Kategorie: Mafia in Deutschland

Und jetzt mal das Positive

Freitag, 17. November 2017

Christof Siemes hat in der  Zeit N° 47 / 2017 sehr klar und sehr verständlich dargelegt, worum es eigentlich geht: Nicht um mich, sondern um die Pressefreiheit in Deutschland. Hier ist der Artikel:

Vor dem Gesetz

Warum die preisgekrönte Investigativjournalistin Petra Reski über die Mafia nur noch in Romanform schreibt

VON CHRISTOF SIEMES

»Ich fürchte mich nicht vor der Mafia, sondern vor der Feigheit der Anständigen«, heißt es in Bei aller Liebe, Petra Reskis jüngstem Roman über die Umtriebe der Mafia in Italien und Deutschland. Was sie im Buch einer fiktiven Staatsanwältin in den Mund legt, könnte die preisgekrönte Autorin mit Fug und Recht auch von sich selbst sagen. Seit Jahren beschäftigt sie sich in Sachbüchern, Zeitungsartikeln (auch für die ZEIT) und Romanen mit den Verbrechen von Cosa Nostra und Co.; zeitweise konnte sie nur unter Polizeischutz öffentlich auftreten. Doch die meisten Probleme hat sie bei ihrer verdienstvollen Arbeit zurzeit nicht mit irgendwelchen finsteren Gestalten, sondern mit den Feinheiten der deutschen und internationalen Rechtsprechung sowie einem prominenten Verleger aus Berlin.

Vor zwei Wochen hat das Landgericht Hamburg das jüngste Urteil in einer Reihe von Prozessen gefällt, in die Petra Reski seit Jahren verwickelt ist. Diesmal hatte sie selbst geklagt – gegen Jakob Augstein, den Spiegel-Erben, Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung Der Freitag. Im März 2016 war dort Reskis Artikel Die Bosse mögen’s deutsch erschienen, in dem sie unter anderem über einen Prozess schrieb, den ein italienischer Geschäftsmann aus Erfurt gegen eine Mafia-Dokumentation des MDR erfolgreich angestrengt hatte, in der er sich als mutmaßliches Mafiamitglied dargestellt wähnte. In ihrem Artikel nannte Reski den Gastwirt beim Namen – im Glauben, es handele sich um zulässige Gerichtsberichterstattung. Dennoch verklagte er wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte zunächst Reski persönlich und dann den Freitag, der den Artikel daraufhin von seiner Website nahm und seine Autorin – entgegen den Gepflogenheiten der Medienbranche – mit den juristischen Scharmützeln alleinließ.

Nicht genug damit, dass der in seinen Kolumnen auf Spiegel Online stets so kämpferische Augstein der freien Investigativjournalistin Reski den Rechtsschutz versagte; in diversen Tweets und Stellungnahmen zog er die Seriosität ihrer Arbeit prinzipiell in Zweifel. Gegen fünf dieser Äußerungen klagte sie, drei davon darf Augstein nun nicht mehr wiederholen. Der Schaden freilich bleibt: Zum einen muss Reski den größeren Teil der Gerichtskosten tragen, zum anderen darf Augstein zum Beispiel mit Blick auf die Autorin weiter behaupten, Redaktionen seien »keine Rechtsschutzversicherung für mangelhafte Recherche«. Auch wenn Petra Reski gegen das Urteil Berufung einlegen wird – welcher Journalist wird sich nun an einen Artikel zum Thema Mafia wagen, wenn selbst namhafte Verleger das damit unweigerlich verbundene Risiko scheuen und sich beim geringsten Gegenwind von ihren Autoren distanzieren?

Anderer Art ist das Dilemma, das ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg illustriert. Diesmal geht es um Petra Reskis Sachbuch Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern aus dem Jahr 2008. Auch dagegen hatte ein italienischer Geschäftsmann geklagt, weil er sich zu Unrecht als »mutmaßliches Mitglied der ’Ndrangheta«, der kalabrischen Mafia, bezeichnet sah.

