Kategorie: Leben in Venedig

Das Gute.

Samstag, 03. Oktober 2009

Heute morgen traf ich bei meinem Gemüsehändler eine amerikanische Freundin. Sie war mit einer Gruppe von deutschen Freunden unterwegs, vier Frauen und ein Mann, weshalb meine Freundin sofort, mitten auf der Gasse stehend, mein Mafiabuch in höchsten Tönen pries und den zwischen Auberginenkisten und Moskatellertrauben gedrängten Deutschen erzählte, dass einige Seiten meines Buches auf Geheiß deutscher Gerichte geschwärzt worden seien, um die Persönlichkeitsrechte verschiedener Protagonisten meines Buches zu wahren.

Am Ende der Ausführungen meiner amerikanischen Freundin versuchten sich die Deutschen angemessen beeindruckt zu geben, auch wenn sie nicht damit gerechnet hatten, frühmorgens mitten in Venedig, zwischen einem gotischen Palazzo und einer Barockkirche über die Mafia reden zu müssen. Eigentlich waren sie auf dem Weg zum Campo Santo Stefano gewesen, um die Kirche zu besichtigen. Eine Frau räusperte sich und sagte, ach ja, auch sie habe schon lange kein Vertrauen mehr in die deutsche Justiz. Die anderen nickten zustimmend. Aber dann war der Himmel so schön blau und der Platz auch etwas eng zwischen den Gemüsekisten, und dann sagte der Mann lachend: Ach, die Mafia hat ja auch etwas Gutes. Denn sonst würden Sie ja gar nicht mehr leben. 

Veniceland

Dienstag, 01. September 2009

Ort: der Flughafen von Venedig

Personen: eine Reiseleiterin, zwei Touristen.

Die Reiseleiterin hat die beiden Touristen gerade am Flughafen abgeholt. Jetzt begleitet sie die beiden im Laufschritt zum Anleger des Wasserbusses.

Reiseleiterin: Do you know Venice?

Touristen (einstimmig): No.

Reiseleiterin: Venice is an island.

Touristen: Oh!

Reiseleiterin: No cars.

Touristen (erschrocken): No cars?

Reiseleiterin: Only boats.

Touristen: Only boats?

Reiseleiterin: Just walking.

Touristen: Oh God.


Ästhetik. Estetica

Montag, 06. Juli 2009

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“Also, wenn man diese Häuser sieht …” – “Hast du gesehen, wie da drüben der Putz abfällt?” – “Es ist unglaublich, wie verkommen Venedig ist.” - ”Man kann kaum hingucken.” – “Die machen nichts, die Italiener.” – “Die lassen das einfach verfallen.” – “Die müssten mal richtig ran.” 

Das Dorf. Il villaggio.

Samstag, 14. Februar 2009

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Wenn ich nach langer Abwesenheit wieder nach Venedig zurückkehre, fließt mein Herz vor Glück über. Darüber, endlich wieder über den Campo zu gehen und mit meinem Zeitungshändler über seine Ferien in Venezuela zu sprechen, mit meinem Gemüsehändler das Hochwasser der letzten Wochen zu beklagen, mit den Frauen von der Reinigung darüber zu rätseln, ob sie Endes des Monates nach Mexiko oder nach Thailand fahren sollen, ob Mexiko mit seinen Azteken wohl eher eine Reise wert sei als Thailand, das kulturell letztlich doch wenig ergiebig sei, wengleich man dort ganz gut esse, jedenfalls, wenn einem das thailändische Essen behage (Das kann doch keiner verdauen!, rief die Mutter, während die Tochter einwendete, dass es nur ein Problem des Knoblauchs sei, die Thailänder seien alle vom Knoblauch besessen). Später traf ich dann noch Giovannino, den Gondoliere, der mich küsste wie eine verloren geglaubte Tochter und mir voller Stolz von seiner neuen Wohnung erzählte, die er gerade gekauft habe, direkt unter der Wohnung seiner Mutter! Als ich einen Kaffee trank, traf ich in der Bar eine Opernsängerin, die über der Wohnung eines Freundes wohnt und die sehr eindrucksvoll den Akzent eines jordanischen Taxifahrers nachahmte, der ihr auf der Fahrt nach Petra einen Heiratsantrag gemacht hatte, in der Calle delle Botteghe traf ich eine Freundin, die mir davon erzählte, wie schwer es sei, eine geeignete Schule für ihre Tochter zu finden, und ich spürte die Wintersonne auf meinem Gesicht, und war glücklich darüber, auf einem Dorf zu leben.

