Kategorie: Italien

In memoriam Vincenzo Consolo. Il viaggio che non finisce mai.

Samstag, 21. Januar 2012

Oggi é morto a Milano lo scrittore Vincenzo Consolo. Mi ricordo quando l’ho incontrato in un pomeriggio per puro caso sulla terrazza del Hotel Palace a Palermo. Diceva: “Si, torno sempre nella mia Itaca ma ogni volta vedo che qualche cosa della mia Itaca scompare. Ma, scompaiono tante cose, d’altra parte questo è fatale, niente rimane fermo, niente rimane cristallizzato, tutto scorre, tutto si trasforma. Il desiderio di chi è andato via è che le trasformazioni siano sempre in senso progressivo e che non siano semplicemente una perdita, e allora il dolore è nel vedere, nel fatto che le trasformazioni sono spesso perdite, si vorrebbe che non fossero perdite, che fossero, che fossero piuttosto arricchimenti e non perdite. Ma questo avviene in Sicilia come avviene in ogni parte del mondo, oggi io credo che veramente, siamo tutti “Ulissidi” nel senso che in questo nostro mondo, abbiamo perso i nostri punti di riferimento, abbiamo perso le nostre Itache, abbiamo perso la nostra isola di ritorno, e quindi siamo costretti in questo nostro mondo di oggi ad una perenne erranza, siamo sempre pronti a ripartire per un viaggio che non finisce mai.”

B.

Montag, 14. November 2011

Das ist hoffentlich mein letzter Beitrag über den Untoten.

Er zappelt noch

Sonntag, 13. November 2011

Gestern Abend wurde in Italien gefeiert und vor dem Präsidentenpalast “Halleluja” gesungen. Aber so lange B. noch zappelt, glaube ich an nichts. Er soll Mario Monti bereits das Versprechen abgenommen haben, weder ein neues Wahlrecht einzuführen, noch die Telekommunikationsgesetze anzurühren. Außerdem wird im Ausland immer etwas unterschätzt, dass B. keineswegs ein Fremdkörper in Italien war. Sondern seine schwarze Seele.

Der Journalist des Fatto Quotidiano Marco Travaglio hat sich heute die Mühe gemacht, in seiner Kolumne noch mal Heucheleien, Ehrenworte und Gelöbnisse aus 17 Jahren zu zitieren, von “Ich werde nie in die Politik eintreten” über “Ich werde alle meine Fernsehsender verkaufen” bis hinzu “Ich gehe weg aus diesem Scheißland “. Heute sang Angelino Alfano, B.’s Kronprinz und Generalsekretär der “Partei der Liebe”, auf RAI 3 das hohe Lied auf B., den “großen Staatsmann”. Da wurde mir schon wieder schlecht.

Das Italien, vor dem wir uns ängstigen

Sonntag, 06. November 2011

Herr von Becker und die Mafia: Was wäre Deutschland ohne seine furchtlosen Journalisten?

Weggehen oder bleiben?

Freitag, 28. Oktober 2011

Jemand hat ein selbstgebasteltes Video auf meine Facebook-Seite gestellt, eine kleine ironische Umfrage zum Thema: In Palermo bleiben oder weggehen? Palermo sei die schönste Stadt der Welt, sagt einer, ein anderer lobt das schöne Wetter, das einzigartige Meer, das unvergleichliche Essen – und wäre da nicht die italienische Wirtschaftskrise, die zu einer Jugendarbeitslosigkeitsquote von 30 Prozent und zum brain drain geführt hat, der in Italien “Flucht der Hirne” genannt wird, gäbe es für viele junge Italiener sicher keinen Grund, ein solch irdisches Paradies zu verlassen.

Tatsächlich aber arbeiten Millionen junger Akademiker und Wissenschaftler im Ausland: Das italienische Universitätssystem ist verknöchert und undurchlässig, das Arbeitsrecht sorgt dafür, dass keine Stellen frei werden, weil Festangestellte unkündbar sind, und die Gewerkschaften verstehen sich ausschließlich als Besitzstandswahrer, so dass für junge Italiener in dieser Gesellschaft kein Platz vorgesehen ist. (Außer sie sind unter 30, weiblich, langhaarig, langbeinig und vollbusig und verfügen über einen robusten Magen. Dann haben sie Chancen bei B.)

