Kategorie: Italien

Tischgespräch

Samstag, 30. April 2016

reski102~_v-gseagaleriexl

Wer sich für Venedig, das Ruhrgebiet, ostpreußische Familien und die Mafia interessiert (im Wesentlichen das Gleiche, bis auf winzige Unterschiede …), dem sei das kurzweilige Tischgespräch empfohlen, das Gisela Steinhauer mit mir in Venedig für WDR 5 geführt hat. Nachzuhören hier.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Grazie Gianroberto

Donnerstag, 14. April 2016

Gianroberto_Casaleggio

Gianroberto Casaleggio

1954 – 2016

Heute wurde Gianroberto Casaleggio in Mailand beigesetzt. Er war einer der beiden Gründerväter der Fünf-Sterne-Bewegung – und starb mit nur 61 Jahren „nach einer langen, schweren Krankheit“ – wie man in solchen Fällen sagt.

Sein Tod ist ein großer Verlust. Nicht nur für die Fünf-Sterne-Bewegung, sondern für ganz Italien.

Ich bin Gianroberto Casaleggio nur ein Mal begegnet, 2009 in seinem Büro in Mailand. Ein John-Lennon-Typ, dachte ich, als ich ihn sah. Lange, lockige Haare, runde Brille. Mehr Nerd, als Manager. Wir saßen im Konferenzraum seines Büros an einem rechteckigen Tisch und sprachen über Deutschland und über die Mafia. Er empfahl mir ein Buch über Banken und Geldwäsche – nur mal so, zum Thema #Panamapapers.

 Als ich ihn in Mailand traf, war mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ gerade unter dem Titel „Santa Mafia“ in Italien erschienen, ich war nach Mailand gekommen, um für Beppe Grillos Blog interviewt zu werden. Zwei Straßen von Casaleggios Büro entfernt, in der Galleria Vittorio Emanuele nahmen wir das Video auf. Die Fünf-Sterne-Bewegung war mir da schon lange vertraut, ich hatte Beppe Grillo im Dezember 2005 bei seinem ersten Meet-Up-Treffen in Turin  kennengelernt und darüber in der ZEIT geschrieben. (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Palermo und Berlin, Gianroberto und Heimweh.

Dienstag, 12. April 2016

Von Palermo

IMG_0367 IMG_0366 IMG_0375

nach Berlin,

IMG_0319

Ryanair sei Dank. Aber trotzdem komisch. Fühle mich irgendwie so hingebeamt. Wie Indianer, die sich hinsetzen mussten, wenn sie mit dem Zug gereist waren, weil ihre Seele noch nicht mitgekommen war.

Das Deutschlandradio hat ein Interview mit mir geführt, nachzuhören hier.

Und hier in Berlin habe ich heute erfahren, dass Gianroberto Casaleggio heute gestorben ist, einer der beiden Gründerväter der Fünfsterne-Bewegung. Mit nur 61 Jahren.

Ciao Gianroberto. Mit Dir hat Italien einen Menschen verloren, der sein Land wirklich liebte.

Und plötzlich hatte ich Heimweh nach Italien.

 

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Italien. Mal anders.

Montag, 04. April 2016

Ein hörenswertes Feature über Beppe Grillo und die Fünf-Sterne-Bewegung. Von Aureliana Sorrento.

 

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Deutschland, das Paradies der ‘Ndrangheta.

Mittwoch, 23. März 2016

Heute findet in Bologna der erste Verhandlungstag der Prozesses „Aemilia“ statt – ein Mafiaprozess, der nicht nur wegen seines Umfangs ( 147 Angeklagte, weitere 71 in einem getrennten, abgekürzten Verfahren) interessant ist, sondern weil er in Norditalien stattfindet. In einer reichen Region, die nicht nur für das klassische Made in Italy steht (Parmaschinken, Ferrari, Pasta von Barilla … jedenfalls, insofern die Firmen noch nicht ins Ausland verkauft worden sind, aber das ist eine andere Geschichte) – sondern auch für die Tatsache, sich gegen den „Virus“ Mafia immun zu glauben.

