Mit ‘Mafia’ getaggte Artikel

„Bei aller Liebe“ on the road

Donnerstag, 14. September 2017

Getz (sagt man im Ruhrgebiet) geht’s los: Nächste Woche Lesungen in Hamburg, Marburg und Kassel. Und demnächst noch mehr.

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Filmfest 2 (und Mafia)

Samstag, 09. September 2017

Dieses wunderbare Bild gibt es als Postkarte von No Grandi Navi – die eine große Demo (darunter eine kleine, feine Seeschlacht)  für den 23./24. September planen. Was uns hier natürlich am Herzen liegt, zumal in diesen Tagen des Filmfests, das morgen zu Ende geht.

Frühmorgens, wenn die Horden noch nicht eingefallen sind, lief für mich (wie immer) der schönste Film des ganzen Festivals. Also habe ich, wenn ich zum Lido fuhr, habe ich immer wie blöde fotografiert, (und mich ein bisschen geschämt, wie immer, wenn ich mich wie ein Tourist benehme). Aber ja, auch ich wollte diese seltenen Momente festhalten, wenn Venedig noch sich selbst gehört: Venedig ist wie ein Liebhaber, von dem du weißt, dass er dich mit allen betrügt und den du dennoch nicht verlassen kannst.

Der Preis wird wie immer an einen Film gehen, den ich entweder nicht gesehen habe (The Shape of Water), aus dem ich rausgegangen bin (First Reformed, Paul Schrader) oder den ich komplett schwachsinnig fand (Mother von Darren Aronofsky :ganz oben auf meiner Liste idiotischer Festivalfilme – ich würde sogar sagen, dass er diesen im Schlamm spielenden russischen Schwachsinnsfilm übertrifft, wo sich die Frau die Barthaare ihres Geliebten in den Mund steckt.) Bei „Mother“ gab es jede Menge blutiger Astlöcher, in denen Jennifer Lawrence herumpult, und selbst Javier Bardem konnte die Chose nicht retten. Als Schriftstellerin bin ich allerdings beeindruckt, wie es ein Regisseur hinkriegt, komplett auf jede Logik zu … und einfach nur diverse blutige Astlöcher, einen Schriftsteller mit Schreibblockade, irre Fans, ein kleingehacktes Baby und ein explodierendes Spukhaus aneinander zu reihen und zu glauben, dass das Ganze funktioniert.

Mein Lieblingsfilm war „Three Billboards outside Ebbing“ (die Mutter eines ermordeten Mädchens mischt die verschlafene Polizei auf) mit der wunderbaren Frances Mc Dormand Und ich nehme an, dass er schon aus diesem Grunde nichts gewinnen wird.

Mafia gab es auf dem Filmfest natürlich auch, in rauen Mengen, etwa bei Suburra, jetzt als Netflix-Serie, nachdem es letztes Jahr als Film lief (hatte einige Déjà-Vu-Erlebnisse). Wie der Roman auch geht es um die Geschichte der römischen Mafia (die laut Urteilsspruch plötzlich gar keine Mafia war, sondern nur Bandenkriminalität): „Mafia Capitale“, also Mafiosi, Politiker und Priester, wie im wirklichen Leben.

Aus Neapel kam das Mafia-Musical Ammore e Malavita   Und obwohl ich immer skeptisch bin, bei „Mafia jetzt mal lustig“, fand ich es wunderbar, am besten natürlich die Szene im Krankenhaus, zu What a feeling auf Neapolitanisch. (Ist natürlich nicht das erste Mafia-Musical, das erste hat Roberta Torre 1997 ebenfalls in Venedig vorgestellt: Tano da morire.)

Mich erinnerte das an meine Begegnung mit Carmine Sarno, auch genannt ‚o topolino, das Mäuschen, einem neapolitanischen Camorra-Boss und Musikproduzenten, weshalb sein Herrschaftsgebiet, der Vorort Ponticelli in Neapel auch „la piazza dei cantanti“ genannt wird. Die Musik der Neomelodici dient, wie die Mafiamusik der ‚Ndrangheta auch, nicht nur dazu, Propaganda für die Mafia zu machen, sondern auch, Botschaften an Clans zu überbringen, wie es ein abtrünniger Camorrista über den Sänger Alessio behauptete (gegen den allerdings nicht ermittelt wird, die Behauptungen eines Abtrünnigen sind erst relevant, wenn sie von anderen Quellen bestätigt werden). Eine Nacht lang habe ich Carmine und Alessio begleitet, eine sehr interessante Erfahrung. „Alessio wurde durch mich geboren“, sagte Carmine Sarno damals zu mir. „Und er wird mit mir sterben.“ Alessio tritt übrigens auch in der Serie Gomorrha auf. Die Mafia liebt es, wenn sie als blutrünstig dargestellt wird.

