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PETRA RESKI

Wir in Venedig wussten alle, dass so etwas (und noch Schlimmeres) in Venedig passieren würde. Und das ist übrigens nicht der erste Unfall eines Kreuzfahrtschiffes in Venedig. Das Schiff, das heute morgen von der MSC Opera gerammt wurde, ist übrigens kein Ausflugsboot, sondern ein 110 Meter langes Flusskreuzfahrtschiff, die River Countess.

Fünf Personen wurden verletzt – und ich wage jetzt nicht zu hoffen, dass dieser Unfall irgendetwas an der Strategie der venezianischen Kreuzfahrtindustrie ändern wird. Leider. Zu viele Interessen. Venedigs Kreuzfahrt-Terminal gehört der Aktiengesellschaft VTP, Venice Terminal Passeggeri, dessen Mehrheitseigner die Kreuzfahrtgesellschaften (!) und der venezianische Flughafen SAVE sind. Von ihnen nachhaltigen, umweltfreundlichen Tourismus zu erhoffen, ist, als würde man vom „Islamischen Staat“ einen Friedensmarsch erwarten.

Jetzt trommelt der venezianische Bürgermeister Brugnaro für die Verlegung der Kreuzfahrtschiffe nach Marghera – was aber nichts anderes als die “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn”-Lösung wäre, die keinerlei Vorteil für Venedig hätte: Die Kreuzfahrtschiffe würden weiterhin die Lagune zerstören, allein die Kreuzfahrtgesellschaften hätten ihr Image-Problem gelöst, indem nicht mehr jeder hergelaufene Tourist ein Foto am Markusplatz machen könnte, wenn sich der Himmel verdunkelt, weil da gerade ein Plattenbau vorbeischwimmt.

Die einzige Lösung ist: Kreuzfahrtschiffe raus aus Venedig – aber eben ganz raus, und nicht einfach am Rand der Lagune, wie bei dem Projekt Duferco, hinter dem sich weitere große Interessen verbergen.

Das einzige, was ich hoffe, ist, dass wir in Venedig jetzt mehr Gehör in der Welt finden – denn selbst die Unesco arbeitet nicht für, sondern gegen Venedig, indem sie die Verlegung der Kreuzfahrtschiffe nach Marghera als lobenswerte Initiative pries.

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