Kategorie: Agitation+Propaganda

Petra für die PETRA. (heute: Matrophobie)

Donnerstag, 09. März 2017

On revient toujours à ses premiers amours (Für die Nicht-Frankophonen unter uns: Man kehrt immer zu seiner ersten Liebe zurück) In meinem Fall sind das Kolumnen. Neulich habe ich schon einmal auf meine Vergangenheit als Kolumnenschreiberin des Playboy verwiesen, später schrieb ich jahrelang Kolumnen für die Amica. Danach folgte eine längere kolumnenfreie Zeit in meinem Leben, die seit letztem Sommer glücklicherweise zur Vergangenheit gehört, seitdem ich wieder eine kleine Kolumne für die PETRA schreibe. Denn es gibt so unfassbar viele Themen, denen man sich nicht nur kolonisierend (Poesie der Autokorrektur!) kolumnisierend nähern kann. Etwa der Matrophobie. Sie wissen nicht, was das ist? Ich wusste das auch nicht. Bis ich eine Kolumne darüber schrieb.

Ich habe nie befürchtet, dass ich mal so werden würde wie meine Mutter. Wir sind so was von unterschiedlich. Schließlich ist man ja kein Klon, keine willkürliche Anhäufung von Zellen, Gewebe, Schleim und Drüsen, sondern ein Individuum mit Charakter. Die eine blond (meine Mutter), die andere brünett (ich, jedenfalls bis vor kurzem). Deshalb kannte ich das Wort auch gar nicht: „Matrophobie“ nennt man die Angst, so zu werden wie die Mutter. Klingt anstrengend. Sitzen im Stuhlkreis und Regale voller Mutterbeziehungsratgeber.

Und ich wäre auch immer noch brünett, wenn die Brünetten nicht ständig als so natürlich und unkompliziert gepriesen worden wären, mit jeder Menge innerer Werte, voll von diesem Ich-will-für-das-wahrgenommen-werden-was-ich-bin-und-nicht-für-das-was-ich-scheine, alles Dinge, die ich mir nicht nachsagen lassen wollte, weshalb ich zum Friseur ging und „Ein Mal blond, bitte“, sagte. Und nicht ahnte, was dann mit mir passierte. Seitdem höre ich meine Mutter aus mir heraus sprechen.

Jedenfalls habe ich den Eindruck. Zumal unsere Stimmen identisch sind, ständig höre ich aus mir heraus meine Mutter reden, so dass ich mich manchmal vor mir selbst erschrecke. Neulich, als ich im Meer schwamm und mich ein Stück Seegras berührte, das ich für ein Seeungeheuer hielt, hörte ich, wie eine tiefe, dunkle Stimme aus mir sprach, die argwöhnisch „Was’n das jetzt?“ sagte – und genauso klang wie meine Mutter, wenn sie sich erschreckt, das aber nicht zugeben will.

Überhaupt das Skeptische. Meine Mutter ist supersupersuper skeptisch. Skeptiker neigen dazu, das gesamte menschliche Wissen in Frage zu stellen, was manchmal ziemlich anstrengend sein kann, etwa, wenn es um die Rotweinmarke geht („Das ist doch nicht der Rotwein, den ich das letzte Mal getrunken habe, da wette ich“) oder den Fisch, den sie das letzte Mal gegessen haben („Das war doch keine Seezunge, das war eine Scholle“). In der Antike waren Skeptiker dafür bekannt, eine Sache von allen Seiten zu untersuchen, um ihre Beschaffenheit festzustellen, weshalb meine Mutter von ihrer Überzeugung nicht abzubringen ist, selbst wenn ich ihr ein schnell gegoogeltes Beweisfoto unter die Nase halte. Ich auch. Ich kann meinen Skeptizismus nur besser verbergen, als meine Mutter. Finde ich. Findet der Italiener an meiner Seite natürlich überhaupt nicht, sondern beschwert sich ständig darüber, dass ich nie, nie, etwas einfach mal so akzeptieren kann, sondern immer erst alles in Frage stellen muss. (Ja, gut, aber wo steht geschrieben, dass man sich mit dem Augenschein zufrieden geben muss?)

