Kategorie: Mafia in Deutschland

Arbeit für alle! Erpressungen, Kokain, Heroin!

Mittwoch, 27. August 2014

Immer wieder schön. In der Schweiz wurden 16 ‘Ndranghetisti festgenommen, die im idyllischen Frauenfeld seit 40 (vierzig!) Jahren ihre Geschäfte machten – und alle fallen aus den Wolken. Was? Mafia? Hier? Wie kann das sein? Es kann sich hier doch nur um eine Ausnahme handeln! Wir sind, wenn überhaupt, doch nur Rückzugsraum!

Wie wunderbar integriert der kalabrische Mafioso in der Schweiz war, lässt sich hier nachlesen. Und hier auch das schöne Polizeivideo von dem Treffen der Mafiosi (Nachdem die Herren die Förmlichkeiten hinter sich gebracht haben, also die Begrüßungsformeln heruntergenudelt haben, mehr oder weniger lustlos, geht es um die Geschäfte: “Wenn wir über Mord oder Erpressungen sprechen müssen, treffen wir uns zu dritt, zu viert oder zu fünft, wie ich es immer gesagt habe.” Vor allem aber geht es darum, die offenbar etwas zur Bequemlichkeit neigenden Jungen zum Jagen zu tragen: “Wir haben uns unsere Namen gemacht, jetzt seid ihr an der Reihe! Wer arbeiten will, kann arbeiten! Es gibt Arbeit für alle: Erpressungen, Kokain, Heroin! Zehn Kilo, zwanzig Kilo, ich bring’ sie euch persönlich vorbei.

Die Zelle in Frauenfeld tauchte bereits 2010 und 2011, bei den Ermittlungen “Crimine” und “Crimine2″ auf, als über 340 Mitglieder der ’Ndrangheta in der ganzen Welt verhaftet wurden, nachzulesen auch hier.

Schön zu beobachten ist, wie sofort die Beschwichtigungsmaschine angeworfen wird, sobald in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Mafiosi festgenommen werden: Liebe Schweizer, auch Ihr dürft weiterschlafen, empfiehlt denn auch der Bundesanwalt: “Die hauptsächlichen kriminellen Aktivitäten würden aber in Italien und nicht hier durchgeführt.” Der “Rückzugsraum” ist ein Mantra. Der einzige, der sich etwas kritischer äußert, und ist der (ehemalige) Staatsanwalt Paolo Bernasconi (hier auch diverse interessantes Radio-Interviews mit ihm). Die neue Strafprozessordnung etwa verlangt von den Schweizer Ermittlern, Personen, deren Telefon abgehört wurde, im Nachhinein darüber zu informieren.

Davon träumen die Mafiosi in Italien natürlich auch. Doch das hat nicht mal Berlusconi hingekriegt. Aber wer weiß, vielleicht schafft es jetzt Renzi mit seiner Justizreform.

Das Wahr-Lügen

Sonntag, 24. August 2014

Endlich ist es so weit, und ich kann meinen neuen Liebhaber vorstellen: Am 8. September erscheint mein Roman “Palermo Connection“. –  Ein Roman? – Ja. – Also alles erfunden? – Alles erfunden. – Und warum?

Weil mir Louis Aragon ins Ohr geflüstert hat. Er nannte es mentir vrai, das Wahr-Lügen: Ein Schriftsteller enthüllt die Wirklichkeit, indem er sie erfindet.

Und so habe ich die Antimafia-Staatsanwältin Serena Vitale erfunden – die Serena genannt wird, aber eigentlich mit dem Vornamen Santa Crocifissa geschlagen ist: heilige Kruzifixin. (Sie wurde nach ihrer im Kindbett verstorbenen Großmutter benannt.) Auch der Prozess, den Serena Vitale gegen einen Minister führt, der angeklagt ist, mit Mafia zusammenzuarbeiten, ist ausgedacht. Der Minister natürlich auch. Auch der deutsche Journalist Wolfgang W. Wieneke existiert nur in meiner Fantasie. Und trotzdem ist alles wahr.

Ich lüge, um die Wahrheit zu erzählen.

Hier ist der Trailer zu Palermo Connection.

Cover

 

Heilig, heilig, heilig

Mittwoch, 06. August 2014

Meine Frisur hat sich geändert. Aber sonst: nichts, leider. Die Mafia in Deutschland, wie sie leibt und lebt – wer mehr wissen will und etwas Zeit hat: hier. (Nutzen Sie die Gelegenheit, solange die ARD-Mediathek sie noch gewährt! Auch Sie haben dazu beigetragen, dass dieser Film entstehen konnte, der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört allen!) Darin auch Interessantes zum Verhältnis von Mafia und Kirche (zur päpstlichen Exkommunikation auch hier und hier ): ab Minute 26 ungefähr sind wir in San Luca, bei Don Pino. Der ja erst in dieser Woche heilig gesprochen wurde. Vom Spiegel jedenfalls.  :-)

Exkommuniziert II.

Dienstag, 08. Juli 2014

Kleiner Nachtrag zur Jubelarie, die überall zu hören war, nachdem der Papst (von Kalabrien aus) die Mafiosi exkommuniziert hat. Keine zwei Wochen später hat sich die Madonna in Kalabrien während der Prozession vor dem Haus des Bosses verneigt. „Die Riten, die Feste sind eine Explosion des Heidnischen – all das Sektierertum, das den Kult begleitet, ist nichts anderes als ein Ersatz für die politischen Kämpfe in der Stadt”, sagte einst der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia. Es geht bei einer Prozession also um die Demonstration der Macht – und da darf die Mafia nicht fehlen, päpstliche Ermahnungen hin oder.

Und praktisch zeitgleich zum Kniefall der Madonna vor dem Haus des Bosses gerieren sich die Mafiosi als Opfer der päpstlichen Exkommunikation:  200 Ndranghetisti kündigen im Gefängnis von Larino an, nicht mehr zur Messe zu kommen. Kleine Gesten von großer Bedeutung.

Der kalabrische Staatsanwalt Nicola Gratteri sieht darin eine Kampfansage der kalabrischen Mafia an den Papst: “Entweder wird hier wieder nachgegeben, oder es kommt zu einer Auseinandersetzung.” Aber keine Angst: Die Mafia verhält sich immer pragmatisch. Bevor es zu einer echten Auseinandersetzung kommt (auch die Ermordung des sizilianischen Priesters Padre Puglisi wird als Reaktion auf die Rede von Johannes Paul II. in Agrigent 1992 betrachtet, in der er den Mafiosi mit der Hölle drohte), neige die Ndrangheta dazu, zu verhandeln, sagte Gratteri. Etwa dank fürstlicher Geschenke an den Vatikan.

Gratteri hob auch noch mal die Rolle des Bischofs Bregantini hervor: Er war es, der nun mit den 200 inhaftierten Ndranghetisti sprach. Bregantini hat darin einige Erfahrung: Er ist der  ehemalige Bischof von Locrì, ein guter Freund von Don Pino, dem Pfarrer von San Luca und geistigem Oberhaupt des kalabrischen Wallfahrtsortes Santa Maria di Polsi. “Und ich habe Monsignor Bregantini in die Augen geschaut und gesagt: Sehen Sie, endlich ändert sich die Welt. Nach Polsi gehen nicht die Menschen, die in Diskotheken gehen wollen. Nach Polsi kommen Menschen, die Tränen in den Augen haben. Und wer kann die Tränen besser abwischen als eine Mutter? Die Mutter Gottes?  Und der Bischof sagte dann im Fernsehen: Wenn das hier in Polsi eine Versammlung der ‘Ndrangheta ist, dann bin ich der erste Mafioso,” sagte Don Pino kurz nach dem Massaker von Duisburg.

Zu dem Wallfahrtsort Santa Maria di Polsi, pilgern im September nicht nur kalabrische Gläubige aus der ganzen Welt, sondern auch die ‘Ndrangheta, die sich hier zu einer Art jährlichen Betriebsversammlung trifft. Die Clanführer besprechen in Santa Maria di Polsi anfallende Probleme, darunter damals auch die Folgen des Massakers von Duisburg. Bei der Ermittlungsaktion “Crimine” 2010, in deren Verlauf über 340 Mitglieder der ’Ndrangheta in der ganzen Welt verhaftet wurden, in Italien, Australien, Kanada, Deutschland und der Schweiz – filmten die Ermittler auch ein Treffen der Bosse im Wallfahrtsort Polsi.

Und Bischof Bregantini wurde irgendwann von Locri nach Campobasso versetzt.

