Kategorie: Italien

Soundtrack “Von Kamen nach Corleone”

Mittwoch, 04. Mai 2011

Marcel Misset, mein holländischer Übersetzer, hatte die Idee, den Soundtrack meines Buches zu veröffentlichen: mein Lieblingslied Via con me von Paolo Conte etwa, dann Mi sono innamorato di te von Luigi Tenco oder Lasciatemi cantare von Totò Cotugno. Und ich füge noch das ultimative Spiderlied Disperata erotico stomp von Lucio Dalla und Amandoti von Gianna Nannini an.

Am 18. Mai erscheint “Von Kamen nach Corleone” in Italien, unter dem Titel “Sulla strada di Corleone.Storie di mafia tra Germania e Italia”.

Und am 1. Juni stelle ich die holländische Ausgabe meines Buches im Goethe-Institut in Amsterdam vor. In Holland erscheint “Von Kamen nach Corleone” unter dem Titel “Enkeltje Corleone” bei Lebowski. Der Übersetzer Marcel Misset hat bereits meine Bücher “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” und “Rita Atria” ins Holländische übersetzt, die unter dem Titel “Maffia” und “Rita Atria. Een Siciliaanse rebel” ebenfalls bei Lebowski erschienen sind.

Alfano II

Samstag, 16. April 2011

Angelino Alfano, auch Angelina Jolie genannt, der italienische Justizminister, war dann doch unpässlich. Offenbar hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht, dass einige Italiener den Minister erwarteten, die, anders als die verschlafenen Organisatoren der Humboldt-Universität sehr wohl wussten, wer dort eingeladen war.

Man habe einen “Austausch auf der Ebene der Rechtspolitik” beabsichtigt, zitiert die TAZ einen Juristen der Humboldt-Universität. Da stellt sich natürlich die Frage, was die deutschen Juristen von Alfano zu lernen glaubten: Wie man Gesetze verfasst, die kriminelle Politiker schützen?

Chi meglio di Angelino Alfano

Mittwoch, 13. April 2011

può spiegare ai tedeschi cos’è la mafia? Dunque era un ottimo idea dell’università di Berlino di invitarlo.

Der Bock als Gärtner

Mittwoch, 13. April 2011

Auf so eine Idee kann man auch nur in Deutschland kommen.

Bunga around the world

Mittwoch, 06. April 2011

Heute morgen vor dem Justizpalast in Mailand: Ein Heer von ausländischen Journalisten traf auf ein Heer von Polizisten.

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B. kam natürlich nicht, Ruby auch nicht. Und das italienische Parlament hatte überdies schon am Vortag dank einer weiteren “Rettet-Silvio”-Abstimmung dafür gesorgt, dass der Prozess vorerst auf Eis gelegt wurde. Das war dann die Stunde von B.s Anwälten:  Von der Weltpresse umringt, erklärten sie ihre Winkelzüge.

Was aber auch schnell langweilig wurde. Glücklicherweise gab es noch die Fauna der “Fans von B.” mit ihrem Stand auf der anderen Straßenseite. Die allerdings alle etwas bizarr erschienen, weil den meisten einige Zähne fehlten. Offenbar waren Mailänder Obdachlose die einzigen, die bereit waren, B. zu verteidigen.

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Doch auch das erschöpfte sich bald. Als keiner der Zahnlosen mehr “Silvio, Silvio” rief, schwenkte die Weltpresse auf die andere Straßenseite, wo rüstige Rentnerinnen mit vollständigem Gebiss die Staatsanwaltschaft verteidigten.

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Und als alles nicht mehr half, interviewten sich die Journalisten gegenseitig. Die Italiener wollten von den Australiern, Japanern, Deutschen, Kroaten, Engländern und Katalanen wissen, was sie von B.s Skandalen halten. Und die Australier, Japaner, Deutsche, Kroaten, Engländer und Katalanen ließen sich von Italienern das Geheimnis von B.s Bauchgefühl für die Italiener erklären. Vor den wenigen italienischen Journalisten, die Englisch sprachen, bildete sich schnell eine Schlange.

Es geht doch nichts über Profis unter sich.



Italiener machen.

Freitag, 25. März 2011

“Wir haben Italien geschaffen, jetzt müssen wir nur noch die Italiener machen” – ist ein Satz, der verschiedenen Protagonisten des Risorgimento zugeschrieben wird. Wie die kollektive Identität Italiens entstand, zeigt die wunderbare Ausstellung “Fare gli italiani” in Turin, die ich jedem, der Italien liebt, unbedingt ans Herz legen möchte.

