Kategorie: Deutschland

Überwintern in Kalabrien.

Montag, 16. Januar 2012

So schön kann die Mafia sein. Jedenfalls für deutsche Rentner.

“Dieter Esch poliert seinen Mercedes, den er in Kalabrien überall unbesorgt stehen lassen könne, wie er meint. Hier sorge schließlich die Mafia dafür, dass zahlungskräftige Gäste aus Deutschland in Ruhe gelassen werden.‘Wir sind geschützt durch diese ‘Organisation’. Und deshalb fühlen wir uns hier wohl und sicher. Sehr sicher. Also das ist schon im Prinzip gut. Auch wenn man hier in die Stadt reinfährt, auf den Markt, und man stellt den Wagen ab, man kriegt ihn wieder, wenn man zurückkommt.’ Rosarno: Süditalienisches Alltagsfair. Dieter und Gudrun Esch haben ihren Mercedes irgendwo in einer Nebenstraße geparkt. Und weil sie davon ausgehen, dass die Mafia jedem auf die Finger haut, der sich an deutschem Eigentum vergreift, genießen sie das bunte Treiben. Und sprechen so viel Italienisch, wie sie können.”

In Rosarno herrscht seit der Vertreibung der Afrikaner in der Tat Feierlaune.

Zum Thema Mafia in Deutschland

Mittwoch, 07. Dezember 2011

Der Verlag Droemer legt gegen die Zensur meines Buches “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” Verfassungsbeschwerde ein.

Das Italien, vor dem wir uns ängstigen

Sonntag, 06. November 2011

Herr von Becker und die Mafia: Was wäre Deutschland ohne seine furchtlosen Journalisten?

Autoliteratur

Dienstag, 11. Oktober 2011

“… und so habe ich mir denn ein Auto angeschafft” - heißt das Buch von Ulf Geyersbach, das mir heute in die Hände fiel. Untertitel: Schriftsteller und ihre Automobile. Eine Beziehung, die es wert ist, vertieft zu werden. Vladimir Nabokov posiert vor der Haifischmaulschnauze seines Buick, in dem er nach eigener Aussage fast die ganze Lolita verfasst hat. Françoise Sagan rast am Steuer ihres Jaguar XK 140 vorbei, als Belohnung für Bonjour Tristesse, und Gertrude Stein steht neben ihrem Ford, in dem sie sogar Gedichte schrieb, am liebsten in der Nähe von Kreuzungen geparkt. Nabokov hingegen schrieb im Fahren, was kein Problem war, weil er stets gefahren wurde, als Kind von dem Chauffeur seiner Eltern, später von seiner Ehefrau. Nabokov hatte keinen Führerschein – und war Mitglied der American Automobile Association. Erich Maria Remarque hingegen war ein verhinderter Rennfahrer und wurde vom Ullstein Verlag mit einem Lancia beschenkt, nachdem sich Im Westen nichts Neues 750 000 mal verkauft hat. Remarque besaß sogar einen Bugatti und die seltene Gabe, vor Kurven Zwischengas zu geben. Da bin ich natürlich voller Neid, wegen des Bugatti, des Lancia und des Zwischengases. Von den 750 000 Exemplaren von Im Westen nichts Neues ganz zu schweigen. Die Autos werden aber nicht nur gefahren, sondern auch zum Mythos erhoben, sie werden gepriesen, gefeiert  und gefürchtet – ja, sie werden zu literarischen Nebenfiguren. Autoliteratur.

Das erinnerte mich an die wunderbare Reisereportage “Schwarzes Revier” von Heinrich Hauser, ein Buch, das von dem FAZ-Redakteur Andreas Rossmann im vergangen Jahr wieder aufgelegt und mit einem Vorwort versehen wurde. Hauser fuhr mit einem Cabriolet der wie ein Passwort klingenden Marke NAG CF 4B durch das Ruhrgebiet der Zwanzigerjahre, um den Strukturwandel zu fotografieren und zu beschreiben.

All diese illustren Herrschaften hätten verstanden, warum ich die Fahrt von Kamen nach Corleone in einem Alfa Spider machen musste. Das einzige Problem sind die Notizen, wenn man selbst fährt. Weil ich nicht jedes Mal anhalten konnte, wenn mir etwas auffiel, habe ich so die Diktierfunktion meines I-Phone (Steve Jobs for ever) zu schätzen gelernt.

 

Soundtrack “Von Kamen nach Corleone”

Mittwoch, 04. Mai 2011

Marcel Misset, mein holländischer Übersetzer, hatte die Idee, den Soundtrack meines Buches zu veröffentlichen: mein Lieblingslied Via con me von Paolo Conte etwa, dann Mi sono innamorato di te von Luigi Tenco oder Lasciatemi cantare von Totò Cotugno. Und ich füge noch das ultimative Spiderlied Disperata erotico stomp von Lucio Dalla und Amandoti von Gianna Nannini an.

Am 18. Mai erscheint “Von Kamen nach Corleone” in Italien, unter dem Titel “Sulla strada di Corleone.Storie di mafia tra Germania e Italia”.

Und am 1. Juni stelle ich die holländische Ausgabe meines Buches im Goethe-Institut in Amsterdam vor. In Holland erscheint “Von Kamen nach Corleone” unter dem Titel “Enkeltje Corleone” bei Lebowski. Der Übersetzer Marcel Misset hat bereits meine Bücher “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” und “Rita Atria” ins Holländische übersetzt, die unter dem Titel “Maffia” und “Rita Atria. Een Siciliaanse rebel” ebenfalls bei Lebowski erschienen sind.

