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PETRA RESKI

Fotoausstellung im Krankenhaus von Venedig: Die Krankenhauskatzen

Neulich, als ich durch das venezianische Krankenhaus lief, fiel mir dieses Plakat auf – daneben waren Fotos von den venezianischen Krankenhauskatzen auf Stellwänden ausgestellt. Und ich erinnerte mich daran, dass die Katzen das erste waren, das ich sah, als ich einmal ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Genauer gesagt: eine dicke, schwarzweiße Katze, die aus einem Fenster zu springen scheint, bis ihr jemand die Tür öffnet und sie sich elegant durch den Türspalt in den Kreuzgang drängelt. Das venezianische Krankenhaus besteht aus zwei ehemaligen Klöstern und aus dem Bruderschaftshaus der Scuola Grande di San Marco. Wenn man zur Blutabnahme muss, durchquert man die Frührenaissance. Vielleicht ist das der Grund für die Katzen.

In Deutschland habe ich noch nie eine Katze im Krankenhaus gesehen. Aber hier tröstet mich ihr Anblick. Als ich in Venedig ankam, gab es noch massenhaft Katzen, die sich einen campiello, einen alten Lagerschuppen oder einen verlassenen Innenhof erobert hatten und dort auf die gattara warteten, die Katzenmutter: alte Venezianerinnen, die sie ihnen Futter brachten und sich um sie kümmerten, wenn sie krank waren. Heute sieht man nur noch gelegentlich hier und da eine Katze mit Halsband durch die Gassen streifen, meist sind es fette Hauskatzen beim Verdauungsspaziergang.

Nur hier im Krankenhaus ist es noch wie früher, ständig biegt eine Katze um die Ecke, alle im Krankenhaus kennen sie, die Katzen sitzen in den Kreuzgängen, rekeln sich in der Sonne auf marmornen Brunnen in den Innenhöfen und ignorieren die Patienten und die Wasserschildkröten im Springbrunnen.

Überhaupt ist das venezianische Krankenhaus der einzige Ort in Venedig, an dem man sich noch wie in einer normalen Stadt fühlt: Hier wird Venezianisch gesprochen, über die Flure laufen Familien, die ihre Verwandten besuchen und schwere Taschen mit sauberer Wäsche schleppen, keine einzige Reisegruppe blockiert die Gänge, niemand hockt auf dem Boden, um eine Pizza zu essen, niemand posiert für Instagram, keine Selfiestange weit und breit.

Eine amerikanische Freundin sagt, dass sie sich lieber ausfliegen lassen würde, bevor sie sich in dem venezianischen Krankenhaus behandeln lassen würde. Okay, das ist hier vielleicht nicht der Standard der Mayo-Klinik und die Katzen sind für Amerikaner etwas gewöhnungsbedürftig, aber was, wenn man sich nicht mehr ausfliegen lassen kann?

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