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PETRA RESKI

Mozzarella

Die Mozzarella ist in Gefahr. Oder besser: Es besteht eine Mozzarellagefahr. Erst waren es die Südkoreaner, dann die Japaner, die wegen der zu hohen Dioxinbelastung die Einfuhr von Büffelmozzarella verboten. Und jetzt haben sich dem Mozzarella-Boykott auch noch die Amerikaner und die Engländer angeschlossen. Hysterie – sagen Landwirtschaftsminister, Außenminister und Gesundheitsminister, alle Befürchtungen seien übertrieben und Frucht einer bösartigen anti-italienischen Medienverschwörung, und um die Gesundheit zu gefährden, müsse man 1300 Kilo Büffelmozzarella am Tag essen – und das vierzehn Tage lang.

Man frage sich jedoch, warum der Mozzarella-Alarm aus Südkorea und Japan kommen musste – und nicht aus Italien, wo doch immerhin 84 Prozent der Mozzarella verzehrt werden, stellt der Repubblica-Kommentator Andrea Bonnani fest. Denn bis gestern waren die Zeitungen noch voll mit Reportagen über die Dioxinbelastung Kampaniens. Und darüber, dass die Lebensmittelindustrie Kampaniens in der Hand der Camorra ist.

Aber jetzt ist Wahlkampf – und da mutiert der verpestete Mozzarella zum gefundenen Fressen für die Rechte, die den (linken) Regionalpräsidenten Antonio Bassolino für die seit fünfzehn Jahren dauernde Müllkrise in Neapel und damit für die Dioxinbelastung verantwortlich machen. Und die Linke versucht sich hektisch den Mozzarella wieder verdaulich und Bassolino schön zu reden, weil beide in Kampanien schon genug Stimmen kosten. Und Bassolino sieht kein Dioxin in der Mozzarella, sondern Rassismus überall und speziell gegen ihn – gegen den er bereit sei, zu Felde zu ziehen.

Ich jedenfalls esse seit meiner letzten Neapel-Reportage keine Mozzarella mehr.



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