Ich bin gerade aus Deutschland zurückgekehrt. Wo man sich optimistisch gibt: Es wird bald Frühling, heißt es: Man sieht schon Rehe auf den Wiesen!

Ich bin gerade aus Deutschland zurückgekehrt. Wo man sich optimistisch gibt: Es wird bald Frühling, heißt es: Man sieht schon Rehe auf den Wiesen!

Außerdem will ich auch nicht mehr erklären müssen, warum die italienische Linke sich gegenüber Berlusconi benimmt wie ein hypnotisiertes Kaninchen. Denn Berlusconi ist, wie Beppe Grillo richtig sagt, die Auswirkung, nicht aber die Ursache.
Und was den heutigen No-Berlusconi-Tag betrifft, so habe ich ein ganz persönliches Interesse an dem Ende der Berlusconi-Ära: Ich will endlich nicht mehr erklären müssen, warum Berlusconi immer wieder gewählt wird.
Genau das ging mir auch durch den Sinn, als ich im deutschen Fernsehen die Bilder von Live-Übertragung der Trauerfeier im Stadion von Hannover 96 sah. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich den Namen Robert Enke noch nie gehört. Das mag daran liegen, dass ich kein Fußballfan bin. Aus der italienischen Ferne betrachtet, schien es mir, als nähme Deutschland Abschied von einem Volkshelden. Einer, der sich für das Land geopfert hat. In Italien trauert man so um italienische Soldaten, die in Afghanistan getötet wurden. Oder um Richter, die von der Mafia ermordet wurden. Und in Deutschland stirbt man einen Heldentod, wenn man sich wegen Depressionen das Leben nimmt. Komisch eigentlich.
Italien schickt Politiker wie Marcello Dell’Utri nach Brüssel. Oder Clemente Mastella, den ehemaligen Justizminister der Prodi-Regierung, der dann wegen Korruption und Amtsmissbrauch zurücktrat und die Regierung zu Fall brachte. Und Deutschland schickt jetzt Günter Oettinger als EU-Kommissar nach Brüssel. Näheres dazu in der TAZ von Rainer Nübel. Und bei Jürgen Roth.
Heute morgen traf ich bei meinem Gemüsehändler eine amerikanische Freundin. Sie war mit einer Gruppe von deutschen Freunden unterwegs, vier Frauen und ein Mann, weshalb meine Freundin sofort, mitten auf der Gasse stehend, mein Mafiabuch in höchsten Tönen pries und den zwischen Auberginenkisten und Moskatellertrauben gedrängten Deutschen erzählte, dass einige Seiten meines Buches auf Geheiß deutscher Gerichte geschwärzt worden seien, um die Persönlichkeitsrechte verschiedener Protagonisten meines Buches zu wahren.
Am Ende der Ausführungen meiner amerikanischen Freundin versuchten sich die Deutschen angemessen beeindruckt zu geben, auch wenn sie nicht damit gerechnet hatten, frühmorgens mitten in Venedig, zwischen einem gotischen Palazzo und einer Barockkirche über die Mafia reden zu müssen. Eigentlich waren sie auf dem Weg zum Campo Santo Stefano gewesen, um die Kirche zu besichtigen. Eine Frau räusperte sich und sagte, ach ja, auch sie habe schon lange kein Vertrauen mehr in die deutsche Justiz. Die anderen nickten zustimmend. Aber dann war der Himmel so schön blau und der Platz auch etwas eng zwischen den Gemüsekisten, und dann sagte der Mann lachend: Ach, die Mafia hat ja auch etwas Gutes. Denn sonst würden Sie ja gar nicht mehr leben.
Oft wird in Deutschland vor lauter Investigation der Mensch vergessen. Aber es geht auch anders, wie “Die Einsamkeit des Michael Buback” beweist.