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PETRA RESKI

Dachte, es wäre eine gute Idee, mal etwas Klarheit zum gestrigen Referendum zu schaffen, weil die Meldungen aus Italien per copy+paste ja auch schon in Deutschland angekommen sind.

Zum ersten Mal in 40 Jahren hat das gesamte Gebiet der Gemeinde Venedig (also einschließlich des Festlands) mit “Ja” zur Trennung von Venedig und dem Festland gestimmt. Das allein ist ein Ergebnis, das uns beflügelt – und das auch  einen Meilenstein darstellt. Es handelt sich dabei um ein konsultatives, “beratendes” Referendum – das der Politik ein Zeichen geben soll. Und gegeben hat. Wenn sie es denn verstehen will.

In Venedig: 83,45 Prozent für die Loslösung vom Festland.

Zu den Zahlen: Im gesamten Gemeindegebiet hat das Ja mit 66,11 Prozent der Stimmen gesiegt. In Venedig, das irreführenderweise als “Altstadt” bezeichnet wird, haben sogar 83,45 Prozent aller Wähler für die Loslösung vom Festland gestimmt. Und als Stimmen der direkt Betroffenen (vom Hochwasser, vom Overtourism, vom Ausverkauf der Kulturgüter, von der Airbnb-Pest) sind diese 83,45 Prozent praktisch ein Plebiszit für die Loslösung.

Interessant ist auch das Ergebnis von Mestre, wo man seit kurzem auch unter Airbnb und den soeben erbauten Billighotel-Silos leidet: Selbst hier gewinnt das “Ja” mit 51,25 Prozent.

Das “Nein” siegte knappp in den “Stadtteilen” Favaro, Chirignago-Zelarino, ein deutlicher Sieg des “Nein” wurde nur in Marghera erreicht.

Die Wahlbeteiligung war niedrig, das ist sie immer in Italien – und rechtfertigt nicht das Triumphgeheul der Lokalpolitiker und der mit ihnen verhandelten Presse. In Venedig selbst lag die Wahlbeteiligung bei 30 Prozent, in der ganzen Kommune bei 21 Prozent. Aber von einem “Flop” zu sprechen, scheint mir etwas gewagt, vor allem, wenn man bedenkt, dass der jetzige Bürgermeister bei der Stichwahl lediglich von 25,5 Prozent aller Wähler gewählt wurde.

Erfolg trotz Medienterrors

Tatsächlich sieht das Gesetz für ein konsultatives Referendum gar kein Quorum vor – anders als es die Region Veneto dann beschlossen hat, mit dem 50-Quorum. Deshalb wird das noch ein juristisches Nachspiel haben. Hinzu kommt, dass die drei Ex-Bürgermeister zusammen mit dem jetzigen Bürgermeister die Bürger zur Stimmenthaltung aufgefordert haben – also Bürger wie Untertanen behandelt haben, wie man es eigentlich nur von diktatorischen Regimes kennt.

Die Tatsache, dass wir dieses Ergebnis trotz Medienterrors, der Bombardierung der Bürger mit Fake News, trotz Täuschungsmanövern, Betrügereien und andere Tiefpunkten erreicht haben, ist allein schon ein Wunder.

Das Ja als Ausgangspunkt

Ich möchte allen danken, die sich in dieser kurzen (nicht zufällig so beabsichtigt von der Lega-Regionalregierung) Referendumskampagne engagiert haben. Schon rein menschlich gesehen war es eine tolle Erfahrung, ich habe irrsinnig viele wunderbare Venezianer kennengelernt, die an Demokratie und Gerechtigkeit glauben, und das hat mich glücklich gemacht.

Für uns ist dieses “Ja” ein Ausgangspunkt.

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