Kategorie: Literatur

In memoriam Vincenzo Consolo. Il viaggio che non finisce mai.

Samstag, 21. Januar 2012

Oggi é morto a Milano lo scrittore Vincenzo Consolo. Mi ricordo quando l’ho incontrato in un pomeriggio per puro caso sulla terrazza del Hotel Palace a Palermo. Diceva: “Si, torno sempre nella mia Itaca ma ogni volta vedo che qualche cosa della mia Itaca scompare. Ma, scompaiono tante cose, d’altra parte questo è fatale, niente rimane fermo, niente rimane cristallizzato, tutto scorre, tutto si trasforma. Il desiderio di chi è andato via è che le trasformazioni siano sempre in senso progressivo e che non siano semplicemente una perdita, e allora il dolore è nel vedere, nel fatto che le trasformazioni sono spesso perdite, si vorrebbe che non fossero perdite, che fossero, che fossero piuttosto arricchimenti e non perdite. Ma questo avviene in Sicilia come avviene in ogni parte del mondo, oggi io credo che veramente, siamo tutti “Ulissidi” nel senso che in questo nostro mondo, abbiamo perso i nostri punti di riferimento, abbiamo perso le nostre Itache, abbiamo perso la nostra isola di ritorno, e quindi siamo costretti in questo nostro mondo di oggi ad una perenne erranza, siamo sempre pronti a ripartire per un viaggio che non finisce mai.”

Autoliteratur

Dienstag, 11. Oktober 2011

“… und so habe ich mir denn ein Auto angeschafft” - heißt das Buch von Ulf Geyersbach, das mir heute in die Hände fiel. Untertitel: Schriftsteller und ihre Automobile. Eine Beziehung, die es wert ist, vertieft zu werden. Vladimir Nabokov posiert vor der Haifischmaulschnauze seines Buick, in dem er nach eigener Aussage fast die ganze Lolita verfasst hat. Françoise Sagan rast am Steuer ihres Jaguar XK 140 vorbei, als Belohnung für Bonjour Tristesse, und Gertrude Stein steht neben ihrem Ford, in dem sie sogar Gedichte schrieb, am liebsten in der Nähe von Kreuzungen geparkt. Nabokov hingegen schrieb im Fahren, was kein Problem war, weil er stets gefahren wurde, als Kind von dem Chauffeur seiner Eltern, später von seiner Ehefrau. Nabokov hatte keinen Führerschein – und war Mitglied der American Automobile Association. Erich Maria Remarque hingegen war ein verhinderter Rennfahrer und wurde vom Ullstein Verlag mit einem Lancia beschenkt, nachdem sich Im Westen nichts Neues 750 000 mal verkauft hat. Remarque besaß sogar einen Bugatti und die seltene Gabe, vor Kurven Zwischengas zu geben. Da bin ich natürlich voller Neid, wegen des Bugatti, des Lancia und des Zwischengases. Von den 750 000 Exemplaren von Im Westen nichts Neues ganz zu schweigen. Die Autos werden aber nicht nur gefahren, sondern auch zum Mythos erhoben, sie werden gepriesen, gefeiert  und gefürchtet – ja, sie werden zu literarischen Nebenfiguren. Autoliteratur.

Das erinnerte mich an die wunderbare Reisereportage “Schwarzes Revier” von Heinrich Hauser, ein Buch, das von dem FAZ-Redakteur Andreas Rossmann im vergangen Jahr wieder aufgelegt und mit einem Vorwort versehen wurde. Hauser fuhr mit einem Cabriolet der wie ein Passwort klingenden Marke NAG CF 4B durch das Ruhrgebiet der Zwanzigerjahre, um den Strukturwandel zu fotografieren und zu beschreiben.

All diese illustren Herrschaften hätten verstanden, warum ich die Fahrt von Kamen nach Corleone in einem Alfa Spider machen musste. Das einzige Problem sind die Notizen, wenn man selbst fährt. Weil ich nicht jedes Mal anhalten konnte, wenn mir etwas auffiel, habe ich so die Diktierfunktion meines I-Phone (Steve Jobs for ever) zu schätzen gelernt.

 

Das Scheißleben

Montag, 26. September 2011

meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend” – heißt das Buch von Andreas Altmann, das ich soeben gelesen habe.

Wie immer war ich skeptisch. Altötting, Katholizismus und alte Nazis – too much. Dachte ich. Allerdings machte mich der Ausdruck “Rosenkranzkönig” neugierig. Kurze Inhaltsangabe des Buches hier. Interview mit Andreas Altmann hier. (Wenngleich ich nicht verstehe, warum ein Autor, der autobiographisch schreibt, stets dazu vernommen werden muss: Was er sich gedacht hat. Was er sich nicht gedacht hat. Warum er woran nicht gedacht hat. Als hätte das Buch eine Gebrauchsanweisung nötig. Hat es nicht. Aber gut.)

Es ist grandios, nicht nur wegen seines Titels. Es ist zärtlich, es ist brutal, es ist komisch, es ist klar, es ist so böse, grotesk und tragisch – wie das Leben eben oft ist. Aber eine unglückliche Kindheit allein reicht nicht aus, um so ein Buch schreiben zu können. Dazu gehört nicht nur Stilempfinden, sondern auch eine innere Haltung – und die kann man nicht erlernen.

Soundtrack “Von Kamen nach Corleone”

Mittwoch, 04. Mai 2011

Marcel Misset, mein holländischer Übersetzer, hatte die Idee, den Soundtrack meines Buches zu veröffentlichen: mein Lieblingslied Via con me von Paolo Conte etwa, dann Mi sono innamorato di te von Luigi Tenco oder Lasciatemi cantare von Totò Cotugno. Und ich füge noch das ultimative Spiderlied Disperata erotico stomp von Lucio Dalla und Amandoti von Gianna Nannini an.

Am 18. Mai erscheint “Von Kamen nach Corleone” in Italien, unter dem Titel “Sulla strada di Corleone.Storie di mafia tra Germania e Italia”.

Und am 1. Juni stelle ich die holländische Ausgabe meines Buches im Goethe-Institut in Amsterdam vor. In Holland erscheint “Von Kamen nach Corleone” unter dem Titel “Enkeltje Corleone” bei Lebowski. Der Übersetzer Marcel Misset hat bereits meine Bücher “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” und “Rita Atria” ins Holländische übersetzt, die unter dem Titel “Maffia” und “Rita Atria. Een Siciliaanse rebel” ebenfalls bei Lebowski erschienen sind.

Das wahre Leben II

Sonntag, 21. März 2010

Die Hegemanie ebbt nicht ab. Frau Diener hat es sehr schön zusammengefasst. An dem gleichen Tag übrigens, an dem ich über das glückliche Deutschland im Hegemann-Rausch schrieb und mich in Italien davon verschont wähnte, waren die Rechte des Axolotl bereits an den italienischen Verlag Einaudi verkauft worden. Und ich dachte, es reicht, dass wir hier Berlusconi haben.

Das wahre Leben

Sonntag, 14. Februar 2010

Glückliches Deutschland. Immer noch im Hegemannrausch. Den ich extrem unterhaltsam finde. Hier und hier und  hier (wodurch mir auffiel, dass der Praschl den Schalter wieder geöffnet hat, ich war das Foto mit dem Schornsteinfeger schon etwas leid). Manchmal versuche ich die Hegemanie in Italien zu erklären, aber es gelingt mir nicht. Schon wenn ich damit anfange, dass die deutschen Literaturkritiker offenbar anfallartig von einer Sehnsucht nach dem wahren Leben getrieben werden, werde ich komisch angeguckt. La vera vita?

Berlin-Amsterdam-Neapel

Montag, 18. Mai 2009

Erst war ich in Berlin, wo ich mich fragte, ob es noch andere Berliner gibt ausser Russen, dann saß ich in der Herrengracht, wohin mich mein holländischer Verleger eingeladen hat (Oscar Van Gelderen: Wenn ich jemals die Idee haben werde, ueber einen Verleger zu schreiben, der von einem ausgeprägten Jagdinstinkt getrieben wird, dann werde ich an ihn denken!), und jetzt in Neapel, wo mir in Nocera der Premio Civitas verliehen wurde.

Es ist das erste Mal, dass ich in Italien mit einem Preis ausgezeichnet wurde, und ich kann es nur empfehlen: Italienische Preisverleihungen sind die schönsten der Welt! Nicht nur, dass die Zeremonie (eine, die den Namen verdient!) im Rathaus von Nocera stattfand, sondern auch, dass unendlich viele Reden gehalten wurden, wunderbare, bewegende, mich preisende, lobhudelnde, herzenswärmende Reden, vom Bürgermeister, vom Präfekten, von der Vorsitzenden von ANDE (Associazione donne elettrici) Nocera, von der deutschen Generalkonsulin von Neapel, von der Direktorin des Goetheinstituts Neapel, vom Chef der Carabinieri und vom Generalstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Salerno, Franco Roberti, bei dessen Rede ich kurz davor war, in Tränen auszubrechen. Nicht nur, weil er redete wie ein römischer Redner der Antike, sondern weil er sagte, dass die Richter, die meinem Buch mit den Schwärzungen einen Schmiss beigebracht haetten, uno sfregio, wie es auf Italienisch heisst, was mehr ist als ein Schmiss: eine Erniedrigung, eine Demütigung – diese Richter also seien eben Richter gewesen, die sich darauf beschränkt haetten, das Gesetz anzuwenden. Mehr musste er nicht sagen.