Palermo Connection

Dienstag, 03. Juni 2014

Gestern in Mannheim kam es zu einer kleinen Weltpremiere: Ich las ein paar Seiten aus den Fahnen von Palermo Connection, meinem neuen Roman, der am 9. September erscheint. Der Countdown läuft! Nur noch 89 mal schlafen.

Dieser Plot muss noch mal überarbeitet werden.

Sonntag, 02. März 2014

Also. Der Plot geht so: Da haben wir einen als hyperkorrekt und engagiert geltenden Politiker im NSU-Ausschuss, dessen Name auf dem Höhepunkt seiner ausgezeichneten und hochgelobten Arbeit auf einer Kinderporno-Kundenliste auftaucht. Die Politiker und hohen Staatsbeamten, die davon erfahren, (wobei der Leser  im Unklaren darüber gelassen wird, ob die Politiker und hohen Staatsbeamten tatsächlich erst jetzt davon erfahren, oder ob sie nicht schon länger Kenntnis davon hatten) mauscheln miteinander. Unter den hohen Staatsbeamten, die mit den Politikern mauscheln, befindet sich auch der Chef des BKA – der in einem anderen, vorangehenden Kapitel dieses Romans (während seiner Befragung im NSU-Ausschuss) dem als hyperkorrekt und engagiert geltenden Politiker ziemlich übertrieben aggressiv geantwortet hat, was alle verwundert hatte. (Vom Autor als ein vielleicht allzu deutlicher Hinweis für die Leser gedacht?) Auf dem Höhepunkt der Mauschelei zwischen Politikern und Staatsbeamten wird deutlich, dass PLÖTZLICH auch noch das Laptop des als pädophil geltenden Politikers abhanden gekommen ist, während von der Festplatte des anderen Computers nur noch Splitter gefunden worden sind. Und dann kommt der Autor dieser abstrusen Geschichte auch noch auf die Idee, ausgerechnet noch einen  hohen BKA-Beamten einzuführen, der sich ebenfalls auf der selben Kinderporno-Kundenliste befindet, und der im BKA für was zuständig war? Für schwere und organisierte Kriminalität. 

Als Romanautorin würde ich sagen: Nee. Too much. Viel zu offensichtlich. Das nimmt dir keiner ab.

Mafiamusik und Wirklichkeit

Mittwoch, 12. Februar 2014

Und manchmal wirft sich die Wirklichkeit in den Weg. So geschehen dem kalabrischen Mafiamusikproduzenten und Mitarbeiter des SPIEGEL, Francesco Sbano, Blog-Lesern nicht unbekannt, dem die Staatsanwaltschaft Reggio Calabria nun die Meldung über den Abschluss ihrer Ermittlungen mit den Hinweisen auf seine Verteidigungsrechte zugestellt hat. Sbano werden drei – in Tateinheit  begangene – Straftatbestände zur Last gelegt: BedrohungBeleidigung und Verleumdung. Anlass war Sbanos bizarrer Auftritt im “Museum der Ndrangheta” in Reggio Calabria, über den das Nationale Observatorium für bedrohte Journalisten, mein Blog (“Solidarität mit Francesca Viscone”)  und die taz (“Ein Mann, seine Ehre und sein Kampf”) berichteten. Ein Verfahren wird sich nun kaum mehr abwenden lassen.

Seit Jahren bemüht Sbano sich aufopferungsvoll darum, den Deutschen ein folkloristisches Bild von der Mafia zu liefern: Eine archaische Gemeinschaft, die singt, tanzt und sich hin und wieder selbst umbringt – also nichts, wovor die Deutschen sich wirklich fürchten müssen. Zuletzt bekam Sbano in Berlin im Haus der Kulturen Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzustellen – Anlass für “Mafia? Nein Danke!” einen Protestbrief an die Intendanz zu verfassen.

