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PETRA RESKI

Serena Vitale lässt grüßen

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Ich dachte, dass es eine gute Idee wäre, mich vor Jahresende noch mal mit Serena Vitale in Palermo zu treffen. Wollte etwas mit ihr plaudern. Mal so hören, was es Neues gibt. Auch um dieser Jahresendmilde zu entkommen, dieser Lichterketten-Harmoniesucht, dieser Pfefferkuchen-Friedfertigkeit. Glaskugeln, Räucherkerzen, Omm. Serena Vitale kann man vieles nachsagen, bloß keine Harmoniesucht. Um sie wohlzustimmen, habe ich ihr ein paar Heiligenfiguren mitgebracht. Aus Andalusien. Spanische Heiligenfiguren sind besser als neapolitanische, und die sind schon ziemlich gut.

Ich habe mich mit ihr im Justizpalast getroffen, schon als ich vor ihrem Büro stand, hörte ich, wie sie gerade wahnsinnig herumfluchte, die Schimpfwörter kann ich gar nicht alle wiedergeben, nicht jugendfrei. Auf jeden Fall ging es um den Putzdienst, der mal wieder eine ihrer Heiligenfiguren fallen gelassen hat. Wenn ich mich recht erinnere, war ein Stück vom Heiligenschein des Heiligen Sebastian abgebrochen, oder war es der Heilige Franziskus? Egal. Ich wollte eigentlich mit ihr in eine Bar gehen, aber La Vitale verdrehte nur die Augen, nicht nur wegen der Heiligenfiguren, sondern wegen der Arie mit den Leibwächtern, ist ja nicht besonders unauffällig, wenn man eine Bar mit vier bewaffneten Männern betritt. Ganz abgesehen davon, dass in Palermo mit der Pöbelei oft schon los geht, wenn irgendwo ein gepanzerter Wagen steht. Und dann sagte sie etwas, was so ähnlich klang wie dieser Satz von ihr, den ich mir mal aufgeschrieben hatte:

„Stattdessen bin ich eine, die von jedem vorbeifahrenden Vollidioten verflucht und vom Obersten Richterrat wie eine Erstklässlerin gemaßregelt werden kann. Eine, die gehasst wird, weil sie allen in die Suppe spuckt, den Erfolgs-Unternehmern in ihre gefälschten Ausschreibungen, den Erfolgs-Politikern in ihren Stimmenkauf. Und als Belohnung werde ich irgendwann zur Ehrenbürgerin irgendeines Dreitausend-Seelen-Kaffs benannt, falls ich nicht das Glück habe, vorher in die Luft gesprengt zu werden. Scheißdreck.“

Aber ich habe ihr natürlich nicht gesagt, dass ich diesen Satz veröffentlicht habe, denn dann hätte sie mich wieder zusammengeschissen, von wegen Vertrauensverhältnis und dass der Satz off-the-record gewesen sei und sie mir in Zukunft überhaupt nichts mehr erzählen würde. Wir haben dann in ihrem Büro einen Espresso aus dem Automaten getrunken, so einen im Plastikbecher, und sie hat etwas von einer Ermittlung angedeutet, die mit Deutschland zu tun hat, eine ganz spannende Sache, aber mehr kann ich dazu jetzt noch nicht sagen. Eben wegen off-the-record und Vertrauensverhältnis und so.

Auf jeden Fall haben wir uns am Ende umarmt und uns ein gutes, neues Jahr gewünscht. Ich meine, für ihre Verhältnisse war sie ganz nett zu mir.



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