Tag der Arbeit

Freitag, 01. Mai 2009

Tatsächlich hatte ich mir vorgenommen, am Tag der Arbeit nicht zu arbeiten. Kein einziges Wort zu schreiben, den Computer nicht anzusehen, geschweige denn anzustellen, keine noch so unbedeutende Notiz zu machen, keinen Gedanken an zu schreibende Geschichten zu verschwenden. Lange zu schlafen. Vielleicht den ganzen Tag zu verschlafen. Und erst, wenn ich überhaupt nicht mehr schlafen könnte, etwas zu lesen. Aber nur eines jener Bücher, die ich eigentlich überhaupt nicht lesen muss. Also blätterte ich in einem Buch über Darwin. Dann in einem über die russische Revolution. Schließlich fiel mir “Dornröschens Flugzeug” in die Hände, eine Sammlung journalistischer Texte von García Márquez. Unter der Überschrift “Das Unglück von einem, der Bücher schreibt” las ich:

“Nach dieser tristen Bestandsaufnahme muss man sich grundsätzlich fragen, warum wir Schriftsteller schreiben. Die Antwort fällt notgedrungen in dem Maße melodramatisch aus, in dem sie aufrichtig ist. Schriftsteller ist man einfach, wie man Jude oder Schwarzer ist. Der Erfolg mag beflügeln, die Geneigtheit der Leser mag anspornen, aber das sind Zusatzgewinne, denn ein guter Schriftsteller wird so oder so weiter schreiben, auch wenn seine Schuhe Löcher haben und seine Bücher sich nicht verkaufen. Diese besondere déformation professionelle erklärt sehr gut die gesellschaftliche Ungeheuerlichkeit, dass sich viele Männer und Frauen zu Tode hungern, um etwas zu tun, das letzten Endes, und das meine ich vollkommen ernst, zu nichts nütze ist.”

Und dann setzte ich mich wieder an meinen Schreibtisch.

Schreiben. Im Ruhrgebiet.

Sonntag, 08. März 2009

lang3

Heute morgen blätterte ich dem wunderbaren Bildband “Als der Pott noch kochte” des Fotografen Horst Lang (dem mein Buch “Meine Mutter und ich” auch sein Umschlagbild verdankt). Ein Schattenreich aus Fördertürmen, Zechensiedlungen, rußgeschwärztem Backstein, Kohlenhalden: Die Bilder von dem Ruhrgebiet, in dem ich aufgewachsen bin, wirken heute so entrückt wie Szenen aus einem Film von Sergej Eisenstein.

Und da fiel mir wieder mein Schriftstellerkollege Heinrich Peuckmann ein. Der genau wie ich als Sohn eines Bergmanns in Kamen aufgewachsen ist – und schon früh beschloss, Schriftsteller zu werden – ein Berufswunsch, der in einer Bergmannsfamilie ungefähr ähnlich ernst genommen wird wie der Wunsch, Balletttänzer zu werden.

Heinrich Peuckmann hat sich nicht beirren lassen. Heute blickt er auf ein umfassendes Werk zurück, er hat Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Opernlibretti und Gedichte, Kinder- und Jugendbücher geschrieben, er hat über das Ruhrgebiet geschrieben und über China, über Bergmänner und über thailändische Säbelfechter.

Gerade habe ich seinen letzten Krimi gelesen: “Zweites Leben”, der zwischen Kamen, Münster, Unna und Dortmund spielt, bei dem ziemlich viel herumgefahren wird – und der mich an die Bleierne Zeit erinnert, als wir ganze Abende damit verbrachten, von Unna nach Kamen zu fahren, von Kamen nach Dortmund, von Dortmund nach Münster, als wir die Freiheit in einem VW-Bus wähnten oder in einem verrosteten Renault vier. Der garantiert immer von der Polizei an die Seite gewunken und kontrolliert wurde – weil damals die ganze Welt auf der Suche nach Terroristen war. Peuckmann gelingt es, in seinem Krimi die ideologieschwere Zeit der Achtziger Jahre in die Gegenwart zu transportieren. Mehr sage ich nicht. Ist ja ein Krimi.

Manchmal kann sich der Kommissar nicht entscheiden. Jedenfalls, was Frauen betrifft.

Endlich was Positives!

Dienstag, 16. Dezember 2008

Grazie Zora!

Zora Del Buono bloggt nicht nur im Schweizer Fernsehen, sondern hat auch einen hochgelobten Roman geschrieben.