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PETRA RESKI

GEO 12/2019

ITALIEN
Das rätselhafte Sterben der OLIVEN

In Süditalien verdorren Olivenhaine. Die Regierung und die EU ordnen an, sie großflächig abzuholzen, da sie mit einem gefährlichen Bakterium infiziert seien. Jahrhundertealte Bäume fallen der Säge zum Opfer. GEO-Autorin Petra Reski hat jahrelang recherchiert, um herauszufinden, was wirklich hinter den Massenrodungen steckt – und ist auf einige bemerkenswerte Ungereimtheiten gestoßen
Petra Reski
Fotos: Francesco Zizola

DER GIGANT IST TOT. Mit seinen kahlen Ästen wirkt er wie das Opfer eines Napalm-Angriffs. Seine Agonie dauerte Jahre. Erst tauchten braune Flecken in seinem Laub auf, dann warf der Koloss nach und nach die Blätter ab.
Der Gigant von Alliste ist ein 1500 Jahre alter Olivenbaum, er steht unweit von Ugento, im Salento, an der südlichen Spitze Apuliens. Die Erde, die ihn hervorgebracht hat, ist schwer und rot. In seinem verknoteten Stamm winden sich die Jahrhunderte: Der Gigant hat die Kriege gegen die Türken überlebt, der Eroberung durch die Normannen getrotzt und den Niedergang des Feudaladels überdauert. Er hat Erdbeben und Feuersbrünsten, Hitzewellen und Extrem wintern standgehalten.
Jetzt soll ihn ein Feind getötet haben, den man mit bloßem Auge nicht erkennen kann …

Weiterlesen können Sie diese Geschichte im aktuellen Geo-Heft (12/2019)

Treue Blogleser werden meine Posts zum Thema Oliven + Xylella bereits gelesen haben, dieser Text jedoch geht weit darüber hinaus und wurde von der Dokumentation der Geo-Redaktion, getreu nach Lenins “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” auf Herz und Nieren geprüft.

Die Recherche für diese Geschichte hat im Grunde fünf Jahre gedauert: Im Jahr 2014 war ich in Apulien, eigentlich für eine Mafia-Geschichte, und bin durch Zufall auf diese eigentümliche Geschichte gestoßen, die erst rätselhaft erschien, dann verwirrend und schließlich weder verwirrend, noch rätselhaft, sondern viel mehr von sehr, sehr vielen Interessen durchsetzt.

Immer wieder bin ich in den Salento gefahren und habe mit Olivenbauern, Agronomen, Verfassungsrechtlern, Geographen, Biologen, Bakteriologen, Pflanzenpathologen (!) Staatsanwälten, Journalisten, Gemeinderäten und Umweltschützern gesprochen – und bin im Grunde auf einen Krimi gestoßen: Eine Wirklichkeit, die jeden Roman übertrifft.

Weil ich mir gewünscht hätte, dass sich mehr Journalisten für dieses Thema interessieren, habe ich viele Kollegen immer wieder darauf aufmerksam gemacht – musste aber feststellen, dass der Rechercheaufwand vielen offenbar zu groß war, so dass sie entweder ganz darauf verzichtet haben – oder aber Geschichten veröffentlichten, die im Wesentlichen als aus der Weiterverbreitung von Lobby-Propaganda bestehen. Schade eigentlich. Für die Leser. Und für den Journalismus.

 

 

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