Kategorie: Agitation+Propaganda

Lido. Ende des Sommers

Mittwoch, 13. September 2017

Das Schönste am Filmfestival, ich erwähnte es schon, ist die Fahrt zum Lido, so wie hier, an dem Abend nach der Regatta storica:

Ich meine, das ist doch herzbewegend.

(Und das sagt eine, die vor so langer Zeit nach Venedig gezogen ist, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern kann, jemals woanders gelebt zu haben.) Auch wenn gleich danach wieder so ein blödes Kreuzfahrtschiff ins Bild fuhr:

Inzwischen ist der Lido der einzige Ort in Venedig, wo die Venezianer noch unter sich sind. Ja, am Strand hört man noch Venezianisch. (In Venedig hört man nicht mal mehr Italienisch, geschweige denn Venezianisch).

Und wie jedes Jahr wird mir immer ganz schwer ums Herz, wenn ich meine Badesachen aus meiner Badekabine abhole und mich von meinen Badekabinengenossen- und Genossinnen verabschiede. Heute war auch noch so ein mürbes Spätsommerlicht, das mich noch melancholischer stimmte, genau wie der Geruch der Badekabine, nach Sonnenöl und feuchten Handtüchern und Salzwasser, das Ganze aber schon irgendwie kälter, abgestandener.

Dann drehe ich mich noch einmal um, werfe einen letzten Blick aufs Meer –

und weiß, dass es mindestens bis Mai dauern wird, bevor ich wieder einen Fuß auf den Lido setzen werde. In dieser Hinsicht habe ich mich sofort venezianisiert: Obwohl das Meer hier vor der Haustür liegt, kommen Venezianer nicht im Traum auf die Idee, im Winter einen Strandspaziergang zu machen. Märsche in Gummistiefeln und Friesennerz findet man hier pervers. Meer, das ist Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Und nicht Sturm und Drang.


Deshalb fällt mir der Abschied vom Lido immer so schwer.


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Filmfest 1

Samstag, 02. September 2017

Terrasse Hotel Danieli

Natürlich, verehrte Blogleser, haben Sie schon ungeduldig auf meine seit Jahren bewährte einseitige Berichterstattung über das venezianische Filmfest gewartet, in die ich so spät einsteige, weil ich andere, wichtigere Dinge zu tun hatte (Was meinen Sie, wie anstrengend es sein kann, auf Partys herumzustehen). In der Zwischenzeit hat natürlich bereits selbst das letzte Online-Zipfelchen sein Urteil abgegeben: über den Eröffnungsfilm (Downsizing, diese Schrumpf-Dystopie, Sie wissen schon: Klimawandel und andere Auswirkungen der Überbevölkerung sollen dadurch bekämpft werden, dass man die Menschen verkleinert), Ai Weiweis Migrationsdokumentation The Human Flow, der mich, auch wegen des Themas meines letzten Romans „Bei aller Liebe“ besonders interessiert hat. Und mich doch enttäuscht hat, ähnlich wie das meine kluge Kollegin Christiane Peitz vom Tagesspiegel beschrieben hat: „Immer schneller wechselt „Human Flow“ die Schauplätze, bis sich eben die Immunisierung einstellt, die Ai Weiwei eigentlich aushebeln will. Oder entwickelt man mit solchen Bedenken nur einen Schutzmechanismus gegen den moralischen Appell, der in jeder einzelnen seiner Aufnahmen steckt?“ Dann habe ich mir noch die Staffel von Suburra angesehen, die sich aber nicht wesentlich vom Suburra-Film unterscheidet, also: Sex&Crime&Priester&Mafia&korrupte Politiker=Rom. Und habe pflichtgemäß Paul Schraders Film First Reformed über einen Priester in der Glaubenskrise angeschaut – und während des ganzen Films an den Bombengürtel gedacht, den der Priester an sich nimmt (Hinterlassenschaft eines depressiven Selbstmörders, der sich erschossen hat) – ganz im Sinne von Hitchcocks Feststellung über den Unterschied zwischen Spannung und Überraschung:

The bomb is underneath the table and the public knows it, probably because they have seen the anarchist place it there. The public is aware the bomb is going to explode at one o’clock and there is a clock in the decor. The public can see that it is a quarter to one. In these conditions, the same innocuous conversation becomes fascinating because the public is participating in the scene. The audience is longing to warn the characters on the screen: „You shouldn’t be talking about such trivial matters. There is a bomb beneath you and it is about to explode!“

Alles gut und schön. Aber der Film, auf den ich wirklich gewartet habe, war „The Electric Horseman„: Robert Redford. My all time hero. Der gestern zusammen mit Jane Fonda (hier übrigens ein tolles Interview, das Katja Nicodemus einmal mit ihr geführt hat) mit dem Ehrenlöwen ausgezeichnet wurde und einen neuen Film vorstellte (Our Souls at Night. Späte Liebe. Robert Redford mit Lesebrille – aber egal: Der Mann ist 81 Jahre alt, er könnte auch das Postleitzahlverzeichnis vorlesen, und ich wäre hingerissen.) Und ja, sogar Wolfgang W. Wieneke hat in Bei aller Liebe einen Robert-Redford-Moment:

„Sie könnten es bereuen«, ergänzte der Kahle lächelnd.
»Werden wir ja sehen«, sagte Wieneke, deutete eine Verbeugung an und drehte sich auf seinem Absatz um, bevor er an dem Eisberg vorbei in der Dunkelheit verschwand.

Ein Abgang wie Robert Redford in Der elektrische Reiter, der mit seinem Pferd einfach von der Bühne der Werbeshow in Las Vegas getrabt war, in die Dunkelheit hinein, bis die Lämpchen an seinem Cowboyanzug verglüht waren.
Hey, hey, hey.“

 

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„Bei aller Liebe“

Samstag, 05. August 2017

Was soll ich sagen? Ich habe mich über diese Rezension von Günter Keil in der Abendzeitung sehr gefreut – die ich heute durch Zufall gefunden habe und die mir die Bitternis meines letzten Urlaubstages versüßt hat. Grazie, grazie, grazie!

 

Das Geschäft mit dem Leid

Petra Reskis neuer Anti-Mafia-Roman „Bei aller Liebe“ zeigt, wie die Organisation an Flüchtlingen verdient

Dieser Roman ist mutig. Er enthält unangenehme Wahrheiten und gibt verstörende Einblicke. Petra Reski erzählt von dem Milliardengeschäft, das mit den aktuellen Flüchtlingsströmen gemacht wird. Sie berichtet von skrupellosen Schleusern, korrupten Politikern, ängstlichen Staatsanwälten, opportunistischen Journalisten und kriminellen Kirchenmännern.

Vor allem anderen erzählt Reski jedoch von der sizilianischen Mafia, die im Flüchtlingsbusiness eine entscheidende Rolle spielt. Wie sich herausstellt, verdienen Cosa Nostra und die kalabrische ´Ndrangheta auch in Deutschland kräftig am Elend der Flüchtlinge.

Pure Fiktion? Mitnichten. Reskis Romane sind stets umfassend recherchiert und erschreckend realistisch. In ihrem dritten Fall ermittelt Serena Vitale, eine Anti-Mafia-Staatsanwältin aus Palermo, gegen afrikanische Schlepperbanden. Doch dann wird ein deutscher Oberstaatsanwalt in ihrer Heimatstadt ermordet – auf dem Straßenstrich der Transvestiten. Medien und die Polizei gehen von einem Verbrechen aus Leidenschaft aus.

Vitale findet allerdings heraus, dass der Kölner wegen brisanter Mafia-Recherchen nach Sizilien gekommen war. Mit der für sie typischen Energie und Unnachgiebigkeit stürzt sich die schlagfertige Staatsanwältin in die Ermittlungen. Sie setzt Heuchler, Bedenkenträger und Opportunisten unter Druck. Und sie stößt auf Dino Grecco. Der Sohn eines mächtigen Mafiabosses lebt als angeblich seriöser Unternehmer in Deutschland. Schon vor Jahren hatte er mit Cosa-Nostra-Millionen zahlreiche Lagerhallen, Altenheime, Kliniken und Hotels gekauft, die er später gewinnbringend in Flüchtlingsunterkünfte umwandelte. Darüber hinaus gründete er Sicherheitsdienste, Reinigungsfirmen und Catering-Unternehmen, mit denen er Millionenbeträge rund um die Heime erwirtschaftet – ein florierendes Geschäftsmodell.

Die Mafia ist nicht nur struktureller Bestandteil des Geschäfts mit den Flüchtlingen, sondern auch des internationalen Finanzkapitalismus. Obwohl seit Jahren beteuert wird, dass sie ausgerottet sei.

Mit Serena Vitale hat Petra Reski eine umwerfende Figur erschaffen. Die intelligente Staatsanwältin kämpft unermüdlich gegen die Mafia und ihre Unterstützer, gegen das Vergessen und die allgegenwärtige Korruption. Dass sie sich mit ihrem Engagement selbst in Gefahr bringt, nimmt sie in Kauf.

Parallelen zur Autorin sind unübersehbar: auch die vielfach für ihre Texte und Bücher ausgezeichnete Petra Reski wird als Mafia-Expertin bewundert und bedroht. Die 57-jährige wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Ihre Hauptfigur wird „La crucca“ genannt, die Deutsche. Was Vor- und Nachteile haben kann: „An schlechten Tagen wurde ihr vorgeworfen, unflexibel, phantasielos und pedantisch zu sein. An guten Tagen galt sie als aufrichtig, tiefgründig und verlässlich.“

Mit ihrem Wissen über die Cosa Nostra könnte Petra Reski in ihren Romanen dozieren oder belehren – stattdessen unterhält sie auf hohem Niveau, erzählt trocken, lakonisch und unverblümt. „Bei aller Liebe“ ist ein spannender Kriminalroman, von dem man viel lernt – über das Geschäft mit Flüchtlingen, die Mafia und ihre verhängnisvolle Verbindung nach Deutschland.

Günter Keil

Petra Reski: „Bei aller Liebe“ (Hoffmann und Campe, 318 Seiten, 20 Euro)

Abendzeitung vom 22. 7. 2017

 

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Kleines Update zur Sommerpause

Mittwoch, 26. Juli 2017

Liebe Freunde und Unterstützer,

bevor Sie in die Ferien fahren, bereits im Liegestuhl liegen oder schon wieder zurückgekehrt sind, freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass das Landgericht Leipzig einen Antrag auf Verhängung eines Ordnungsgeldes gegen mich zurückgewiesen hat. Der Kläger war der Ansicht, dass ich mit der Veröffentlichung des FAZ-Artikels von Andreas Rossmann auf meiner Webseite gegen das gegen mich erlassene Urteil verstoßen hätte. Gegen diesen Beschluss hat der Kläger Beschwerde eingelegt.  Anhängig sind jetzt noch die Klage auf Geldentschädigung und meine Klage gegen Jakob Augstein, die am 29. September in Hamburg verhandelt wird.

Außerdem, was mich am meisten freut, ist am 18. Juli mein neuer Roman erschienen: „Bei aller Liebe“, der von Mafia, Medien und Migranten handelt.

Protagonisten sind wie immer die sizilianische Antimafia-Staatsanwältin Serena Vitale und der von der Medienkrise gebeutelte deutsche Investigativjournalist Wolfgang W. Wieneke, der sich übrigens darüber empört, von mir mit Klarnamen genannt zu werden.

In der Hoffnung, Ihnen beim nächsten Update nur gute Nachrichten verkünden zu können, grüßt Sie herzlich und unbeirrbar positiv gestimmt, Petra Reski

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Wienekes Version

Dienstag, 18. Juli 2017

Hier hat jemand ein Problem. Wolfgang W. Wieneke hat sich zu Wort gemeldet. Mit seiner Wahrheit zu „Bei aller Liebe„.

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#Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat

Donnerstag, 13. Juli 2017

Liebe Freunde, ich möchte Euch nicht vorenthalten, dass es einige gibt, denen der Erfolg meines Crowdfundings ein Dorn im Auge ist – und die mich offenbar mit einem Bankautomaten verwechseln.

„Angeekelt durch die illegalen Veröffentlichungen der Beklagten“ und „die geballte Medienberichterstattung“ kündigte der Anwalt meines Klägers dem Landgericht Erfurt an, dass er „die Klage auf Zahlung einer angemessenen Geldentschädigung bei nächster Gelegenheit auf 20 000 Euro erweitern wird. Mehr als 20 000 Euro hat die Beklagte ja schon für den Rechtsstreit mit dem Kläger schwarmgesammelt.“

Tja, Neid muss man sich eben verdienen. Stay tuned!

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Italien – gegen den Strich

Dienstag, 27. Juni 2017

Chaos, Krise, Schlendrian, dazu eine Bevölkerung, die in schöner Regelmäßigkeit Politclowns vom Schlage Silvio Berlusconis und Beppe Grillos auf den Leim geht: Was in Italien schiefläuft, glaubt man in Deutschland stets besonders gut zu wissen. Und liegt doch meistens ganz weit daneben. 

Vier Mythen auf dem Prüfstand. Von Petra Reski

66 Regierungen in der Nachkriegszeit: Italien ist ein Land im permanenten Krisenmodus

Das mag von außen so scheinen. Doch auch wenn die Regierungen wechseln, die Gesichter sind meist jahrzehntelang die gleichen. Das Zauberwort dafür heißt „Trasformismo“. Was klingt wie eine Zeitenwende, bedeutet das genaue Gegenteil: Scheinwandel. Die 66 italienischen Nachkriegsregierungen sind kein Ausdruck mediterranen Wankelmuts, sondern die Verkörperung der Maxime aus Tomasi di Lampedusas Roman „Der Gepard“: „Alles ändert sich, damit alles bleibt, wie es ist.“

Fast 50 Jahre lang wurde Italien ununterbrochen von der Democrazia Cristiana regiert, und wäre die Mauer nicht gefallen, wäre sie wahrscheinlich immer noch an der Macht. Auf das glücklose, vom Mailänder Parteispendenskandal beendete Intermezzo der Sozialisten folgte die fast 20-jährige Herrschaft von Silvio Berlusconi. Die Namen der Parteien ändern sich, die Protagonisten bleiben dieselben.

Auch wenn Berlusconis Forza Italia vorübergehend Popolo della Libertà hieß und der Partito Democratico (PD) seinen Namen erst trägt, seitdem sich die aus der Kommunistischen Partei hervorgegangenen Linksdemokraten 2007 mit den ehemaligen Christdemokraten namens Ulivo und Margherita arrangieren konnten, gilt: Wer einmal in das italienische Parlament eingezogen ist, bleibt dort sitzen, bis er das Zeitliche segnet.

Der mit 94 Jahren verstorbene Giulio Andreotti war an 33 Regierungen beteiligt, sieben Mal davon als Ministerpräsident. Silvio Berlusconi nähert sich seinem 81. Geburtstag und hegt die berechtigte Hoffnung, mit 83 Jahren wieder in den Senat einzuziehen, wenn die über ihn verhängte fünfjährige Sperre für alle öffentlichen Ämter aufgehoben wird. Oder der einstige Staatspräsident Giorgio Napolitano, einer der Archaeopteryxe der italienischen Politik: Der 92-Jährige gehört dem Parlament seit 1953 an, er war neun Jahre lang Staatspräsident, ist heute Senator und immer noch ein gefürchteter Souffleur hinter den Kulissen der Politik. Der einstige Kommunistenchef Massimo D’Alema sitzt seit 1987 als Abgeordneter im Parlament, wo er sowohl Ministerpräsident als auch Außenminister war. Und der heutige Außenminister Angelino Alfano saß bereits 1995, mit 25 Jahren, für Berlusconis Forza Italia im sizilianischen Regionalparlament und zog 2001 ins italienische Parlament ein, wo er Innenminister und Justizminister wurde, bevor er ins Außenamt berufen wurde. Selbst Matteo Renzi war kein Neuling in der italienischen Politik, als er 2014 so glanzvoll gegen Enrico Letta intrigierte, dass er zum 27. Regierungschef ernannt wurde: Er wurde schon mit 21 Jahren 1999 zum Provinzsekretär des christdemokratischen Partito Popolare Italiano ernannt, der Partei seines Vaters und des späteren christdemokratischen Flügels der PD.

Silvio Berlusconi konnte sich nur dank seines Medienmonopols so lange an der Macht halten

Irrtum. Natürlich, im fernsehsüchtigen Italien des Jahres 1994 war es für Berlusconi von Vorteil, sämtliche Privatsender zu besitzen. Aber ohne die heimliche große Koalition mit der (vermeintlichen) Opposition – von den Italienern als „Inciucio“, das große Mauscheln, geschmäht – hätte sich Berlusconi niemals so lange an der Macht halten können. Die damals größte Oppositionspartei, der Partito Democratico, hat Berlusconi den Erfolg nie streitig gemacht. Rechts arrangiert sich mit Links, das war schon unter Andreotti so, das war unter Berlusconi nicht anders, und das setzte sich unter Matteo Renzi fort.

Als Berlusconi 1992 kurz nach den Attentaten gegen die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino mithilfe seiner rechten Hand, dem inzwischen als Mafiakomplizen verurteilten Marcello Dell’Utri, seinen Einzug in die Politik vorbereitete und sich den Italienern bei den Wahlen 1994 als neue politische Kraft präsentierte, befanden sich die etablierten politischen Parteien im Orkus der Geschichte und des Mailänder Schmiergeldskandals: Der Partito Comunista d’Italia war nach dem Mauerfall geschwächt, die Sozialisten waren korrupt, und 1993 hatte der Prozess gegen einen der wichtigsten Repräsentanten der Democrazia Cristiana, Giulio Andreotti, wegen dessen Zusammenarbeit mit der Mafia begonnen. Also warfen sich die Italiener Berlusconi in die Arme, weil der, wie es damals hieß, „zu reich ist, um uns beklauen zu müssen“.

In jenen Jahren waren die Wahlen in Italien so spannend wie in der DDR zu Erich Honeckers Zeiten. Die Linken arbeiteten sich an Berlusconi ab – allerdings nicht in Auflehnung, sondern in Annäherung. Massimo D’Alema rühmte Silvio Berlusconi als „ernsthaften Reformator“, regierte als Ministerpräsident in schönster Eintracht mit ihm und half tatkräftig dabei mit, das Mafiakronzeugengesetz abzuschaffen, das ein Stachel im Fleisch der Mafia war. Der glücklose Oppositionskandidat Walter Veltroni kündigte gemeinsame Reformen mit Berlusconi an, genau wie der einstige Oppositionsführer Pier Luigi Bersani.

Ein eklatantes Beispiel für das „große Mauscheln“ war 2009 zu besichtigen, als die linke Opposition indirekte Hilfe leistete, ein gigantisches Steueramnestiegesetz durchzubringen: Die von Berlusconi geführte Regierungsmehrheit stimmte dafür, im Ausland geparktes Schwarzgeld gegen einen geringen Steuerobolus von 5 Prozent nach Italien zu holen. Ein Gesetz, maßgeschneidert nicht nur für Steuerflüchtlinge und Bilanzfälscher, sondern vor allem für die Mafia. Bei der Abstimmung über die Verfassungskonformität des Gesetzes fehlten die nötigen Stimmen der Opposition, um das Gesetz zu verhindern – 24 Abgeordnete der Linksdemokraten waren entweder gerade beim Arzt oder in Spanien oder hatten angeblich nicht begriffen, wie wichtig diese Abstimmung war.

Im Sommer 2010, als Berlusconis Popolo della Libertà nach dem Parteiausschluss des Rechtskonservativen Gianfranco Fini implodiert war – ohne Finis Anhänger hatte man keine Mehrheit mehr im Parlament – forderte die Opposition keine Neuwahlen, sondern verfiel in Schockstarre. Man hatte sich einigermaßen bequem in der Machtlosigkeit eingerichtet, und als man dann unter Romano Prodi ein Gesetz zum Interessenkonflikt zwischen dem Ministerpräsidentenamt und Berlusconis Position als größtem Medienunternehmer des Landes auf den Weg hätte bringen können, ließ man diese Gelegenheit verstreichen. Nur so war es möglich, dass Berlusconi nicht nur einmal, nicht zweimal, sondern dreimal wiedergewählt wurde, obwohl die besten Investigativjournalisten unermüdlich Beweise für seine Mafiaverflechtungen, Richterbestechungen, Bilanzfälschungen, Offshore-Gesellschaften, Geheimlogen und seine 40 Ad-Personam-Gesetze präsentierten.

Auch die letzte Regierung Berlusconi stürzte nicht, weil sie von der Opposition zu Fall gebracht wurde, sondern weil die Europäische Zentralbank, die EU und die anderen Europäer Berlusconi nicht mehr trauten. Staatspräsident Napolitano, der stets ein großer Freund der Amerikaner und damit der Banken war, beförderte den Cavaliere schließlich aus dem Amt.

Matteo Renzi bleibt der Hoffnungsträger Italiens

Nun ja. Als Ministerpräsident wurde Matteo Renzi von der gesamten Auslandspresse bejubelt. Doch das hat viel mit dem Copy&Paste-Prinzip der Auslandsberichterstattung zu tun. Die Ovationen für Renzis Verfassungsreform, die Jubelarien für Renzis Ankündigungen, Hashtags und Facebook-Posts – all das war stets am Vortag in den italienischen Medien zu lesen. Medien, die in überwältigender Mehrheit Parteien, parteinahen Unternehmensverbänden, parteinahen Industriellen und vorbestraften Multimilliardären mit eigener Partei gehören. Und die staatlich subventioniert werden, was zu gewissen Liebesdiensten stimuliert.

Die Auslandskorrespondenten werden erleichtert gewesen sein, als Renzi nach seinem Rücktritt infolge der krachend gescheiterten Verfassungsreform bei den Urwahlen der PD wieder als Generalsekretär bestätigt wurde. Verschwiegen wird jedoch, dass der selbsternannte Verschrotter, der alle loswerden wollte – die politische Führungsklasse, die Gewerkschaften, die linken Parolen, die „Theoretiker des Mauschelns mit Berlusconi“ – sein Machtsystem auf der Freundschaft zu einem gewissen Denis Verdini aufgebaut hat. Dieser war nicht nur Berlusconis Verbündeter, sondern gilt auch als Vertrauensmann der in Italien einflussreichen Freimaurer: Als Berlusconis Macht verblasste, sprang Verdini auf den Renzi-Zug auf – im Gepäck ein Schuldspruch wegen Korruption und fünf laufende Klagen: Verdacht auf kriminelle Vereinigung, Korruption, betrügerischer Bankrott, einfacher und schwerer Betrug.

Verdini verhalf Matteo Renzi erst zu einem Mittagessen in Berlusconis Villa Arcore und schließlich zum „Pakt des Nazareno“: So genannt nach der Parteizentrale der PD, in der sich Renzi mit Berlusconi traf, um die gemeinsame Basis für weitere Kooperation zu schaffen.

Renzi setzt die Zusammenarbeit mit Berlusconi nun als Nazareno 2 fort, weil sich das von ihm konzipierte Wahlrecht „Italicum“ zum Eigentor entwickelt hat: Um die Neigung der Linken zur Gründung von Miniparteien zu beenden, sollte keine Parteienkoalition, sondern eine Partei, die mit 40 Prozent aller Stimmen gewählt wird, mit dem „Mehrheitsbonus“ von 55 Prozent aller Parlamentssitze belohnt werden. Würden die 40 Prozent im ersten Wahlgang nicht erreicht werden, wären die beiden stärksten Parteien gegeneinander angetreten.

Bei einer Stichwahl hätte allerdings nicht Renzis PD, sondern die Fünf-Sterne-Bewegung die Nase vorn. Um diesen Worst Case zu verhindern, wird mit Berlusconi weiter gemauschelt – wie in den vergangenen 20 Jahren.

Die Italiener laufen auch jedem Rattenfänger nach: erst Silvio Berlusconi, jetzt Beppe Grillo

Langsam, ganz langsam. Stellen wir uns einmal vor, wir würden in einem Land leben, das 40 Jahre lang von Giulio Andreotti regiert wurde und danach 20 Jahre lang von Silvio Berlusconi. Ein Land, in dem nahezu täglich Politiker des Establishments wegen Betrugs, Korruption, Mafiaunterstützung und sonstiger Lappalien festgenommen werden und in dem es zwei Jahrzehnte lang keine echte Opposition gab, weil diese sich bestens mit Berlusconi arrangiert hatte.

Ein Land, in dem 40 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind (im Süden sogar bis zu 70 Prozent), in dem die Staatsverschuldung mehr als 130 Prozent des Bruttosozialprodukts beträgt, in dem täglich Betriebe Konkurs anmelden und sich kleine und mittlere Unternehmer aufhängen, wenn sie von den Banken keine Kredite mehr bekommen.

Stellen wir uns weiter vor, dass der wegen seiner Kritik an der politischen Kaste beliebteste politische Kabarettist im Netz die Idee von Meet-ups lanciert: kleine, renitente Zellen, die gegen Feinstaub kämpfen oder gegen die Privatisierung des Wassers, gegen die Mafia in der Müllbeseitigung und gegen den Hochgeschwindigkeitszug. Es geht um Ökonomie und Ökologie, um Politik und Konsum und um Fortschritt, der keiner ist.

Genau das tat Beppe Grillo, Starkomiker, Umweltschützer und Antichrist der italienischen Politik, der wegen seiner Kritik an Ministern und Ministerpräsidenten aus dem öffentlichen Fernsehen verbannt wurde und fortan durch Italiens Theater zog. Innerhalb von nur drei Monaten zählten Grillos Meet-ups bereits 7000 Mitglieder, vorwiegend junge Leute.

Als es im Jahr 2005 in Turin zum ersten landesweiten Treffen von Beppe Grillos Meet-ups kam, nahm kaum jemand davon Notiz. Weder Il Giornale und Libero, die Hauspostillen Berlusconis, noch die Repubblica, der Espresso des Finanziers Carlo De Benedetti oder die Turiner Stampa der Familie Agnelli verloren darüber ein Wort.

Als sich dann 2007 in Bologna 50 000 Italiener bei Grillos erstem Vaffanculo- Day (Haut-ab-ihr-Ärsche-Tag) versammelten, um die Parteien dazu aufzufordern, vorbestraften Parlamentariern das Mandat zu entziehen, rangen sich die Zeitungen ein paar Zeilen über diese Kuriosität ab. Repubblica-Herausgeber Eugenio Scalfari schauderte und schrieb: „Hinter dem Grillismus sehe ich widerwärtigstes Law and Order; ich sehe dahinter die Diktatur“, und der Espresso fühlte sich an Mussolini erinnert. Der Corriere della Sera bezeichnete Grillo als „Person mit brutaler Gier“ und die Stampa beschied: „In einem normalen Land wäre der V-Day auf den Unterhaltungsseiten besprochen worden.“

Im Jahr 2009 wurde die Fünf-Sterne-Bewegung in Mailand gegründet, benannt nach den fünf Leit-„Sternen“ (Wasser, Umwelt, Transport, Internet, Entwicklung) ihres Gründungsprogramms. Eigentlich tat Grillo nichts anderes, als die resignierten Italiener zur Selbsthilfe aufzufordern. Genau deshalb werden die Aktivisten der Fünf-Sterne-Bewegung heute von den etablierten Parteien so gefürchtet: Weil sie beweisen, dass eine Revolution von unten möglich ist.

Bei den Parlamentswahlen 2013 stimmte ein Viertel der Italiener für sie: Eine Bewegung, die kein Geld hat, keine Fernsehsender, keine Tageszeitung, kein Verlagshaus, keine Banken, schaffte es, stärkste Partei zu werden. Für Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung stimmten enttäuschte Linke und enttäuschte Berlusconi- und Lega-Wähler, kurz: alle, die hofften, dass sich endlich etwas ändert in einem Land, das zweigeteilt ist.

Ein Land, in dem auf der einen Seite wohlhabende Rentner leben, staatliche Angestellte mit üppigen Monatsgehältern, dank Parteiklüngel reich gewordene Politiker und Unternehmer, und auf der anderen Seite junge Italiener, deren einzige Gewissheit ist, nie einen festen Job zu bekommen.

Zweifellos ist es der Fünf-Sterne-Bewegung zu verdanken, dass ein Rechtsruck à la Frankreich in Italien ausblieb. Die Fünf-Sterne-Bewegung betrachtet ein politisches Mandat als „Zivildienst“. Der darf ein, zwei Legislaturperioden dauern, dann müssen neue Kandidaten gewählt werden. Die Abgeordneten und Senatoren der Fünf Sterne unterscheiden sich von den anderen italienischen Parlamentariern (vorerst) dadurch, dass sie nicht mit der Mafia zusammenarbeiten und keine Vorstrafen haben. Und vielleicht liegt genau darin das Problem.

In den Medien des Mainstreams ist kein Halten mehr, seitdem die „Grillini“ in das italienische Parlament eingezogen sind. Nahezu täglich werden die Sympathisanten der Fünf-Sterne-Bewegung wahlweise als Faschisten, Berlusconi-Anhänger, Lega-Anhänger, geistig Behinderte, Pädophile, Terroristen, Feiglinge, Idioten, Diebe, Rassisten, Antidemokraten, Impotente, Scheißdreck, Scheintote oder Schweine geschmäht.

Was kein Problem wäre, wenn die Schmähungen nicht auch von den deutschen Medien verbreitet würden. Wie hätte man in Deutschland reagiert, wenn die italienische Presse den Einzug der Grünen in den Deutschen Bundestag Anfang der 1980er Jahre mit ebenso viel Häme bedacht hätte? An Heterogenität konnten es die deutschen Grünen mitsamt ihrer Ex-Generäle, romantischen Pazifistinnen und grenzwertigen Naturschwärmern mit der Fünf-Sterne-Bewegung sicher bestens aufnehmen. Und doch haben sie es mehr als jede andere deutsche Partei geschafft, die politische Kultur unseres Landes zu verändern.

Der in Bologna lehrende Politologe Piero Ignazi sagt über Grillos Fünf-Sterne- Bewegung, sie sei weder utopisch noch populistisch. Vielmehr handele es sich um einen pragmatischen Protest, der von Grillo in ein Medienspektakel umgewandelt werde. Hinter dem Protest und Grillos Show fänden sich jedoch sehr viele gute Ideen: Was ist schlecht daran, für die Umwelt zu kämpfen, für mehr Meinungsfreiheit, gegen die Verschwendung öffentlicher Gelder?

Die Italiener hätten es zumindest verdient, dass die gleiche Nachsicht, die in deutschen Medien gegenüber den für Italiens desaströse Lage verantwortlichen Politikern, Bankern und Wirtschaftsbossen geübt wird, auch gegenüber einer neuen demokratischen politischen Kraft aufgebracht wird.

Petra Reski lebt seit 1991 als freie Autorin und Schriftstellerin in Venedig.

(erschienen in: Internationale Politik IP • Juli / August 2017)

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat. 2

Mittwoch, 14. Juni 2017

Hurra: Wir sind über die 20 000-Euro-Marke hinausgeschossen! (Auch dank der Unterstützer, die nicht über generosity-link, sondern per Banküberweisung gespendet haben) Ich möchte Ihnen/Euch allen danken. – dafür, dass ich mich nicht alleine fühlen muss, für Eure Aufmerksamkeit, für Euer Engagement. Es hat mich bewegt. „Non tutti i mali vengono per nuocere“, sagt man in Italien: Nichts ist so schlecht, als dass es nicht auch für irgendetwas gut wäre.

Mein Crowdfunding habe ich auch im Europäischen Parlament erwähnt, als ich vor kurzem über Mafia+Medien+Meinungsfreiheit in Deutschland gesprochen habe. Die italienische Fünfsterne-Bewegung hatte mich zur Tagung „Die Zukunft der Information: Zwischen Meinungsfreiheit und Fake News“ eingeladen. Es ging um Fragen wie: Wer darf feststellen, wann eine Meldung „Fake News“ ist oder nicht? Sollen Inhalte von Social Media entfernt werden und wenn ja, wer entscheidet wie darüber? Wer hat das Recht zur Zensur? Und ja, Zensur, ähem, natürlich, nennt sich nicht so, wenn Bücher über die Mafia in Deutschland auf Geheiß deutscher Gerichte geschwärzt, Artikel und Filme gelöscht werden. Kommt aber aufs Gleiche heraus.

Wie es weitergeht? Ich werde updates über die ausstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen posten. Wenn alles (hoffentlich) vorbei ist, werde ich eine Bilanz erstellen: über die Gelder der Schwarmsammlung, die Rechtskosten, über das, was (hoffentlich) übrig bleibt und wem es gespendet werden soll.

Love you all.

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Muttertag (Womit man meine Mutter wirklich glücklich machen kann)

Sonntag, 14. Mai 2017

Früher stand meine Mutter nachts auf und guckte Cassius Clay gegen Joe Frazier (Punktsieg für Clay in der 15. Runde). Wobei gesagt werden muß, daß sie Punktsiege langweilig findet und den Frazier schon damals für eine Knalltüte hielt. Sie hat keinen einzigen Henry-Maske-Kampf verpasst, wenngleich er für ihren Geschmack viel zu gentlemanlike war. Und für Axel Schulz hatte sie nur ein mitleidiges Lächeln übrig, sie ließ keinen Zweifel daran, dass er für sie ein Weichei war. „Man nannte ihn ja ‚der weiche Riese‘, haha“, sagt sie mit einem kleinen, verächtlichen Lächeln. „Aus dem konnte nichts werden! Der konnte machen, was er wollte! Von wegen – es reicht, groß und kräftig zu sein!“ Ganz anders war das mit Dariusz Michalczewski. Wenn Tiger Michalczewski boxte, verließ meine Mutter unter fadenscheinigen Vorwänden sogar Geburtstagsfeiern. Während meine Tanten  Erdbeerbowle tranken, goutierte meine Mutter Kopfhaken und zählte die Geraden, Clinchs und Knock-outs.