Wie Deutschland auch.

Und das ist nicht die einzige Parallele zwischen der Emilia Romagna und Deutschland: Wie in Deutschland sind hier seit über vierzig Jahren alle italienischen Mafiaorganisationen präsent: die ‘Ndrangheta, die kalabrische Mafia, die Camorra aus Kampanien und die sizilianische Cosa Nostra.

Einige Mafiosi kamen nach Norditalien, weil sie sich, wie es das italienische Recht damals vorsah, nachdem sie straffällig geworden waren, nicht mehr in ihren Heimatsregionen niederlassen durften. Andere kamen im Gefolge der Gastarbeiter, wie in Deutschland auch.

Norditalien ist reich – und damit bestens geeignet für die mafiosen Geschäfte: Was mit dem Kerngeschäft des Drogen- und Waffenhandels anfing, ging weiter mit der Bauindustrie, Müllbeseitigung und dem Immobilienhandel, aber auch mit der Lebensmittelindustrie: Im Grunde gibt es keine Branche, in der die Mafia nicht vertreten wäre. Wie die Antimafia-Staatsanwälte feststellen, handelt es sich hier schon lange nicht mehr um eine mafiose Infiltration: Die Mafia ist in Norditalien nicht hier und da eingesickert, sondern beherrscht große Teile der Wirtschaft. Ganz legal.

Allein 17 Ndrangheta-Clans, 4 Clans der Cosa Nostra und 3 Camorra-Clans sind in der Provinz Reggio Emilia aktenkundig – der Prozess Aemilia ist der erste große Prozess gegen die ‘Ndrangheta. Im Juli 2015 wurden Besitztümer und Unternehmen im Wert von 330 Millionen Euro beschlagnahmt – im Zentrum der Anklage steht der aus dem kalabrischen Crotone stammende Clan Grande Aracri. Die Anklage lautet auf Korruption, Geldwäsche, Stimmenkauf, Erpressung, Mord. Angeklagt sind nicht nur Mafiosi, sondern auch ihre Handlanger: Stadträte, Journalisten, Polizisten, Unternehmer. Und hier fängt es an, interessant zu werden.

Wie aus den Ermittlungsunterlagen hervorgeht wurden die Geldgeschäfte fast immer über Deutschland abgewickelt. (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Die Sonntagsfragen

Montag, 29. Februar 2016

IMG_0674

Das ist praktisch der Hintergrund für das Interview, das Gisela Steinhauer mit mir vor kurzem geführt hat: Die berühmten Sonntagsfragen des WDR2, meinem alten Heimatsender. Und darin geht es erstmal um das Wesentliche, also praktisch Mafia für Anfänger, aber nicht nur. Es geht auch um Venedig, Familie und überhaupt. Wer Lust hat, reinzuhören: Hier ist der Podcast.

(Gleich zu Anfang des Interviews betont Gisela Steinhauer übrigens, dass sie sich die Reise nach Venedig aus eigener Tasche bezahlt hat – und nicht etwa auf Kosten des Gebührenzahlers gereist ist, weil sonst: böse, böse Hassmails. Und Shitstorm in den Kommentarspalten …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Der Ökothriller

Montag, 29. Februar 2016

IMG_3873

Und jetzt hier, für die Freunde des Öko-Thrillers, mein soeben in Focus erschienener Feuerbakterien-Report – oder: „Wie man es schafft, 60 Millionen Olivenbäume aus dem Weg zu räumen“:

Sind die berühmten Olivenbäume des Salento von einer Killerbakterie bedroht oder von der Mafia? Ein Umweltkrimi aus Apulien

Endlose Olivenhaine, silbrig flirrendes Laub und schwere, rote, afrikanische Erde. Dafür ist der Salento berühmt, der südliche Teil Apuliens, Italiens Absatzspitze. 60 Millionen Olivenbäume wachsen in Apulien, einige von ihnen sind mehrere Jahrtausende alt. Die Bäume werden in einem Kataster aufgeführt, das den Standort und das Alter eines jeden einzelnen verzeichnet. Im Salento stehen 25 Millionen Olivenbäume. Ihre Stämme muten wie ineinander verknotete Jahrhunderte an. Wer genau hinschaut, kann unter dem Laub erstarrte Drachen entdecken und Riesen, die mit Dämonen ringen.
Und liegt damit vielleicht nicht ganz falsch.

