Kategorie: Mafia in Deutschland

Super Werbung für die Wurst

Freitag, 19. April 2013

Gala-Maenner-des-Jahres-der-Zeitschrift-GQ

Wir schalten jetzt mal kurz zurück nach Deutschland. Wo man ganz hart und unnachgiebig fordert, dass Bushido, der Sänger Lieblingsvorzeige-Integrant der Deutschen, sein Bambi und seine Auszeichnung als “Best dressed Man” zurückgeben soll, weil der STERN seine mutmaßlichen, das muss man jetzt so schreiben, weil man sonst blitzfix verklagt wird Mafia-Kontakte enthüllt hat. Ich meine: Super Werbung für die Wurst. Besser konnte es nicht laufen.

Die SZ mahnt besorgt: “Das Leben des Anis Ferchichi alias Bushido könnte eine so schöne Geschichte sein, über einen, der es von ganz unten bis nach ganz oben geschafft hat. Doch diese Geschichte bekommt nun Risse.” Risse! Jetzt ist aber Holland in Not! Die TAZ stellt fest: “Bushido hat Deutschland verarscht”, Bild fragt sich: “Was ist eigentlich eine Generalvollmacht?”, und der Spiegel ist neidisch, weil ihr “Skandalrapper” jetzt nicht bei ihnen singt, sondern bei der Konkurrenz.

Ein bisschen Grusel kommt immer gut im Wohlstandsland, wo die ganz Bösen angesäuselt etwas von Tanzkarten faseln, woraufhin sie sofort ins Fernsehtribunal gezerrt werden und einen Twitterorkan auslösen. In Deutschland liebt man auch die Mafiamusik und glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist dass die Mafia im Grunde ehrenwert ist und wenn überhaupt, wie in Duisburg 2007 gesehen, allerhöchstens ihren Landsleuten gefährlich werden kann. So wie die Rechtsextremisten letztlich auch harmlos sind, jedenfalls, solange man kein türkischer Blumenhändler, türkischer Änderungsschneider oder türkischer Inhaber eines Döner-Kebab-Imbisses ist.

Wir müssen uns keine Sorgen machen, wir haben den Rechtsstaat. Der, wie in München gesehen, dafür sorgt, dass die Ausländer draußen bleiben sogar Prozesse verschoben werden, damit auch im Ausland ordentlich über die Unnachsichtigkeit der Deutschen gegen rechtsextremistische Mörder berichtet werden kann.

 

Vernichtender Schlag

Freitag, 18. Januar 2013

Baumafia und Köln, das ist ungefähr so wie Mozzarella und Tomaten, könnte man meinen. Aber nicht alle kennen Mozzarella und Tomaten, deshalb sind Überschriften wie: “Schlag gegen die Baumafia” natürlich keine Schande. Das Frustrierende daran ist nicht, dass die Baumafia plötzlich scheinbar neu entdeckt wird (huch), sondern dass nicht darüber berichtet wird, wie es nach den Verhaftungen weitergeht: Wie die Prozesse am Ende ausgehen. Meistens sehr gut. Zumindest für die Mafiosi.

Als ich für mein Buch “Von Kamen nach Corleone. Die Mafia in Deutschland” an einer Verhandlung gegen selbige teilnahm, war im Kölner Landgericht nicht die Rede von Baumafia, sondern von einer “bandenmäßig organisierten Struktur, die in gewerbsmäßiger Art und Weise in großem Umfang Steuern hinterzogen und den Sozialversicherungsträgern hohen Schaden zugefügt hatte«. In Amerika spricht man ja auch nicht von dicken Amerikanern, sondern von »andersgewichtigen Menschen«. Jeder der Angeklagten hatte zwei hoch bezahlte Spitzenverteidiger – die ausführlich darstellten, dass es sich weniger um Mafiosi, als um eine vom Schicksal benachteiligte Truppe handelte (der eine fiel als Kind vom Baum und fing an zu trinken, der andere betrieb eine Pizzeria, deren Lieferantenumsätze traurigerweise immer die Umsätze überstiegen, ein dritter konsumierte Kokain nasal).