An Carmine habe ich auch gedacht, als ich die erste Szene von Loving Pablo  sah, den Film über Pablo Escobars Aufstieg und Fall aus der Sicht seiner Geliebten. Da präsentiert sich Pablo Escobar einer Journalistin und späteren Geliebten (Penelope Cruz) als Wohltäter, der Häuser für die Armen baut. Sozusagen ein Klassiker. Carmine Sarno erzählte mir von seinen Wohltätigkeitskonzerten: eines für Kinder am Dreikönigsfest und eines zugunsten Körperbehinderter im September.

Allein Javier Bardem mit Kraushaar und Bauch zu sehen, lohnt sich. Ich Herzchen glaubte natürlich, dass sich Bardem das Fett dank Robert De Niros Method-Acting-Methode angefressen hätte, war aber nur eine – sehr glaubhafte – digitale Plauze. Die Narcos sind natürlich etwas grobschlächtiger als ihre italienischen Vorbilder, in jeder Hinsicht.

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„Das italienische Beben“

Dienstag, 29. August 2017

so lautet die Überschrift zu meiner Erinnerung an die Morde von Giovanni Falcone und Paolo Borsellino: „Vor 25 Jahren führte der Terror in Italien zu einer dramatischen Wende: Die Mafia schwor der Gewalt ab und ging in die Politik. Dort ist sie bis heute geblieben.“

Nachzulesen im Magazin des Tagesanzeigers.

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Jugend Rittet

Freitag, 11. August 2017

Ok, ich wusste schon, dass „Bei aller Liebe“ aktuell ist – aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell so hoch her gehen würde. Zwischen Deutschland und Italien. Allein schon mal orthografisch. Von „Jugend rittet“ bis „Jugend bettet“ – war alles drin: In so gut wie keinem Artikel der italienischen Presse wurde „Jugend rettet“ richtig geschrieben, nicht mal im Beschlagnahmungsbefehl der Staatsanwaltschaft von Trapani, die letzteren auf Geheiß des Untersuchungsrichters ausgestellt haben. Das muss jetzt hier so pingelig ausklamüsert werden, weil im Eifer des Gefechts (anders kann man die Berichterstattung darüber nicht bezeichnen) doch einiges durcheinander geraten ist.

Auf Facebook, Twitter und in Artikeln wurden Südkurven-Schlachten ausgetragen, Ninja Turtles gegen Shredder, hätte man meinen können. Dabei war es nur eine normale Ermittlung rund um die „Begünstigung illegaler Einwanderung“. Die zur Folge hatte, dass die „Iuventa“, das Schiff der NGO „Jugend Rettet“ beschlagnahmt wurde und, wohlgemerkt, gegen einzelne Mitglieder der NGOs  von „Jugend Rettet“, „Ärzte ohne Grenzen„, „Save the children“ und andere ermittelt wird.

Kurzum: Hier wird kein Rundumschlag gegen alle NGOs gefahren, es geht es auch nicht darum, Rettungsorganisationen zu kriminalisieren (mehr …)

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La ‘Ndrangheta cantata

Mittwoch, 09. August 2017

Il mio collega Attilio Bolzoni si occupa da decenni della mafia, scrive per la Repubblica, per cui ha inventato il blog: „Mafie“ – e mi ha chiesto di contribuire con un pezzo sul singolare successo della „musica della mafia“ in Germania:

La ‘Ndrangheta cantanta.

Era il 2000 quando la Germania scoprì che la mafia non è altro che un piccolo popolo minacciato dal rischio dell’estinzione, qualcosa come i Chiapas. Una cultura antica, insomma. Magari con riti bizzarri, ma comunque una cultura. E una cultura non si può giudicare in Tribunale.