Alfano II

Samstag, 16. April 2011

Angelino Alfano, auch Angelina Jolie genannt, der italienische Justizminister, war dann doch unpässlich. Offenbar hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht, dass einige Italiener den Minister erwarteten, die, anders als die verschlafenen Organisatoren der Humboldt-Universität sehr wohl wussten, wer dort eingeladen war.

Man habe einen “Austausch auf der Ebene der Rechtspolitik” beabsichtigt, zitiert die TAZ einen Juristen der Humboldt-Universität. Da stellt sich natürlich die Frage, was die deutschen Juristen von Alfano zu lernen glaubten: Wie man Gesetze verfasst, die kriminelle Politiker schützen?

Chi meglio di Angelino Alfano

Mittwoch, 13. April 2011

può spiegare ai tedeschi cos’è la mafia? Dunque era un ottimo idea dell’università di Berlino di invitarlo.

Der Bock als Gärtner

Mittwoch, 13. April 2011

Auf so eine Idee kann man auch nur in Deutschland kommen.

Gott sei Dank

Dienstag, 01. März 2011

hat sich der Berlusconismus in Deutschland noch nicht ganz durchgesetzt.

Das Ei

Sonntag, 19. Dezember 2010

Es war in der Nähe von Hannover, in einem der vielen Hotels, in denen ich während meiner Lesereise übernachtete. Ein Hotel, das vor allem von Geschäftsreisenden besucht wurde. Von Außendienstmitarbeitern, um genau zu sein. Was ich, als Autorin auf Lesereise, ja im Grunde auch war. Das Büffet war das Übliche, Marmelade in Puppenpackungen, traurige Obstsalate, Zehnkämpfermüslis und flamingofarbener Joghurt, von dem ich annahm, dass er im Dunkeln leuchtete. Ich entschied mich für ein Ei. Für ein weichgekochtes Ei. Weil das Frühstücksbüffet jedoch nur hartgekochte Eier vorsah, bestellte ich bei der Kellnerin ein weichgekochtes Ei.

Aber nur auf Ihre Verantwortung, sagte sie und blickte sehr ernst.

Umgehend erklärte ich mich bereit, die Verantwortung für mein weichgekochtes Ei zu übernehmen. Dann trank ich weiter meinen grünen Tee und hörte den Außendienstmitarbeitern vom Nebentisch dabei zu, die beklagten, dass der Absatz von Düngemittel in Niedersachsen im Vergleich zu Schleswig-Holstein rapide gesunken sei. Bald darauf kehrte die Kellnerin an meinen Tisch zurück. Vorwurfsvoll sagte sie: Ich mache mich aber strafbar!

Es mag daran gelegen haben, dass ich seit Wochen über nichts anderes als über Strafsachen sprach. Über den Unterschied zwischen der kriminellen Vereinigung nach Art der Mafia und der Mafiazugehörigkeit. Über Clans und ihre Machenschaften, über die Geldwäsche der Mafia in Deutschland, über den Sechsfachmord in Duisburg und seine Auswirkungen. Vielleicht wollte mir die Kellnerin auf etwas ungewöhnliche Weise eine Information zukommen lassen? Informanten, besonders, wenn es sich um Mafiadinge handelt, sind immer etwas speziell. Häufig leiden sie unter Verfolgungswahn. Deshalb fragte ich in möglichst neutralem Ton nach, weshalb sie annehme, dass sie sich strafbar mache.

Wegen Ihres Eis!, sagte sie, nun im Ton schon etwas lauter werdend.

Oh, sagte ich. Und fragte sie, welche Straftat in meinem Ei stecken könne.

Weichgekocht, sagte die Kellnerin. Weichgekochte Eier sind verboten.

Am frühen Morgen schlagen mir Straftaten auf den Magen. Dennoch versuchte ich schüchtern einzuwenden, dass ich in allen Hotels, in denen ich übernachtet hatte, ein weichgekochtes Ei bekommen habe. Ohne nennenswerte Widerstände überwinden zu müssen. Die Kellnerin schien das nicht zu beeindrucken. Sie kniff die Augen zusammen und blickte mich so verächtlich an, wie man eine anblickt, die im deutschen Hotelwesen bereits eine Schneise krimineller Verwüstung hinterlassen hatte. Die Dutzende unbescholtener deutscher Kellnerinnen zu einer Straftat verleitet hatte.

Fragen Sie doch noch mal nach, beharrte ich.

Es ist europäisches Gesetz, sagte die Kellnerin.

Vielleicht können Sie Ihre Chefin fragen, sagte ich hoffnungsvoll. Möglicherweise ging es ihr ja nur darum, die Verantwortung zu delegieren. Die Kellnerin zuckte mit den Schultern und verschwand hinter einer Schiebetür. Ich holte mir neuen Tee vom Frühstücksbüffet. Nach einem gefühlten Jahrhundert, der Tee war kalt, und die Außendienstmitarbeiter hatten bereits ihren Außendienst angetreten, kam die Kellnerin wieder an meinen Tisch. Und sagte: Es ist wie ich Ihnen erklärt habe. Wir machen uns alle strafbar.

Aber es ist doch nur ein Ei, sagte ich.

Gesetz ist Gesetz, sagte die Kellnerin.