Kategorie: Italien

Die Sache mit der Zwangsheirat

Dienstag, 26. Juli 2016

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Ja, Leben in Venedig. Hier meine ganz persönliche Sicht, erschienen in der FAZ.

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Lokomotive oder Waggon?

Sonntag, 10. Juli 2016

„Die Menschen sind entweder Lokomotiven oder Waggons. Aber du kommst nicht als Lokomotive oder Waggon zur Welt. Du musst dich entscheiden, was du sein willst“ – dieser Satz hat mich am meisten beeindruckt – in diesem Dokumentarfilm über Kalabrier, die sich entschlossen haben, sich nicht der ‚Ndrangheta zu beugen, sondern mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Männer und Frauen mit Mut, Wut und Haltung. Das ist das Italien, das ich immer bewundert habe.

Cose nostre“ heißt die neue Sendereihe der RAI, mit wirklich guten Dokumentarfilmen zum Thema Mafia. In diesem Fall sogenannte „Testimoni di giustizia“.

(Unbedingt ansehen – leider nur auf Italienisch …)

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#Venicemyfuture

Samstag, 02. Juli 2016

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Residenti resistenti“ hängt nun an unserem Balkon, was so viel heißt wie „Renitente Residenten“ oder „Bockige Bewohner“ – denn als solche verstehen wir uns hier in Venedig: als rebellischer Rest gegen den Ausverkauf der Stadt. Heute haben sich die letzten Venezianer zu einem Aktionstag zusammengerottet, um zu protestieren: gegen Korruption und Vetternwirtschaft und gegen den Zynismus, mit dem diese Stadt versucht, auch noch ihre letzten Bewohner zu vertreiben. Hier, für diejenigen unter Euch, die des Italienischen mächtig sind, auch noch ein Video von den Vorbereitungsarbeiten. ‪#‎Venicemyfuture‬.

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Deutschland – Italien

Freitag, 01. Juli 2016

Fußball Venedig Petra Reski

Sie möchten jetzt gerne wissen, zu wem ich morgen Abend halten werde. Die Antwort ist einfach: zu Deutschland natürlich.

Ich halte immer zu den Schwächeren.

Und erinnere mich noch an den Horror mit Balotelli 2012, da habe ich das Spiel zusammen mit deutschen Freunden in einer Bar auf der Giudecca gesehen, und danach wurden wir von den Italienern bemitleidet. Auch schwer zu ertragen.

Oder das Ende des Sommermärchens 2006, als mich danach halb Venedig  tröstete: Mein Hals-Nasen-Ohren-Arzt drückte mir mitten auf der Piazza San Marco sein Mitgefühl aus, der griesgrämige Gemüsehändler aus der Calle della Mandola hätte mir ein Anstandstor gegönnt, und mein Schreibwarenhändler bedauerte, nicht früher gewusst zu haben, dass ich Deutsche bin, weil er dann selbstverständlich zu Deutschland gehalten hätte.

Und der Italiener an meiner Seite sagte: Was für eine Heuchelei.

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Der Bankautomat der Mafia

Montag, 27. Juni 2016

Ich wollte auch noch was zum #Brexit sagen, ja, Leute, tut mir leid, da müsst Ihr durch, zumal ja schon eifrig über den vermeintlichen Euroskeptizismus der Italiener berichtet wurde und wird,  wobei die SZ es hinkriegte, die römische Bürgermeisterin der Fünfsternebewegung mit der Rechten zusammenrühren (Le Pen, AfD, etc.pp.): Wenn es um Fünfsterne-Bashing geht, ist man ja vor nix fies.

Bis vor wenigen Jahren waren die Italiener nicht nur Ah-La-Germania-Eiferer, sondern auch glühendste Europaverfechter: Nur Europa kann uns retten, hieß es. Retten vor der Mafia, einer korrupten Politikerkaste, der Vetternwirtschaft im öffentlichen Dienst, der Jugendarbeitslosigkeit von 42 Prozent und einer Pressefreiheit, um die es nur in der Mongolei oder Bulgarien schlechter bestellt ist. Solo in Italia! Die Italiener verlangten nicht weniger, sondern mehr Europa, weil Europa da noch kein Theorem der Hochfinanz war, sondern ein Synonym für Freiheit und Demokratie, für Menschenrechte und Vielfalt. (mehr …)

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Die ewige Wiederkehr des Gleichen

Dienstag, 31. Mai 2016

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In jenem Sommer, in dem ich mich in den Italiener verliebte, erzählte man sich am Strand von Bettino Craxi Betrügereien, und ich dachte: Komisches Land, wo sogar die Bademeister wissen, wie der Sozialistenchef betrügt! Es war der Sommer 1989, ich lag im Liegestuhl und hörte dem Bademeister zu, der so gleichmütig über das System der illegalen Parteienfinanzierung von Sozialisten und Christdemokraten, über Amtsmissbrauch und Bestechungsgelder referierte, über Mafiaverwicklungen und Mordkomplotte, als handele es um das nächste Boccia-Strandturnier.