Über einen solchen Verdacht darf berichtet werden, wenn er sich auf einen »Mindestbestand an Beweistatsachen« stützen kann. Als solche nannte Reski in ihrem Buch unter anderem interne Berichte des Bundeskriminalamts; auf dem Weg durch diverse Instanzen brachte sie zudem weitere Akten sowie eidesstattliche Versicherungen italienischer Ermittler bei. Der zweithöchste italienische Anti-Mafia-Ermittler bot sogar an, selbst vor einem deutschen Gericht die Verstrickungen des Klägers zu bezeugen.

Allein: All dieses Material wurde von der deutschen Justiz nicht als sogenannte privilegierte Quelle akzeptiert. Eine Beschwerde dagegen beim Bundesverfassungsgericht wurde abgewiesen; Reskis Verlag Droemer Knaur (der seiner Autorin, anders als Augstein, in dem jahrelangen Verfahren die Treue hielt) schwärzte die entsprechenden Stellen im Buch, zahlte an den Geschäftsmann 10 000 Euro Schadensersatz – und rief schließlich das oberste europäische Gericht an. Hier wurde nun nicht mehr der konkrete Fall verhandelt; im Verfahren von Reskis Verlag gegen die Bundesrepublik Deutschland ging es um eine übergeordnete Frage: Hat die deutsche Justiz mit ihren Urteilen in dieser Sache das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt?

Sechs der sieben Richter sagen: Nein. Als Quellen der Berichterstattung akzeptieren auch die Straßburger Richter – wie zuvor ihre deutschen Kollegen – nur offizielle, für die Öffentlichkeit gedachte Stellungnahmen einer ermittelnden Staatsanwaltschaft oder rechtskräftige Urteile. Das heißt: BKA-Berichte und andere interne Dokumente reichen demnach nicht aus, um über den Verdacht mafiöser Umtriebe unter Nennung von Klarnamen berichten zu können.

Der Gedanke dahinter ist durchaus nachvollziehbar: Der Persönlichkeitsschutz ist ein hohes Gut; ein Verdacht wird schnell in die Welt gesetzt, und schon eine anonyme Anzeige kann zu einer Aktennotiz bei den Ermittlungsbehörden führen, die aber noch nicht automatisch als Quelle taugt. Will man solche Interna dennoch nutzen – und ohne sie ist investigativer Journalismus schlechterdings unmöglich –, muss der Betroffene vor Veröffentlichung seines Namens mit den Erkenntnissen konfrontiert und seine Stellungnahme eingeholt werden. Dies haben die europäischen Richter nun noch einmal ausdrücklich betont.

Im Falle einer Berichterstattung über die Mafia mutet diese Rechtsprechung freilich einigermaßen weltfremd an. Soll eine freie Autorin ohne die Rückendeckung einer großen Redaktion das erwartbare Dementi einholen, damit ihr demnächst aufgelauert und gedroht wird, wie es Petra Reski schon widerfahren ist? Immerhin eine Richterin des EuGH mochte sich diesem unbedingten Vorrang des Persönlichkeitsschutzes vor dem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht anschließen. Vielleicht liegt es daran, dass Nona Tsotsoria aus Georgien kommt und dort ihre eigenen Erfahrungen mit mafiösen Strukturen gemacht hat. In ihrem abweichenden Votum zum Urteil ihrer Kollegen erachtet sie interne Berichte durchaus als offizielle Quellen und bedauert »diese beunruhigende Abweichung von der gängigen Auffassung der Rechtsprechung zutiefst«.

