dato che il suo nome era già stato fatto in altri articoli di giornale su questa sentenza, e il provvedimento provvisorio l’ha richiesto inizialmente contro l’autrice. Solo dopo il „Freitag“ ha ricevuto un’ammonizione.

Il caso è insolito sotto molteplici aspetti, dal momento che, per il suo articolo, Petra Reski aveva preso lo spunto da una precedente sentenza, sempre del tribunale di Lipsia, a favore dello stesso uomo d’affari. […]

Neppure il tentativo di venire incontro all’autrice

Di questa sentenza pubblica Petra Reski ha riferito al „Freitag“. Il tribunale aveva considerato in un primo momento „assolutamente inammissibile“ l’istanza di adozione di un provvedimento provvisorio, come comunicò al querelante. Del resto era dubbio se i princìpi dell’obbligo da parte della stampa di riferire su un sospetto, princìpi che il querelante vedeva lesi, avrebbero trovato poi applicazione nel caso in oggetto. Ma poi il tribunale, che nei processi alla stampa è considerato particolarmente benevolo nei confronti dei querelanti, ha accettato l’istanza e ha accolto la querela: Petra Reski il 24 febbraio 2017 è stata condannata a tralasciare la divulgazione, e la sentenza è stata dichiarata provvisoriamente esecutiva contro una cauzione di 5000 Euro.

L’italiano, che a Erfurt gestisce una gelateria e un ristorante, aveva richiesto il procedimento il 28 giugno 2016, più di tre mesi dopo la pubblicazione. Alla giornalista, che vive a Venezia, poté essere recapitato solo nel novembre 2016. Nel settembre 2016 il querelante si rivolse anche al „Freitag.” E’ normale che un giornale che, con la decisione di stampare l’articolo, sta dietro l’autore, in caso di un conflitto giuridico si metta davanti a lui, si consigli con lui e lo difenda. Un sondaggio tra consulenti legali e avvocati dei media ha rivelato che nessuno ha sentito di un caso in cui non si sia agito così. Sì, anche se il giornale giunge in seguito a un’altra valutazione giuridica diversa da quella dell’autore, si assume di regola il rischio. Il „Freitag“ invece non ha assolutamente cercato di venire in aiuto alla sua autrice, anzi ha cancellato subito l’articolo dalla pagina di Internet senza discuterne prima con lei.

„Le redazioni non sono un’assicurazione di tutela legale “

„Le spese legali per una piccola casa editrice come la nostra sono un peso considerevole“, le ha spiegato la redattrice responsabile, con la quale più volte ha lavorato bene, ha detto Petra Reski al Frankfurter Allgemeine Zeitung. Si sente piantata in asso dal „Freitag“: „ Nessuno al ‚Freitag‘ sembra esserci arrivato a considerare che le spese legali per una piccola autrice come me, che ha guadagnato per l’articolo 321 euro lordi, sono un peso considerevole, se non addirittura maggiore.“ Invitato a una presa di posizione, Jakob Augstein, caporedattore del „Freitag“, ha detto al F.A.Z.: „Come giornale ci viene richiesto di confidare nel lavoro corretto dei nostri autori. Se inconsapevolmente stampiamo affermazioni che si rivelano insostenibili, dobbiamo garantire di non ripetere più tali affermazioni. E’ una prassi normale nel panorama dei media tedeschi e perfino giusta e importante in tempi contraddistinti da espressioni come ‚Fake News‘ e ‚Stampa bugiarda‘. “Al rimprovero rivoltogli per il mancato sostegno legale, ha replicato: „Le redazioni non sono un’assicurazione di tutela legale per le inchieste di scarsa qualità.“

Con ciò Augstein non solo accetta, senza verificarla, la decisione di Lipsia, ma discredita anche l’autrice dapprima apprezzata dal giornale, facendo sapere cosa può significare e costare una libera collaborazione al „Freitag“. Per Petra Reski questa esperienza può essere un incentivo in più a preferire di scrivere romanzi sulla mafia invece che articoli investigativi e saggi. Ad agosto uscirà per la Hoffmann e Campe il suo terzo romanzo sull’investigatrice di mafia Serena Vitale, „Con tutto l’amore“.

