Kategorie: Literatur

Das wahre Leben II

Sonntag, 21. März 2010

Die Hegemanie ebbt nicht ab. Frau Diener hat es sehr schön zusammengefasst. An dem gleichen Tag übrigens, an dem ich über das glückliche Deutschland im Hegemann-Rausch schrieb und mich in Italien davon verschont wähnte, waren die Rechte des Axolotl bereits an den italienischen Verlag Einaudi verkauft worden. Und ich dachte, es reicht, dass wir hier Berlusconi haben.

Das wahre Leben

Sonntag, 14. Februar 2010

Glückliches Deutschland. Immer noch im Hegemannrausch. Den ich extrem unterhaltsam finde. Hier und hier und  hier (wodurch mir auffiel, dass der Praschl den Schalter wieder geöffnet hat, ich war das Foto mit dem Schornsteinfeger schon etwas leid). Manchmal versuche ich die Hegemanie in Italien zu erklären, aber es gelingt mir nicht. Schon wenn ich damit anfange, dass die deutschen Literaturkritiker offenbar anfallartig von einer Sehnsucht nach dem wahren Leben getrieben werden, werde ich komisch angeguckt. La vera vita?

Berlin-Amsterdam-Neapel

Montag, 18. Mai 2009

Erst war ich in Berlin, wo ich mich fragte, ob es noch andere Berliner gibt ausser Russen, dann saß ich in der Herrengracht, wohin mich mein holländischer Verleger eingeladen hat (Oscar Van Gelderen: Wenn ich jemals die Idee haben werde, ueber einen Verleger zu schreiben, der von einem ausgeprägten Jagdinstinkt getrieben wird, dann werde ich an ihn denken!), und jetzt in Neapel, wo mir in Nocera der Premio Civitas verliehen wurde.

Es ist das erste Mal, dass ich in Italien mit einem Preis ausgezeichnet wurde, und ich kann es nur empfehlen: Italienische Preisverleihungen sind die schönsten der Welt! Nicht nur, dass die Zeremonie (eine, die den Namen verdient!) im Rathaus von Nocera stattfand, sondern auch, dass unendlich viele Reden gehalten wurden, wunderbare, bewegende, mich preisende, lobhudelnde, herzenswärmende Reden, vom Bürgermeister, vom Präfekten, von der Vorsitzenden von ANDE (Associazione donne elettrici) Nocera, von der deutschen Generalkonsulin von Neapel, von der Direktorin des Goetheinstituts Neapel, vom Chef der Carabinieri und vom Generalstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Salerno, Franco Roberti, bei dessen Rede ich kurz davor war, in Tränen auszubrechen. Nicht nur, weil er redete wie ein römischer Redner der Antike, sondern weil er sagte, dass die Richter, die meinem Buch mit den Schwärzungen einen Schmiss beigebracht haetten, uno sfregio, wie es auf Italienisch heisst, was mehr ist als ein Schmiss: eine Erniedrigung, eine Demütigung - diese Richter also seien eben Richter gewesen, die sich darauf beschränkt haetten, das Gesetz anzuwenden. Mehr musste er nicht sagen.



Tag der Arbeit

Freitag, 01. Mai 2009

Tatsächlich hatte ich mir vorgenommen, am Tag der Arbeit nicht zu arbeiten. Kein einziges Wort zu schreiben, den Computer nicht anzusehen, geschweige denn anzustellen, keine noch so unbedeutende Notiz zu machen, keinen Gedanken an zu schreibende Geschichten zu verschwenden. Lange zu schlafen. Vielleicht den ganzen Tag zu verschlafen. Und erst, wenn ich überhaupt nicht mehr schlafen könnte, etwas zu lesen. Aber nur eines jener Bücher, die ich eigentlich überhaupt nicht lesen muss. Also blätterte ich in einem Buch über Darwin. Dann in einem über die russische Revolution. Schließlich fiel mir “Dornröschens Flugzeug” in die Hände, eine Sammlung journalistischer Texte von García Márquez. Unter der Überschrift “Das Unglück von einem, der Bücher schreibt” las ich:

“Nach dieser tristen Bestandsaufnahme muss man sich grundsätzlich fragen, warum wir Schriftsteller schreiben. Die Antwort fällt notgedrungen in dem Maße melodramatisch aus, in dem sie aufrichtig ist. Schriftsteller ist man einfach, wie man Jude oder Schwarzer ist. Der Erfolg mag beflügeln, die Geneigtheit der Leser mag anspornen, aber das sind Zusatzgewinne, denn ein guter Schriftsteller wird so oder so weiter schreiben, auch wenn seine Schuhe Löcher haben und seine Bücher sich nicht verkaufen. Diese besondere déformation professionelle erklärt sehr gut die gesellschaftliche Ungeheuerlichkeit, dass sich viele Männer und Frauen zu Tode hungern, um etwas zu tun, das letzten Endes, und das meine ich vollkommen ernst, zu nichts nütze ist.”