In Italien, wo Petra Reski seit Jahrzehnten lebt, ist die Rechtslage aufgrund der Erfahrungen im Anti-Mafia-Kampf in vielen Bereichen anders. Zum Beispiel ist dort schon die bloße Zugehörigkeit zur Mafia ein Straftatbestand. Zudem hat man zur Verhinderung von Geldwäsche die Beweislast umgekehrt: Wer große Mengen Bargeld besitzt, muss deren Herkunft erklären können – in Deutschland dagegen müssen die Ermittlungsbehörden nachweisen, dass das Geld eventuell aus illegalen Geschäften stammt. Bei der Berichterstattung ist es im Heimatland der Cosa Nostra erlaubt, unter Nennung der Namen aus allen verfügbaren Quellen zu zitieren; dazu gehören auch die Protokolle der vielen Abhöraktionen, die in diesem Umfang in Deutschland nie genehmigt würden, ohne die aber der Kampf gegen die Clans kaum möglich ist. (Dass diese Praxis auch ihre Schattenseiten hat und vollkommen Unbeteiligte in Ermittlungsakten auftauchen können, ist unbestritten.) Natürlich klagen auch in Italien mutmaßliche Mafiosi gegen die Berichterstattung über sie. Aber ihr sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein Journalist mit internen Quellen vor Gericht unterlegen wäre, sagt Petra Reski.

Um sich die weitere Auseinandersetzung mit Augstein und dem Erfurter Geschäftsmann überhaupt leisten zu können, hat sie ein Crowdfunding veranstaltet; 262 Unterstützer brachten binnen Kurzem 20 000 Dollar auf. Aber selbst die werden nicht reichen, sollte der Ostitaliener mit seiner jüngsten Schadensersatzforderung erfolgreich sein: Er verlangt 25 000 Euro – mehr als genug, um eine freie Journalistin endgültig mundtot zu machen und viele ihrer Kollegen gleich mit. Verhandelt wird darüber im Februar.

Petra Reski hat aus den Querelen einen gleichermaßen beunruhigenden wie befreienden Schluss gezogen: Sie ist mit ihrer Arbeit ins Reich der Fiktion ausgewandert und schreibt über die Mafia nur noch in Romanform. Das ist schade, weil es eine Niederlage für die Meinungs- und Pressefreiheit bedeutet und Reskis Hartnäckigkeit in diesem journalistischen Feld fehlen wird. Aber es ist auch schön, weil es mittlerweile drei fesselnde Romane über die Staatsanwältin Serena Vitale gibt. Darin stehen mehr wahre Begebenheiten über die Mafia, als in einer Zeitung je geschrieben werden könnten. Geklagt hat gegen diese Bücher noch niemand.

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Last call! Lesereise! #BeiallerLiebe!

Mittwoch, 01. November 2017

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Ein schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit

Donnerstag, 19. Oktober 2017
Santa Mafia

Petra Reski „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ Droemer 2008

„Ich bedauere diese beunruhigende Abweichung von der gängigen Auffassung der Rechtsprechung zutiefst“, stellte Richterin Tsotsoria am Ende des soeben ergangenen Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte fest.

Es ist in der Tat ein schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit: Mit seinem soeben ergangenen Urteil hat der Europäische Gerichtshof die Beschwerde des Verlages Droemer Knaur abgelehnt, derzufolge die Schwärzung meines Buches „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ (Droemer 2008) und die Geldentschädigung von 10 000 Euro gegen die freie Meinungsäußerung (Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention) verstoße. Ich stimme mit der Verlagsleiterin Margit Ketterle darin überein: Wenn sich Journalisten und Verlage für die Verdachtsberichterstattung nicht auf den Rückgriff auf qualifizierte Quellen verlassen können und Journalisten vor Gericht beweisen müssen, dass Verbrechen begangen wurden, dann ist die Pressefreiheit in Gefahr.

Mich hat dieses Urteil darin bestärkt, auch in Zukunft weiterhin Romane über die Mafia zu schreiben. Soeben ist bei Hoffmann&Campe erschienen: „Bei aller Liebe. Serena Vitales dritter Fall“ handelt vom Geschäft der Mafia mit Migranten.

*

Richterin Tsotsoria legte Wert darauf, ihre abweichende Meinung im Urteil zur Kenntnis zu bringen:

I voted in favour of finding a violation of Article 10 of the Convention in this case.

