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PETRA RESKI

Il santone

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Padre Pio wurde exhumiert – in Anwesenheit zweier miracolati, durch Padre Pios Wunder Geheilter, acht Großnichten und Großneffen, Ärzten, Angehörigen des kirchlichen Heiligsprechungstribunals, sowie des Erzbischofs Domenico D’Ambrosio – der sich glücklich schätzte, davon berichten zu können, dass Padre Pio auch vierzig Jahre nach seinem Tod noch völlig intakt sei, samt Bart, Augenbrauen und Fingernägeln. Die im Übrigen so gepflegt seien, dass man meinen könne, der Heilige käme gerade von der Maniküre. Das einzige, was fehlt, sind die Wundmale, ein doch fundamentaler Bestandteil des Padre Pio – Wundmale, die wie der Historiker Sergio Lutazzo schrieb, weniger auf die Heiligkeit, als auf den gezielten Einsatz von Karbolsäure zurückzuführen seien: Padre Pio war Stammkunde in der Apotheke von San Giovanni Rotondo.

Fünf Gutachter sollen nun feststellen, ob Padre Pio an sich herumgeschummelt hat oder ob der Heilige Geist für den Ausschlag sorgte. 

Es ist hingegen kein Wunder, dass Padre Pio der Lieblingsheilige der Mafia ist. Er wird über alle Maßen von Bernardo Provenzano verehrt, jenem Boss, der vierzig Jahre lang untergetaucht war, bis er vorletztes Jahr festgenommen wurde. Padre Pios Statue steht überall – in Sizilien, in Kampanien, in Kalabrien. Überlebensgroß wacht er über Plätze und Vorgärten, hinter Glas, aus Bronze oder aus Zement gegossen.

Und da man sich schon einmal die Mühe gemacht hat, den Heiligen wieder auszugraben, wird er demnächst auch ausgestellt: Ab dem 24. April ist er in San Giovanni Rotondo zu besichtigen. Bekleidet mit einer Kutte und der violetten Schärpe des Beichtvaters.



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