Und dann dieses durch meine mütterlichen Gene übertragene, gelegentlich Rechthaberische, also das (würde ich natürlich dem Italiener gegenüber nie zugeben!) stelle ich gelegentlich auch an mir fest.

Außerdem haben meine Mutter und ich die identisch gleichen Ticks, etwa dass wir nicht essen können, wenn der Teller zu voll ist. Vergeht mir sofort der Appetit. Wobei es mich natürlich wahnsinnig aufregt, wenn meine Mutter sagt: Mach mir den Teller bloß nicht so voll. Denn all die Ticks, die ich an mir feststelle, regen mich bei meiner Mutter total auf.

Aber wenn es etwas gibt, was ich in meinem Leben zutiefst bereue, dann ist es jeder Tag, an dem ich nicht blond war.

 

(erschienen in PETRA 9/2016)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

„Der gute Mensch und seine Lügen“ (Populismus 2)

Montag, 27. Februar 2017

Hey, dachte ich heute morgen, als ich diesen Artikel in der ZEIT las, geht doch. Also die Ursachen des „Populismus“ zu benennen, so wie es Bernd Stegemann in seinem Essay getan hat. Mein Unbehagen an der Populismuskeule habe ich in meinem Blog bereits öfter zur Sprache gebracht, zuletzt hier. Und vielleicht liegt es auch daran, dass man in Italien, wo die Wirtschaftslage ja weit von der glänzenden deutschen entfernt ist, weniger gewillt ist, neoliberalen Altären zu huldigen – besonders, wenn sie seit mehr als zwei Jahrzehnten durch eine korrupte Politikerklasse vertreten wird – die enge Verbindungen zur Mafia pflegt.

Dies sollte man sich vielleicht vor Augen führen, wenn mal wieder (nahezu täglich)  in der deutschen Berichterstattung der Stab über die Italiener und ihre Sympathien für die Fünfsterne-Bewegung gebrochen wird. Die, um das noch mal ganz klar zu sagen, nichts mit Marine Le Pen, nichts mit der AfD zu tun hat – sondern Italien im Grunde vor einem Rechtsruck bewahrt hat.

 

Was ist Populismus?
Ein barbarischer Elitenhass sei der Kern des aktuellen Populismus – das schrieb Jens Jessen in der vorigen Ausgabe der ZEIT (Nr. 8/17). Ihm antwortet nun Bernd Stegemann; er ist Publizist, Dramaturg und Professor an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Soeben erschien von ihm »Das Gespenst des Populismus«.

Der gute Mensch und seine Lügen

Elitär ist jeder, der sich für etwas starkmacht, das ihn selbst nichts kostet. Ein Plädoyer für einen neuen Umgang mit dem Populismus

VON BERND STEGEMANN

Die zentrale Wirkung des Populismus liegt darin, die bestehenden Machtverhältnisse und ihre Legitimationsdiskurse anzugreifen. Seine drei Hauptmerkmale zielen alle in die gleiche Richtung: Statt relativierender Kommunikation sollen harte Zuspitzungen wieder Freund und Feind unterscheidbar machen, zum Beispiel wird das Volk gegen eine Elite verteidigt. Statt einer Gesellschaft von Einzelnen behauptet der Populismus eine Gemeinschaft, die von außen bedroht wird, und statt einer postmodern zersplitterten Realität gehen die Populisten davon aus, dass es eine Wahrheit gibt und sie diese erkannt haben. Aus der Perspektive der liberalen Mitte unserer Gesellschaft sind alle drei Angriffe gefährlich. Sie wecken schlimme Erinnerungen an die deutsche Geschichte, und sie verweigern die Zivilisationsgewinne der letzten Jahrzehnte. Aber am bedrohlichsten wirkt die Kraft, die von ihnen auszugehen scheint. Immer mehr Menschen sind von den harten und zuspitzenden Reden fasziniert, und es scheint, als würde sich dadurch eine lange angestaute Ohnmacht in einer wütenden Anklage entladen.