The publication by the applicant company indisputably concerned a matter of great public interest – the activities of the mafia in Germany. In the book, S.P.’s alleged membership of the criminal organisation was presented as a presumption and not as a fact. This assumption was based on a variety of sources, including the official reports of the Federal Office of Criminal Investigation. In those circumstances, contrary to the findings of the present case, the case-law does not require that journalists undertake independent research. The case-law also provides that journalists must be free to report on events based on information gathered from official sources without further verification (see Koniuszewski v. Poland, no. 619/12, § 58, 14 June 2016, with references to other case-law).

I consider that the author of the book, a journalist who is renowned for her anti-Mafia publications, acted in good faith, in compliance with the duties and responsibilities enshrined in Article 10 of the Convention. Equally, I do not find it possible to reproach the applicant company for overstepping the allowed limits of exaggeration. Moreover, the possible meaning of “high level of suspicion” (see paragraph 47 of the judgment) in terms of the Court’s case-law is also unclear to me. Further, I am not convinced that the applicant company was given appropriate opportunities by the domestic courts to put forward arguments regarding the veracity of the information.

 

In a nutshell, based on the above arguments and sharing the rationale of the applicant’s reasoning, I find that the local courts failed to strike a proper balance between the applicant company’s freedom of expression and the right to respect for S.P.’s private life and reputation, as required by the criteria established by the Court’s case-law. In my view, the national judicial authorities did not give due consideration to the importance and the scope of the principle of freedom of expression, which should result in a narrow margin of appreciation being accorded to the decisions of the national courts. This fact meant that the Court ought to have substituted its view for that of the domestic courts (see Aksu v. Turkey [GC], nos. 4149/04 and 41029/04, § 67, ECHR 2012, and Palomo Sánchez and Others v. Spain [GC], nos. 28955/0628957/0628959/06 and 28964/06, §57, ECHR 2011).

 

I deeply regret this troubling departure from the prevailing understanding of the case-law of this Court.

*

ABWEICHENDE AUFFASSUNG DER RICHTERIN TSOTSORIA

Ich stimmte dafür, in diesem Fall einen Verstoß gegen Artikel 10 des Übereinkommens festzustellen  

Die Publikation der antragstellenden Firma betraf fraglos eine Angelegenheit, die von großem öffentlichem Interesse ist – die Aktivitäten der Mafia in Deutschland. Im Buch wird die angebliche Mitgliedschaft von S.P. in der kriminellen Organisation als Annahme dargestellt und nicht als Tatsache. Diese Annahme basierte auf verschiedenen Quellen, einschließlich der offiziellen Berichte des Bundeskriminalamts. Unter diesen Umständen, im Gegensatz zu den Erkenntnissen des vorliegenden Falls, erfordert es das Präzedenzrecht nicht, dass Journalisten unabhängige Recherchen betreiben. Das Präzedenzrecht setzt auch voraus, dass Journalisten frei sein müssen, über Ereignisse zu berichten, die auf Information basieren, die von offiziellen Quellen bezogen werden, ohne diese weiter zu verifizieren (s. Koniuszewski gegen Polen, Nr. 619/12, § 58, 14. Juni 2016, unter Bezugnahme auf anderes Präzedenzrecht).

Ich bin der Meinung, dass die Autorin des Buchs, eine Journalistin, die berühmt ist für ihre Mafia-kritischen Publikationen, guten Gewissens handelte, und in Übereinstimmung mit den Pflichten und Aufgaben, die in Artikel 10 des Übereinkommens verankert werden. Desgleichen sehe ich mich nicht in der Lage, der antragstellenden Firma den Vorwurf zu machen, die erlaubten Grenzen der Übertreibung überschritten zu haben. Überdies verstehe ich die mögliche Bedeutung von „hohem Grad an Verdacht“ (s. Paragraph 47 des Urteils) hinsichtlich der Rechtsprechung des Gerichts auch nicht. Außerdem bin ich nicht überzeugt, dass die antragstellende Firma von den einheimischen Gerichten ausreichend Gelegenheit bekam, Argumente bezüglich des Wahrheitsgehalts der Informationen vorzubringen. 