So gesehen, würde sich die Frage “Weggehen oder bleiben?” eigentlich von allein beantworten. Gäbe es da nicht “la mia terra”. Die Heimat. Der man sich in Italien zugehörig fühlt wie einem Blutsverwandten. Als ich zum ersten Mal gefragt wurde, ob mir nicht la mia terra fehlen würde, zuckte ich zusammen. In Italien aber gehört la mia terra zur Identität, ein Sizilianer bleibt Sizilianer, auch wenn er seit vierzig Jahren in Norditalien lebt, und vielleicht wurde er in Norditalien sogar noch sizilianischer, als er das in Sizilien jemals geworden wäre. Die Emigrazione  jene Jahre, als viele Italiener ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit verlassen mussten – ist bis heute ein nationales Trauma.

Aber vielleicht ist die gegenwärtige italienische Wirtschaftskrise für die jungen Italiener nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Eine Chance, der terra, diesem egozentrischen Blutsverwandten, zu entkommen. Und sei es nur für ein paar Jahre. Um eine Fremdsprache zu lernen. Um den Horizont zu erweitern. Und um mit einem anderen Blick zurückzukehren.

B.

Dienstag, 18. Oktober 2011

 

Jedes Mal, wenn ich nach Italien zurückkehre, fällt mir auf, wie gut es tut, endlich mal wieder drei Tage lang nicht über B. gesprochen zu haben. Seine Wahnvorstellungen (“Ich will eine Revolution, bringen wir den Justizpalast von Mailand um die Ecke!”), neuesten Veschwörungspläne und Exit-Strategien zu ignorieren (Staatspräsident segnet die nötigen Gesetzesentwürfe ab, um B. Straffreiheit in allen gegen ihn laufenden Verfahren zu garantieren, es folgt eine kleine, freundschaftliche Regierungskrise, im März Neuwahlen) und keine weiteren Details über seine Hürchen, Erpresser und Sexualpraktiken erfahren zu haben. Denn kaum ist man wieder hier, befällt dich B. wie ein Grippevirus, jede Zeitung, jeder Radiosender, das ganze Netz ist von ihm verseucht, von Fernsehen ganz zu schweigen. B. quillt aus jeder Mauerritze, die Minister von seinen Gnaden, die Staatssekretäre seines Vertrauens, die Regionalpräsidenten, Oppositionsführer und sonstigen Lakaien, die Lega, der Vatikan, der Staatspräsident, die Chefredakteure der RAI, der Repubblica und des Giornale  - alle tun so, als wollten sie ihn endlich loswerden. Getreu der bewährten und von Tomasi di Lampedusa strapazierten Devise: Alles muss sich ändern, damit  alles bleibt, wie es ist.

 

Rita Atria

Donnerstag, 29. September 2011

Soeben ist in Italien “Rita Atria”  erschienen. Mein erstes Buch. Es war eine eigenartige Erfahrung, dieses Buch nach so langer Zeit noch mal zu lesen. Hier ist das Vorwort für die italienische Ausgabe:

“Rita Atria” ist mein erstes Buch. Ich hatte Angst, es wieder zu lesen. Ich hatte Angst, zu entdecken, dass es mit der Wirklichkeit von heute nicht standhält. Ich hatte Angst, eine Welt zu entdecken, die nichts mehr mit dem Italien von heute zu tun hat. Als ich Ritas Geschichte dann mit dem Abstand von fast zwanzig Jahren wieder las, hat mich erschreckt, wie gegenwärtig sie auch heute noch ist. So weit, dass ich mir fast gewünscht hätte, am Ende von Ritas Geschichte sagen zu können: Gott sei Dank hat sich heute alles verändert! Unfassbar, wie sehr sich Italien seither gewandelt hat! Ich wünschte mir, in einem Italien zu leben, das mit jenem Land des Jahres 1992 nichts mehr zu tun hat, in dem die beiden Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino von der Mafia in die Luft gesprengt wurden. Ich wünschte mir, dass die Geschichte von Rita Atria zur Historie geronnen wäre: Die Geschichte eines mutigen, jungen Mädchens, das zum Vorbild für viele geworden wäre. Mafiaaussteiger, die immer mehr geworden wären – bis sie das Netz des organisierten Verbrechens, das dieses Land stranguliert, zerrissen hätten.