Und jetzt war ich wieder da, an dem selben Strand und dachte: Es würde reichen, „Sozialisten und Christdemokraten“ durch „Demokratische Partei und Forza Italia“ zu ersetzen, und ich könnte genau das Gleiche schreiben.

Ich lebe in einer Zeitfalle.

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Lutscher-Journalismus

Dienstag, 17. Mai 2016

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Wer die letzten Jahre im Busch oder im Koma verbracht hat und jetzt zum ersten Mal wieder deutsche Zeitungen liest, der muss Matteo Renzi für den Papst oder den König von Deutschland halten. Nahezu täglich wird der italienische Ministerpräsident zur Lichtgestalt, zum Messias und Erlöser nicht nur Italiens, sondern ganz Europas verklärt.

Das Rennen um die beste Hofberichterstattung wird siegreich von der süddeutschen Zeitung angeführt, dicht gefolgt von der  Wirtschaftswoche, dem Handelsblatt und der ZEIT (leider ist das letzte Interview mit Maria Elena Boschi noch nicht online, eine Perle). Die FAZ gibt sich noch hin und wieder mäkelig, wegen des italienischen Haushaltsdefizits, das sie trotz aller Charme-Offensiven nicht zu schlucken vermag, der Spiegel lobte sich wieder tapfer und stetig vor, nachdem er vorübergehend leicht abgeschlagen schien und ich schon kurz davor war, mir Sorgen zu machen – bis ich merkte, dass die Abgeschlagenheit des Spiegel nicht einer Immunität gegenüber der allseits grassierenden Renzitis geschuldet war, sondern eher der Tatsache, dass man sich an der Ericusspitze für Italien nur ganz am Rande, vorzugsweise in Form von mit Pistolen garnierten Spaghetti interessiert.

Jetzt aber hat sich der Außenseiter mit einer von Giuliano Ferrara verfassten Renzi-Eloge ganz nach vorne geputscht: Eine derart speichelleckerische Jubelarie („Einer wie Berlusconi. Warum mich in unseren Premier Matteo Reni verguckt habe“) hätte sich nicht mal die notorisch renzitreue Repubblica zu veröffentlichen getraut. (mehr …)

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Tischgespräch

Samstag, 30. April 2016

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Wer sich für Venedig, das Ruhrgebiet, ostpreußische Familien und die Mafia interessiert (im Wesentlichen das Gleiche, bis auf winzige Unterschiede …), dem sei das kurzweilige Tischgespräch empfohlen, das Gisela Steinhauer mit mir in Venedig für WDR 5 geführt hat. Nachzuhören hier.

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Grazie Gianroberto

Donnerstag, 14. April 2016

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Gianroberto Casaleggio

1954 – 2016

Heute wurde Gianroberto Casaleggio in Mailand beigesetzt. Er war einer der beiden Gründerväter der Fünf-Sterne-Bewegung – und starb mit nur 61 Jahren „nach einer langen, schweren Krankheit“ – wie man in solchen Fällen sagt.

Sein Tod ist ein großer Verlust. Nicht nur für die Fünf-Sterne-Bewegung, sondern für ganz Italien.

Ich bin Gianroberto Casaleggio nur ein Mal begegnet, 2009 in seinem Büro in Mailand. Ein John-Lennon-Typ, dachte ich, als ich ihn sah. Lange, lockige Haare, runde Brille. Mehr Nerd, als Manager. Wir saßen im Konferenzraum seines Büros an einem rechteckigen Tisch und sprachen über Deutschland und über die Mafia. Er empfahl mir ein Buch über Banken und Geldwäsche – nur mal so, zum Thema #Panamapapers.

 Als ich ihn in Mailand traf, war mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ gerade unter dem Titel „Santa Mafia“ in Italien erschienen, ich war nach Mailand gekommen, um für Beppe Grillos Blog interviewt zu werden. Zwei Straßen von Casaleggios Büro entfernt, in der Galleria Vittorio Emanuele nahmen wir das Video auf. Die Fünf-Sterne-Bewegung war mir da schon lange vertraut, ich hatte Beppe Grillo im Dezember 2005 bei seinem ersten Meet-Up-Treffen in Turin  kennengelernt und darüber in der ZEIT geschrieben. (mehr …)

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Palermo und Berlin, Gianroberto und Heimweh.

Dienstag, 12. April 2016

Von Palermo

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nach Berlin,

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Ryanair sei Dank. Aber trotzdem komisch. Fühle mich irgendwie so hingebeamt. Wie Indianer, die sich hinsetzen mussten, wenn sie mit dem Zug gereist waren, weil ihre Seele noch nicht mitgekommen war.

Das Deutschlandradio hat ein Interview mit mir geführt, nachzuhören hier.

Und hier in Berlin habe ich heute erfahren, dass Gianroberto Casaleggio heute gestorben ist, einer der beiden Gründerväter der Fünfsterne-Bewegung. Mit nur 61 Jahren.

Ciao Gianroberto. Mit Dir hat Italien einen Menschen verloren, der sein Land wirklich liebte.

Und plötzlich hatte ich Heimweh nach Italien.

 

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