Questo era il messaggio di tanti articoli usciti per promuovere la cosiddetta “musica della mafia”, considerata ancora oggi da tanti giornalisti tedeschi come „autentica cultura mafiosa calabrese”. I testi delle canzoni erano documentati in italiano e tedesco, come la canzone sull’attentato di mafia contro il generale Carlo Alberto dalla Chiesa nel 1982: “Hanno ammazzato il generale / non ha avuto tempo nemmeno per pregare / così fu mandato velocemente al Padreterno / La mafia è una legge criminale che ti lascia in pace finché vuole / ma se la stuzzichi / arriva il momento che si muove”.

Le intenzioni di questa presunta “musica popolare da diverse regioni del sud dell’Italia” erano ben chiare, ma il messaggio diffuso dai giornalisti tedeschi era: la mafia non è altro che un popolo invischiato in faide arcaiche che celebra riti incomprensibili. Un popolo che canta, balla e i cui membri alla fine si uccidono tra di loro. Niente per cui i tedeschi dovrebbero sentirsi in pericolo.

La scrittrice calabrese Francesca Viscone ha analizzato il fenomeno brillantemente nel saggio “La globalizzazione delle cattive idee. Mafia, musica, mass media” (Rubbettino Editore). Non ci sono stati giornali, radio, televisioni tedesche che non abbiano parlato del fenomeno della musica della mafia. Un fotografo calabrese è stato artefice del successo tedesco delle canzoni della ’Ndrangheta: Francesco Sbano vive tuttora ad Amburgo e ha avuto nel 2000 l’idea di produrre la cosiddetta “Musica della mafia”.

L’abilità con cui Sbano si è introdotto nelle redazioni tedesche era utile soprattutto nel momento delicato dopo la strage di Duisburg. Per la prima volta i tedeschi scoprivano di avere la mafia in casa. Sbano fu tra i primi a spiegare la ‘Ndrangheta e a mostrare “materiale video esclusivo”, invitato dall’Università di Bochum insieme ad Antonio Pelle, originario di San Luca e gestore dell’hotel Landhaus Milser a Duisburg, dove fu ospitata la squadra dell’Italia durante i mondiali di calcio in Germania nell’estate del 2006. Sbano mostrava il suo film “Uomini d’”onore”: un documentario in cui uomini con il passamontagna cavalcano per l’Aspromonte e farfugliando elevano la mafia a una specie di patrimonio dell’umanità. Un documentario che gira ancora oggi in tanti cinema tedeschi.
Per Sbano lo Stato italiano è colpevole di tutto: soprattutto delle condizioni di vita nel Sud. Si dice convinto che le finanze meridionali sarebbero risanate se la ’Ndrangheta potesse investire legalmente i suoi miliardi: „Tutti i mafiosi di alto rango con cui ho parlato mi hanno assicurato che la legalizzazione della mafia e la fine dell’economia sommersa determinerebbero un miracolo economico in Calabria. Naturalmente la mafia dovrebbe interrompere l’uso di antichi metodi barbari“, dice Sbano in un’intervista modello apparsa su „Corazon-International“ e realizzata da un suo giornalista “prescelto”: Max Dax, coproduttore del primo cd di canzoni di ’Ndrangheta.

Un altro giornalista prescelto è Andreas Ulrich, corrispondente di cronaca nera del settimanale Der Spiegel. Un anno dopo il massacro di Duisburg, Der Spiegel si vantava in un editoriale che due dei suoi reporter erano stati guidati nella realizzazione di un reportage sulla ‚Ndrangheta proprio da Francesco Sbano, persona che “gode della fiducia dei boss”. Il più grande settimanale tedesco comunicava allora con orgoglio che le sue informazioni sulla mafia provenivano dalla mafia stessa.

Sbano regala al pubblico tedesco quasi ogni anno una nuova iniziativa per fornire ai tedeschi un’immagine folcloristica della mafia. Nel 2010 è riuscito ad allegare la sua musica a un libro i cui autori (tra cui Roberto Saviano) non sapevano nulla di questa compagnia: Malacarne. “Vivere con la mafia”  è il titolo del volume. Insieme alle fotografie del bolognese Alberto Giuliani il “toccante documento di un´epoca” (come recitava la pubblicità dell’editore) si avvaleva del contributo dei testi di Roberto Saviano e di altre personalità note per il loro impegno contro la mafia, ma anche di due cd della Musica della Mafia. Nessuno degli autori sapeva che i loro testi sarebbero stati accompagnati dalla musica della mafia, altrimenti non li avrebbero messi a disposizione del fotografo:. Tutti i famosi autori hanno preso le distanze dall’indesiderata compagnia.