Già da tempo ci sono per lei buone ragioni per cambiare genere: a partire da quell’episodio del 2008 a Erfurt, quando a una sua conferenza, un italiano vestito elegantemente si alzò in piedi, difese chi aveva sporto querela contro il suo libro „Santa Mafia” e si congratulò ironicamente con l’autrice per il suo coraggio. „L’inibitoria pervenuta al mio indirizzo di Venezia“, così ella racconta, „contiene l’aggiunta del piano in cui abito, sebbene io non l’abbia mai indicato. Questo può saperlo solo chi è stato davanti alla mia porta.“

Petra Reski sa che cosa le vogliono dire con questo.

 

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Wie ich meinen Glauben an den Journalismus wiederfand.

Samstag, 01. April 2017

So geschehen dank des FAZ-Feuilletons, in dem heute dieser von Andreas Rossmann verfasste Artikel erschienen ist, mit der schönen Überschrift:

Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen
Eine investigative Reporterin wird eingeschüchtert und von der Wochenzeitung „Der Freitag“ im Stich gelassen: Der Fall Petra Reski ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.

(mehr …)

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Erfolgreiche italienische Unternehmer und ich

Mittwoch, 15. März 2017

Nachdem ich mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ geschrieben habe, habe ich drei Jahre mit Prozessen verbracht. Eines der letzten Urteile war in München von einer Richterin erlassen worden, die bereits im einstweiligen Verfügungsverfahren das Schmerzensgeld heraufgesetzt hatte, weil es ihr „a bissl gering“ erschienen war, und die den Kläger der Form halber noch gefragt hatte, ob er denn nun Mafiamitglied gewesen sei oder nicht, so wie es die BKA-Berichte (die Richterin sagte: „BAK-Berichte) nahelegen. Er erwiderte, dass er sich das auch nicht erklären könne. Als das Oberlandesgericht dem Kläger ein Schmerzensgeld zugesprochen hat, wegen der von mir zugefügten „schweren Verletzung des Persönlichkeitsrechts“, bin ich nicht mehr persönlich erschienen, weil ich es zu demütigend empfand, vor Gericht bedroht zu werden, ohne dass jemand eingreift.

Vom Standpunkt der anthropologischen Forschung war die Erfahrung jedoch sehr nützlich. Sie hat mich letztlich dazu gebracht, mich der Mafia in Romanform zu nähern: Wenn ich ohnehin keine Namen nennen kann, weil ich sofort verklagt werde, warum soll ich mich dann durch die Zwänge eines Sachbuchs einengen lassen? Die Klagen, die Drohungen, die Prozesse waren so etwas wie „method acting“ für meine Romane: Robert De Niro lernte für seine Rolle als Jake LaMotta in „Wie ein wilder Stier“ boxen, ich saß in Gerichtssälen herum und lernte, wie es sich anfühlt, bedroht, verklagt und verleumdet zu werden – und nicht nur juristische, sondern auch sehr aufreibende menschliche Erfahrungen zu machen: enttäuschende, aber auch unverhofft ermutigende.

Literarisch lohnend, geradezu unfassbar ergiebig ist für mich die sogenannte „Grauzone“ der Mafia: Unternehmer, Politiker, Ehefrauen, Rechtsanwälte, Notare, Bischöfe, Bürgermeister, Polizisten und Journalisten – alle diejenigen, die nur so tun, als stünden sie auf der Seite der Guten, finde ich psychologisch interessanter und facettenreicher als die Mafia. Denn ohne die Feigheit vieler und die verschlossenen Münder, ohne ihre Sympathisanten wäre die Mafia schon längst besiegt.