Welche Rolle die beiden Weltkriege, die Emigration, die Alphabetisierung, der Straßenbau für das Entstehen der nationalen Identität spielten – aber auch nationale Traumata wie Vajont (Bruch einer Staumauer), Ustica (Abschuss einer Passagiermaschine) oder die “italienischen Dinge”, der Fiat 500, die Lambretta oder der Invicta-Rucksack, all das erfährt der Besucher in dieser Ausstellung – die bewegend, witzig und informativ zugleich ist. Und sinnlich: Man kann Italien hören, fühlen, sehen. Kurze Filme, geistreiche Analysen, Video-Installationen: Man langweilt sich keine Sekunde – und das sagt eine, die bis vor kurzem durch die alleinige Nennung des Wortes “Risorgimento” in den Tiefschlaf versetzt wurde.

Am Ende wollte ich sofort Italienerin werden. Und der Italiener an meiner Seite sagte: Gut, dass Du nicht in einer Ausstellung über China warst.


150 Jahre Italien

Donnerstag, 17. März 2011

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Es sieht hier so aus, als stünde Italien im Endspiel der WM. Vom Rathaus bis zur Eisdiele ist alles beflaggt, was nicht entkommen kann, auf dem Markusplatz sah ich ein kleines Mädchen, das aus dem Kinderwagen mit einer Nationalfahne winkte, und das Radio spielt Lieder, mit denen die italianità beschworen wird –  eine Identität, die irgendwo zwischen volare, Va pensiero, Malafemmina und Tu vuò fa l’ americano!, mmericano! mmericano! schwebt. Und die Italiener streiten sich, und das schon seit Monaten. Die einen sind für die Einheit, die anderen dagegen. Genausogut könnte man über das Wetter abstimmen. Und zwischendurch werden italienische Politiker interviewt, die erschreckende Wissenslücken offenbaren, was die italienische Einheit betrifft, sie wissen nicht, dass Turin die erste Hauptstadt Italiens war, halten Garibaldi für einen mexikanischen Freiheitshelden und Cavour für einen französischen Staatspräsidenten – und das, obwohl in diesen Wochen jeder Provinzzeitung Tonnen von Geschichtsspecials beigelegt werden Risorgimento heute oder der Zug der Tausend, mit Hoteltipps für Reisen auf den Spuren der italienischen Einheit und Rezepten für Gerichte in den Nationalfarben. Gestern Abend gab es für die Würdenträger Venedigs ein Gala-Konzert in der Fenice, am Ausgang salutierten zwei Carabinieri in Gala-Uniform, mit blutrotem Federbusch, napoleonischem Zweispitz, bodenlangem Umhang und Säbel. Allein für diese Uniformen hat sich die italienische Einheit gelohnt. Ich jedenfalls danke dem lieben Gott dafür, die Italiener erfunden zu haben.

Die Berlusconette

Montag, 07. Februar 2011

Ein Treffen in Mailand

Ein Dramolett

Sonntag, 30. Januar 2011

Die minderjährige Marokkanerin Karima El Maroug, genannt Ruby, wird am 27. Mai 2010 in Mailand auf dem Corso Buenos Aires aufgegriffen, weil sie von einer Mitbewohnerin wegen des Diebstahls von 3000 Euro angezeigt wurde. Ruby hat keine Papiere und gilt als vermisst, seitdem sie aus einer sizilianischen Jugendtherapiegemeinschaft geflohen ist. Kurz nach ihrer Festnahme ruft Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Mailänder Polizeipräsidium an und ordnet an, die Minderjährige freizulassen, weil es sich um die Nichte des ägyptischen Präsdenten Mubarak handele. Seitdem ermittelt die Mailänder Staatsanwaltschaft gegen den Ministerpräsidenten, wegen Begünstigung der Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch. Einige Auszüge aus den Ermittlungsakten, die auch Abhörprotokolle enthalten.

*

Polizist zu Ruby (während er darauf wartet, zur diensthabenden Jugendrichterin durchgestellt zu werden) Pass mal auf, wenn ich dich noch mal auf der Straße sehe, breche ich dir die Beine.

Ruby: Ich komme also mit dir mit, damit wir Liebe machen.

Polizist: Mit mir kommst du nirgendwo hin.

Jugendrichterin: Fragen Sie das Mädchen, wie sie ihre Miete verdient hat.