Und dann setzte ich mich wieder an meinen Schreibtisch.

Schreiben. Im Ruhrgebiet.

Sonntag, 08. März 2009

lang3

Heute morgen blätterte ich dem wunderbaren Bildband “Als der Pott noch kochte” des Fotografen Horst Lang (dem mein Buch “Meine Mutter und ich” auch sein Umschlagbild verdankt). Ein Schattenreich aus Fördertürmen, Zechensiedlungen, rußgeschwärztem Backstein, Kohlenhalden: Die Bilder von dem Ruhrgebiet, in dem ich aufgewachsen bin, wirken heute so entrückt wie Szenen aus einem Film von Sergej Eisenstein.

Und da fiel mir wieder mein Schriftstellerkollege Heinrich Peuckmann ein. Der genau wie ich als Sohn eines Bergmanns in Kamen aufgewachsen ist - und schon früh beschloss, Schriftsteller zu werden - ein Berufswunsch, der in einer Bergmannsfamilie ungefähr ähnlich ernst genommen wird wie der Wunsch, Balletttänzer zu werden.

Heinrich Peuckmann hat sich nicht beirren lassen. Heute blickt er auf ein umfassendes Werk zurück, er hat Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Opernlibretti und Gedichte, Kinder- und Jugendbücher geschrieben, er hat über das Ruhrgebiet geschrieben und über China, über Bergmänner und über thailändische Säbelfechter.

Gerade habe ich seinen letzten Krimi gelesen: “Zweites Leben”, der zwischen Kamen, Münster, Unna und Dortmund spielt, bei dem ziemlich viel herumgefahren wird - und der mich an die Bleierne Zeit erinnert, als wir ganze Abende damit verbrachten, von Unna nach Kamen zu fahren, von Kamen nach Dortmund, von Dortmund nach Münster, als wir die Freiheit in einem VW-Bus wähnten oder in einem verrosteten Renault vier. Der garantiert immer von der Polizei an die Seite gewunken und kontrolliert wurde - weil damals die ganze Welt auf der Suche nach Terroristen war. Peuckmann gelingt es, in seinem Krimi die ideologieschwere Zeit der Achtziger Jahre in die Gegenwart zu transportieren. Mehr sage ich nicht. Ist ja ein Krimi.

Manchmal kann sich der Kommissar nicht entscheiden. Jedenfalls, was Frauen betrifft.

Endlich was Positives!

Dienstag, 16. Dezember 2008

Grazie Zora!

Zora Del Buono bloggt nicht nur im Schweizer Fernsehen, sondern hat auch einen hochgelobten Roman geschrieben.

Bücher, die glücklich machen

Freitag, 03. Oktober 2008

Heute las ich im Zug das wunderbare Werk von Alan Bennett: “Die souveräne Leserin” - in der die Queen als Leserin auftritt. Es ist ironisch, es ist tiefsinnig, es ist komisch. So wie es nur Engländer hinkriegen.

Aspekte!

Mittwoch, 10. September 2008

Freitag, 12.09.2008 22:35 - 23:05 Uhr zeigt

Aspekte

(Wdh. am 13.09.2008 05:30 Uhr) Shobha und mich in Palermo - und mein Buch.

Warum nicht mal Werbung für sich selbst machen?

Antworten, die ich gerne gegeben hätte

Montag, 31. März 2008

Spiegel: Seine Person, die Person Ihres Buches, bleibt rätselhaft.
Reza: Ja, das ist auch gut so.
Spiegel: Jeder Mensch ist rätselhaft, das ist doch banal. Warum haben Sie nicht versucht, Sarkozy in seiner Komplexität zu deuten?
Reza: Banal ist, eine rätselhafte Persönlichkeit zu vereinfachen.

(Die Schriftstellerin und Dramatikerin Yasmina Reza im Spiegelgespräch über ihr Sarkozy-Portrait. Leider nicht online.)