Ich finde die Überschrift von Spiegel-Online (”Berlusconi poltert gegen Anti-Mafia-Autoren”) etwas bizarr. Oder sollte ich sagen: ahnungslos? Der italienische Ministerpräsident droht damit, Anti-Mafia-Autoren zu erwürgen, und Spiegel-Online findet das so niedlich, dass sie dafür das Wort “poltern” wählen. Ha, ha, dieser Berlusconi! So kennen wir ihn ja! Poltert gerne mal.
Kategorie: Mafia und Medien
Die Mafiosi von nebenan. I mafiosi della porta accanto

Jetzt ist mein ZEIT-Dossier über die Mafia in Deutschland online
Papi
Die SZ berichtet über regierungskritische Bücher in Italien - die in Deutschland übrigens nur geschwärzt denkbar wären. Von wegen Pressefreiheit.
Ich fühle mich geehrt. Mi sento onorata
Am 20. Juni werde ich mit dem Amalfi Coast Media Award ausgezeichnet. Als man mir diese Nachricht mitteilte, war ich erst etwas ungläubig, wie immer, wenn man mir einen Preis gibt. Dann rang ich um Fassung und suchte hektisch nach Worten, um meinen Dank angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ich wollte sagen, dass mich diese Geste der der italienischen Journalisten glücklich macht und stolz zugleich, ich wollte sagen, dass ich una giornalista umile sei, also eine bescheidene Journalistin, die sich durch diesen renommierten Preis sehr geehrt fühlt, mi sento onorata. Etwas in diesem Sinne wollte ich sagen. Aber mein Mund klebte zusammen und dann hörte ich mich sagen: Mi sento umiliata, grazie! Was so viel heißt wie: Ich fühle mich gedemütigt, vielen Dank!
Ich redete dann ganz schnell weiter und hoffte, dass man meinen Versprecher der schlechten Telefonverbindung zur Last legen und mir vergeben würde. Grazie, grazie mille.
Pressefreiheit. Libertà della stampa
Hier auch etwas zu meinen Erfahrungen mit Pressefreiheit in Deutschland.
Der Verdacht. Il sospetto.
Interessant ist, was der Blog zum Medienrecht über meine Prozesse schreibt - in der Kategorie “Verdachtsberichterstattung”.
Mafiamusik. Musica della mafia.
Wer immer noch glaubt, dass die Mafia ein kleines, unterdrücktes Völkchen sei, das nichts anderes möchte, als in seinen Verstecken zu singen und zu tanzen und hin und wieder in einen Blutrausch zu geraten, der sollte diesen erhellenden ZEIT-Artikel über die Musik der Mafia lesen.
Die Wahrheit. La verità.
“Es nutzt aber niemandem, wenn die traditionellen Medien wie besessen sind von ihrer antiquierten Auffassung, sie müssten grundsätzlich immer beide Seiten eines Problems darstellen - selbst wenn die Wahrheit eines Sachverhalts klar und deutlich auf der einen oder der anderen Seite verortet werden kann. Die Wahrheit liegt eben nicht immer genau in der Mitte. Stattdessen lauert sie mitunter irgendwo im Graubereich.”
Hofschranzen der Mafia (Mafia und Medien II)
Als ich von der Festnahme von Giovanni Strangio erfuhr - einem der Killer der Duisburger Mafiamorde - erinnerte ich mich an das Interview, das er der italienischen Wochenzeitung Panorama gegeben hat: Ein Interview, in dem er sich, wie es die PR-Strategen der Mafia für Deutschland vorgegeben haben, als unschuldig verfolgter Italiener darstellt, dessen einzige Schuld darin bestehe, in San Luca geboren zu sein. Und deshalb von Justiz und Medien in Sippenhaft genommen worden sei.
Immer wieder geschieht es, dass Journalisten Mafiosi breiten Raum zur Selbstdarstellung und zur ungefilterten Übertragung ihrer Botschaften einräumen (auch ein Mitarbeiter des Berliner Kurier rühmt sich, per mail ein Interview mit Strangio geführt zu haben: “Interview mit einem Killer”). Ob die Journalisten es tatsächlich nicht merken, dass sie benutzt werden? In Hofschranzen der Mafia verwandelt werden?
Wie wichtig es der Mafia ist, ihr Bild in den Medien zu kontrollieren, machte auch der Anwalt von Giovanni Strangio klar. Nachdem die Auslieferung Strangios nach Italien beantragt wurde, sagte er: “Das einzige, was uns erschreckt, ist der Medienrummel. Wir hoffen auf einen gerechten Prozess - der sich auf Beweise stützt und nicht auf suggestive Rekonstruktionen”.


verfasst von reski