 Kurz zusammenfassend bin ich, basierend auf den obengenannten Argumenten und in Übereinstimmung mit der Logik der Beweisführung der Antragstellerin, der Meinung, dass es den örtlichen Gerichten nicht gelungen ist, die richtige Balance zu finden zwischen der freien Meinungsäußerung der antragstellenden Firma und dem Recht, das Privatleben und den Ruf S.P.s zu respektieren, so wie es die Kriterien verlangen, die das Präzedenzrecht des Gerichts festlegt. Meines Erachtens haben die deutschen Justizbehörden die Wichtigkeit und das Ausmaß des Prinzips der freien Meinungsäußerung nicht gebührend berücksichtigt, was darauf hinauslaufen sollte, dass den Urteilen der nationalen Gerichte ein enger Spielraum der Wertschätzung gewährt wird. Dieser Umstand bedeutete, dass dieses Gericht seine Ansicht mit der des deutschen Gerichts hätte substituieren sollen (s. Aksu gegen Türkei [GC], Nr. 4149/04 und 41029/04, § 67, ECHR 2012, und Palomo Sánchez und Andere gegen Spanien [GC], Nr. 28955/0628957/0628959/06 und 28964/06, §57, ECHR 2011).

Ich bedauere diese beunruhigende Abweichung von der gängigen Auffassung der Rechtsprechung zutiefst.  

 

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„Bei aller Liebe“ on the road

Donnerstag, 14. September 2017

Getz (sagt man im Ruhrgebiet) geht’s los: Nächste Woche Lesungen in Hamburg, Marburg und Kassel. Und demnächst noch mehr.

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Ein paar Bemerkungen zu Duisburg

Dienstag, 15. August 2017

Die Mafia macht ihre besten Geschäfte, wenn es ruhig ist. Und heute spricht ja niemand mehr über die Mafia. Außer an Jahrestagen, so wie heute. Da wachen selbst die verschlafensten Tageszeitungen auf und erinnern sich schaudernd an jenen 15. August 2007, als plötzlich sechs tote Italiener vor dem Restaurant „Da Bruno“ lagen.

Ich war damals auch überrascht. Und das, obwohl ich seit langem wusste, wie aktiv die Mafia im Ruhrgebiet ist: Die Killer des 1990 ermordeten Antimafia-Staatsanwalts Rosario Livatino kamen aus Leverkusen. Und letzte Morddrohung gegen den ermordeten Antimafia-Staatsanwalt Falcone kam aus Wuppertal.

Ich hätte der Mafia in Deutschland aber eine so spektakuläre Tat nicht zugetraut. Denn es war ja klar, dass das die Deutschen aufschrecken würde. Extrem kontraproduktiv für die Mafia. Aber wahrscheinlich haben sie die Situation schon von Anfang an doch richtig eingeschätzt: Es wird am Anfang einen Aufschrei geben, dann gehen wir in Deckung, dann werden die Deutschen es wieder vergessen, und alles geht weiter wie immer. Weil die Beziehungen, die die ‘Ndrangheta stets gepflegt hat, also zu Politikern, Unternehmern, Geheimdiensten in West und vor allem Ost (sehr interessant sind übrigens die Verbindungen zwischen Stasi und ‘Ndrangheta), immer noch die besten sind.

Drogenhandel, Bauindustrie, Gastronomie, Giftmüllbeseitigung, Immobilienhandel – vor allem aber Geldwäsche. Die klassischen Geschäftsfelder der Mafia. Später kam noch die Windenergie hinzu. Öffentliche Gelder in ihre Taschen umzuleiten, ist die Königsdisziplin der Mafia – und da haben sich mit den europäischen Fördergeldern und dem gemeinsamen europäischen Markt viele neue Perspektiven ergeben.

