Ein kleiner Italiener. Dazu auch eine etwas komplizierte, aber nicht ganz abwegige dietrologia, zu deutsch: was sich hinter der Attacke auf B. wirklich verbirgt. Die strenge FAZ nennt es “Dahinterismus” - und gibt zu bedenken, dass da etwas dran ist.
Kategorie: Agitation+Propaganda
Amore e odio
Un matto da un pugno in testa a B. e tutti i giornali entrano in un delirio, persino la Repubblica: Non si parla altro che del presunto clima di odio, il presidente Napolitano implora la pace, quasi tutto il parlamento fa un pellegrinaggio al letto di B., Schifani ritiene la rete e in particolare facebook come origine di tutti i mali, e Travaglio viene identificato come terrorista mediatico. Come ha scritto Alexander Stille: Non ci sono più argumenti, ne avversari politici, non esistono più ragioni per opporsi alla politica di B. C’è solo “amore” e “odio”.
Liebe und Hass
Wie er das nur wieder hingekriegt hat. Ein Irrer schlägt Berlusconi einen Zahn aus, und schon delirieren die italienischen Tageszeitungen vom “Klima der Gewalt”, der Staatspräsident ruft auf, dem “Hass abzuschwören”, das komplette Regierungslager pilgert an das Krankenbett, und die Opposition überbietet sich gegenseitig darin, diejenigen zu denunzieren, die nicht schnell genug in das nächstbeste Mikrophon ihr Mitgefühl für den lädierten B. gehaucht haben. Der Senatsprãsident wähnt in Facebook die Wurzel allen Übels und bringt den Facebook-Chef dazu, einen Kotau zu machen, und der Journalist Marco Travaglio wird als “medialer Terrorist” geschmäht. “Liebe” und “Hass” sind die meist strapazierten Wörter im öffentlichen Diskurs - auch das B.’s Verdienst: Es gibt keine politischen Gegner mehr, keine Argumente, keine Gründe, seine Politik und seine Gesinnung abzulehnen, keine Demokratie, sondern nur noch “Liebe” und “Hass”.
La ballata di Mackie Messer
Oh the shark has pretty teeth, dear
And he shows ‘em, pearly white
Just a jack knife has Macheath, dear
And he keeps it, keeps it way out of sight

E non si ricorda di nulla
E niente lo può toccare
Perchè uno squalo non è uno squalo
Quando si riesce a provare qualcosa
Mackie Messer
Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Mac Heath der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht

Und er kann sich nicht erinnern
Und man kann nicht an ihn ran
Denn ein Haifisch ist kein Haifisch
Wenn man nichts beweisen kann
Außerdem will ich auch nicht mehr erklären müssen, warum die italienische Linke sich gegenüber Berlusconi benimmt wie ein hypnotisiertes Kaninchen. Denn Berlusconi ist, wie Beppe Grillo richtig sagt, die Auswirkung, nicht aber die Ursache.
Und was den heutigen No-Berlusconi-Tag betrifft, so habe ich ein ganz persönliches Interesse an dem Ende der Berlusconi-Ära: Ich will endlich nicht mehr erklären müssen, warum Berlusconi immer wieder gewählt wird.
Demut
“Ich glaube, die klassischen Journalisten haben sich von der Gesellschaft entfernt, weil sie an einem überholtem Mythos festgehalten haben. Zu diesem Mythos gehört, dass sie sich für unfehlbar hielten. Die Idee, Fehler zuzugeben, hat sie abgestoßen. Und das ist ein Problem. Denn die Journalisten waren nicht ehrlich zu den Menschen. Die Öffentlichkeit ging dazu über, ihnen mehr und mehr zu misstrauen. In den USA gibt es viele Umfragen, die dies bestätigen. Um das wieder in Ordnung zu bringen, müssen sie dem Publikum gegenüber aufgeschlossener werden. Sie müssen das Vertrauen in den Journalismus wieder stärken. Ich habe erst beim Bloggen gelernt, dass sich meine Glaubwürdigkeit vergrößert, wenn ich einen Fehler zugebe.”
Der Journalist und Blogger Jeff Jarvis im Interview mit dem Freitag.

verfasst von reski