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PETRA RESKI

Mafiazugehörigkeit (associazione mafiosa)

Auf meinen Lesungen merke ich immer wieder, wie erstaunt die Deutschen sind, wenn sie erfahren, dass Mafiazugehörigkeit in Deutschland nicht strafbar ist. Es gibt zwar den Strafbestand der kriminellen Vereinigung – aber abgesehen davon, dass die Höchststrafe dafür lediglich fünf Jahre betrifft, wird ein Mafioso in Deutschland klug genug sein, um alle Verdachtsmomente auszuschalten, weshalb derer man ihn möglicherweise der Bildung einer kriminellen Vereinigung beschuldigen könnte. Was nicht sehr kompliziert ist.

Die Mafia spekuliert darauf, dass in Deutschland Beweise für konkrete Straftaten vorliegen müssen, um einen Mafioso zu verhaften. Das können Schmauchspuren sein, DNS-Spuren, Fingerabdrücke: Anders als in Italien, wo der reine Verdacht auf Mafiazugehörigkeit ausreicht, um Mafiosi festzunehmen und auch ihre Besitztümer zu beschlagnahmen, müssen in Deutschland konkrete Beweise für konkrete Straftaten vorliegen.

Deutschland ist ein liberaler Rechtsstaat, in dem der Schutz der bürgerlichen Freiheiten höchste Priorität hat – zu Recht, finde ich. Allerdings konnten die Gesetzgeber auch nicht ahnen, dass die Mafia sich eines Tages nicht mehr nur auf Italien beschränken, sondern sich auch in Deutschland einnisten würde: Gerade weil sie hier von der liberalen Gesetzgebung profitiert. Selbst wenn die deutschen Ermittler von ihren italienischen Kollegen wissen, dass es sich bei dem Besitzer einer Pizzeria um ein, sagen wir, aktenkundiges Mitglied eines ‘Ndrangheta-Clans handelt – so bedeutet das in Deutschland erst mal: nichts. Insofern dieser kalabrische Pizzeria-Betreiber nicht falsch parkt, bei rot über eine Ampel fährt oder das Wechselgeld falsch herausgibt, hat er nichts zu befürchten. Er kann sich in seiner Pizzeria auch mit anderen Clanmitgliedern treffen und mit ihnen die eine oder andere geschäftliche Angelegenheit besprechen: Anders als in Italien dürfen öffentliche Lokale in Deutschland nicht abgehört werden. Was aber nicht ausschließt, dass die Telefonate des Pizzeriabetreibers irgendwann möglicherweise von italienischen Ermittlern abgehört werden, die diese Unterhaltung wiederum ihren deutschen Kollegen melden. Aber insofern die deutschen Ermittler in dieser telefonischen Unterhaltung keine Beweise für eine in Deutschland erfolgte Straftat sehen, passiert ebenfalls: nichts.

So ist es zu erklären, dass in Deutschland allein die kalabrische ‘Ndrangheta über ein Netz von 300 Pizzerien verfügt.

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