Polizist: Wie hast du deine Miete verdient?

Ruby: Als Bauchtänzerin in einigen Lokalen in Mailand.

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Staatsanwalt: Während Ihrer Bekanntschaft mit Ruby haben Sie davon erfahren, dass sie mit berühmten Leuten befreundet sei?

Mitbewohnerin von Ruby: Ich erinnere mich daran, dass sie behauptete, eine Freundin von Silvio Berlusconi zu sein, dem Ministerpräsidenten. Sie sei oft bei ihm in der Villa zu Besuch gewesen, wo sie zu Abend gegessen, getanzt und dass sie mit ihm Sex gehabt habe, wofür er ihr sehr viel Geld gezahlt habe.

*

Freund von Ruby: Und du hast dem Papa, dem Onkel … oder wie nennst du ihn? Onkel oder Opa?

Ruby: Nein, Papi.

Freund: Madonna, das ist ja wie bei der Napoletanerin, die nannte ihn ja auch Papi …

Ruby: Ich bin aber etwas anderes als die Napoletanerin.

Freund: Tatsächlich.

Ruby: Die da ist der Augenstern. Ich bin der Arsch.

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Ruby (zu einem weiteren Freund): Hör mal. Ich habe gerade mit ihm telefoniert.

Freund: Mit wem?

Ruby: Mit ihm! IHM!

Freund: Er, er? Der Große?

Ruby: ER! Jesus!

Freund: Und?

Ruby: Er hat mich genau vor drei Minuten angerufen. (…) Ich habe ihm gesagt, dass ich viele Sachen zugegeben, aber auch viele verschwiegen habe. Ich habe ihm alles gesagt, was ich gesagt habe, weil ich das angesichts der Beweise zugeben musste. Er sagte, wir sind aber nicht in Gefahr, wir haben nur ein paar Schwierigkeiten. Dann habe ich zu ihm gesagt: Ich wollte dich was fragen, denn aus dieser Situation möchte ich natürlich mit etwas in der Hand herausgehen. Er sagt, klar, das ist normal. Und dann hat er mir so ein komisches Sprichwort gesagt, etwas in der Art wie „Wenn das Meer stürmt, dann lässt man die Menschen nicht untergehen“.

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Ruby zu ihrem Vater: Heute bin ich auch wieder in einer wichtigen Zeitung drin, die in ganz Italien erscheint (…), es geht um mein Treffen mit Berlusconi und so weiter, verstehst du?

Vater: Ja.

Ruby: Ich bin jetzt hier mit dem Anwalt (…) Silvio hat ihm gesagt: Sag ihr, dass ich zahle, was sie will, Hauptsache, sie hält den Mund. Sie kann auch so tun, als wäre sie verrückt, Hauptsache, sie hält mich aus den Sachen raus, dass sie sagt, dass ich sie nie gesehen habe, als sie noch siebzehn war und sie nie bei mir zu Hause war. Ich ruf dich später wieder an, wenn ich hier fertig bin.

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Ruby zu einer Freundin: Mein Fall ist der, der am meisten Angst macht. Mehr noch als der von Letizia (der minderjährigen Neapoletanerin, zu der Silvio Berlusconi eine Freundschaft pflegte) und von der D’Addario (der Prostituierten, die zu Berlusconi in seine römische Residenz kam und darüber später bei der Staatsanwaltschaft aussagte), mehr als alle anderen. Wir machen uns natürlich Sorgen, der Anwalt ist gerade weggegangen (…), alle unterstützen mich. Ich habe gesagt, dass ich gerade mit Silvio gesprochen habe, und dass ich am Ende etwas in der Hand haben muss, dass er mir also fünf Millionen geben muss. Fünf Millionen dafür, dass mein Name in den Schmutz gezogen wurde.

Freundin: Was? Fünf Millionen?

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Nicole Minetti (ehemaliges Fotomodell, ehemalige Zahnhygienikerin Berlusconis, jetzige Abgeordnete von Berlusconis Partei im Regionalrat der Lombardei und Organisatorin von Berlusconis Hausparties, zu einer Freundin, die sie zum ersten Mal zu einem Abendessen mit dem Ministerpräsidenten in seiner Villa einlädt): Da sind alle möglichen, also Nutten, Südamerikanerinnen, die aus den Favelas kommen und kein Italienisch sprechen, dann ein paar ernsthaftere, und dann eben ich, ich mache das Übliche, verstehst Du (…), sei nicht schüchtern, es soll dir scheißegal sein.