In diesen Tagen habe ich gerade das dritte Manuskript für einen neuen Mafia-Roman abgeschlossen, der im Juli bei Hoffmann&Campe erscheinen wird. Protagonisten sind wie bereits in den beiden anderen Romanen auch die sizilianische Antimafia-Staatsanwältin mit deutschen Wurzeln Serena Vitale und der (meist) tapfere deutsche Investigativjournalist Wolfgang W.Wieneke. Praktisch parallel zu meiner Romanhandlung verklagte mich ein italienischer Geschäftsmann am Landgericht Leipzig. Ich hatte seinen Namen in einem Artikel für den FREITAG genannt, der von dem am Landgericht Leipzig ergangene Urteil gegen den MDR handelte, das nach einer MDR-Dokumentation über die Mafia in Erfurt erlassen worden war. Gerichtsberichterstattung. In diesen Tagen ist das Urteil gegen mich ergangen: Laut Gericht habe ich das Persönlichkeitsrecht des erfolgreichen italienischen Unternehmers verletzt.

Niemand liest meine Artikel über die Mafia in Deutschland und meinen Blog aufmerksamer als gewisse erfolgreiche italienische Geschäftsmänner in Deutschland, besonders diejenigen aus Duisburg und Erfurt, mein Blog verdankt ihnen vermutlich die meisten Clickzahlen. Interessanter aber als das Verhalten dieser erfolgreichen italienischen Geschäftsmänner in Deutschland, ist die bizarre Haltung des FREITAG – dem Blatt eines Herausgebers, der sich, wenn ich es richtig verstehe, doch einiges für sein gesellschaftliches Engagement zugute hält.

Auf meine Anfrage, ob beim FREITAG denn auch eine Klage eingegangen sei, antwortete eine Redakteurin: „Huch – nein, es ist noch nichts hier eingegangen, so weit ich weiß“ und schrieb später: „Also das klingt ja echt übel, ich hoffe, Sie haben jetzt nicht zu viel Ärger mit diesem Mafia-Anwalt …?“ Auch in den folgenden Monaten hörte ich von der Redaktion des FREITAG – nichts. Keine Nachfrage, wie „es denn so läuft“, ganz zu schweigen von dem Angebot, vielleicht den Justiziar des FREITAG zu bemühen – oder in welcher Weise auch immer die Redaktion ihre „Solidarität“ hätte zum Ausdruck bringen können. Im September schrieb mir die Redakteurin, dass die Unterlassungsforderung inzwischen auch beim Verlag eingegangen sei, woraufhin sie vorschlug, meinen Text kurzerhand zu löschen: „Was schade wäre, ja. Aber die Anwaltskosten sind für einen kleinen Verlag wie unseren eine ziemliche Belastung“.

Dass die Gerichts- und Anwaltskosten für eine kleine Autorin wie mich, die an dem Artikel ganze 321 Euro brutto verdient hat, auch eine ziemliche, wenn nicht sogar größere Belastung sind, darauf scheint beim FREITAG allerdings niemand gekommen zu sein. Einen Artikel in vorauseilendem Gehorsam zu löschen, hätte ich, gerade von einem Blatt wie den FREITAG nicht erwartet. Ein unerträglicher Kotau – um vom journalistischen Ethos jetzt mal ganz zu schweigen.

Im November wurde mir die Unterlassungsklage nach Venedig zugestellt. Daraufhin schrieb ich eine lange Mail an den Chefredakteur und Herausgeber des FREITAG, Jakob Augstein. Und Jakob Augstein, der sich auf allen möglichen Kanälen so ziemlich zu allem äußert, von A wie „Atomwaffen in Deutschland“ bis „Z“ wie „Zuwanderung“ – schwieg.

An seiner Stelle wurde mir von der Redakteurin beschieden: „Wie in vergleichbaren Fällen – wenn ein Beitrag also von einer Unterlassungsklage betroffen oder aus anderem Grund juristisch strittig ist – nehmen wir den betreffenden Text von der freitag.de-Seite herunter. Dabei bleibt der FREITAG auch in diesem Fall. Für etwaige weiterführende Rückfragen bitte ich Sie, sich an die Geschäftsführung des Verlags, an Frau Dr. Düts zu wenden, deren Kontaktdaten ich Ihnen hier anhänge.“

Zwei Mal rief ich Frau Düts an. Niemand meldete sich. Dann hatte ich die Botschaft verstanden.