An Ermittlungsergebnissen hat es in Deutschland auch 2007 nicht gemangelt. Indes, es fehlen die Gesetze. Auch hinter den angeblich „neuen Gesetzen“ zur Bekämpfung der Mafia verbirgt sich vor allem der Wahlkampf. In der sogenannten Neuregelung kommt das Wort „Mafia“ gar nicht vor. Staatsanwälte sind nach wie vor skeptisch. Außerdem ist jetzt der Zoll für die Verdachtsmeldungen wegen Geldwäsche zuständig. Und da wurde das Personal nicht nur halbiert, sondern hat auch keinen Zugriff auf polizeiliche Datenbestände. Wie der Bund deutscher Kriminalbeamter sagt: „Der Bundesfinanzminister hat uns einen Bärendienst erwiesen.“

Es müsste einen politischen Willen zur Bekämpfung der Mafia in Deutschland geben. Und den sehe ich nicht. Von vielen Politikern wird die Geldwäsche immer noch als ein Konjunkturankurbelungsprogramm gesehen. Nach dem Motto: Pecunia non olet. Die Mafia wird in Deutschland für eine Art von Folklore gehalten, selbst in deutschen Gerichten fehlen die wesentlichsten Kenntnisse.

Wir könnten von allein schon von der italienischen Antimafia-Gesetzgebung lernen und auch von den schlechten Erfahrungen: Seit 25 Jahren sitzt die Mafia im italienischen Parlament – und dagegen kämpfen die ehrlichen Italiener.

Nachdem ich verklagt und bedroht worden bin, habe ich versucht, dem ganzen etwas Positives abzugewinnen: Ich habe diese Erfahrungen in meine Romane einfließen lassen, ich hätte die Protagonisten meiner Romane nie so agieren lassen können, wenn ich manches nicht am eigenen Leibe gespürt hätte. Bei Schauspielern nennt man das „Method Acting“.

Außerdem finde ich es sehr interessant zu beobachten, wie sich sich die Mafia immer weiter entwickelt: Mit der Flüchtlingskrise hat sich für die Mafia ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Das Zauberwort heißt emergenza: Notstand. Den gab es ja auch in Deutschland, in jenem Sommer 2015. Und genau davon handelt mein neuer Roman „Bei aller Liebe“.

Und hier auch noch ein Radio-Interview mit mir auf WDR 5 anlässlich Duisburg (etwas mehr als 7 Minuten, Sie schaffen das!)

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Kleines Update zur Sommerpause

Mittwoch, 26. Juli 2017

Liebe Freunde und Unterstützer,

bevor Sie in die Ferien fahren, bereits im Liegestuhl liegen oder schon wieder zurückgekehrt sind, freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass das Landgericht Leipzig einen Antrag auf Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen mich zurückgewiesen hat. Der Kläger war der Ansicht, dass ich mit der Veröffentlichung des FAZ-Artikels von Andreas Rossmann auf meiner Webseite gegen das gegen mich erlassene Urteil verstoßen hätte. Gegen diesen Beschluss hat der Kläger Beschwerde eingelegt.  Anhängig sind jetzt noch die Klage auf Geldentschädigung und meine Klage gegen Jakob Augstein, die am 29. September in Hamburg verhandelt wird.

Außerdem, was mich am meisten freut, ist am 18. Juli mein neuer Roman erschienen: „Bei aller Liebe“, der von Mafia, Medien und Migranten handelt.

Protagonisten sind wie immer die sizilianische Antimafia-Staatsanwältin Serena Vitale und der von der Medienkrise gebeutelte deutsche Investigativjournalist Wolfgang W. Wieneke, der sich übrigens darüber empört, von mir mit Klarnamen genannt zu werden.

In der Hoffnung, Ihnen beim nächsten Update nur gute Nachrichten verkünden zu können, grüßt Sie herzlich und unbeirrbar positiv gestimmt, Petra Reski

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Bei aller Liebe. Endlich.

