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PETRA RESKI

Die letzten Venezianer haben letzten Sonntag mal wieder ein Lebenszeichen gegeben: 2000 Demonstranten bewiesen bei stechender Sonne einen gewissen Opfergeist für ihre Stadt. Hashtag: #MiNoVadoVia, was so viel heißt wie: “Mich kriegt Ihr hier nicht raus!” (Endlich mal ein vernünftiges Motto: Die Slogans der letzten Aktionen klangen für meinen Geschmack etwas zu sehr nach Wir-reichen-uns-die-Hände-und-bilden-einen-Kreis.)

“Venezia è il mio futuro” ist zwar gut gemeint, aber dem Satz “Venedig ist meine Zukunft” würden die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen, von Airbnb und Ein-Euro-Shops wohl mit  Begeisterung zustimmen.

“Venedig, das sind wir”, finde ich schon angemessener. Zumal wir es an diesem Sonntag endlich mal geschafft haben, die Reisegruppen auf der Riva degli Schiavoni niederzurennen. Übrigens mit tatkräftiger Hilfe des Wahl-Venezianers Bruno Ganz (hier im Bild mit Lidia Fersuoch, der Präsidentin von Italia Nostra Venedig, dem italienischen Kulturschutzbund und meiner Wenigkeit (demotechnisch bestens ausgerüstet)

Wir haben dann noch eine Weile vor der Ca’ Dio herumgeschrien, einem ehemaligen Altersheim, das nun – ja worin? – in ein Hotel verwandelt werden soll, auch um die Unesco darauf aufmerksam zu machen, dass Venedig fast ebenso lange wie es den Titel des Weltkulturerbes trägt (seit 1987) von einer Stadtverwaltung heruntergewirtschaftet wird, deren erklärtes Ziel es ist, die Stadt zu verramschen und die letzten Venezianer (letzter Stand: knapp 54 000) aus der Stadt zu vertreiben – ein Ziel, das sie bald übererfüllt haben.

Nennt sich auch: Neoliberalismus.

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