Der Populismus produziert offensichtlich einen Konflikt im Zentrum der liberalen Demokratien, den sie lange überwunden geglaubt hatten. Je nach politischer Haltung könnte man in diesem neuen Konflikt die alten Kämpfe zwischen faschistischen und liberalen Kräften erkennen, einen seltsam verschobenen Klassenkampf oder die harsche Abwehr gegen die Zumutungen einer komplexen Gesellschaft. Das Problem an der aktuellen Lage ist, dass darin alle drei Gegensätze zugleich wirken. Schaut man etwas systematischer auf diese Konflikte, so fällt auf, dass hier zwei unterschiedliche Strategien von politischer Kommunikation aufeinandertreffen. Es gibt den alten Populismus, der mit scharfen Konflikten und einer Front zwischen »Wir« und »Sie« arbeitet. Und es gibt inzwischen einen neuen, liberalen Populismus, dessen Erfolg darin besteht, die Menschen ohne Ansehen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder sonstiger individueller Eigenschaften zu Mitgliedern einer Gesellschaft zu machen. Der Preis für diesen universalistischen Anspruch ist jedoch die Bürde, die nun jeder Einzelne auf sich nehmen muss, um auch ein Mitglied sein zu dürfen. Die neuen Grenzen verlaufen nicht mehr zwischen »Wir« und »Sie«, sondern zwischen allen Menschen und dem jeweiligen Markt, auf dem sie handeln müssen: ohne Geld kein Konsum, ohne Qualifikation keine Arbeit, ohne bestimmte Umgangsformen kein Zutritt zur öffentlichen Meinung und so weiter.

Am Beispiel der Elitenkritik und ihrer Abwehr kann gut beobachtet werden, welche Folgen eine solche paradoxe Grenze für die Gesellschaft haben kann. Wie Jens Jessen in der letzten ZEIT ausführlich dargestellt hat, gibt es die Elite als solche nicht, da zu ihr so unterschiedliche Bereiche gehören sollen wie die EU-Bürokratie, das politisch engagierte Hollywood oder die wohlmeinende Professorenschaft. Ebenso wenig vertreten die Kritiker der Elite eine einheitliche Position. So wendet sich beispielsweise Martin Schulz in seinem beginnenden Wahlkampf gegen die Elite und meint damit sicher gerade nicht die EU-Bürokratie, die hingegen von der AfD als Elite beschimpft wird. Jessens Folgerung lautet, dass die Elite keine identifizierbare Gruppe ist, sondern dass zur Elite alle diejenigen gehören, die eine andere Meinung haben als man selbst, und dass in der Elitenkritik vor allem ein antizivilisatorischer Impuls wirkt. Dieser Schlussfolgerung möchte ich widersprechen.

Es gibt ein gemeinsames Kennzeichen all der auf den ersten Blick unterschiedlichen Personen und Institutionen, die als Elite kritisiert werden. Dieser gemeinsame Punkt liegt in ihrer paradoxen Art, wie sie ihre Moral und ihre Interessen kommuniziert. In früheren Zeiten hätte man dieses Paradox Heuchelei genannt, und tatsächlich findet man viele Anklänge daran, wenn man das »Wir schaffen das« der Kanzlerin oder die moralischen Predigten von Topmanagern, die die Globalisierung zur humanitären Notwendigkeit erklären, betrachtet. Solchen Aussagen ist gemeinsam, dass sie eine doppelte Botschaft vermitteln. Es wird auf der einen Seite eine Moral behauptet, die als universeller Anspruch formuliert wird, und auf der anderen Seite werden hinter diesen moralischen Reden andere, meist ökonomische oder strategische Interessen versteckt. (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Das Ding mit der vermeintlichen Distanz

Sonntag, 26. Februar 2017

Jetzt mal was anderes. Heute morgen beim Herumklicken stieß ich auf das Haftprotokoll, das der in der Türkei inhaftierte Korrespondent Deniz Yücel geschrieben hat, dessen Lektüre ich allen an das Herz legen möchte, weil es ein grandioser und bewegender Text ist.

