Die ewige Wiederkehr des Gleichen

IMG_4764 Kopie

In jenem Sommer, in dem ich mich in den Italiener verliebte, erzählte man sich am Strand von Bettino Craxi Betrügereien, und ich dachte: Komisches Land, wo sogar die Bademeister wissen, wie der Sozialistenchef betrügt! Es war der Sommer 1989, ich lag im Liegestuhl und hörte dem Bademeister zu, der so gleichmütig über das System der illegalen Parteienfinanzierung von Sozialisten und Christdemokraten, über Amtsmissbrauch und Bestechungsgelder referierte, über Mafiaverwicklungen und Mordkomplotte, als handele es um das nächste Boccia-Strandturnier.

Und jetzt war ich wieder da, an dem selben Strand und dachte: Es würde reichen, „Sozialisten und Christdemokraten“ durch „Demokratische Partei und Forza Italia“ zu ersetzen, und ich könnte genau das Gleiche schreiben.

Ich lebe in einer Zeitfalle.

3 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für die schnelle Antwort.

    Damit haben Sie meine Vermutungen bestätigt, daß es die Erfurter OK wohl nicht gewesen war.
    Da sie aber so flott bei der Antwort waren, schiebe ich gleich noch eine Frage nach.

    Sie haben sicher die NSU-Affäre mitbekommen, wo man krampfhaft versucht einen rechten Untergrund zu erfinden, der mörderisch durch die Lande zog.
    Bislang konnte keine Tat dem Trio per Sachbeweis zugeordnet werden und es klemmt auch an vielen anderen Stellen wobei unablässig V-Leute sich nicht erinnern können und Zeugen sterben müssen.
    Kurzum, alles deutet diesmal wirklich auf OK – wenn auch keine italienische – hin.

    Meine These: Da die deutsche Staatsbürokratie in festen Geschäftsbeziehungen zur internationalen OK steht – siehe Ihr Öttinger-Beispiel – deckt man die wahren Strukturen und leitet den Verdacht um, weil bei Aufdeckung dieser Strukturen, die Steuerzahler die Parlamente stürmen würden.
    Ist das Lavieren des Staates (Verfassungsschutz, Justiz, Polizei) ggf. so zu verstehen oder ist das zu verschwörerisch?

    mfG
    H.M.

  2. Sehr geehrte Frau Reski

    Ich habe mir auf Youtube ein paar Interviews (u.a. in Waiblingen) von Ihnen angeschaut und war sehr angetan von dem Gesagten.
    Da ich aus Thüringen komme und Erfurt nicht weit ist, spitzte ich natürlich besonders die Ohren als sie über diese Stadt sprachen.

    Wie Sie vielleicht wissen, gab es im April 2002 einen Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium, den ich jedoch für einen Terroranschlag halte.
    Dazu habe ich u.a. auf einem Blog ausführlich berichtet: http://berliner-blau.com/index.php/2016/04/22/erfurt-amoklauf-2002-teil-1/

    Ich favorisiere zwar einen politisch brisanten Hintergrund, um Deutschland zu maßregeln, kann aber auch ein OK-Verbrechen nicht ausschließen, weil ich ggf. naiver weise unterstelle, daß die Mafia sich im „Problemfall“ direkt an ihre „Unwilligen“ wendet und keine Stellvertreter-Opfer generiert.

    Daher meine Frage an Sie: Halten Sie es für möglich, daß man 2002 in Erfurt ggf. ein Exempel statuierte, um möglicherweise nicht eingehaltene Zusagen der korrupten Staatsbürokratie zu sanktionieren?
    Wäre ein solches Verbrechen typisch oder eher untypisch für die Clans?

    mfG
    H.M.

    1. Nein, es wäre für die Mafia, bzw. für die ‘Ndrangheta (kalabrische Mafia) absolut kontraproduktiv, ein solches Verbrechen zu begehen. Die Mafia in Deutschland passt sich den deutschen Gegebenheiten bestens an und dazu gehört, dass Gewaltakte zu viel Aufsehen erregen und deshalb zu vermeiden sind. Das Mafiamassaker Duisburg war eine Ausnahme – ein von den italienischen Ermittlern als „Betriebsunfall“ bewertetes Verbrechen. Die Mafiosi wissen, dass die Deutschen sich schnell an die Polizei wenden, weshalb es für sie günstiger ist, Leute zu kaufen, als sie umzubringen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die Dinge in Deutschland anders und unauffälliger zu erledigen – die Deutschen sollen auf gar keinen Fall auf die Anwesenheit der Mafia aufmerksam gemacht werden, sondern weiter in ihrem jahrzehntelangen Schlaf dämmern. Die Mafia agiert übrigens nie gegen den Staat, sondern stets mit dem Staat. Auch in Deutschland. Der im Übrigen der Mafia gegenüber keineswegs „unwillig“ ist – was allein daran zu erkennen ist, wie einfach die Geldwäsche in Deutschland nach wie vor ist, und wie einfach es ist, Journalisten mundtot zu machen, die über die Mafia in Deutschland berichten. Weil viele Politiker in Deutschland die Geldwäsche der Mafia immer noch als ein „Konjunkturankurblungsprogramm“ betrachten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert