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PETRA RESKI

Ein Brillenputztuch (Filmfest III.)

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Einen schönen Mann kann nichts entstellen. Nicht mal ein Vollbart. Jedenfalls, wenn man Nicolas Cage ist, in “Joe“, dem heutigen Wettbewerbsfilm von David Gordon Green. Nach dem gleichnamigen Roman von Larry Brown. Joe ist ein Mann, der irgendwo unter der Oberfläche des Lebens dümpelt: In einer Welt aus Gewalt und Alkohol (hier und da unterbrochen von einem Blowjob) schlummert in Joe ein goldenes Herz (Abgesehen von ein paar peanuts: Sein Job ist, mit einer Truppe schlecht bezahlter Schwarzer Bäume zu vergiften. Außerdem hält er sich einen Bluthund, der gerne andere Hunde frisst.)

In dieser White-Trash-Welt (und schon wieder ein Film mit Monstern, die im Müll leben und lallen. Glücklicherweise gab es italienische Untertitel.) trifft Joe auf einen Jungen, der es geschafft hat, anständig zu bleiben. Und freundet sich mit ihm an. Sehr viel Blut (Hunde, Menschen und ein, wenn ich das richtig gesehen habe, Reh, das in einer Küche geschlachtet wird) Sehr traurig. Keine Hoffnung, nirgends. Falls Sie vorhaben, sich das Leben nehmen zu wollen, ist das der richtige Film für Sie.

Danach (ich wollte mich aufheitern) ein Film, über den schon im Vorfeld viel Tinte geflossen ist, wg. angeblichem Porno-Verdacht. Der sich nicht erfüllt hat. Leider. In Paul Schraders (ein Mann, der immerhin Filme wie American Gigolo gemacht hat!) Film “The Canyons” (kein Wettbewerb) sieht man zwar ein paar nackte Menschen, aber keine Spur von Porno, und das, obwohl der Hauptdarsteller hauptberuflich Pornodarsteller ist, unendlich viel Wirbel um Lindsay Lohan gemacht und ebensoviel über den Drehbuchautor Bret Easton Ellis fabuliert wurde: Sexexzess, Sexexzess, Sexexzess! Und am Ende stand kein Kataklysmus, sondern nur ein Film. Der nicht besonders raffiniert war.

Aber heute! Stephen Frears‘ Film Philomena, mit der zum Niederknien grandiosen Judy Dench. Sie spielt die Rolle einer irischen Mutter, die nach 50 Jahren ihren Sohn finden will, den die Nonnen gegen ihren Willen zur Adoption freigegeben haben. Sie wird auf dieser Suche von einem Journalisten begleitet (Steve Coogan): Ich habe mein Brillenputztuch vollgeheult.

Wunderbare Dialoge, witzige Brechungen – “ein konventioneller, aber guter Film”, wie eine meiner klugen Kritikerfreundinnen sagte – Gott sei Dank. Ich habe also nicht unter Niveau geweint.

Schaut Euch unbedingt diesen Film an! Er ist gut für das Herz.

 



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