Post

Noch wertvoller als die paar Minuten frische Luft auf dem Weg zum Arzt sind die Anwaltsbesuche. Anwalt bedeutet: frische Socken und vor allem Post von draußen! Der Anwalt bringt mir Nachrichten aus meiner Redaktion, Grüße von meiner geliebten Dilek und von meinen Freunden, und Zeitungsartikel. In die Zelle mitnehmen darf ich die Ausdrucke nicht, nur im Anwaltsraum lesen. Das meiste kann ich nur überfliegen, weil die Zeit knapp ist. Und weil mich das alles so sehr rührt, dass mir die Tränen hochsteigen. Das darf einem hier eigentlich nicht passieren. Aber das tut so gut. So unglaublich gut zu wissen, dass ich hier nicht allein bin und vergessen werde.

 

Zuvor hatte ich auf Zeit-online einen Text gelesen, in dem die Journalistin Mely Kiyak über ihre Hate-Poetry-Tour (Verlesen von Hassmails) zusammen mit Deniz  Yücel schrieb:

Wir lernten das Land kennen, das unterschiedliche Publikum, im Süden, im Norden. Wir lernten, dass unser türkischsprachiges Publikum nicht genug davon bekam, wenn wir Briefe von Nazis vorlasen. Lasen wir Texte, die Bezug nahmen auf unsere Türkeiberichterstattung oder den Islam, waren die Reaktionen schon seltsamer. Einmal stand ein türkischer alter Herr auf, als Doris ein wichtiges Element unserer Bühnendeko, einen Moscheewecker anschmiss, und den scheppernden Gebetsruf aus der Plastikverschalung mit ihrem Mikro verstärkte. Der türkische Herr rief laut und deutlich in die wie immer schon Wochen zuvor ausverkaufte und völlig überfüllte Veranstaltung hinein: „Ich distanziere mich von diesem Witz!“ Da wir extrem exzellent im Zurückrufen sind, rief Doris oder Yassin, ich weiß es nicht mehr genau, zurück: „Wir nehmen Ihre Protestnote an und halten fest, dass sie sich von einem Wecker distanzieren.“

 

Mely Kiyak schrieb voller Wut und Herzblut:

Ein Autor lebt weder am Schreibtisch noch auf einer Gefängnispritsche. Es sind die Texte, die leben und einen Autor zum Autor machen. Man kann einen Menschen einsperren, aber den Autor kriegt man nicht weggesperrt. Weshalb das Einsperren eines Journalisten die hilfloseste Maßnahme ist, die eine Regierung veranlassen kann. Die Ideen lassen sich nicht festhalten, die Gedanken nicht wegsperren. Schreiben ist schärfer als Waffen. Ach Türkei, Du lernst es nie!

Ich denke, dass man einen Geist wie Deniz‘ besser so schnell wie möglich frei lassen sollte, denn seine Kraft, seine Energie und sein Witz, seine klugen Bemerkungen, seine unbändige Menschenliebe und seine Abscheu gegenüber jeglichem Unrecht werden den Laden, egal ob Polizeirevier, Kerker oder das Scheißkulturzentrum in dieser hessischen Provinz, das ihm so auf die Nerven ging, innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf stellen.
Man hat weniger Ärger mit ihm, wenn man ihm seine Freiheit gibt. Und man hat weniger Ärger mit mir, denn ich kann niemals Ruhe geben, solange mein Kollege, Hate-Poetry-Bruder und Freund Deniz Yücel nicht frei ist.

