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PETRA RESKI

Der Göttliche ist tot.

Giulio Andreotti, der siebenfache italienische Ministerpräsident, starb  heute 94jährig, nach mehr als einem halben Jahrhundert an der Macht. Er starb selig in seinem Bett –  was man von vielen Männern, die seinen Weg kreuzten, nicht behaupten kann. Hier noch etwas zur Auffrischung des Gedächtnisses: Andreotti wurde wegen seiner Unterstützung der Mafia nicht freigesprochen, sondern verurteilt. Just to remember. 

Italien ist ein katholisches Land, das erklärt  auch die schöne Unterzeile aus dem Fatto Quotidiano: Rinviato a giudizio heißt: Das Hauptverfahren wurde eröffnet.

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In seinem  Film “Il Divo” – der Göttliche, hat der Regisseur Paolo Sorrentino zusammen mit seinem genialen Hauptdarsteller Toni Servillo in seinem Monolog die Essenz der Andreotti-Politik zusammengefasst:

Livia, sono gli occhi tuoi pieni che mi hanno folgorato un pomeriggio andato al cimitero del Verano, si passeggiava e io scelsi quel luogo singolare per chiederti in sposa, ti ricordi? Si lo so gli occhi tuoi pieni e puliti, incantevoli e incantati non sapevano non sanno e non sapranno e non hanno idea. Non hanno idea delle malefatte che il potere deve commettere per assicurare il benessere e lo sviluppo del paese. Per troppi anni il potere sono stato io. La mostruosa, inconfessabile contraddizione: perpetuare il male per garantire il bene. La contraddizione mostruosa che fa di me un uomo cinico e indecifrabile anche per te; gli occhi tuoi pieni, puliti e incantati non sanno la responsabilità diretta o indiretta per tutte le stragi avvenute in Italia dal 1969 al 1984 e che hanno avuto per la precisione 208 morti e 817 feriti. A tutti i familiari delle vittime io dico si, confesso è stato anche per mia colpa , mia colpa, mia grandissima colpa. Questo dico anche se non serve. Lo stragismo per destabilizzare il paese, provocare il terrore, isolare le parti politiche estreme, per rafforzare i partiti di centro come la DC. La hanno definita strategia della tensione: sarebbe più corretto dire strategia della sopravvivenza. Roberto, Michele, Giorgio, Carlo Alberto, Aldo, per vocazione o per necessità, ma tutti irriducibili amanti della verità, tutte bombe pronte ad esplodere che sono state disinnescate col silenzio finale. Tutti a pensare che la verità sia una cosa giusta e invece è la fine del mondo! Noi non possiamo consentire la fine del mondo in nome di una cosa giusta! Abbiamo un mandato noi, un mandato divino! Bisogna amare così tanto Dio per capire quanto sia necessario il male per avere il bene. Questo Dio lo sa, e lo so anch’io.

Auf Deutsch:

Livia, Deine Augen haben mich an jenem Nachmittag auf dem Verano-Friedhof  wie ein Blitz getroffen, man ging spazieren und ich wählte diesen besonderen Ort, um Dir einen Heiratsantrag zu machen, erinnerst Du Dich? Ja, ich weiß, Deine runden und reinen Augen, so zauberhaft und verzaubert, wussten, wissen und werden nie etwas wissen, sie haben keine Ahnung, keine Ahnung von den Missetaten, die die Macht begehen muss, um den Wohlstand und die Entwicklung eines Landes zu garantieren. Ich war viel zu viele Jahre an der Macht. Da ist der monstruöse und uneingestehbare Widerspruch: das Böse aufrechtzuerhalten um das Gute zu garantieren. Der ungeheuerliche Widerspruch, der aus mir einen zynischen und auch für Dich rätselhaften Mann gemacht hat, Deine runden, reinen und verzauberten Augen wissen nichts von der direkten oder indirekten Verantwortung für die Blutbäder in Italien von 1969 bis 1984, die exakt 208 Tote und 817 Verletzte forderten, all den Angehörigen der Opfer gestehe ich: Ja, ich gebe zu, dass es auch meine Schuld war, meine Schuld, meine allergrößte Schuld, ich sage das, auch wenn es nichts nützt, die Taktik der Blutbäder, um das Land zu destabilisieren, den Terror zu provozieren, die extremen politischen Parteien zu isolieren, um die christdemokratischen Parteien des Zentrums zu stärken, man hat sie Strategie der Spannung genannt, es wäre aber korrekter, sie Strategie des Überlebens zu nennen, Roberto, Michele, Giorgio, Carlo Alberto, Aldo: aus Berufung oder Notwendigkeit waren sie alle unbeugsame Freunde der Wahrheit, alles Bomben kurz vor der Explosion, die bis zur finalen Ruhe entschärft wurden, alle halten die Wahrheit für etwas Gerechtes, tatsächlich aber bedeutet die Wahrheit das Ende der Welt, wir dürfen nicht das Ende der Welt im Namen der Wahrheit gestatten,wir haben einen Auftrag, wir haben ein göttlichen Auftrag, man muss Gott sehr lieben, um zu wissen, wie sehr das Böse nötig ist, um das Gute zu erreichen. Das weiß Gott, und das weiß auch ich.



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