Nel 2011 Sbano ha pubblicato un libro che spiega le presunte idee di un presunto boss mafioso con il titolo curioso „L’onore del silenzio“. Un boss si confessa”. (Die Ehre des Schweigens. Ein Mafiaboss packt aus. Heyne editore). Come ha osservato la scrittrice Francesca Viscone, Sbano costruisce l’autobiografia di un boss con le regole delle fiabe: assenza di tempo, spazio e identità dei personaggi, abbondanza di riti e miti. Puro folclore mafioso. Impossibile a chiunque verificare le dichiarazioni del boss Belfiore, e persino la sua esistenza.

Andreas Ulrich, giornalista di Der Spiegel e fidato amico di Sbano ha scritto una prefazione degna dell’opera, sferrando una serie di attacchi frontali contro lo Stato italiano e contro i suoi colleghi giornalisti che hanno osato scrivere sulla mafia in Germania e i cui libri (tra cui il libro “Santa Mafia” della sottoscritta) sono stati censurati in Germania.
L’attacco più violento però viene indirizzato contro il movimento antimafia italiano: Ulrich lo definisce come “Wanderzirkus”, circo ambulante, composto di “giornalisti, fotografi, autori e attivisti d’altro genere che cavalcando l’onda della lotta dell’antimafia vogliono diventare famosi”. La storia della mafia deve essere raccontata solo dai mafiosi, dice Ulrich, gli unici credibili. Parola d’onore.

Sbano e Ulrich questa volta però si sono spinti un po’ troppo lontano. Attivisti del movimento antimafia di Berlino si erano recati alla presentazione del libro di Gianluigi Nuzzi, “Metastasi”, a cui avrebbe dovuto partecipare anche Ulrich, insieme al procuratore Nicola Gratteri. Ma Ulrich, appena un giorno dopo l’uscita del libro di Sbano, era stato invitato a rimanere a casa.

Poco dopo però, nel 2013, grazie al prestigio che gli deriva dalla collaborazione allo Spiegel che lo considera “specialista di mafia”, Sbano riesce a presentare la sua musica della mafia a Berlino nell’importante Haus der Kulturen (gestito e pagato dal ministero tedesco degli Esteri). L’associazione „Mafia? Nein Danke!” manda una lettera di proteste alla direzione.
Un anno dopo però Francesco Sbano perde la calma. Fa irruzione al Museo della ‘ndrangheta di Reggio Calabria, minacciando gli operatori presenti e la scrittrice Francesa Viscone che da oltre dieci anni lo accusa di attuare una subdola strategia culturale per spacciare i valori mafiosi per cultura popolare.

“Voi ci state causando un sacco di danni. Vi rovino”, ha gridato Sbano in tono inequivocabile. Ad ascoltare le urla c’erano tre giovani collaboratori del museo. Come riferisce l’associazione “Libera” in un comunicato di solidarietà, Sbano ha apostrofato Francesca Viscone in tono offensivo, con “il solito epiteto che gli uomini a corto di idee riservano alle donne”.

L’anno scorso, il tribunale di Reggio Calabria ha condannato Francesco Sbano per ingiuria, minaccia e diffamazione in seguito alla sua intrusione nel museo della ‘Ndrangheta.
Oggi Sbano gestisce un ristorante italiano ad Amburgo. Qui i clienti tedeschi vengono trattati “come i preti”. E continuano a credere che la mafia esista solo in alcuni villaggi italiani arretrati. Missione compiuta.

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„Bei aller Liebe“

Samstag, 05. August 2017

Was soll ich sagen? Ich habe mich über diese Rezension von Günter Keil in der Abendzeitung sehr gefreut – die ich heute durch Zufall gefunden habe und die mir die Bitternis meines letzten Urlaubstages versüßt hat. Grazie, grazie, grazie!

 

Das Geschäft mit dem Leid

Petra Reskis neuer Anti-Mafia-Roman „Bei aller Liebe“ zeigt, wie die Organisation an Flüchtlingen verdient

Dieser Roman ist mutig. Er enthält unangenehme Wahrheiten und gibt verstörende Einblicke. Petra Reski erzählt von dem Milliardengeschäft, das mit den aktuellen Flüchtlingsströmen gemacht wird. Sie berichtet von skrupellosen Schleusern, korrupten Politikern, ängstlichen Staatsanwälten, opportunistischen Journalisten und kriminellen Kirchenmännern.

Vor allem anderen erzählt Reski jedoch von der sizilianischen Mafia, die im Flüchtlingsbusiness eine entscheidende Rolle spielt. Wie sich herausstellt, verdienen Cosa Nostra und die kalabrische ´Ndrangheta auch in Deutschland kräftig am Elend der Flüchtlinge.

Pure Fiktion? Mitnichten. Reskis Romane sind stets umfassend recherchiert und erschreckend realistisch. In ihrem dritten Fall ermittelt Serena Vitale, eine Anti-Mafia-Staatsanwältin aus Palermo, gegen afrikanische Schlepperbanden. Doch dann wird ein deutscher Oberstaatsanwalt in ihrer Heimatstadt ermordet – auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Medien und die Polizei gehen von einem Verbrechen aus Leidenschaft aus.

Vitale findet allerdings heraus, dass der Kölner wegen brisanter Mafia-Recherchen nach Sizilien gekommen war. Mit der für sie typischen Energie und Unnachgiebigkeit stürzt sich die schlagfertige Staatsanwältin in die Ermittlungen. Sie setzt Heuchler, Bedenkenträger und Opportunisten unter Druck. Und sie stößt auf Dino Grecco. Der Sohn eines mächtigen Mafiabosses lebt als angeblich seriöser Unternehmer in Deutschland. Schon vor Jahren hatte er mit Cosa-Nostra-Millionen zahlreiche Lagerhallen, Altenheime, Kliniken und Hotels gekauft, die er später gewinnbringend in Flüchtlingsunterkünfte umwandelte. Darüber hinaus gründete er Sicherheitsdienste, Reinigungsfirmen und Catering-Unternehmen, mit denen er Millionenbeträge rund um die Heime erwirtschaftet – ein florierendes Geschäftsmodell.

Die Mafia ist nicht nur struktureller Bestandteil des Geschäfts mit den Flüchtlingen, sondern auch des internationalen Finanzkapitalismus. Obwohl seit Jahren beteuert wird, dass sie ausgerottet sei.

Mit Serena Vitale hat Petra Reski eine umwerfende Figur erschaffen. Die intelligente Staatsanwältin kämpft unermüdlich gegen die Mafia und ihre Unterstützer, gegen das Vergessen und die allgegenwärtige Korruption. Dass sie sich mit ihrem Engagement selbst in Gefahr bringt, nimmt sie in Kauf.

Parallelen zur Autorin sind unübersehbar: auch die vielfach für ihre Texte und Bücher ausgezeichnete Petra Reski wird als Mafia-Expertin bewundert und bedroht. Die 57-jährige wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Ihre Hauptfigur wird „La crucca“ genannt, die Deutsche. Was Vor- und Nachteile haben kann: „An schlechten Tagen wurde ihr vorgeworfen, unflexibel, phantasielos und pedantisch zu sein. An guten Tagen galt sie als aufrichtig, tiefgründig und verlässlich.“

Mit ihrem Wissen über die Cosa Nostra könnte Petra Reski in ihren Romanen dozieren oder belehren – stattdessen unterhält sie auf hohem Niveau, erzählt trocken, lakonisch und unverblümt. „Bei aller Liebe“ ist ein spannender Kriminalroman, von dem man viel lernt – über das Geschäft mit Flüchtlingen, die Mafia und ihre verhängnisvolle Verbindung nach Deutschland.

Günter Keil

Petra Reski: „Bei aller Liebe“ (Hoffmann und Campe, 318 Seiten, 20 Euro)

Abendzeitung vom 22. 7. 2017

 

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Kleines Update zur Sommerpause

Mittwoch, 26. Juli 2017

Liebe Freunde und Unterstützer,

bevor Sie in die Ferien fahren, bereits im Liegestuhl liegen oder schon wieder zurückgekehrt sind, freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass das Landgericht Leipzig einen Antrag auf Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen mich zurückgewiesen hat. Der Kläger war der Ansicht, dass ich mit der Veröffentlichung des FAZ-Artikels von Andreas Rossmann auf meiner Webseite gegen das gegen mich erlassene Urteil verstoßen hätte. Gegen diesen Beschluss hat der Kläger Beschwerde eingelegt.  Anhängig sind jetzt noch die Klage auf Geldentschädigung und meine Klage gegen Jakob Augstein, die am 29. September in Hamburg verhandelt wird.

