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PETRA RESKI

Die letzten Außerirdischen

 

Ja, ich hatte einen Rückfall. Um meinem Ziel näherzukommen, eines Tages beim italienischen Staatspräsidenten eingeladen und mit einer Staffel der Frecce tricolori als eine durch nichts zu erschütternde Sympathisantin des italienischen Films gefeiert zu werden, habe ich es heute wieder versucht, mit dem dritten und damit letzten italienischen Wettbewerbsbeitrag: l’ultimo terrestre, zu deutsch, der letzte Erdenbewohner. Was soll ich sagen. Der Film war nicht schlecht, er fing sogar sehr lustig an, mit Hörern, die im Radio ihre Sorgen über die bevorstehende Landung der Außerirdischen mitteilen, etwa die Frage, ob die Außerirdischen auch in italienischen Fußballclubs zugelassen werden sollten, ja oder nein, angesichts der Tatsache, dass da ja auch schon Franzosen und Holländer spielten. Aber leider waren das auch schon fast die witzigsten Stellen. Es fehlte an einer gewissen Logik, die selbst einem Film, der erklärtermaßen absurd ist (Außerirdische landen in Italien, ein in Hinblick auf die Liebe etwas gestörter Mann kommt mit ihnen in Kontakt) unerlässlich ist. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was mit der Metapher von den Außerirdischen gemeint sein könnte: Berlusconis Mischpoke? Oder das Gegenteil von Berlusconi? Oder gar kein Berlusconi? (In diesen Tagen quellen die Zeitungen wieder über, B.’s- Skandale, Hardcore-Telefonate und sechs Rüstungsschiffe als Geschenk für Panama, man wird hier von B. und seinen Manien auf Schritt und Tritt verfolgt, er  steckt in jedem Cappuccino). Auf jeden Fall fühlte ich mich während des italienischen Beitrags so, als würde ich jemandem dabei zusehen, der haspelnd versucht, einen Witz zu erzählen, wobei ich am Ende höflich lache, weil ich ihn für seine Mühe belohnen will.

Besser war Killer Joe von William Friedkin, dem Regisseur von Der Exorzist und French Connection: Die Geschichte einer amerikanischen Trash-Familie, die versucht, einen Mord in Auftrag zu geben, um sich dank der Lebensversicherungsprämie der Toten endlich ein schönes Leben zu machen. Das klappt dann nicht ganz. Es werden für meinen Geschmack etwas zu viel Nasenbeine gebrochen und die Sache mit dem Hühnerschenkel (mehr verrate ich hier nicht) war einen Kick zu blutig, um noch als schwarzer Humor durchzugehen. Aber. Die Schauspieler einschließlich des Pitbulls T-Bone waren grandios. Gina Gershon als Schlampe etwa. Anders als die Kollegen von dpa fand ich auch Matthew McConaughey in seiner Rolle als beschränkter Killer nicht schlecht, gut, er hatte nur einen Gesichtsausdruck, und der reicht für diese Rolle auch völlig aus. Doch allein für die Winzigkeit, wie Dottie, die bizarre Tochter der Familie (Juno Temple) angesichts der Aussicht, dass ihre Mutter umgelegt werden soll, ganz kurz und fies die Oberlippe hochzieht, lohnt es sich, den Film zu sehen.



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