Der Richter monierte den Niedergang einer seriösen Bauwirtschaft, betonte die Verantwortung der deutschen Auftraggeberfirmen und der Kolonnenschieber, die sehr wohl gewusst hätten, dass die italienischen Firmen, mit denen sie zusammenarbeiteten, nur Scheinfirmen waren. Er hob anerkennend hervor, dass die Angeklagten alle ein Geständnis abgelegt hatten, was sich ebenso strafmildernd auswirke wie der Alkohol- und Drogenmissbrauch einiger Angeklagter, er lobte die maßvolle Vorstellung vom Strafmaß seitens der Staatsanwaltschaft und verkündete schließlich ein mildes Urteil: Die Höchststrafe lag bei vier Jahren und sechs Monaten, alle anderen lagen darunter, ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Frustrierend ist das vor allem für Polizisten und Ermittler. Sie sind die einzigen, die um den Zustand der Mafia in Deutschland wissen. Die deutschen Gesetze hingegen sind ein Einladungsschreiben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mittwoch, 09. Januar 2013

Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Der wunderbaren Sonia Alfano, Vorsitzende der (von ihr ins Leben gerufenen) europäischen Antimafia-Kommission (mehr zu Sonia Alfano in diesem Blog auch hier und hier) und Tochter des von der Mafia ermordeten Journalisten Beppe Alfano ist es zu verdanken, dass es am 20. Jahrestag der Ermordung ihres Vaters in ihrem sizilianischen Heimatort Barcellona del Pozzo zu einer europäischen Antimafia-Tagung kam. An der auch der deutsche BKA-Chef Jörg Ziercke teilnahm – und dort den bemerkenswerten Satz äußerte, dass die Hälfte der in Deutschland identifizierten Mafiagruppen zur ‘Ndrangheta gehörten, die seit den Achtzigerjahren in Deutschland die größte Gruppe der organisierten Kriminalität darstellten, was dem Corriere della Sera  die Überschrift “Der deutsche Polizeichef: Die Kriminalität in Deutschland heißt ‘Ndrangheta” wert war. Überdies habe Ziercke in Sizilien auch gefordert, dass  der Strafbestand der Mafiazugehörigkeit in das deutsche Recht eingeführt werde – so wie er in Italien durch den Paragraphen 416 bis definiert wird, der die alleinige Zugehörigkeit zur Mafia unter Strafe stellt. Auf Facebook wurde das von den Italienern sofort erfreut mit “Ah, endlich haben die Deutschen es verstanden” kommentiert.

Jetzt wäre es natürlich sehr schön, wenn der BKA-Chef so etwas nicht nur in Sizilien, sondern auch in Deutschland sagen würde.

 

Ah, la Germania!

Dienstag, 27. November 2012

Wenn Italiener  Ah, la Germania! sagen, wird zwangläufig auch ein Tutto funziona! angehängt – ein Ausruf, den ich stets unterstützte, ja triumphierend zu bestätigen bereit war, denn mein Deutschlandbild hatte sich aufgrund der geographischen und zeitlichen Entfernung rosarot gefärbt. Bis ich selbst in Deutschland vor Gericht stand. Angeklagt von mehreren Protagonisten meines Buches “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” fiel mir meine pinkfarbene Brille spätestens in dem Moment von der Nase, als wir dazu verurteilt wurden, Passagen des Buches zu schwärzen und Schmerzensgeld für das erlittene Unrecht zu bezahlen. Eine Entscheidung, gegen die der Droemer Verlag Verfassungsbeschwerde eingereicht hat, mehr dazu auch hier und hier. Juristisch gesehen geht es dabei um das, was die Verdachtsberichterstattung darf oder nicht. Journalistisch und moralisch um viel, viel mehr. Nämlich darum, wie schnell man in Deutschland Journalisten mundtot machen kann.

Aber das ist natürlich nix im Verhältnis zum Fall “Gustl Mollath” – der kafkaesken Leidensgeschichte eines Mannes, der eigentlich nichts anderes wollte, als auf einen gesellschaftlichen Missstand aufmerksam zu machen – eine Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz – und der dafür in der Psychiatrie landete. Inzwischen wurden seine Vermutungen zwar durch die Prüfberichte der HypoVereinsbank zum Teil belegt, aber der Mann sitzt immer noch in der geschlossenen Psychiatrie. Sicher, kein Land ist vor Justizirrtümern gefeit – aber angesichts der Tatsache, dass sich hinter den Schwarzgeldern nicht weiter benannte “reiche Kunden” verbargen, wäre natürlich interessant zu wissen, in wessen Interesse die Justiz hier tätig wurde.

