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PETRA RESKI

La-La-Land (Filmfest 1)

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Natürlich brannten Sie schon für meine alljährliche einseitige, unsachliche und doktrinäre Berichterstattung vom venezianischen Filmfest, das, traratrara, heute angefangen hat (im Foto hier: die grandiose Aussicht von der Variety-Party gestern Abend im Danieli, ok ok, das Leben könnte schlechter sein, aber Sie können sich nicht vorstellen, wie anstrengend so ein social life sein kann)

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Die Filme, zumindest einige, werde ich mir nicht entgehen lassen, obwohl ich es mir, rein zeitmäßig, überhaupt nicht leisten könnte, sondern an dem BUCH weiterschreiben muss. Ein sehr sündiges Vergnügen also.

Heute morgen sah ich den Eröffnungsfilm La-la-Land (bescheuerter Titel) mit Emma Stone und Ryan Gosling, ein MUSICAL. Weshalb ich ja extrem skeptisch war. Filme, in denen gesungen und getanzt wird, sind mir grundsätzlich suspekt. Worin ich mich übrigens von dem Italiener an meiner Seite unterscheide, der Filme, in denen gesungen und getanzt wird, liebt – also alle Filme mit Gene Kelly und Fred Astaire, ganz zu schweigen von Saturday Night Fever und seinem absoluten Liebling Grease.

Ich hatte mich extra an den Rand gesetzt, für den Fall der Fälle. Aber dann fing es an mit einer Tanzszene im Stau in Los Angeles, und ich habe nur deshalb nicht wie die meisten im Saal gleich da schon wie blöde applaudiert, weil neben mir ein echter Kritiker saß, und ich mitgekriegt habe, dass echte Kritiker eher sparsam mit solchen Äußerungen umgehen. Sie machen am Ende eines Films höchstens klapp-klapp-klapp und murmeln beim Rausgehen: “War doch ganz hübsch”, während ich mich vor Begeisterung kaum einkriegen kann und in diesem wunderbaren Film auch noch zwei Taschentücher vollgeheult habe. Wobei ich natürlich die ganze Zeit so getan habe, als stimmte etwas nicht mit meiner Kontaktlinse, damit der neben mir sitzende Kritiker es nicht mitkriegt.

La-La-Land ist eine wunderbare, romantische Komödie, die mein schlichtes Herz gewärmt hat, es geht um Liebe und Leidenschaften und faule Kompromisse, weshalb ich, als man mir beim Rausgehen ein Mikro unter die Nase gehalten und mich nach meinem Eindruck fragte, nur ein undifferenziertes bellissimo, bellissimo in das Mikro hauchen konnte, weshalb das Fernsehteam gleich weiterzog.

Beim Espresso danach hörte ich, wie zwei italienische Kritikerinnen sich über den Film unterhielten, besser gesagt, sie sagten praktisch nichts, die eine meinte, sie müsse noch darüber nachdenken, die andere meinte, dass sie auch noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen sei, meine strenge Kritikerfreundin bemängelte die Qualität der Tanzszenen, man hätte immer den Eindruck gehabt, dass sie gleich fallen würden, was ich nicht fand, aber egal. Vergleiche zur Filmgeschichte kann ich auch nicht ziehen, aber auf jeden Fall hat mich der Film zwei Stunden lang glücklich gemacht – und mittendrin hatte ich auch noch eine Idee, es war also sehr inspirierend, was ich nicht von vielen Dingen behaupten kann.

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