Leider ist das Gegenteil der Fall. Es lohnt sich immer weniger, der Mafia den Rücken zu kehren, denn das Kronzeugengesetz, die schärfste Waffe im Kampf gegen den Krebs, der Italien fast vollständig aufgefressen hat, wurde unschädlich gemacht. Es ist eines von vielen Antimafiagesetzen, die nach und nach ihrer Wirksamkeit beraubt wurden. Heute gibt es kaum noch Mafiaaussteiger, und die wenigen, die es gibt, fühlen sich immer isolierter.

Und den wenigen „Augenzeugen der Justiz“ – Menschen wie Piera Aiello und Rita Atria, die den Mut haben, über die Mafia in ihrem nächsten Umfeld auszusagen, wird dieser Mut nicht belohnt. Als ich mein Buch im Jahr 1993 schrieb, galten alle Menschen, die Aussagen über die Mafia gemacht haben, noch unterschiedslos als „Mitarbeiter der Justiz“ (collaboratori). Erst im Jahr 2001 wurde zwischen abtrünnigen Mafiosi und Menschen wie Rita und Piera Aiello unterschieden, die fortan „Augenzeugen der Justiz“ (testimoni di giustizia) genannt wurden. Menschen, die sich nichts zuschulde haben kommen lassen – außer einem ausgeprägten Glauben an Wahrheit und Gerechtigkeit.

Fast mutet dieser Glauben wie eine Schuld an: Denn während die abtrünnigen Mafiosi immerhin mit einem Straferlass belohnt werden – so gering der inzwischen auch geworden ist – gibt es wenig Anerkennung für die Leistung der „Augenzeugen der Justiz“. Vielmehr werden sie für ihren Glauben an Wahrheit und Aufrichtigkeit bestraft: Wie Piera Aiello und Rita Atria müssen sie ihre Heimat und ihre Familien verlassen, sie müssen unter falschem Namen leben und werden oft schlecht beschützt. Der italienische Staat, genauer gesagt: das für „Augenzeugen der Justiz“ zuständige Innenministerium, nutzt ihre Aussagen. Und lässt sie, nachdem sie ihre Aussagen gemacht haben, oft fallen.

Piera Aiello hat für ihre Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe einen hohen Preis zahlen müssen. Sie muss heute noch versteckt leben, während die Täter von damals ihre Freiheit seit langem wieder genießen.

Ich danke Piera Aiello dafür, dass sie mir damals ihr Vertrauen geschenkt hat. Und das Vertrauen schenken ist hier ganz wörtlich gemeint: Piera Aiello wurde weder damals noch heute dafür entlohnt, mir ihre Erlebnisse zu erzählen. Sie hat ihre Geschichte uns allen geschenkt. Weil sie an Wahrheit und an Gerechtigkeit glaubt.

Immer noch.

 

 

Nebelhafen

Dienstag, 20. September 2011

Gerade habe ich ein Italien-Stück abgeliefert. Die Redaktion machte sich schon Sorgen, dass uns B. vor Drucklegung abhanden kommen könnte. Ich habe sie trösten können: Er wird uns mindestens noch bis 2013 erhalten bleiben. Gerade haben es seine Anwälte geschafft, die Ermittlungen wegen der Erpressungen seitens der Hürchen, Protesenhersteller und sonstiger Busenfreunde von Neapel an das B. nahestende römische Gericht zu verlegen, auch genannt: Der Nebelhafen.