Ich erinnerte mich an einen Satz, den ein renommierter Medienanwalt anlässlich der Schwärzungen meines Mafia-Buches geschrieben hat: „Dass die Presse ihrer Aufgabe als Wächter und Mahner unter solchen Voraussetzungen nicht effizient nachkommen kann, liegt auf der Hand. Das Ergebnis ist eine lückenhafte und damit illusionäre Darstellung der Realität zugunsten von lichtscheuen Gestalten. Während Boulevardmedien Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte aus der Portokasse zahlen, werden seriöse Autoren durch diese Rechtsprechung hart getroffen.“ Wie wahr.

Und noch an einen anderen Satz musste ich denken: „Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr.“ Das sagte mir einmal Alberto Spampinato, der Bruder eines von der Mafia ermordeten sizilianischen Journalisten. Er meinte das ganz wörtlich. Denn mit „auf eigene Gefahr“ meinte er nicht nur Gefahr für das Leben, sondern auch für die Integrität. Denn der Siegeszug der Mafia in der Welt beruht keineswegs allein auf Gewalt, sondern vor allem auf Geld und dem Schweigen vieler.

Auf der Unterlassungsklage, die mir nach Venedig geschickt wurde, stand kurioserweise das Stockwerk als Zusatz zu meiner Adresse. Abgesehen davon, dass meine venezianische Adresse über geneigte Quellen leicht in Erfahrung zu bringen ist, kriegt man das Stockwerk nur heraus, wenn man vor der Wohnungstür gestanden hat.

Das sind so kleine Feinheiten – die man allerdings nur goutieren kann, wenn man auf die Idee kommt „auf eigene Gefahr“ über die Mafia zu schreiben.

Super Geschichte. Also so als Inspiration für kommende Romane gedacht.

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Ach, die Mafia.

Samstag, 04. März 2017

Schon lange nichts mehr in diesem Blog von der Mafia gelesen, dachten Sie vielleicht, verehrte Leser von Reskisrepublik. Gesagt, getan.

Ach, die Mafia. Gibt’s die noch? Also in echt und nicht als Film oder Fernsehserie oder Computerspiel? Liest man die großen italienischen Tageszeitungen, könnte man zu der Annahme kommen, die Mafia sei „verschrottet“ worden – um mal einen Lieblingsausdruck des (vorübergehend) zurückgetretenen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi zu gebrauchen.

Selbst der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella, immerhin Bruder des von der Mafia ermordeten sizilianischen Ministerpräsidenten Piersanti Mattarella, erwähnte bei seiner Neujahrsansprache die Mafia mit keinem Wort. Er sprach über die Opfer des Erdbebens und des Terrorismus, über die Arbeitslosigkeit und die Notwendigkeit eines neuen Wahlrechts, nicht aber über die Mafia, deren Umsatz inzwischen auf 170 bis 180 Milliarden Euro jährlich geschätzt wird. Womit die Mafia so viel wie die Region Lazio erwirtschaftet, fast 10 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts. Und die Staatskasse jährlich um mindestens 75 Milliarden Euro schädigt.

Kerngeschäft in der Krise

Wer aber bei „Mafia“ immer noch an Mord und Totschlag und die Blutfehden mafioser Clans denkt, beweist nur, wie gut es der Mafia gelingt, ihren chamäleonhaften Charakter zu verbergen. Egal ob es der Fall der Mauer, die Globalisierung, der gemeinsame europäische Markt, der Stabilitätspakt oder die andauernde italienische Wirtschaftskrise ist – die Mafia wusste sich anzupassen: „Sie wurde zu einem strukturellen Bestandteil des internationalen Finanzkapitalismus“, stellt Roberto Scarpinato fest, Generalstaatsanwalt von Palermo.

Ermöglicht wurde dies durch die Evolution innerhalb der Mafia: the survival of the fittest. Eine Art natürlicher Selektion, die drei verschiedene Arten von Mafia hervorgebracht hat: die traditionelle Mafia, die marktwirtschaftliche Mafia und die Mafia-Elite. Die traditionelle Mafia finanziert sich durch Schutzgeld, Erpressungen und öffentliche Gelder für die Bauwirtschaft – und ist heute praktisch ebenso verarmt wie die italienische Mittelschicht: Der Zugang zu öffentlichen Geldern, die Vergabe öffentlicher Aufträge hängen nicht mehr von den lokalen Politikern ab, mit denen die traditionelle Mafia stets zusammengearbeitet hat, sondern ist der Mafia-Elite vorbehalten. Die geht in den Kommandozentralen Italiens und Europas ein und aus – wo über wesentliche Fragen wie über die Privatisierung der Energie- und Wasserversorgung entschieden wird.