Verlässlich wie sonst nur Woody Allen mit seinen Komödien beglückt Sbano das deutsche Publikum nahezu jährlich mit neuen Initiativen. So veröffentlichte er ein Buch mit den angeblichen Einblicken eines Mafiabosses unter dem kuriosen Titel Die Ehre des Schweigens. Ein Boss packt aus“, legte seine Mafiamusik einem Buch bei, dessen Autoren nichts von dieser Gesellschaft wussten - und drehte ein Video über die »ehrenwerten« Männer , uomini d’onore, das vermummte Männer in den Wäldern des Aspromontegebirges zeigt, die auf nervös tänzelnden Pferden posieren und nuschelnd erklären, dass die Mafia so etwas wie das Weltkulturerbe sei. Es mag Zufall gewesen sein, dass die Universität Bochum kurz nach dem Duisburger Mafiamassaker keinen Geringeren als Francesco Sbano zusammen mit Antonio Pelle einlud, den aus San Luca stammenden Betreiber des Duisburger Hotels Landhaus Milser, um vor den Studenten über die Mafia zureden. Und Sbanos »exklusives Videomaterial« zu zeigen, wie es hieß. 

Die kalabrische Schriftstellerin Francesca Viscone verfolgt Sbanos Anstrengungen seit seinen Anfängen. Sie analysierte  die Propagandawirkung der Mafiamusik in ihrem viel beachteten Buch “La globalizzazione delle cattive idee” (Die Globalisierung der bösen Ideen) und schrieb darüber auch einen Artikel in der ZEIT.

In Italien fand der Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Reggio Calabria gegenüber Sbano ein großes Echo, nicht nur in Kalabrien, wo der Quotidiano della Calabria und Il Dispaccio berichtete, sondern auch im Corriere della Sera sowie die Antimafiaorganisationen Antimafia duemila und 100passi.

 

Solidarität mit Nino di Matteo II.

Sonntag, 19. Januar 2014

Ja, Italien ist ein eigenartiges Land. Da ruft ein Mafiaboss aus der Hochsicherheitshaft zu einem Mord an einem Antimafia-Staatsanwalt auf – und es passiert … nichts. Von den italienischen Politikern: kein Wort der Solidarität, keine Anteilnahme, nichts. Schweigen.

Nino Di Matteo führt die Anklage im Prozess um die sogenannte Trattativaden Verhandlungen (vielleicht sollte man besser Geschäftsbeziehungen sagen, das wäre etwas treffender) zwischen Staat und Mafia – weshalb der Mafiaboss Totò Riina vor zwei Monaten aus der Hochsicherheitshaft heraus zum ersten Mal  Mord an Nino Di Matteo aufgerufen hat. Und seitdem keineswegs geschwiegen hat.

Seit kurzem steht ein Hubschrauber für Nino Di Matteo bereit, neben 42 Carabinieri, aus denen Di Mattes Leibwache besteht: Neun Carabinieri, die ihm auf Schritt und Tritt folgen, dreiunddreißig, die sein Haus bewachen und  die Straßen in Palermo kontrollieren, auf denen der Staatsanwalt in drei Autos unterwegs ist. Sinnvoll wäre es, einen Bomb-Jammer einzusetzen, ein Gerät, das Bomben aufspürt – mit denen in Italien so wertvolle Persönlichkeiten wie der Papst und besagter Gewohnheitsverbrecher beschützt werden. Nicht aber Nino Di Matteo. Innenminister Alfano (remember: das Hündchen, das für den Gewohnheitsverbrecher die Stöckchen apportierte) möchte erst die Testergebnisse abwarten –  ob der Einsatz des Bomb-Jammers nicht möglicherweise gesundheitsschädlich sein könnte (kein Witz). Mehr als alle Hubschrauber, Carabinieri, Bomb-Jammer wäre ein klares Wort hilfreich.

Aber Matteo Renzi, der neue Generalsekretär der PD, hatte Besseres zu tun, er musste sich mit dem vorbestraften Gewohnheitsverbrecher B. treffen, um sich mit ihm über ein neues Wahlrecht zu einigen. Ministerpräsident Letta hat das böse Wort Mafia noch nie ausgesprochen. Und Staatspräsident Giorgio Napolitano war 1992 Parlamentspräsident und weiß über die Verhandlungen zwischen Staat und Mafia mehr, als ihm lieb ist. (Es mag Zufall sein, dass die Mafia 1993 zwei Attentate auf zwei römische Kirchen ausübte, die die Vornamen des damaligen Senatspräsidenten Giovanni Spadolini und des Parlamentspräsidenten Giorgio Napolitano tragen,  auf San Giorgio al Velabro und San Giovanni in Laterano) Napolitano wurde als Zeuge für den Prozess um die Trattativa aufgerufen. Und sorgte sogleich dafür, dass der Mitschnitt eines Telefongesprächs zwischen ihm und dem angeklagten ehemaligen Innenminister Mancino zerstört wurde.