 

Natürlich ging dem Ganzen in Deutschland auch eine Polemik voraus – in der FAS war ein Kommentar des FAS-Korrespondenten für südosteuropäische Länder zu lesen, der sich die Frage stellte: Können wirklich nur Journalisten mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben? (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Mafia auf Polnisch

Sonntag, 26. Februar 2017

Kurze Werbeeinblendung: Mein Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ wird von von dem polnischen Verlag bellona neu aufgelegt. Das freut mich als Ehrenpolin natürlich ganz besonders. Vollpolen, Viertel – und Ehrenpolen aller Länder: Vereinigt Euch und kauft mein Buch!

www.bellona.pl

www.bellona.pl

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Hinter amerikanischen Büschen

Mittwoch, 01. Februar 2017

Jetzt, wo auf allen Kanälen wie verrückt herumgetrumpt wird und Strickanleitungen für #Pussyhats die Runde machen, fiel mir wieder der Roman meiner geschätzten Kollegin Zora del Buono ein, der den wunderbaren Titel „Hinter Büschen an eine Hauswand gelehnt“ trägt (hier eine lesenswerte Kritik, und hier weitere Kritiken auf Perlentaucher). Es ist die Geschichte einer fatal attraction zwischen einem jungen amerikanischen Studenten und einer doppelt so alten deutschen Dozentin inmitten der watteweichen Welt einer amerikanischen Universität.

Über allem wabert der Konformismus umgedrehter Baseballmützen und die permanente Angst der Dozenten vor Schadensersatzklagen – weil sie eine zu schlechte Note zugemutet, beim antiharassment-Test versagt, einen Studenten im Auto mitgenommen oder religiöse Gefühle missachtet haben könnten: „Die Religiösen waren nicht bedrohlich, nur lästig. Kränkungen mussten vermieden und Ankündigungen ausgesprochen werden, bevor Verstörendes oder sexuell Explizites gezeigt oder verhandelt wurde, in Filmen zum Beispiel, damit die Studenten die Hände vor die Augen legen oder rechtzeitig den Raum verlassen konnten, homosexuelle Szenen etwa, da mochten die Filme kulturgeschichtlich noch so relevant sein, Coming out oder so“, schreibt Zora – und verwebt den Sommer auf dem amerikanischen Campus geschickt mit dem Edward Snowden-Sommer: der Terror der Wohlgesinnten mit dem Terror des NSA.

So dass am Ende nicht der Staat, der seine Bürger ausspioniert, der Skandal ist, auch nicht die Paranoia der amerikanischen Universität, auch nicht der Eifer des deutschen Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendiensts, dem NSA zur Hand zu gehen, sondern eine Liaison einer doppelt so alten Frau mit einem jungen Mann.

Trump ist da eigentlich keine große Überraschung mehr.

 

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Endlich: Das Warten hat ein Ende.

Sonntag, 22. Januar 2017

fullsizeoutput_39e7 IMG_7038

Hochverehrte Blogleser, natürlich konnten Sie es kaum erwarten: „Die Gesichter der Toten“ jetzt als Taschenbuch, hurra, hurra, hurra. Druckfrisch, yesss.

Und wenn ich bei dieser Gelegenheit noch mal auf die herzerwärmenden Kritiken hinweisen dürfte:

»So gewinnt man ein weibliches Lesepublikum für Mafia-Thriller, die übrigens, wie Reski beweist, auch komische Passagen haben dürfen, ohne dass der Ernst der Lage verharmlost würde.« Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung, 9.11.2015

«Klartext-Prosa auf hohem Niveau, Faktentreue und Brisanz – und eine umwerfende Hauptfigur.« Günter Keil, literaturblog, 20.09.2015

»Selbstbewusst, sexy, schlagfertig: Staatsanwältin Serena Vitale aus Palermo leitet die Fahndung nach Alessio Lombardo, dem untergetauchten Mafia-Boss. Und Cosa-Nostra-Expertin Reski brilliert mit einem komplexen Plot, einer starken Hauptfigur und ironischen Metaphern. Ein intelligenter Kriminalroman über Geldwäsche, Korruptionsnetzwerke, die Verbindungen der Mafia nach Deutschland und den Untergang des Qualitätsjournalismus.“ Playboy 1/2016

»Die palermitische Staatsanwältin mit dem Hang zu scharfen Fragen und Heiligenfiguren ermittelt in Petra Reskis gerade erschienenem Krimi „Die Gesichter der Toten“ in jener „Zwischenwelt“, die ihre Schöpferin so penibel erforscht: Netzwerke aus Politikern, Unternehmern und Mafiosi also, die voneinander profitieren.» Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 12. 2015

»Wie das erste Buch ist die wiederum sehr spannende Geschichte nicht dem Genre der klassischen Krimiliteratur zuzuordnen. Es ist bei Petra Reski ganz und gar nicht so, dass der Böse dem Guten etwas antut und dann der Aufrechte den Bösen der Gerechtigkeit zuführt. Die sehr glaubwürdig gezeichneten Figuren bewegen sich immer irgendwo dazwischen. Sie sind richtige Charaktere in einem richtigen Leben.« Salzburger Nachrichten, 02.01.2016

»Geradezu schreiend komisch sind die ironischen Seitenblicke und -hiebe auf die Welt und die Arbeitsbedingungen des Journalismus. Es gibt neben der Staatsanwältin Vitale nämlich noch einen zweiten Helden bzw. eher Antihelden: den deutschen Reporter Wolfgang Widukind Wieneke, dem die Mafia mehr oder weniger passiert, der sich dann aber – auch wenn ihn und Vitale sonst nicht viel verbindet – auf seine Weise ebenso in das Thema verbeißt wie die Italienerin. Und so erfährt man ganz nebenbei mehr über den Journalismus als in einem Roman, der ihn wie Tom Rachmans „Die Unperfekten“ explizit zum Thema macht.» Die Presse, 13.02.2016

Und, ja, natürlich, die nächste Folge ist in Arbeit.

P.S.: Die nächste Gelegenheit, sich das Buch von mir höchstselbst signieren zu lassen, haben Sie am 14. März 2017 um 18 Uhr, in Dortmund im Industriemuseum Zeche Zollern!

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Und dann kam der grobe Klotz zum Einsatz

Montag, 09. Januar 2017

Ich musste nicht mal bis drei zählen, da hatte sich das Establishment schon wieder gefangen: Verhofstadt hat sich gegen den Eintritt der Fünfsterne-Bewegung in ALDE ausgesprochen. Die Seilschaften funktionieren eben immer. Martin Schulz&Co waren wohl kurz vor dem Herzkasper, wie sagte er doch so schön:

„Wir beobachten, dass die Zerstörer Zulauf habe“und: „Den Parolen der Populisten und Rechtsextremen kommt man nicht bei durch fein ziselierte Argumente. Auf einen groben Klotz gehört manchmal auch ein grober Keil“.

Gesagt, getan.

Jetzt bleibt der Fünfsterne-Bewegung nur, nach der nächsten Europawahl eine eigene parlamentarische Gruppe zu gründen: „Direct Democracy Movement“. Und wie heißt es in Italien: „Si chiude una porta e si apre un portone“: Es schließt sich eine Tür, und ein Tor geht auf.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Postfaktische Funksignale (Populismus 1)

Samstag, 31. Dezember 2016

Eins muss ich noch loswerden, bevor sich das Jahr zu Ende neigt. Die Geschichte mit dem „Populismus“, dem „Postfaktischen“ und dem „Narrativ“, aargh.

(Gott sei Dank bin ich mit meiner Narrativ-Allergie nicht allein, Hermann Unterstöger hat auch etwas gegen den Narrativ und so) Also: Der Narrativ ist eine Hülse, ein Scheißdreck – würde jetzt an dieser Stelle der von mir sehr geschätzte, in seiner Branche aber unbeliebte und auch unterbezahlte Wolfgang W. Wieneke sagen. Und wo der Narrativ ist, darf der  „Populismus“ nicht fehlen- meist in Zwangskoppelung mit dem „Postfaktischen“. Zuletzt heute morgen in der Repubblica. Gerne auch in der Kombination des „postfaktischen Narrativs des Populismus“.