Nur zwei Meter weiter sieht es aus, als hätte jemand das Entlaubungsmittel Agent Orange eingesetzt: Die Äste einiger Olivenbäume recken sich verdorrt in den Himmel. Medien berichten vom „Kahlschlag im Paradies“, vom „Sterben der Olivenhaine“ infolge einer rätselhaften Seuche, von „Xylella, der Schrecklichen“. Seitdem die Universität Bari im Oktober 2013 verkündete, in der Gegend um Gallipoli die gefährliche Feuerbakterie (Xylella fastidiosa) entdeckt zu haben, ist der Salento kein meerumschlungenes Kleinod mehr, sondern ein Notstandsgebiet. Die Killerbakterie soll schuld sein am Vertrocknen der Olivenbäume. Eine Rettung, so erklärte Donato Boscia, Leiter des Nationalen Wissenschaftsrats in Bari, sei nicht in Sicht. Man müsse die Bäume schnellstens fällen und lediglich „50 Stämme von jahrhundertealten Olivenbäumen als Museumsstücke erhalten“.

Die Olivenbauern des Salento aber sind misstrauisch. Es sind immer dieselben Wissenschaftler, die Gutachten erstellen und einen Notstandsplan entwerfen: die Universität Bari, der Nationale Wissenschaftsrat in Bari, das Institut für mediterrane Landwirtschaft Bari (IAMB). Für ihre Forschung über die Feuerbakterie erhielten die Institute Fördergelder der Europäischen Union.
In Apulien sind die Olivenbäume sogar dafür bekannt, Feuersbrünste zu überstehen – und jetzt, fragen sich viele Bauern, soll eine Bakterie geschafft haben, was Naturkatastrophen jahrhundertelang nicht gelang? Warum auch schlug Xylella nur im Salento zu? Dabei soll sie doch mit infiziertem Oleander nach ganz Europa eingeschleppt worden sein.

Zweifel fanden jedoch bisher kein Gehör. Stattdessen bildeten sich Krisenstäbe, wurden Interventionspläne und EU-Notfallfonds aufgestellt. Die ersten Olivenbäume fielen bereits im April 2014 der Axt zum Opfer. Schließlich handele es sich um einen hochgefährlichen Erreger, der beträchtliche Schäden in der Landwirtschaft anrichte und deshalb EU-Quarantänebestimmungen unterliege, hieß es.
Das Gebiet südlich von Lecce erklärten die Behörden eilends zur Brutstätte des Erregers und die Wiesenschaumzikade zum Hauptüberträger, einen General der staatlichen Forstwache ernannten sie zum „Außerordentlichen Kommissar“. Er wacht nun darüber, dass „infizierte“ Olivenbäume entwurzelt und in einem Umkreis von hundert Metern auch alle gesunden Bäume gefällt werden.

(mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Wahlverwandtschaft

Donnerstag, 25. Februar 2016

IMG_3996

Gerade wieder aus Lecce zurück. Was mich im Salento so bewegt, ist, ja, der Barock, aber auch die Traueranzeigen, die immer so warmherzig klingen, dass man

IMG_3997

sich gleich verwandt fühlt. Neulich habe ich vor dem Justizpalast in Lecce die Traueranzeige für die Mutter eines Staatsanwalts gesehen, die auch von den Gerichtskollegen betrauert wurde: „Mamma“ in so riesigen Lettern, dass ich fast ich in Tränen ausgebrochen wäre.

Dieses Mal war ich nicht wegen des Feuerbakterien-Krimis  da (jetzt übrigens nachzulesen in der letzten Ausgabe von Focus), sondern weil ich von der Universität Lecce eingeladen war, eine Veranstaltung zu Ehren des sizilianischen Antimafia-Staatsanwalts Nino Di Matteo zu moderieren.