Sizilien ist heute die ärmste Region Italiens, und die Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf die Erpressungen aus, das Kerngeschäft der traditionellen Mafia: Wenn es früher 1000 Betriebe gab, denen Schutzgeld abgepresst wurde, sind es heute nur noch knapp 400. Überdies zeigen immer mehr sizilianische Unternehmer die Erpressungen an – allerdings tun sie das nicht, weil die Legalität siegt, sondern weil sie schlechterdings nicht mehr zahlen können. Durch die Krise der Bauwirtschaft fehlen der traditionellen Mafia in Sizilien auch die Möglichkeiten zum Stimmenkauf: Das System „Ich garantiere dir Stimmen, du gibst mir dafür Aufträge“ funktioniert nicht mehr. Und weil es nicht mehr genug Geld gibt für die Familien der inhaftierten Mafiosi, für das Mafia-Volk – das für die niederen Arbeiten zuständig ist, für Erpressung, Gewalt und alles, was mit höherem Risiko verbunden ist –, versucht es sich dadurch zu rächen, dass es gar nicht mehr oder nur Protestparteien wählt: Das Wahlverhalten der Mafia lässt sich leicht am Wahlausgang des Wahlbezirks von Palermo ablesen, in dem sich das Ucciardone-Gefängnis befindet, in dem vorwiegend Mafiosi einsitzen.

Für die neoliberal geprägte „marktwirtschaftliche“ Mafia sieht die Situation entschieden besser aus. Diese Mafia ist zum internationalen Anbieter aufgestiegen – von illegalen Gütern (Drogen, Schmuggelzigaretten, gefälschte Waren, Waffen, billige Arbeitskräfte, Prostituierte) und Dienstleistungen (Investitionskapital, falsche Rechnungen, mit denen Steuern „gespart“ werden können, illegale Giftmüllbeseitigung), für die seit der Globalisierung der Wirtschaft eine unendlich große Nachfrage besteht – von Millionen anständiger Bürger, den Endverbrauchern.

Angebote, die man nicht ablehnen will

Diese marktwirtschaftliche Mafia ist nicht gewalttätig, sondern macht lediglich Angebots – auf die gerne zurückgegriffen wird. Das hat zuletzt der große Mafia-Prozess „Aemilia“ 2016 in Bologna gezeigt, in dessen Verlauf bereits Besitztümer und Unternehmen im Wert von 330 Millionen Euro beschlagnahmt wurden. Im Zentrum der Anklage steht der aus dem kalabrischen Crotone stammende Clan Grande Aracri, angeklagt sind aber nicht nur Mafiosi, sondern auch ihre Handlanger: Stadträte, Journalisten, Polizisten, Unternehmer. In der reichen Emilia-Romagna hat die aus Kalabrien stammende ‘Ndrangheta Wirtschaft, Politik und Institutionen durchsetzt – und nicht nur sie: Neben 17 ‘Ndrangheta-Clans sind vier Clans der sizilianischen Cosa Nostra und drei Camorra-Clans in der Provinz Reggio Emilia aktenkundig.

Wie aus den Ermittlungsunterlagen hervorgeht, wurden die Geldgeschäfte fast immer über Deutschland abgewickelt. So schreiben die italienischen Antimafia-Staatsanwälte in ihrem Haftbefehl: „Weil die neuen Geldwäschegesetze es den Mafiosi sehr schwer machten, sind Geldtransfers ins Ausland die einzige Möglichkeit, an Bargeld zu kommen. Am Telefon sagte ein Boss: Also der aus Deutschland, der eröffnet dir ein Konto, du schickst ihm Geld aufs Konto, und wir fahren nach Deutschland, heben das Geld ab und die Sache ist erledigt.“ (mehr …)

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