Samstag, 15. Juli 2017

Ist immer so ein intimer Moment, wenn man DAS BUCH, mit dem man mehr als ein Jahr verbracht hat, zum ersten Mal in der Hand hält. Wenn es sich aus einer Word-Raupe endlich in einen Roman verwandelt hat, den man in der Hand halten kann und dessen Rücken knackt, wenn man ihn zum ersten Mal aufschlägt. Als Motto ein paar Zeilen von Leonardo Cohen: „First we take Manhattan/Then we take Berlin“. Gewidmet habe ich den Roman Giovanni Spampinato, der 1972 von der Mafia ermordet wurde. Ab Dienstag in allen Buchhandlungen, yes.

Serena Vitale lässt Euch alle schön grüßen (Habe sie kürzlich mal wieder in Palermo interviewt, sie war verzickt wie immer, aber am Ende habe ich sie milde gestimmt, weil ich ihr eine besonders schöne Heiligenfigur mitgebracht habe: Sant’Ivo, Schutzheiliger der Staatsanwälte. Dass er aber erst vierundvierzig Jahre nach seinem Tod heilig gesprochen wurde, wusste sie schon)

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat. 2

Mittwoch, 14. Juni 2017

Hurra: Wir sind über die 20 000-Euro-Marke hinausgeschossen! (Auch dank der Unterstützer, die nicht über generosity-link, sondern per Banküberweisung gespendet haben) Ich möchte Ihnen/Euch allen danken. – dafür, dass ich mich nicht alleine fühlen muss, für Eure Aufmerksamkeit, für Euer Engagement. Es hat mich bewegt. „Non tutti i mali vengono per nuocere“, sagt man in Italien: Nichts ist so schlecht, als dass es nicht auch für irgendetwas gut wäre.

Mein Crowdfunding habe ich auch im Europäischen Parlament erwähnt, als ich vor kurzem über Mafia+Medien+Meinungsfreiheit in Deutschland gesprochen habe. Die italienische Fünfsterne-Bewegung hatte mich zur Tagung „Die Zukunft der Information: Zwischen Meinungsfreiheit und Fake News“ eingeladen. Es ging um Fragen wie: Wer darf feststellen, wann eine Meldung „Fake News“ ist oder nicht? Sollen Inhalte von Social Media entfernt werden und wenn ja, wer entscheidet wie darüber? Wer hat das Recht zur Zensur? Und ja, Zensur, ähem, natürlich, nennt sich nicht so, wenn Bücher über die Mafia in Deutschland auf Geheiß deutscher Gerichte geschwärzt, Artikel und Filme gelöscht werden. Kommt aber aufs Gleiche heraus.

Wie es weitergeht? Ich werde updates über die ausstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen posten. Wenn alles (hoffentlich) vorbei ist, werde ich eine Bilanz erstellen: über die Gelder der Schwarmsammlung, die Rechtskosten, über das, was (hoffentlich) übrig bleibt und wem es gespendet werden soll.

Love you all.

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Mafiaparadies Deutschland

Sonntag, 04. Juni 2017

Wenn sogar in der Heute-Show angekommen ist, dass Deutschland ein Mafiaparadies ist,

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müssen wir dann etwa befürchten, dass hier auch noch strenge Geldwäschegesetze durchgesetzt werden sollten, so wie es italienische Antimafia-Staatsanwälte und deutsche Strafrechtler schon seit Jahren fordern? Um Gottes willen. Dank Don Wolfgang darf die Mafia weiterhin für den Wirtschaftsstandort Deutschland sorgen. Weshalb wir jetzt mit den besten Grüßen in ein Erfurter Mafia-Lokal umschalten, wo gerade Deutschlands neues Geldwäsche-Gesetz gefeiert wird.

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P.S.: Nicht, dass die Heute-Show am Ende auch noch verklagt wird.

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Mafia, Medien und Meinungsfreiheit

Samstag, 03. Juni 2017

Am 8. Juni werde ich im Europäischen Parlament über Mafia+Medien+Meinungsfreiheit reden – auf Einladung der italienischen Fünfsterne-Bewegung, die eine Tagung zum Thema „Die Zukunft der Information: Zwischen Meinungsfreiheit und Fake News“ veranstaltet.

Stay tuned!

 

 

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