Außerdem, was mich am meisten freut, ist am 18. Juli mein neuer Roman erschienen: „Bei aller Liebe“, der von Mafia, Medien und Migranten handelt.

Protagonisten sind wie immer die sizilianische Antimafia-Staatsanwältin Serena Vitale und der von der Medienkrise gebeutelte deutsche Investigativjournalist Wolfgang W. Wieneke, der sich übrigens darüber empört, von mir mit Klarnamen genannt zu werden.

In der Hoffnung, Ihnen beim nächsten Update nur gute Nachrichten verkünden zu können, grüßt Sie herzlich und unbeirrbar positiv gestimmt, Petra Reski

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Bei aller Liebe. Endlich.

Samstag, 15. Juli 2017

Ist immer so ein intimer Moment, wenn man DAS BUCH, mit dem man mehr als ein Jahr verbracht hat, zum ersten Mal in der Hand hält. Wenn es sich aus einer Word-Raupe endlich in einen Roman verwandelt hat, den man in der Hand halten kann und dessen Rücken knackt, wenn man ihn zum ersten Mal aufschlägt. Als Motto ein paar Zeilen von Leonardo Cohen: „First we take Manhattan/Then we take Berlin“. Gewidmet habe ich den Roman Giovanni Spampinato, der 1972 von der Mafia ermordet wurde. Ab Dienstag in allen Buchhandlungen, yes.

Serena Vitale lässt Euch alle schön grüßen (Habe sie kürzlich mal wieder in Palermo interviewt, sie war verzickt wie immer, aber am Ende habe ich sie milde gestimmt, weil ich ihr eine besonders schöne Heiligenfigur mitgebracht habe: Sant’Ivo, Schutzheiliger der Staatsanwälte. Dass er aber erst vierundvierzig Jahre nach seinem Tod heilig gesprochen wurde, wusste sie schon)

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat. 2

Mittwoch, 14. Juni 2017

Hurra: Wir sind über die 20 000-Euro-Marke hinausgeschossen! (Auch dank der Unterstützer, die nicht über generosity-link, sondern per Banküberweisung gespendet haben) Ich möchte Ihnen/Euch allen danken. – dafür, dass ich mich nicht alleine fühlen muss, für Eure Aufmerksamkeit, für Euer Engagement. Es hat mich bewegt. „Non tutti i mali vengono per nuocere“, sagt man in Italien: Nichts ist so schlecht, als dass es nicht auch für irgendetwas gut wäre.

Mein Crowdfunding habe ich auch im Europäischen Parlament erwähnt, als ich vor kurzem über Mafia+Medien+Meinungsfreiheit in Deutschland gesprochen habe. Die italienische Fünfsterne-Bewegung hatte mich zur Tagung „Die Zukunft der Information: Zwischen Meinungsfreiheit und Fake News“ eingeladen. Es ging um Fragen wie: Wer darf feststellen, wann eine Meldung „Fake News“ ist oder nicht? Sollen Inhalte von Social Media entfernt werden und wenn ja, wer entscheidet wie darüber? Wer hat das Recht zur Zensur? Und ja, Zensur, ähem, natürlich, nennt sich nicht so, wenn Bücher über die Mafia in Deutschland auf Geheiß deutscher Gerichte geschwärzt, Artikel und Filme gelöscht werden. Kommt aber aufs Gleiche heraus.

Wie es weitergeht? Ich werde updates über die ausstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen posten. Wenn alles (hoffentlich) vorbei ist, werde ich eine Bilanz erstellen: über die Gelder der Schwarmsammlung, die Rechtskosten, über das, was (hoffentlich) übrig bleibt und wem es gespendet werden soll.

Love you all.

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L’informazione che produce il silenzio: Il caso della mafia in Germania.

Samstag, 10. Juni 2017

Chi ha diritto di stabilire se una notizia sia una fake news oppure no? Chi ha diritto di censura? E‘ giusto parlare di rimozione dei contenuti nei social media? Ho partecipato al convegno „Il Futuro dell’informazione“ a Bruxelles – su invito di Marco Zullo, parlamentare europeo del M5s – qui potete vedere tutta la diretta dell’evento  e qui una piccola intervista in cui parlo sulle difficoltà fare informazione sulla mafia in Germania.

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