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PETRA RESKI

Venedig für 1 €

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Ich weiß nicht, wie viele chinesische 1-Euro-Shops es in Venedig schon gibt, ich kann sie nicht mehr zählen. Ebenso wenig kann ich die chinesischen Taschenläden zählen, hier ein paar Impressionen aus San Marco, Calle Fuseri, Campo San Luca und so weiter, heute morgen im Vorbeigehen geknipst.

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Normalerweise sehe ich sie gar nicht mehr. Ich blicke nach oben in den Himmel, betrachte die Schwalben oder ein barockes Ornament, das mir so noch nie aufgefallen ist, kontrolliere meine Mails – und stoße mit einer russischen Reisegruppe zusammen, die gerade durch die Gassen getrieben wird.

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Und ja, in all diesen Läden war bis vor ein paar Jahren ein Metzger, ein Gemüsehändler, eine Parfümerie, ein Vertrieb von Bohnermaschinen, ein Schreibwarenhändler.

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Aber weil durchreisende Touristen keine Bohnermaschinen brauchen, sondern von einem unstillbaren Verlangen nach chinesischen Schweinsledertaschen geplagt werden und die venezianischen Vermieter nach dem Mehr! Mehr! Mehr! gieren – gerade hat der letzte Tabakladen hier in San Marco geschlossen, weil er die 8000 Euro Monatsmiete nicht bezahlen konnte – sieht es hier so aus. Bis vor kurzem sah man in jedem Laden einen schwarzen Kopf im Hintergrund, der chinesische Verkäufer, der hinter der Theke saß. Aber als die Chinesen bemerkten, dass der schwarze Kopf im Hintergrund langfristig geschäftsschädigend ist, weil dann auch die Touristen anfingen herumzukritteln, nach dem Motto: Wie schrecklich ist das denn, wenn in unserem romantischen Venedig nur noch Chinesen in den Läden sitzen?, sind die Chinesen dazu übergegangen, italienische Verkäuferinnen einzustellen und das Ganze Made in Italy zu nennen.

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Das Problem ist nur: Die italienischen Verkäuferinnen halten nicht so lange. Sie wollen dieses und jenes, bezahlte Ferien, das Wochenende frei, und eine Mittagspause noch dazu, ein Ausflug in die Bar, weil Espressotrinken in Italien ein Menschenrecht ist, und wenn sie länger als acht Stunden arbeiten sollen, fangen sie schon an zu quengeln. Also sind die Chinesen auf die Idee gekommen, auf rumänische oder ukrainische oder moldawische Verkäuferinnen auszuweichen. Die vom Look her glatt als Italienerinnen durchgehen könnten, jedenfalls für Chinesen. Die man ja auch nicht auseinanderhalten kann.

Von den Chinesen lernen, heißt siegen lernen.

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    Raoul
    8. Oktober 2017

    Ja, aber um ehrlich zu sein wirkt dieser Beitrag für mich auch eher komplett unfertig…

    Anprangern und Aufzeigen ist gut und schön und wichtig. Aber wie wäre es mit Tipps und Gegenmaßnahmen? Und vor allem…. wie und/oder woran erkenne ich als unbedarfter, in Urlaubsstimmung blinder Tourist welche Geschäfte “böse” sind?

    Sowas hätte ich mir gewünscht bei so nem Artikel…

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      reski
      11. Oktober 2017

      Sehr geehrter Raoul, weil Ihre Anmerkungen fast wortwörtlich der des vorigen Kommentars entsprechen, gilt meine Antwort da auch für Sie.

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    Carsten Drescher
    8. September 2015

    Missstände aufzuzeigen ist relativ leicht. Mich würde interessieren, was sie dagegen unternehmen bzw. empfehlen würden.

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      reski
      11. Oktober 2017

      Sehr geehrter Herr Drescher, wenn das so einfach wäre, Missstände aufzuzeigen, dann wundere ich mich darüber, dass immer erst Jahre vergehen, bis das passiert. Ich sehe ehrlich gesagt nicht die unzähligen Artikel über die Missstände des Massentourismus in Venedig, viel mehr schreibe ich darüber meist in splendid isolation. Außerdem habe ich in unzähligen Artikeln bereits die Möglichkeiten aufgezeigt (die von verschiedenen venezianischen Bürgerinitiativen immer wieder gefordert werden), als da wären, Geschäftsräume, die der Stadt Venedig gehören, für eine geringe Miete an Läden zu vermieten etc. pp., die eine Grundversorgung an Lebensmitteln etc. für ein Stadtviertel garantieren. Mein Blog hilft Ihnen sicher weiter, wenn Sie sich die Mühe machen, darin das Suchwort “Venedig” eingeben. Ansonsten: Das ist hier nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sondern ein rein privater, rigoros subjektiver und – bislang noch – kostenloser Blog. Herzlich grüßt aus Venedig, Petra Reski

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    Alessandro Ogheri
    16. April 2015

    …”Das Problem ist nur: Die italienischen Verkäuferinnen halten nicht so lange. Sie wollen dieses und jenes, bezahlte Ferien, das Wochenende frei, und eine Mittagspause noch dazu, ein Ausflug in die Bar, weil Espressotrinken in Italien ein Menschenrecht ist, und wenn sie länger als acht Stunden arbeiten sollen, fangen sie schon an zu quengeln”…

    mei mei wie faul sind die Italiener…

    klar Deutsche arbeiten 12 Stunden am Tag, wollen nie Urlaub und dann wenn sie soo müde sind nach so viele Stunden harte Arbeit (powerpoints, Meeting, telefonieren….) können sich die Arme nicht mal leisten mehr als 4 oder 6 Wochen an den Malediven…

    arme arme Deutsche…

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      inka
      19. Mai 2015

      Auweia. Mir tut die Verfasserin ja ein bisschen leid ob der beschränkten Lesart ihrer Leser. 😉 Aber da dünkte dem Alessandro eventuell Deutsche Überheblichkeit, newahr, was die Aufnahme des Textes ein wenig vertrübte. Tut mir leid wegen der schlechten Erfahrungen. Bitte dreimal durchatmen und dann den Text nochmal lesen.
      Mir hat er jedenfalls gefallen – so mal janz kritisch gelesen. 😉

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        reski
        19. Mai 2015

        😉

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    Willi
    15. April 2015

    Liebe Frau Reski,
    so ähnlich sieht es doch in vielen Städten in I aus. Das geschieht auch nicht gegen den Willen der Verantwortlichen in der Verwaltung.
    Eine umfassende Ausleuchtung des Phänomens würde bestimmt ein interessantes neues Sachbuch ergeben.
    Viele Grüße –
    Willi Schmitz

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