Immerhin ist jetzt etwas Bewegung in die Sache geraten – was auch einem anderen Fall zu wünschen wäre, über den kürzlich das Süddeutsche Magazin unter dem Titel “Sein Wille geschehe” berichtete. Da geht es auf den ersten Blick um ein Familiendrama – das ebenfalls zu einem Justizskandal ausartete. Interessant daran finde ich besonders, und damit sind wir wieder bei der Verdachtsberichterstattung – dass die Geschichte geradezu romanhaft geschrieben werden musste:  Namen, Berufe, Daten und Orte wurden geändert – weil das SZ-Magazin nicht zu Unrecht vermutete, dass sie vor Gericht den Kürzeren ziehen würden, falls sie echte Namen nennen würden. Dies um so mehr, als der Protagonist das Magazin bereits vor Erscheinen des Artikels juristisch zu belangen versuchte.

So viel zum tutto funziona.

 

Die Ehre. Und was sich dahinter verbirgt.

Donnerstag, 15. November 2012

Heute in der TAZ: ein interessanter Artikel über die Hintergründe des Mafiamusikproduzenten Francesco Sbano und seiner Freunde. Im Wesentlichen geht es um die Sbanos Auftritt im Museum der ‘Ndrangheta – dazu auch die Übersetzung des Artikels des “Nationalen Observatoriums für bedrohte Journalisten und gewaltsam unterdrückte Informationen” über die Drohungen gegen Francesca Viscone.

Francesca Viscone ist eine kalabrische Schriftstellerin und Journalistin, die ein profundes Werk über die Propagandawirkung der Mafiamusik geschrieben hat, das den schönen Namen “Die Globalisierung der bösen Ideen” trägt (“La Globalizzazione delle cattive idee”, Rubettino). Francesca hat darüber auch einen lesenswerten Artikel in der ZEIT veröffentlicht.

50 Milliarden Euro

Dienstag, 09. Oktober 2012

wäscht die Mafia jedes Jahr in Deutschland. Gut, es sind nur Schätzwerte – in Wirklichkeit könnte die Summe noch höher sein. Die italienische Antimafia-Organisation Libera hat dazu etwas veröffentlicht (leider nur auf Italienisch). Angesichts solcher Summen ist es natürlich verständlich, und ganz  im Interesse sowohl der Mafia als auch der deutschen Politik, dass darüber möglichst kein Wort verloren wird. Fünfzig Milliarden Euro, nöö echt? Geldwäsche ist ja auch weniger sexy zu beschreiben als das stressige Leben eines vermeintlichen Bosses.

In Italien wird die deutsche Zurückhaltung beim Thema Mafia, um das jetzt mal höflich auszudrücken, naturgemäß etwas kritischer gesehen. Als sich die parlamentarische italienische Antimafia-Kommission vor ihrer Reise nach Deutschland  informierte, betonte ein Staatsanwalt der nationalen Antimafia-Ermittlungsbehörde noch mal die Lücken der deutschen Gesetzgebung, die es für die Mafia so appetitlich machen, in Deutschland ihre Geschäfte zu betreiben: Dank der Furcht der Deutschen vor dem vermeintlichen großen Lauschangriff kann praktisch nicht abgehört werden, dank der Beweislastumkehr müssen die Mafiosi auch nicht fürchten, nachweisen zu müssen, woher ihr Geld, nämlich die besagten 50 Milliarden (mindestens) kommen, die sie in Deutschland waschen, Mafiazugehörigkeit ist kein Strafbestand wie er in Italien definiert wird (wo die alleinige Zugehörigkeit zu einem Clan strafbar ist), und weil es die Mafiazugehörigkeit praktisch nicht gibt, gibt es also naturgemäß auch keine Urteile wegen selbiger – woraus folgt, dass ein weiteres Instrument zur Bekämpfung der Mafia, nämlich die Beschlagnahmung von Mafiagütern, in Deutschland praktisch nicht existiert.

Und er erwähnte auch, dass eine deutsche Bank den Windpark des kalabrischen Clans Arena mit 200 Millionen Euro finanziert hat. Das ist inzwischen auch nach Deutschland vorgedrungen, zu lesen hier.

Die Welt ist schlecht? Selbstverständlich. Aber es gibt auch Lichtblicke, hier und hier beispielsweise. Damit  die Litanei von der “Mafia? Hier? Nöö? Echt?” in Deutschland nicht ständig wiederholt wird.

 

 

Wiener Stadtgespräch

Freitag, 05. Oktober 2012

Wunderbares Wien. Nochmals Dank an die Wiener Arbeiterkammer für die Einladung!