1912241_10208520128702879_5417694784435019886_n

Die sieht auf diesem Bild zwar aus wie eine Versammlung der Parteisekretäre der kommunistischen Partei Moldawiens, war aber ein riesiger Erfolg – was vielleicht auch daran liegen mag, dass man in den italienischen Medien mehr über die letzte Schönheits-OP eines Showgirls erfährt, als über die Mafia.

12729329_1055511894511689_4626724490810383743_n 12495919_10207212119654921_4309278085364875251_o

Und das ist vermutlich der Grund, weshalb die Menschen einer Figur wie Nino Di Matteo ihr Vertrauen schenken.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Der Feuerbakterien-Krimi. Folge 5

Samstag, 13. Februar 2016
IMG_0528

 

Jetzt mal wieder etwas für die Liebhaber des Öko-Thrillers: Inzwischen hat auch der italienische Staatsrat, also nicht gerade irgendwer, festgestellt, dass es gewisse Unregelmäßigkeiten, ähem, Unklarheiten bei der wissenschaftlichen Arbeit gab, mit der der vermeintliche Ausbruch der Feuerbakterien-Epidemie – und das anschließende Fällen der (jahrhundertealten) Olivenbäume im Salento begründet wurde: Zehn Besitzer von Olivenhainen hatten gegen das Fällen geklagt, ihn gibt der italienische Staatsrat jetzt Recht und weist daraufhin, dass

  • die Besitzer der Olivenhaine nicht darüber informiert worden sind, dass auf ihren Grundstücken Untersuchungen durchgeführt und Proben entnommen wurden, ohne dass sie dagegen Widerspruch einlegen konnten,
  • keiner der Betroffenen  die Modalitäten der Erfassung und Konservierung des pflanzlichen Materials kennt,
  • das Auswahlsystem der zu fällenden Bäume, basierend auf geografischen Koordinaten,  das Aufspüren der betroffenen Bäume unsicher macht,
  • die 10-Tage-Frist für das Fällen und Entwurzeln der Bäume zu kurz bemessen ist.

Der Staatsrat schließt sich der Position des Untersuchungsrichter von Lecce an und bestätigt, dass eindeutige Analyseergebnisse zur Feststellung der verantwortlichen Erreger für die Verbreitung der Krankheit fehlen.

Wer das Urteil des italienischen Staatsrates nachlesen will, kann das hier tun.

Kurz: Nach wie vor geht es um einen Interessenkonflikt, groß wie ein Eisberg – der den Verantwortlichen wohl den Blick etwas getrübt hat. Aber dazu demnächst mehr. Stay tuned!

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Mein Italien

Mittwoch, 10. Februar 2016

Heute vor 30 Jahren fing der Maxi-Prozess an, an dessen Ende 360 Mafiabosse zu insgesamt 2665 Jahren Haft verurteilt wurden. Zum ersten Mal mussten die Bosse erleben, dass sie Urteile nicht wie gewohnt in der letzten Instanz „zurechtrücken“, also aufheben konnten. Wofür die beiden Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Natürlich war es keineswegs so, dass der mit diesem Prozess verbundene Wunsch nach Gerechtigkeit von allen geteilt wurde, ganz im Gegenteil: Wer auf Seiten der Richter stand, wurde als „Gerechtigkeitsfanatiker“, „Jakobiner“ oder „Khomeinist“ geschmäht. So wie heute auch.

Aber was mich heute morgen bei der Lektüre des Textes von Nando della Chiesa, dem Sohn des von der Mafia ermordeten Polizeipräfekten, besonders berührt hat, war zu lesen, dass die Journalistin Camilla Cederna zu einer Kollekte für die Familien der Mafiaopfer aufgerufen hatte – die Schwierigkeiten hatten, in Palermo einen Anwalt zu finden und zu bezahlen. Am Ende kamen dann 300 Millionen Lire zusammen, gespendet von Unternehmern, Freiberuflern, Schulklassen – und süditalienischen Gastarbeitern in Deutschland.

Das ist das Italien, das ich immer bewundert habe.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone