Kategorie: Agitation+Propaganda

Mafiaparadies Deutschland. Und ein paar Anmerkungen zur Mafiageschichtsklitterung.

Montag, 25. Juli 2011

Ein lesenswerter Artikel von Davide Brocchi: “Deutschland, ein Mafiaparadies”.

Lesenswert ist auch ein Kommentar zu Davides Artikel, wo jemand unter dem Kürzel “Sata” suggiert, der Autor schreibe die Unwahrheit, weil er  in seinem Artikel erwähnt, dass der Staatsanwalt Scarpinato Chefankläger des Andreotti-Prozesses war. Anders jedoch als “Sata” behauptet, wurde Andreotti am Ende des Prozesses keineswegs freigesprochen. “Sata” glaubt dies dem (in der Tat leider falschen Eintrag) des  Wikipedia-Artikels über Andreotti zu entnehmen. Das ist ein schönes Beispiel für Geschichtsfälschung. Das Märchen, dass Andreotti freigesprochen worden sei, kursiert (und wurde in Italien vor allem von der rechten Presse in Umlauf gebracht), seitdem das Urteil 2004 bestätigt wurde: Bestätigt wurde jedoch keineswegs der Freispruch, sondern die Tatsache, dass Andreotti bis 1980 die kriminelle Vereinigung Cosa Nostra unterstützt hat. Ein Verbrechen, das nun verjährt ist. Für die Jahre danach ließ sich laut Gericht kein Beweis für eine weitere  Mafia-Unterstützung Andreottis finden.

Die Richter des Kassationshofes versuchten also, Andreotti gleichzeitig zu verurteilen und freizusprechen, was natürlich nicht geht. Um es beiden Seiten recht zu machen, fällten die Richter schließlich das sibyllinische Urteil, Andreottis Unterstützung der Mafia bis 1980 als bewiesen zu betrachten und ihn dafür als schuldig zu sprechen. Und ihn für die Jahre danach, die nicht unter diese Verjährungsklausel fallen, freizusprechen.

Andreotti ist also keineswegs freigesprochen worden. Seine Unterstützung der Mafia gilt durch alle Instanzen hindurch als bestätigt – und gleichzeitig als verjährt. Was natürlich in der Tat ein unbefriedigendes Urteil ist. Vor allem für Andreotti. Der sich einen 1a-Freispruch gewünscht hatte. Aber ihn nicht bekam.

Wer des Italienischen mächtig ist, kann das auch im (etwas) solider dokumentierten italienischen Wikipedia-Beitrag über Andreotti nachlesen.

 

 

Lamezia T.

Samstag, 25. Juni 2011

Morgen (oder heute, je nachdem) wird “Von Kamen nach Corleone” auf dem ersten Festival des “Mafiabuches” in Lamezia Terme vorgestellt.

Am Meer

Montag, 13. Juni 2011

Von wegen “lieber ans Meer fahren” (Tipp der Nachrichtensendung von RAI uno für das Wochenende, an dem die Volksabstimmung über Kernkraft, Privatisierung des Wassers und ein weiteres Immunitätsgesetz für B: anstand): Mehr als 50 Prozent der Italiener kriegten offenbar beides hin – ans Meer zu fahren, und B. eine Ohrfeige zu verpassen.

Biennale

Montag, 06. Juni 2011

Schlimm genug, dass die Italiener sich für B. fremdschämen müssen. Jetzt hat Vittorio Sgarbi (hier links), die Treibmine des italienischen Kulturlebens (dazu auch dies und dies) auch noch den italienischen Pavillon der Biennale in die Luft gejagt. Sgarbis Umtriebe habe ich zuletzt in der ZEIT dokumentiert (“In der Peepshow des organisierten Verbrechens” ) – und was hat es genützt? Nichts.

In den Hallen des italienischen Pavillons herrscht das gleiche Durcheinander wie in Sgarbis Kopf. Es sieht aus wie in einer Ausstellung des ländlichen Gemeindezentrums, alles ist derart zusammengepfercht, dass der Betrachter kaum einen Schritt zurück machen kann, um ein Werk auf sich wirken zu lassen. Was um so bedauerlicher ist, als einige wirklich interessante, ironische Kunstwerke in dem Meer aus blutigen Italien-Stiefeln und ans Kreuz genagelten Christi völlig untergehen – insofern wäre ich da etwas weniger streng, als manche Kritiker.

