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PETRA RESKI

Spatuzza

Ich habe heute über mehrere Stunden die Vernehmung des abtrünnigen Mafiosos Gaspare Spatuzza verfolgt. Er ist derjenige, der Marcello Dell’Utri und Berlusconi schwer belastet: Schon 1993 habe die Mafia mit ihnen Verhandlungen geführt – um den Einzug von Berlusconis Partei Forza Italia ins Parlament vorzubereiten. Spatuzzas Aussage soll in das Berufungsverfahren des Prozesses gegen Marcello Dell’Utri einfließen, der in erster Instanz zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Das ist allein schon ungewöhnlich, normalerweise wird das Urteil in der zweiten Instanz nur auf Basis der vorliegenden Beweise und Ermittlungen gefällt, es geschieht sehr selten, dass neue Aussagen aufgenommen werden. Fast alle haben darüber geschrieben: ZEIT, Spiegel, FAZ, Tagesspiegel.

Immer noch herrscht in Deutschland eine große Unkenntnis über die italienische Wirklichkeit. Denn wie ich in als Antwort auf einen Kommentar geschrieben habe, wählen die Italiener Berlusconi nicht aus Ignoranz, sondern weil es dafür ganz konkrete historische, politische und soziale Gründe gibt. Das Medienmonopol ist ein Grund: 90 Prozent der Italiener informieren sich über das Fernsehen, dass zu 90 Prozent Berlusconi gehört. Die italienische Opposition verharrt in Schreckstarre, hypnotisiert vom “Schwarzen Mann” B. Zuletzt gaben die Linksdemokraten ein jämmerliches Bild ab, als sie sich nicht dazu durchringen konnten, an dem morgigen Anti-Berlusconi-Tag teilzunehmen. Um anschließend der (der Opposition nahestehenden) Rai Tre eine Direktübertragung von der Demonstration zu verbieten. Wer sich, was viele in Deutschland nicht wissen, auch noch vor Augen führt, wie die erste Regierung Berlusconi zustande kam, nämlich mit Unterstützung der Mafia, wie heute noch der Mafia-Abtrünnige Spatuzza vor Gericht erläutert hat, wundert sich nicht mehr, dass Berlusconi die Wahlen jedes Mal wieder gewinnt.



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  • PETRA   RESKI    Grazie, grazie, grazie.
    2. Januar 2010

    […] fragte eine Leserin dieses Blogs, was ich von der Aussage des Mafiabosses Giuseppe Graviano hielte, besser gesagt, von seiner […]

  • avatar image
    Kirstin Hausen
    22. Dezember 2009

    Liebe Frau Reski,

    als Kollegin, die sehr gerne Ihre Buecher und Artikel liest, wuerde ich gerne Ihre Meinung hoeren ueber die Vernehmung von Graviano (sein dreifaches No). Sagt er die Wahrheit und widerlegt Spatuzza oder luegt er? Welche Grunde hindern ihn (noch) daran, auszupacken? Da das Thema auch andere Blogbesucher interessieren koennte, hoffe ich auf eine ausgeruhte Analyse. Muss ja nicht an den Weihnachtstagen sein. In diesem Sinne buon Natale!

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