Kategorie: Mafia und Medien

Überwintern in Kalabrien.

Montag, 16. Januar 2012

So schön kann die Mafia sein. Jedenfalls für deutsche Rentner.

“Dieter Esch poliert seinen Mercedes, den er in Kalabrien überall unbesorgt stehen lassen könne, wie er meint. Hier sorge schließlich die Mafia dafür, dass zahlungskräftige Gäste aus Deutschland in Ruhe gelassen werden.‘Wir sind geschützt durch diese ‘Organisation’. Und deshalb fühlen wir uns hier wohl und sicher. Sehr sicher. Also das ist schon im Prinzip gut. Auch wenn man hier in die Stadt reinfährt, auf den Markt, und man stellt den Wagen ab, man kriegt ihn wieder, wenn man zurückkommt.’ Rosarno: Süditalienisches Alltagsfair. Dieter und Gudrun Esch haben ihren Mercedes irgendwo in einer Nebenstraße geparkt. Und weil sie davon ausgehen, dass die Mafia jedem auf die Finger haut, der sich an deutschem Eigentum vergreift, genießen sie das bunte Treiben. Und sprechen so viel Italienisch, wie sie können.”

In Rosarno herrscht seit der Vertreibung der Afrikaner in der Tat Feierlaune.

Montag, 02. Januar 2012

Man kann es ja nicht oft genug sagen.

Das Italien, vor dem wir uns ängstigen

Sonntag, 06. November 2011

Herr von Becker und die Mafia: Was wäre Deutschland ohne seine furchtlosen Journalisten?

Mafiaparadies Deutschland. Und ein paar Anmerkungen zur Mafiageschichtsklitterung.

Montag, 25. Juli 2011

Ein lesenswerter Artikel von Davide Brocchi: “Deutschland, ein Mafiaparadies”.

Lesenswert ist auch ein Kommentar zu Davides Artikel, wo jemand unter dem Kürzel “Sata” suggiert, der Autor schreibe die Unwahrheit, weil er  in seinem Artikel erwähnt, dass der Staatsanwalt Scarpinato Chefankläger des Andreotti-Prozesses war. Anders jedoch als “Sata” behauptet, wurde Andreotti am Ende des Prozesses keineswegs freigesprochen. “Sata” glaubt dies dem (in der Tat leider falschen Eintrag) des  Wikipedia-Artikels über Andreotti zu entnehmen. Das ist ein schönes Beispiel für Geschichtsfälschung. Das Märchen, dass Andreotti freigesprochen worden sei, kursiert (und wurde in Italien vor allem von der rechten Presse in Umlauf gebracht), seitdem das Urteil 2004 bestätigt wurde: Bestätigt wurde jedoch keineswegs der Freispruch, sondern die Tatsache, dass Andreotti bis 1980 die kriminelle Vereinigung Cosa Nostra unterstützt hat. Ein Verbrechen, das nun verjährt ist. Für die Jahre danach ließ sich laut Gericht kein Beweis für eine weitere  Mafia-Unterstützung Andreottis finden.

Die Richter des Kassationshofes versuchten also, Andreotti gleichzeitig zu verurteilen und freizusprechen, was natürlich nicht geht. Um es beiden Seiten recht zu machen, fällten die Richter schließlich das sibyllinische Urteil, Andreottis Unterstützung der Mafia bis 1980 als bewiesen zu betrachten und ihn dafür als schuldig zu sprechen. Und ihn für die Jahre danach, die nicht unter diese Verjährungsklausel fallen, freizusprechen.

Andreotti ist also keineswegs freigesprochen worden. Seine Unterstützung der Mafia gilt durch alle Instanzen hindurch als bestätigt – und gleichzeitig als verjährt. Was natürlich in der Tat ein unbefriedigendes Urteil ist. Vor allem für Andreotti. Der sich einen 1a-Freispruch gewünscht hatte. Aber ihn nicht bekam.

Wer des Italienischen mächtig ist, kann das auch im (etwas) solider dokumentierten italienischen Wikipedia-Beitrag über Andreotti nachlesen.

 

 

La mafia in Avanti

Samstag, 02. Juli 2011

Intervista di “Avanti” – “Sulla strada per Corleone”

Brüssel

Freitag, 29. April 2011

Tausend Dank dem Einsatz von Sonia Alfano: Hier sind die einige Vorträge auf You tube zu sehen, leider nur auf Italienisch. Von Nicola Gratteri (Reggio Calabria), Franco Roberti (Salerno), Antonio Ingroia (Palermo). Und ein kleiner Beitrag von mir.

