in Italien.
Kategorie: Agitation+Propaganda
B. und die Mädchen
Wenn man bedenkt, dass B. wegen Steuerbetrugs, Bilanzfälschung, Richterbestechung und Mittäterschaft bei Anschlägen angeklagt war oder ist, dann wäre es wirklich eine Ironie des Schicksals, wenn er nicht wegen seiner Mafiamachenschaften, sondern wegen der Mädchen stolpern würde. Mehr dazu in meinem Reisebericht.
B.
Ja, es wird wieder gegen B. ermittelt. Dieses Mal wegen Förderung der Prostitution Minderjähriger und wegen Erpressung. Dazu auch ein interessanter Link zur Tageszeitung “Il Fatto quotidiano” – auf Englisch, nicht sehr gut übersetzt, aber immerhin verständlich. B.s Anwalt Nicola Ghedini hatte bereits im Sommer versucht, all die Damen, die an B.s Parties in seiner Villa in Arcore oder auf Sardinien teilnahmen, auf Linie zu bringen - im Sinne von “B. will nur spielen”, wäre es bei B.s Parties nicht um Sex gegangen – das sollten die Mädchen aussagen, falls die Staatsanwälte sie verhören würden. Denn da hatte eine der Protagonistinnen, die minderjährige marokkanische Herzensbrecherin Ruby “Rubacuore”, bereits den Staatsanwälten in Mailand ihr Herz ausgeschüttet.
Dioxin
Fände dieser Dioxin-Skandal in Italien statt, wäre klar, dass sich dahinter dunkle Mächte wie die Mafia, Camorra oder ‘Ndrangheta verbergen würden. In Deutschland aber kriegt man so etwas offenbar auch alleine hin.
Das neue Jahr
Das schönste Geschenk, das Italien der Welt gemacht habe, sei die italienische Kultur, sagte der englische Dirigent Daniel Harding am Ende des Neujahrskonzerts in der Fenice. Und da hätte ich fast angefangen zu weinen.
Wünsche
Was ich mir für das neue Jahr wünsche:
mehr Telefonanrufe, weniger Emails. Es gibt Tage, da besteht meine ganze kreative Leistung darin, siebzig Emails zu beantworten. Kein Mensch ruft mehr an. Außer, er will etwas ganz Dringendes, Unaufschiebbares. Ansonsten hat ein Telefonanruf, hinter dem sich nichts anderes verbirgt, als der reine Wille zur Kommunikation, bereits etwas Obszönes. Wenn man jemanden einfach nur so anruft, ohne ein Anliegen zu haben, einfach nur so, just for fun, fühlt man sich so aussätzig wie ein soeben erwischter Exhibitionist im Park. Schade eigentlich. Dies um so mehr, als es nicht allen Menschen gegeben ist, sich schriftlich adäquat auszudrücken. Wie viele Beleidigungen, Vorwürfe und Anfeindungen wären im Halse stecken geblieben, müsste man sie aussprechen, anstatt sie in einer Email zu schreiben. Und vor wenigen Jahren machte man sich noch Sorgen um das Aussterben der Schriftkultur. Nicht, dass es um sie heute besser bestellt wäre, angesichts von LOL oder FYI, von der
-Seuche ganz zu schweigen. Gerade habe ich das Wort Email-Pest in Google eingegeben. Und bin auf der Seite eines englischen Kammerjägers gelandet.
Berlusconi bleibt, Italien tritt zurück
Das Beste aus FB über das Mißtrauensvotum:
- Die Überschrift der Financial Times Deutschland: “Berlusconi bleibt. Italien tritt zurück.”
- Roberto Benignis legendäres “Scheiß auf die Mehrheit”
- die Feststellung: “Wir sind wieder in Zeiten des Faschismus. Aber Mussolini hatte auch sein Gutes: Er ist gestorben.”
- Totòs Video: ”Im Parlament können drei Stimmen entscheidend sei, um eine Regierung zu retten … Jetzt wenden wir das Dot ut est an. - Tatsächlich? Donnerwetter! Wer hätte das gedacht! Das Do u ..? – Dot ut est! – Ah, ja, do, also dieses doutest, wo findet man das? – Ich gebe dir drei Stimmen und Du gibst mir drei öffentliche Aufträge! – Ach ja? – Ja, und obendrein ist zu bedenken, dass es in Roccasecca optimale kommunale Grundstücke gibt, die wir dank Ihres Prestiges mit wenig Geld kaufen können! – Entschuldigt meine Ignoranz, in dieser Art von Politik, aber ich weiß, dass der Abgeordnete die Interessen des Wählers vertreten muss. Derer, die ihm bei der Wahl das Vertrauen ausgesprochen haben. – Sachen von früher … Vorbei! Vorbei! – Tatsächlich, das ist vorbei? – Ja, ja! – Es ist also überholt? – Ja, Ja! – Ich gehe also zu der Versammlung, verspreche, verspreche, verspreche …- Ja, versprechen Sie ruhig! … Versprechen Sie Straßen, Abwässerkanäle, Brücken … Und wir stecken uns die öffentlichen Aufträge ein! – Und die Einfaltspinsel, die Idioten, die Dummköpfe geben uns ihre Stimmen? – Genau so, genau so! – Und mit dem Rest kommt Ihr ins Parlament, und wir drei …
B.
B. hat es wieder geschafft. Mich hat das nicht gewundert. Vielleicht lebe ich bereits zu lange hier. Der Stimmenkauf soll 500 000 Euro pro Abgeordneten gekostet haben. Macht 1 500 000 Euro bei drei Abgeordneten. Peanuts. Um so mehr, als B. erst im Sommer allein per Federstreich um 343 Millionen reicher wurde, als er sich ein Gesetz maßschneidern ließ: Es ging um die 350 Millionen Euro Steuerschuld seines Buchverlages Mondadori, dem größten Verlag Italiens. Diese Steuerschuld wurde von Berlusconi auf ganze 7 Millionen Euro zusammengeschmolzen, dank des „Rettet-die-Mondadori“-Gesetzesdekrets, das für seit über zehn Jahren anhängige Steuerverfahren vorsieht, die Strafverfolgung am Ende von zwei anstatt der üblichen drei Strafinstanzen gegen eine Zahlung von fünf Prozent des Streitwertes einzustellen. Aber daran erinnert sich schon kaum jemand mehr in Italien.

verfasst von reski