Das Ende der Saison

Sonntag, 18. September 2011

 

Seit Donnerstag ist die Strandsaison beendet. Und das, obwohl es hier immer noch 31 Grad warm ist. Die Damen meiner Badekabine werden mir fehlen. Vor allem ihre Kommentare zu B., zu dem gefühlt fünfhundertsten Sex-Skanal, der tausendvierhundertsten Korruptionsaffäre, und der siebenmillionsten verpassten Gelegenheit für die Opposition, B. abzusägen. Stattdessen wiederholt sie seit 17 Jahren gebetsmühlenartig: “Wenn es Ihnen nichts ausmacht, könnten Sie vielleicht zurücktreten. Für den Fall, dass es Ihnen aber doch etwas ausmachen sollte, können wir jedoch auch eine andere Lösung finden. Etwa eine Große Koalition. Zum Wohle Italiens. Und mit dem Abhören der Telefone muss natürlich endlich Schluss sein. Da haben Sie völlig Recht. Wir werden uns schon einigen!”

Die letzten Außerirdischen

Donnerstag, 08. September 2011

 

Ja, ich hatte einen Rückfall. Um meinem Ziel näherzukommen, eines Tages beim italienischen Staatspräsidenten eingeladen und mit einer Staffel der Frecce tricolori als eine durch nichts zu erschütternde Sympathisantin des italienischen Films gefeiert zu werden, habe ich es heute wieder versucht, mit dem dritten und damit letzten italienischen Wettbewerbsbeitrag: l’ultimo terrestre, zu deutsch, der letzte Erdenbewohner. Was soll ich sagen. Der Film war nicht schlecht, er fing sogar sehr lustig an, mit Hörern, die im Radio ihre Sorgen über die bevorstehende Landung der Außerirdischen mitteilen, etwa die Frage, ob die Außerirdischen auch in italienischen Fußballclubs zugelassen werden sollten, ja oder nein, angesichts der Tatsache, dass da ja auch schon Franzosen und Holländer spielten. Aber leider waren das auch schon fast die witzigsten Stellen. Es fehlte an einer gewissen Logik, die selbst einem Film, der erklärtermaßen absurd ist (Außerirdische landen in Italien, ein in Hinblick auf die Liebe etwas gestörter Mann kommt mit ihnen in Kontakt) unerlässlich ist. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was mit der Metapher von den Außerirdischen gemeint sein könnte: Berlusconis Mischpoke? Oder das Gegenteil von Berlusconi? Oder gar kein Berlusconi? (In diesen Tagen quellen die Zeitungen wieder über, B.’s- Skandale, Hardcore-Telefonate und sechs Rüstungsschiffe als Geschenk für Panama, man wird hier von B. und seinen Manien auf Schritt und Tritt verfolgt, er  steckt in jedem Cappuccino). Auf jeden Fall fühlte ich mich während des italienischen Beitrags so, als würde ich jemandem dabei zusehen, der haspelnd versucht, einen Witz zu erzählen, wobei ich am Ende höflich lache, weil ich ihn für seine Mühe belohnen will.

Besser war Killer Joe von William Friedkin, dem Regisseur von Der Exorzist und French Connection: Die Geschichte einer amerikanischen Trash-Familie, die versucht, einen Mord in Auftrag zu geben, um sich dank der Lebensversicherungsprämie der Toten endlich ein schönes Leben zu machen. Das klappt dann nicht ganz. Es werden für meinen Geschmack etwas zu viel Nasenbeine gebrochen und die Sache mit dem Hühnerschenkel (mehr verrate ich hier nicht) war einen Kick zu blutig, um noch als schwarzer Humor durchzugehen. Aber. Die Schauspieler einschließlich des Pitbulls T-Bone waren grandios. Gina Gershon als Schlampe etwa. Anders als die Kollegen von dpa fand ich auch Matthew McConaughey in seiner Rolle als beschränkter Killer nicht schlecht, gut, er hatte nur einen Gesichtsausdruck, und der reicht für diese Rolle auch völlig aus. Doch allein für die Winzigkeit, wie Dottie, die bizarre Tochter der Familie (Juno Temple) angesichts der Aussicht, dass ihre Mutter umgelegt werden soll, ganz kurz und fies die Oberlippe hochzieht, lohnt es sich, den Film zu sehen.