Die Mafia in Europa

Donnerstag, 31. März 2011

Der schier unerschöpflichen Energie der italienischen Europaparlamentariern Sonia Alfano ist es zu verdanken, dass es im europäischen Parlament in Brüssel gestern und vorgestern zu einem“Mafia-Hearing” kam: 40 italienische Antimafia-Staatsanwälte waren angereist, um das europäische Parlament dafür zu sensibilisieren, dass die Mafia nicht am Brenner halt macht, sondern ein europäisches Problem ist. Eines, das uns alle angeht. Sonia Alfano hofft, dass dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer einheitlichen europäischen Gesetzgebung bei der Mafia-Bekämpfung sein wird.

Die Staatsanwälte kamen aus den Hochburgen der Mafia – aus Neapel, Palermo, Reggio Calabria, Catanzaro. Es war für mich eine große Ehre, zu den Vortragenden zu gehören. Dies um so mehr, als das Thema “Mafia in Deutschland” erfolgreich verdrängt wird, und das nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten: Selbst die Mafiamorde von Duisburg waren nur ein vorübergehender Schock. Heute ist die Erinnerung daran schon lange verblasst: “War das es nicht ein ‘Massaker von Italienern an Italienern’?” Damit befinden sich die Deutschen übrigens in bester Gesellschaft. Nicht nur mit ihren französischen, englischen, holländischen und griechischen Nachbarn. Sondern auch mit den Norditalienern, die genau wie ihre europäischen Nachbarn sagen: “Die Mafia? Ja, die gibt es. Aber nicht bei uns. Sondern nur in Süditalien.”

Und weil Sonia Alfano Tochter des von der Mafia ermordeten Journalisten Beppe Alfano ist, vergaß sie auch nicht, Opfer der Mafia einzuladen – Augenzeuginnen: Zwei Frauen, deren Väter von der Mafia ermordet worden sind, weil sie sich ihr in den Weg gestellt haben: die Tochter eines von der Mafia ermordeten Hotelbesitzers und die Tochter des von der Mafia ermordeten Bürgermeisters von Capaci.

Als sie über ihre Väter sprachen, wurden ihre Stimmen rau.


Der Präsident, der Sizilien und die Sizilianer liebte

Sonntag, 23. Januar 2011

Gestern nachmittag stand ich in einem Mailänder Zeitungskiosk und traute meinen Ohren nicht, als im Radio die Nachricht verkündet wurde, dass Salvatore Cuffaro, der ehemalige sizilianische Regionalpräsident und jetzige Senator, als Gehilfe der Mafia letztinstanzlich verurteilt worden sei – und seine Haftstrafe im römischen Gefängnis Rebibbia angetreten habe.

Ich habe mich Cuffaro nicht nur in diesem Blog gewidmet (zum Beispiel hier und hier und hier), sondern ihn auch persönlich getroffen, auf seiner Wahlkampfreise durch Sizilien – als sich sein Antlitz noch über verrottete Mauern wölbte, von Stellwänden herablächelte und es sogar bis zur Heiligen Rosalia geschafft hatte, hoch oben auf den Monte Pellegrino, dort, wo Palermo den Himmel mit den Fingerspitzen berührt und wo seine mit Juwelen überhäufte Schutzpatronin in einem gläsernen Sarkophag ruht. Cuffaros Gesicht war so rund und weich und glatt, als hätte dieser Mann seit seiner Geburt nichts erlebt, was seine Zuversicht hätte trüben können. „Totò Cuffaro: Der Präsident, der Sizilien und die Sizilianer liebt“, stand auf dem Aufkleber.

Als Journalistin, die den Regionalpräsidenten Cuffaro nach seinen Mafiaverbindungen fragen wollte, war ich natürlich nicht erwünscht. Zwei Wochen lang folgte ich ihm bei seinen Reisen über die Insel – und wurde freundlich, aber bestimmt abgewiesen. Als ich wieder mal auf ihn wartete, dieses Mal vor der Kirche der Maria Santissima dei Miracoli, kam ich auf die Idee, mit dem Präsidenten per pizzino zu kommunizieren, mit jenen kleinen Zettelchen also, mit denen sich auch der Boss Bernardo Provenzano aus dem Untergrund mit seinen Mafiosi zu verständigen pflegte. Hochverehrter Präsident, schrieb ich, bitte gewähren Sie mir ein Interview – für die Maria Santissima und für Deutschland! Dieser klein gefaltete Zettel wurde während der Messe von Hand zu Hand bis zum Präsidenten weitergereicht. Als der Präsident aus der Kirche trat, winkte er mich hoheitsvoll zu sich – und stellte sich meinen Fragen. Um ihnen ebenso hoheitsvoll auszuweichen.

Am nächsten Tag war im Giornale di Sicilia zu lesen, dass eine deutsche Journalistin den Präsidenten auf das Minenfeld der Anti-Mafia-Bekämpfung gezerrt habe.

 

Mittwoch, 03. November 2010

Die Mafia bei der Erfurter Herbstlese.

Montag, 18. Oktober 2010

Manchmal hat man so ein Déjà-Vu-Erlebnis.