Sgarbi hat auch die Mafia-Peep-Show aus dem Mafia-Museum in Salemi mitgebracht und in ein Zwischengeschoss gesteckt. Angesichts der Tatsache, dass Sgarbi in den Ermittlungsakten der jüngsten Mafia-Affäre aus Salemi auftaucht, in denen zu lesen ist, wie die sizilianische Mafia Vittorio Sgarbi für ihre Zwecke eingespannt hat – mutet das natürlich etwas bizarr an. Sgarbis Motto für den italienischen Pavillon lautet: “L’arte non è cosa nostra“, was soviel  heißt wie “Kunst ist nicht unsere Sache”. Ein Satz, der selbst dann bereits eine ziemlich idiotische Feststellung ist, wenn man nicht weiß, dass “Cosa Nostra” ein Synonym für Mafia ist.

Alfano II

Samstag, 16. April 2011

Angelino Alfano, auch Angelina Jolie genannt, der italienische Justizminister, war dann doch unpässlich. Offenbar hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht, dass einige Italiener den Minister erwarteten, die, anders als die verschlafenen Organisatoren der Humboldt-Universität sehr wohl wussten, wer dort eingeladen war.

Man habe einen “Austausch auf der Ebene der Rechtspolitik” beabsichtigt, zitiert die TAZ einen Juristen der Humboldt-Universität. Da stellt sich natürlich die Frage, was die deutschen Juristen von Alfano zu lernen glaubten: Wie man Gesetze verfasst, die kriminelle Politiker schützen?

Chi meglio di Angelino Alfano

Mittwoch, 13. April 2011

può spiegare ai tedeschi cos’è la mafia? Dunque era un ottimo idea dell’università di Berlino di invitarlo.

Der Bock als Gärtner

Mittwoch, 13. April 2011

Auf so eine Idee kann man auch nur in Deutschland kommen.

Bunga around the world

Mittwoch, 06. April 2011

Heute morgen vor dem Justizpalast in Mailand: Ein Heer von ausländischen Journalisten traf auf ein Heer von Polizisten.

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B. kam natürlich nicht, Ruby auch nicht. Und das italienische Parlament hatte überdies schon am Vortag dank einer weiteren “Rettet-Silvio”-Abstimmung dafür gesorgt, dass der Prozess vorerst auf Eis gelegt wurde. Das war dann die Stunde von B.s Anwälten:  Von der Weltpresse umringt, erklärten sie ihre Winkelzüge.

Was aber auch schnell langweilig wurde. Glücklicherweise gab es noch die Fauna der “Fans von B.” mit ihrem Stand auf der anderen Straßenseite. Die allerdings alle etwas bizarr erschienen, weil den meisten einige Zähne fehlten. Offenbar waren Mailänder Obdachlose die einzigen, die bereit waren, B. zu verteidigen.

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Doch auch das erschöpfte sich bald. Als keiner der Zahnlosen mehr “Silvio, Silvio” rief, schwenkte die Weltpresse auf die andere Straßenseite, wo rüstige Rentnerinnen mit vollständigem Gebiss die Staatsanwaltschaft verteidigten.

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Und als alles nicht mehr half, interviewten sich die Journalisten gegenseitig. Die Italiener wollten von den Australiern, Japanern, Deutschen, Kroaten, Engländern und Katalanen wissen, was sie von B.s Skandalen halten. Und die Australier, Japaner, Deutsche, Kroaten, Engländer und Katalanen ließen sich von Italienern das Geheimnis von B.s Bauchgefühl für die Italiener erklären. Vor den wenigen italienischen Journalisten, die Englisch sprachen, bildete sich schnell eine Schlange.

Es geht doch nichts über Profis unter sich.



Ruby-Trash

Samstag, 02. April 2011

Am 6. April beginnt der Ruby-Prozess gegen Berlusconi.

Gott sei Dank

Dienstag, 01. März 2011

hat sich der Berlusconismus in Deutschland noch nicht ganz durchgesetzt.