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PETRA RESKI

Nudeln, Nudeln, Nudeln

Jetzt noch mal kurz zu Oettingers Bemerkung über die “Unregierbarkeit” von Ländern wie Italien, Bulgarien, Rumänien. Natürlich sind ihm sofort sämtliche deutschen Stammtische samt des SPD-Buddys Gabriel beigesprungen, denn rechts und links wittern alle Morgenluft und wollen angesichts der am Horizont dräuenden Alternative für Deutschland schnell auch noch schnell das Anti-Europa-Kleidchen überwerfen, und außerdem weiß jeder, dass in Italien schon seit ewigen Zeiten alles drunter und drüber geht: Nudeln, Nudeln, Nudeln, wie mein Onkel Heinz zu sagen pflegte.

EU-Parlamentsschef Martin Schulz hat dann in der  Repubblica die Italiener fix gelobt, das Defizitverfahren gegen Italien habe gestoppt werden können – kurz: Mit Ländern wie Italien geht eben nur Zuckerbrot und Peitsche, da kann man sich auch schon mal im Ton vergreifen. Das ist eine lässliche Sünde, die auch schon Steinbrück und Schäuble passiert ist, Gott, ja, was will man machen, die Italiener fordern einen doch geradezu heraus!

Und jetzt, endlich: stabile Verhältnisse! Der böse, böse B. ist zwar immer noch da, aber man sieht ihn Gott sei Dank nicht, weil der Blick auf B. dank des Neffens des besten Freundes von B., Enrico Letta verhindert wird, der die Regierung der Liebe zwischen B. und seinen nützlichen  Kommunisten linken Koalitionspartnern führt. Alle tragen neuerdings Rollkragenpullover und die Frauen nur wenig Lippenstift – und eine Deutsche ist auch mit an Bord (Kanutin, von der der STERN zu berichten wusste: “Wenn sie bei sich bleibt, ist sie schwer zu schlagen”) da darf man mit dem Lob nicht knauserig sein.

Martin Schulz sah die italienische große Koalition also praktisch als naturgegeben an, sie sei Ausdruck des freien Wählerwillens, am Ende der Wahlen hätten drei gleich große Blöcke gestanden, von denen einer (damit meinte er die 5Sterne-Bewegung) sich geweigert habe, zur Regierungsbildung beizutragen –  wobei er großzügig darüber hinweg sah, dass die 5Sterne sehr wohl und sehr gerne zur Regierungsbildung beigetragen hätten, wenn die Linksdemokraten bereit gewesen wären, ihren eigenen (!, nicht den der 5Sterne) Parteigründer Stefano Rodotà zum Staatspräsidenten zu wählen.

Aber gut, Martin Schulz wollte seinem linksdemokratischen Buddy Letta beispringen, denn etwas Schrecklicheres als die 5Sterne-Bewegung kann man sich in Europa wohl kaum vorstellen, außer ungarischen Antisemiten vielleicht. Natürlich fällt bei der Gelegenheit wieder mal unter den Tisch, sich zu fragen, worum es in Europa heute denn wirklich noch geht, um das Verbot von Ölkännchen und die Rettung der Banken etwa? Alle wieder ganz nah und kuschelig zusammengerückt: Man müsse den Europäern wieder das Vertrauen zurückgeben, dass die Europäische Gemeinschaft zu ihrem Wohl handele und nicht für die Banken und die reichen Länder, sagte Martin Schulz. Und das ist ganz im Sinne der italienischen Linksdemokraten, denn dank der nunmehr offenen Liebesbeziehung zu B. konnten sie auch der Unterstützung für die Rettung der Bank Montepaschi di Siena sicher sein: Eine Hand wäscht die andere.

 

 

 



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