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PETRA RESKI

Frisör (parrucchiere)

Nachdem bereits meine Nageltechnikerin und mein Pilates-Trainer in diesem Blog vorgestellt wurden, regte mich das Outing von Frau Bus als Frisurendesaster dazu an, über meinen Friseur Luca zu reden. Ein dünner Mann, der über gefährlich viel kreatives Potenzial verfügt. Wobei ich nicht allzu wählerisch sein darf: Die erste Schwierigkeit in Venedig besteht darin, in dem Meer von Bed&Breakfast, Karnevalsmasken und Pizza zum Mitnehmen überhaupt noch einen Friseur zu finden. Sie verstecken sich in Nebengassen, in Hintereingängen, und wer nicht jemanden kennt, der einen Friseur kennt, der muss sich die Haare bis zum Hintern wachsen lassen. Was in Italien ohnehin sehr weit verbreitet ist. Italienerinnen haben bis auf wenige, hormonell bedingte Ausnahmen, lange Haare. Dicke, lange Haare, die beim Föhnen gnadenlos über dicke Bürsten gezogen werden, weshalb die Frage nach einem Schnitt sich in der Regel erübrigt.

Die Lange-Haare-Manie hat mich vor einigen Jahren so infiziert, dass ich mir von dem Friseur hinter der Fenice-Oper Haare ankleben ließ, in einer viele Stunden dauernden Operation, an deren Ende ich aussah wie eine Mischung aus Ludwig dem XIV. und der Madonna von Loreto.

Nach einem Monat machte ich allerdings den Eindruck, als hätte ich knapp eine komplizierte Hirnoperation überlebt, denn auf meinem Kopf gab es jede Menge, zwei-Euro-große kahle Stellen – die entstanden waren, nachdem sich die angeschweißten Strähnen als zu schwer erwiesen hatten und nach und nach von mir abgefallen waren. Die Strähnen hatten überdies die Eigenart, sich nicht nur nachts im Bett von meinem Kopf zu lösen, sondern manchmal auch mitten am Tag, beim Zeitungskaufen auf dem Campo Sant’Angelo etwa, mein Zeitungshändler sah diskret beiseite, als ich meine abgefallene Strähne aufhob.

Neben den langen, dicken Haare liegt die zweite Stärke der Italienerinnen in dem Wagemut, mit dem sie sich ihre Haare färben. Ich kenne hier keine einzige Frau, die ihre Naturhaarfarbe trägt. Das ermunterte mich dazu, mir endlich die Haare blond färben zu lassen (Ich war in meinem Sportstudio die letzte Brünette) – und diese Entscheidung macht mich bis heute glücklich. Im Prinzip. Jedenfalls dann, wenn ich es geschafft habe, mit Luca, meinem Friseur, die Hermeneutik der Frage geklärt zu haben, welches Blond das richtige Blond ist. Mausgraublond, Rühreiblond, Sauerkrautblond, Wasserrattenblond?

Und den Schnitt? Den lasse ich in Deutschland machen.



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