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Freundin von Minetti zum Staatsanwalt: Nach dem Essen ging es weiter in einem Saal, eine Art Discothek, die Mädchen sagten „Jetzt gehen wir ins Bunga-Bunga“, da war so eine Stange für Lap-dance und ein paar Umkleidekabinen, in denen sich die Mädchen umziehen konnten. Nicole Minetti hat sich als Mann verkleidet (…) Der Abend besteht im Wesentlichen aus drei Teilen, dem Abendessen, dem „Bunga-Bunga“ und dem, wo einige Mädchen über Nacht bleiben.

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Freundin von Minetti zu ihrem Vater: Also, dass das vor allen stattfindet, hat mir schon zu denken geben. Um das jetzt mal höflich auszudrücken: ein Bordell.

Vater: Ich verstehe schon. Eine Orgie also.

Tochter: So etwas in der Art.

Vater: In der Art wie Hände zwischen den Beinen?

Tochter: Ja, so etwas.

Vater: Er auch?

Tochter: Nur er! Ich war so enttäuscht, ich hielt ihn für jemanden mit Niveau.

Vater: Na ja, ich weiß, aber bei so etwas sind alle Männer gleich.

Tochter: Schon klar, Papa, aber auf einem gewissen Niveau, von mir aus kannst du dir auch gleich fünf auf einmal nehmen, aber nicht solche Idiotinnen, von denen du nicht mal weißt, wer sie sind. Mich hat keiner nach meinem Ausweis gefragt.

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Iris, Stammgast von Berlusconis Parties, zu Imma, ebenfalls Stammgast : Schätzchen, es heißt, er will weniger Abendessen veranstalten, und dabei ist er schon so knickrig. Jetzt müssen wir anfangen, etwas bei ihm zu Hause zu klauen.

Iris: Wir müssen jemand anderes finden. Denn das, was Papi uns da gibt, ist ja nicht die Welt.

Iris: Der Alte nervt. (…) Bald können wir ihn alle am Arsch lecken.

Imma (lacht): Madonna.

Iris: Das ist die Gelegenheit, ich bringe ihn um, ich hau ihm eine Statue ins Gesicht.

Imma (lacht): Hör auf, ich kann nicht mehr!

Iris: Schätzchen, Scheiße, der will uns ohne etwas wegschicken!

*

Eleonora: Ich habe einen sechsten Sinn für so etwas. Meiner Meinung nach ist er out.

Imma: Er ist fett geworden, hässlich.

Eleonora: Früher war er mehr in Form, jetzt ist er schon fast im Jenseits, hässlich ist er auch, er muss nur was locker machen.

Imma: Ja genau, er muss nur etwas locker machen. Ich schenke ihm einen Scheißdreck. Am Ende lacht er uns ins Gesicht.


B.s Erynien

Donnerstag, 20. Januar 2011

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B. ist nicht der erste Mann, der sich über die wahren Motive der Frauen Illusionen macht. Es gehe ihm um das Vergnügen der Eroberung, sagte der arme alte Mann noch vor kurzem. Wer in diesen Tagen die italienischen Tageszeitungen liest, die voll sind mit den Abhörprotokollen von B.s Prostituierten, der hat am Ende fast schon Mitleid mit ihm. Als das Gerücht kursiert, dass die Orgien in B.s Mailänder Villa weniger werden könnten, sind die Erynien wie entfesselt. “Ich habe nur noch tausend Euro, ich muss unbedingt Kasse machen”, sagt die eine. Und die andere regt an: ”Jetzt fangen wir an, etwas im Haus zu klauen”. Eine andere sinniert: “Mist, der Alte nervt, bald sitzen wir alle in der Scheiße, jetzt ist die Gelegenheit, ihn umzubringen, ich hau ihm die Statue ins Gesicht.” Und ihre Schwester assistiert: “Er ist out, er ist fett geworden, hässlich, er soll bloß was locker machen, hoffentlich ist er etwas großzügiger, von mir kriegt er einen Scheißdreck umsonst.”

Sie nennen ihn “das alte Ekel” oder, wenn sie nett sein wollen: “Die Quelle unseres Reichtums”. Und Ruby, die Herzensbrecherin, bringt auf den Punkt, was mehr als die Hälfte des italienischen Parlaments wohl auch über B. denkt: “Solange er da ist, haben wir was zu fressen.”