Venedig heute morgen (Venezia stamattina)

Samstag, 10. Januar 2009

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Frohe Weihnachten (Buon Natale)

Dienstag, 23. Dezember 2008

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Auguri. Buon Natale. Buone Feste. In den Tagen vor Weihnachten liegt sich ganz Venedig in den Armen. Was nicht schwer ist, denn wir sind hier ja nur noch vier Katzen, wie man auf Italienisch sagt. Von denen niemand auf die Idee kommt, einfach nur im Vorbeilaufen “Schöne Feiertage” zu wünschen, nein. Mein stets mürrischer, wortkarger und verdrossener Obsthändler drückte mich an seine Obsthändlerbrust, mein Pilatestrainer zog mich an seine muskulöse Pilatestrainerbrust, ich habe die gepuderte Wange der alten Kunsthändlerin von gegenüber geküsst und den alkoholisierten Atem des mich umarmenden Gondoliere ertragen, wir wünschen uns das allerschönste aller Weihnachtsfeste mit einer Innigkeit, als befürchteten wir, uns nie mehr wiederzusehen. Als würden wir uns alle auf eine lange Expeditionsreise begeben. Deren Ausgang ungewiss ist.

Ich wünsche allen Besuchern von reskisrepublik glückliche Weihnachten. Und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken, die mir in den letzten Monaten nah waren.

Hochwasser für Fortgeschrittene II (Acqua alta corso superiore II)

Freitag, 12. Dezember 2008

Endlich hat sich jemand meines Gummistiefelproblems angenommen.

Hochwasser für Fortgeschrittene (Acqua alta – corso superiore)

Donnerstag, 11. Dezember 2008

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Gestern Abend war ganz Venedig damit beschäftigt, zu retten, was zu retten ist, tonnenschwere Möbelstücke auf Getränkekisten zu hieven, weil das Holz noch vom letzten Hochwasser nass war, Stühle in höher gelegene Räumen zu tragen, Steckdosen abzukleben, weil es immer so lange dauert, wenn man sie nach dem Hochwasser mit dem Fön trocknet, Kühlschränke auf Obstkisten zu stellen. Heute morgen sollte das Hochwasser bis auf 1,40 Meter steigen. Und mehr.

Es war noch Nacht, als die Hochwassersirenen heulten. Auf die Sirenen folgt immer ein Geräusch, das sich anhört, als würde es die Landung von Außerirdischen ankündigen, ein Sirren, ein heller Ton, der jeden Schlaf durchdringt. Was dann folgt, ist Stille. Man hört nichts, keine Manöver der Müllboote, kein Schreien der Bootsleute, die sonst um diese Uhrzeit mit ihren Lastkähnen am Ufer gegenüber anlegen. Nichts. Selbst die Möwen sind verstummt. Die Stille, die sich bei Hochwasser ausbreitet, kriecht wie ein kalter Hauch in das Herz, es ist, als wäre man allein auf der Welt, als wäre Venedig verlassen worden. Als wären wir die letzten Überlebenden.

Wäre Tag gewesen, hätte ich auf das Fundament des Hauses gegenüber starren können: Wenn der istrische Marmor unter Wasser steht, ist auch unser Erdgeschoss überflutet. Aber es war Nacht. Und so lagen wir da und belauschten die Stille. Bis eine sms des Wasseramtes ankündigte, dass sich der angekündigte Hochwasserstand um zwanzig Zentimeter gesenkt hatte. Zwanzig Zentimeter, die glücklich machen können.

SKY

Samstag, 09. Februar 2008

Weil uns die achtzig italienischen Programme und siebenhundert Satellitenprogramme nicht mehr reichten, haben der Italiener und ich uns dafür entschieden, SKY-TV installieren zu lassen. Auch aus dem Grunde, weil man auf SKY Dokumentationen und Hintergrundreportagen sehen kann, ein Genre, das im italienischen Fernsehen unbekannt ist. Und wenn ich im deutschen Fernsehen eine Hintergrundreportage über arme, alte Menschen in der Ukraine sehe, schläft der Italiener aus Protest immer ein. SKY-TV soll die Lösung sein: Endlich werden wir die Hintergrundreportagen über arme, alte Menschen in der Ukraine auf Italienisch sehen können. 

SKY ist ein Pay-TV und gehört Rupert Murdoch, was ideologisch natürlich eine Belastung ist. Vor allem, wenn man weiß, dass Berlusconi seinem Freund Murdoch das Pay-TV überließ, damit er den Free-TV-Markt für sich allein hat. Egal, welche Taste der Fernbedienung man drückt, man befindet sich immer auf der falschen Seite. 

Der Techniker erklärte uns alles, hier müssen Sie prima fila drücken und dann den Code eingeben, es gibt auch die Möglichkeit, Filme extra zu kaufen, schließen Sie einfach nur ihr Telefon direkt an den Fernseher und geben Sie den Code ein und Ihr Password, hier ist die Taste für das Programm, und vergessen Sie nicht, den Satelliten über hotbird auszustellen. Der Italiener an meiner Seite fragte: Hast du das verstanden? Und der Techniker sagte: Was ich wirklich schwierig finde, ist, eine Waschmaschine zu programmieren. Mit Feinwäsche und Vorwäsche und so.

Wahrscheinlich wollte er mir damit einen Gefallen tun. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, jemals im Leben eine Waschmaschine programmiert zu haben.