Solidarität mit Francesca Viscone II

Samstag, 28. Juli 2012

(Übersetzung des Originalartikels aus Ossigeno)

KALABRIEN: DIE GESÄNGE DER MAFIA, HINTER DENEN SICH ‘NDRANGHETA UND DROHUNGEN GEGEN JOURNALISTEN VERBERGEN

 

„Ich werde Euch ruinieren“, sagte der Fotograf Francesco Sbano, als er in das Museum der ‘Ndrangheta von Reggio Calabria eindrang und die dort Beschäftigten sowie die Journalistin Francesca Viscone bedrohte: Eine Journalistin, die nicht nur Dozentin, sondern auch Mafiamusik-Expertin ist, und die seit mehr als zehn Jahren Sbanos Strategie kritisiert, heimtückisch mafiose Werte als volkstümliche Kultur auszugeben – um so das blutige Gesicht der organisierten Kriminalität zu verbergen. Viscone: „Ich wusste, dass ich mir Feinde geschaffen habe und bin beunruhigt.“

Ossigeno – Reggio Calabria, 26. Juli 2012
Er ist in das Museum der ‘Ndrangheta von Reggio Calabria am späten Nachmittag eingedrungen und hat sowohl die anwesenden Beschäftigten als auch die freie Journalistin und Dozentin Francesca Viscone bedroht, die nicht anwesend war. „Ihr verursacht uns einen Haufen Schaden. Ich werde Euch ruinieren“, schrie Francesco Sbano in drastischer Lautstärke. Sbano ist ein kalabrischer, aus Paola stammender Fotograf mit Wohnsitz in Hamburg. Drei junge Mitarbeiter von Claudio La Camera, dem Koordinator des Museums, waren seinen lautstarken Angriffen ausgesetzt. Wie die Antimafia-Organisation Libera in einer Solidaritätsnote mitteilt, beleidigte Sbano Francesca Viscone mit dem Schimpfwort, „das beschränkte Männer üblicherweise Frauen gegenüber anwenden“.
Sbano akzeptiert die kritische Analyse der Journalistin nicht, die als Expertin in dieser Materie wiederholt ihre negative Meinung über den Wert der von Sbano in Deutschland erfolgreich produzierten (in Deutschland 150 000 mal verkauft) Trilogie „Canzoni della malavita“ ausgedrückt hat. Ebensowenig erträgt es Sbano, dass das Museum einige Lieder dieser Trilogie in den Werkstätten für die Erziehung zur Legalität in Schulen benutzt, wo sie als negatives Beispiel für die Verherrlichung mafioser Werte dienen.

Nachdem Sbano in das Museum der ‘Ndrangheta eingedrungen ist, hat La Camera bei der Antimafia-Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria Anzeige gegen die Drohungen erstattet. Aber auch Francesca Viscone will die Dinge nicht einfach laufen lassen und bereitet eine Zusammenfassung vor, um den Antimafia-Staatsanwälten ihre zehnjährige Arbeit zu erläutern. „Ich unterrichte Deutsch in Lamezia Terme und habe in Deutschland gelebt“, sagt die Journalistin, „und ich empfand es als eigenartig, dass diese Mafia-Gesänge in Deutschland einen so großen Erfolg hatten. Also habe ich mich für das Thema interessiert, ich habe Sbano im Jahr 2000 interviewt und einen kritischen Artikel für das Monatsheft der Region Kalabrien geschrieben.“

Sbano reagierte erst im Jahr 2005, als Viscone kurz davor war, bei dem Verlag Rubettino ihr Buch „Die Globalisierung der bösen Ideen. Mafia, Musik, Massenmedien“ zu veröffentlichen: „Sbano rief mich und den Verlag an und forderte, das Buch nicht zu veröffentlichen. Er fühlte sich diffamiert. Er ließ sogar einen Brief durch einen Anwalt schicken, aber das Buch erschien trotzdem. Seitdem habe ich von Sbano nicht mehr gehört.“ Ende Mai informierte Claudio La Camera die Journalistin über den Vorfall im Museum der ‘Ndrangheta in Reggio Calabria.

„Nach dem Erscheinen der CD-Alben und der Konzerte berichteten einige europäische und amerikanische Zeitschriften über diese Gesänge (die unter anderem die Ermordung des Generals Dalla Chiesa verherrlichen, Anm. d. Red) und präsentierten sie als Ausdruck volkstümlicher kalabrischer Kultur,“ sagt Francesca Viscone. „Die Zeit, Der Spiegel, Le Monde, Newsweek und The Times schickten Korrespondenten nach Kalabrien, um dank der Vermittlung von Sbano selbsternannte Bosse zu interviewen. In meinem Buch habe ich aufgezeigt, dass der Vertrieb der ‘Ndrangheta-Lieder kein kultureller Selbstzweck ist, sondern Teil einer Kommunikationsstrategie, die das Ziel hat, mafiose Werte in Deutschland zu verbreiten und die Macht der ‘Ndrangheta gleichzeitig zu verbergen.“ In den letzten Jahren hat Francesca Viscone mehrere Artikel und Abhandlungen zu diesem Thema veröffentlicht. Kürzlich hat sie darüber auch einen Artikel für die Antimafia-Zeitschrift „Narcomafie“ geschrieben.

