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PETRA RESKI

Mafiaparadies Deutschland. Und ein paar Anmerkungen zur Mafiageschichtsklitterung.

Ein lesenswerter Artikel von Davide Brocchi: “Deutschland, ein Mafiaparadies”.

Lesenswert ist auch ein Kommentar zu Davides Artikel, wo jemand unter dem Kürzel “Sata” suggiert, der Autor schreibe die Unwahrheit, weil er  in seinem Artikel erwähnt, dass der Staatsanwalt Scarpinato Chefankläger des Andreotti-Prozesses war. Anders jedoch als “Sata” behauptet, wurde Andreotti am Ende des Prozesses keineswegs freigesprochen. “Sata” glaubt dies dem (in der Tat leider falschen Eintrag) des  Wikipedia-Artikels über Andreotti zu entnehmen. Das ist ein schönes Beispiel für Geschichtsfälschung. Das Märchen, dass Andreotti freigesprochen worden sei, kursiert (und wurde in Italien vor allem von der rechten Presse in Umlauf gebracht), seitdem das Urteil 2004 bestätigt wurde: Bestätigt wurde jedoch keineswegs der Freispruch, sondern die Tatsache, dass Andreotti bis 1980 die kriminelle Vereinigung Cosa Nostra unterstützt hat. Ein Verbrechen, das nun verjährt ist. Für die Jahre danach ließ sich laut Gericht kein Beweis für eine weitere  Mafia-Unterstützung Andreottis finden.

Die Richter des Kassationshofes versuchten also, Andreotti gleichzeitig zu verurteilen und freizusprechen, was natürlich nicht geht. Um es beiden Seiten recht zu machen, fällten die Richter schließlich das sibyllinische Urteil, Andreottis Unterstützung der Mafia bis 1980 als bewiesen zu betrachten und ihn dafür als schuldig zu sprechen. Und ihn für die Jahre danach, die nicht unter diese Verjährungsklausel fallen, freizusprechen.

Andreotti ist also keineswegs freigesprochen worden. Seine Unterstützung der Mafia gilt durch alle Instanzen hindurch als bestätigt – und gleichzeitig als verjährt. Was natürlich in der Tat ein unbefriedigendes Urteil ist. Vor allem für Andreotti. Der sich einen 1a-Freispruch gewünscht hatte. Aber ihn nicht bekam.

Wer des Italienischen mächtig ist, kann das auch im (etwas) solider dokumentierten italienischen Wikipedia-Beitrag über Andreotti nachlesen.

 

 



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  • PETRA   RESKI    Heimliche Italiener
    24. Mai 2014

    […] Andreotti regiert wurde, (dessen seiner Unterstützung der Mafia vom obersten Gericht Italiens als bewiesen betrachtet wurde) und danach 20 Jahre lang von Silvio Berlusconi (der Andreottis Zusammenarbeit […]

  • PETRA   RESKI    Solidarität mit Nino Di Matteo
    19. Dezember 2013

    […] es in der italienischen Geschichte zahlreiche Beispiele, das des siebenfachen Ministerpräsidenten Andreotti  ist nur eines davon. Als “Mutter” aller Verhandlungen zwischen Mafia und Politik gilt die […]

  • avatar image
    Werner Roskosch
    25. Juli 2011

    Solange hier in Deutschland niemand ermordet wird und wenn, es keine Indizien für eine Beteiligung der “Mafia” gibt, interessiert das die Justiz vermutlich kaum.
    “Steuerhinterziehung und ‘kreative’ Unternehmensmethoden.”
    Ist das denn wirklich sooo schlimm? Es sind die vermeintlichen Kavaliersdelikte.
    Es entsteht der Eindruck, dass man Angst hat in ein Wespennest zu stechen und dann eine Lawine entsteht, von der man nicht weiß, wen sie alles mitreißt.
    Dann lieber mal die Finger davon lassen!

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