Zuletzt wurde in der Zelle von Totò Riinas Zellennachbarn, dem apulischen Boss der Sacra Corona unita, Alberto Lorusso, ein Brief gefunden, der mit dem phönizischen Alphabet verschlüsselt war und Worte wie Attentat, Bagarella (Riinas Schwager, ebenfalls seit Jahrzehnten inhaftiert) und Papello enthielt (die Liste mit zwölf Forderungen, die die Mafiabosse 1992 bei den Verhandlungen mit italienischen Politikern und hohen Staatsbeamten stellten – und dafür  im Gegenzug das Ende der Terrorakte und Wählerstimmen anboten. Sie reichten von der Revision der Urteile des Maxiprozesses über die Abschaffung der Hochsicherheitshaft für Mafiosi und der Kronzeugenregelung bis zum Ende der Beschlagnahmung von Mafia-Gütern. Und wurden, wie es jeder aufmerksame Zeitungsleser verfolgen konnte, beflissen umgesetzt. Nicht nur von der Berlusconi-Regierung, sondern auch von den Linksdemokraten.) Niemand weiß, woher der Brief kam. Wer ihn verfasst hat.

Was bringt Totò Riina so gegen Di Matteo auf? Riina wurde bereits zu zehn mal lebenslänglich verurteilt, wird also ohnehin nicht mehr in Freiheit kommen. Selbst wenn der Prozess klären sollte, dass Riina mit den Politikern verhandelt hat, wird das nicht sein kriminelles Prestige schmälern, ganz im Gegenteil. Sollte Di Matteo tatsächlich etwas zustoßen, dann wäre das für Riina – auf den ersten Blick – nur kontraproduktiv, weil es ja die These der Anklage bestätigen würde.

Wie es der Staatsanwalt Roberto Scarpinato bei einer Soldaritätsveranstaltung für Nino Di Matteo ausgeführt hat, geht es Riina vor allem darum, dem italienischen Staat eine Lehre zu erteilen – und dafür zu sorgen, dass die Münder aller Beteiligten weiterhin verschlossen bleiben. Denn die Zeiten sind ähnlich unsicher wie Anfang der 1990er Jahre –  als die Mauer gefallen war und sich die neue geopolitische Situation in keinem anderen westeuropäischen Land so sehr niedergeschlagen hat wie in Italien: Die alten Parteien zerfielen, und die Mafia hatte vorübergehend keinen festen Ansprechpartner mehr.

Und heute? B. ist ein Zombie, und es gibt eine neue politische Kraft, die noch nicht unter Kontrolle gebracht wurde. Ein Viertel der Italiener hat die Fünf-Sterne-Bewegung gewählt. Die Mafia hat ihre Meinungzur Regierungsbildung  in einem anonymen Brief klar ausgedrückt: Weder Schwule noch Komiker sollten die Regierung stellen. Was dann auch sofort befolgt wurde.

Jetzt könnte man sagen: Italien! Ist das alles schrecklich! Der furchtbare B. und die Mafia, und wie gut geht es uns in Deutschland, wo die Mafia nur gelegentlich zur Sommerfrische vorbeikommt, vulgo Deutschland höchstens als “Rückzugsraum” benutzt. Und natürlich kein Politiker  … Klar, hier wird eine Menge Geld gewaschen, genauer 50 Milliarden Euro pro Jahr, aber, hey, betrifft uns das?

Paolo Borsellino sagte: Politik und Mafia sind zwei Mächte, die auf demselben Territorium leben. Entweder bekriegen sie sich. Oder sie einigen sich.

Auch in Deutschland.

 

Keine Erinnerung

Montag, 13. Januar 2014

Schöne Geschichte heute im Spiegel – die von Walter Mayr über den in Süditalien vergrabenen Giftmüll und die Aussagen des abtrünnigen Mafiosos Schiavone – der auch mit dem BKA über die Geschäfte der Casalesi in Deutschland geredet hat. Besonders schön der Satz: “An Gespräche über Giftmüll oder gar Nuklearmüll hätten die betroffenen Beamten aber keine Erinnerung.”

 

La mafia in Germania?

Montag, 09. Dezember 2013

Non ci riguarda. Dicono i politici tedeschi.