Sbano wird sowohl in Deutschland als Mitarbeiter geschätzt (Der Spiegel veröffentlicht seine Fotografien und rühmt die Fähigkeiten des Fotografen, Kontakte zu Bossen herzustellen) als auch in Italien: Sein Dokumentarfilm „Männer der Ehre“, in dem kapuzentragende Männer Sentenzen wie „Wenn die ehrenwerte Gesellschaft stirbt, sterben auch die Kalabresen“ von sich geben, wurde von Cinecittà Luce vertrieben und 2006 von der in San Luca ansässigen Corrado-Alvaro-Stiftung prämiert. Die ‘Ndrangheta-Lieder finden sich auch in Mailänder Bibliotheken.

Das letzte Werk des Fotografen aus Paola ist das Buch „Die Ehre des Schweigens. Ein Mafiaboss packt aus“, das in Deutschland erschien. „Sbano ist sehr geschickt, er pflegt wichtige Kontakte im europäischen Journalismus. Seine Darstellung, dass die ‘Ndrangheta nichts anderes als eine traditionelle Kultur sei, die ausschließlich zu Kalabrien gehöre, wird im Ausland als sehr beruhigend empfunden: Wenn es sich um eine typische Kultur handelt, kann sie woanders keine Wurzeln fassen. Die ausländischen Journalisten haben eine große Verantwortung, sie begreifen offenbar nicht, dass auf diese Weise mafiose Werte vermittelt werden. In Italien haben meine Veröffentlichungen dazu geführt, dass Sbanos Arbeit an Glaubwürdigkeit verlor: Nachdem es anfänglich vor zehn Jahren ein starkes Interesse gab, sprechen die italienischen Journalisten heute nicht mehr von seiner Trilogie.“

Die Gesänge der ‘Ndrangheta sorgen jedoch weiter für Aufmerksamkeit: Der Bildband „Malacarne“ von Alberto Giuliani
erschien zusammen mit den von Sbano produzierten CDs. In dem Bildband wurden auch Texte namhafter Antimafia-Kämpfer veröffentlicht, darunter Rita Borsellino, Nicola Gratteri, Roberto Saviano, ohne dass diese ahnten, dass ihre Texte zusammen mit den ‘Ndrangheta-Lieder vertrieben wurden. Auch darüber schrieb Francesca Viscone, im Blog von Strozzateci Tutti und im Quotidiano della Calabria hat sie den Vorfall beschrieben – worauf die Redaktion von Sbano telefonisch bedroht wurde. „Die Redaktion des Quotidiano hat mir immer Platz eingeräumt und mich unterstützt, von den telefonischen Drohungen habe ich erst jetzt erfahren. Man hatte mir nichts davon gesagt, um mich nicht zu beunruhigen,“ sagt Francesca Viscone.

„Natürlich war mir klar, dass ich mir mit all diesen Veröffentlichungen Feinde geschaffen habe,“ sagt Francesca Viscone. „Aber was mir zu denken gibt, ist die Irrationalität von Sbanos Verhalten: Wie kann er auf die Idee kommen, vor Zeugen und Videokameras straflos Menschen bedrohen zu können? Offenbar ist er davon überzeugt, Menschen erfolgreich einschüchtern zu können, ohne dass jemand das Wort erhebt – weil das Stereotyp besagt, dass sich in Kalabrien niemand wehrt, niemand rebelliert. Und das Schimpfwort, mit dem er mich bedachte, beweist, dass er mit seiner Macho-Ideologie Reaktionen von Frauen erst recht nicht erträgt. Wenn die Beschränktheiten enthüllt werden, auf denen er glaubte, seinen Erfolg aufzubauen, ist  klar, dass er dann die Kontrolle verliert. Und das macht mir natürlich Sorgen“
Francesca Viscone ist die zehnte Journalistin, die in Kalabrien im Jahr 2012 bedroht wurde.

Daniele Ferro für Ossigeno.

Der Film

Dienstag, 24. Juli 2012

Am Freitag läuft “Von Kamen nach Corleone” auf 3sat, um 20.15 Uhr

Samstag, 14. Juli 2012

The Scotsman made my day.