Und wenn ich sie auf die fatalen Spätfolgen des Boxkampfes hinweise – entweder wackelt man im Alter mit dem Kopf oder bringt seine Ehefrau um – sieht mich meine Mutter mitleidig an und sagt: „Ist doch nur ein Spiel!“ Mir wird schon schlecht, wenn mir ein Zehennagel herausoperiert werden soll, sage ich, warum soll ich mir dann angucken, wie einer zum Pflegefall geprügelt wird? „Ist doch schön, zu sehen, wenn einer gewinnt“, sagt meine Mutter. „Und beim Fußball machen sie sich doch auch die Knochen kaputt!“

The one and only sind für meine Mutter die Klitschkos. Heute natürlich nur noch Wladimir. Wenn er Nasenbeine in das Gehirn treibt, Unterkiefer bricht und Augenbrauen zu Brei schlägt, lächelt meine Mutter so entrückt, als sähe sie gerade einen einzigartigen Liebesfilm und sagt: Ein wunderbarer Kampf!

Deshalb war Klitschkos technisches K.O. in der elften Runde gegen Anthony Joshua neulich natürlich ein harter Schlag für meine Mutter. Am Morgen danach telefonierte sie mit einer Freundin und sagte: „Hast du den Klitschko gesehen? Ja, das ist das Alter. Auch bei ihm. Der andere war ja zwanzig Jahre jünger! Drei Mal war er am Boden, ich hätte fast einen Herzschlag gekriegt. Aber das war der selbst in Schuld, der hat viel zu lange gewartet, als der andere getaumelt ist! Der hat gewartet, und da war der andere schon wieder aufgestanden, der hat sich ja schnell wieder erholt. Wenn die angeschlagen sind, muss man das ausnutzen, der hätte so lange weiter schlagen müssen, bis der andere gefallen wäre! Daran siehst du das Alter. Auch bei einem wie ihm. Der andere hat ihm einen Kinnhaken gegeben, und dann war es aus. Aber es war ein fairer Kampf. Spannend. Sicher, als der so apathisch dastand, da tat er mir schon leid. Aber so ist das eben im Sport.“

Mütter.

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Pressefreiheit ist kein Wort. Es ist eine Tat.

Mittwoch, 12. April 2017

Wer auf die Idee kommt, über die Mafia in Deutschland zu berichten, soll es bereuen: „Einen treffen, um hunderte zu erziehen“.

Mit Ihrer Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass die Pressefreiheit in Deutschland nicht nur auf dem Papier besteht – und das Thema „Mafia in Deutschland“ nicht weiter ein Tabu ist .

Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr,“ sagte mir einmal Alberto Spampinato, der Bruder eines von der Mafia ermordeten sizilianischen Journalisten. Wie wahr, dachte ich, als die Redaktion des „Freitag“ mich in dem Rechtsstreit mit einem „erfolgreichen italienischen Geschäftsmann“ fallen ließ, weil die Rechtskosten „für einen kleinen Verlag wie unseren eine ziemliche Belastung sind“ und mich danach noch öffentlich verhöhnte.

Für freie Autoren sind die Rechtskosten eine ungleich größere Belastung. Und da mir die Gewerkschaft Verdi ebenfalls den Beistand versagt hat, bleibt mir nichts anderes, als auf Ihre Unterstützung zu hoffen. Denn hier geht es mehr als um mich und „meinen Fall“ – es geht darum, dass jeder Journalist, der wegen seines Berichts über die Mafia in Deutschland verklagt wurde, den Prozess zwingend verliert.

Das deutsche Recht macht es der Mafia leicht, Journalisten zu verklagen – und diese Prozesse auch zu gewinnen. Mit Gerichtskosten, Anwaltskosten, Schadensersatzklagen wird eine Drohkulisse aufgebaut, die auf Journalisten, Autoren, Filmemacher, Verlage und Sender wirken soll.

Mit dem gesammelten Geld möchte ich meine Rechtskosten bezahlen. Wenn (hoffentlich!) etwas übrig bleibt, werde ich das einer Antimafia-Organisation zukommen lassen – all das werde ich selbstverständlich öffentlich machen. Mit Ihrer Spende tragen Sie nicht nur dazu bei, dass ich meine Rechtskosten bestreiten kann, sondern Sie fördern damit auch den Austausch über ein Thema, das die Aufmerksamkeit aller verdient.

Hier geht es zum Schwarmsammeln für die Pressefreiheit. 

 

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