fullsizeoutput_3cb9

In Italien wabert der Populismus-Vorwurf schon lange herum: Nicht erst seit Beppe Grillo die Fünfsterne-Bewegung gründete, wird die Populismuskeule hier nahezu täglich geschwungen – immer jedoch gegen diejenigen, die gerade nicht mitspielen dürfen, wenn es um die Macht geht. Was einmal die Lega war, dann die sogenannten girotondisti (die „Ringelreihen“ genannten Demonstrationen gegen Berlusconi), später die Partei des ehemaligen Staatsanwalts Antonio Di Pietro, die extreme Linke und eben jetzt die Fünfsterne-Bewegung. (Wenn jemand wie Berlusconi der Fünfsterne-Bewegung vorwirft populistisch zu sein, ist das ungefähr so, als würde ein Fleischesser einem Vegetarier vorwerfen, Salatblätter zu ermorden)

Aber in den letzten Monaten hat der Populismus-Vorwurf eine kometengleiche Karriere auch außerhalb von Italien hingelegt, nach Trump&Brexit und den Erfolgen der AfD schwingt auch die deutsche Presse die Populismuskeule. In den Jahresrückblicken der Tageszeitungen fehlt er ebensowenig wie in den Vorausschauen in das neue Jahr und in den Prognosen der Zukunftsforscher. Und dann das schöne Wort „postfaktisch“, haha, auf Italienisch „post-verità“, auf Englisch „post-truth“, und sogar in Frankreich ist die postfaktische Ära mit der „Ère post-factuelle“ angebrochen. (Hier übrigens ein sehr interessanter, tendenziöser, wie ich finde französischer Wikipedia-Eintrag dazu). Nachdem post-truth vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres ernannt wurde, wollten die Deutschen nicht nachstehen, zumal Angela Merkel es doch selbst gebraucht hatte: „Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sie folgen allein den Gefühlen.“

Ich hatte mal einen französischen Freund, der jeden Deutschen, der bei Rot an der Fußgängerampel stehen blieb, als Faschisten bezeichnete. Das war damals so, in den Achtzigerjahren, da war alles irgendwie fascho (un peu facho), was nicht links war. Fiel mir wieder ein, als ich neulich im ZDF den Film „Die Wutbürger – Europa und die Populisten“ sah (leider nicht mehr online). (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Nessun dorma.

Freitag, 30. Dezember 2016

 

Palermo im Winter

Palermo im Winter (Foto: Rosario Riina)

Heute mal wieder mit Serena Vitale telefoniert. Um zu hören, was es so Neues gibt. Sie hielt sich ziemlich bedeckt, logisch, ist ja auch keine gute Idee, am Telefon über laufende Ermittlungen zu reden. Zumal sie einen neuen Chef hat, der alte ist ins Justizministerium weggelobt worden. Was sie über den neuen gesagt hat, kann ich hier nicht schreiben, nicht jugendfrei. (Und da fand ich es, unter uns gesagt, ziemlich erstaunlich, wie offen sie über ihn geredet, nein, gelästert hat, am Telefon, ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich hatte fast den Eindruck, dass es ihr ein gewisses Vergnügen bereitete, nach dem Motto: Ein offenes Geheimnis, dass R. eine Nulpe ist, genau aus diesem Grunde wurde er für diesen Job ausgesucht.)

Letztes Jahr  ist Serena Vitale zu Silvester übrigens mit ihrer Mutter und ihrer Tante in das Teatro Massimo gegangen, es gab Turandot von Puccini. Serenas Mutter und ihre Tante fanden, dass die Geschichte an sich hahnebüchen sei, vor allem das Ende, wenn Prinzessin Turandot gesteht, dass sie den Prinzen Kalaf von Anbeginn gehasst und zugleich geliebt habe – zumal das Ganze von einem moppeligen Tenor und einer strammen Sopranistin interpretiert wurde, die vergeblich versuchten, sich zu umarmen. Es sei ihnen lediglich gelungen, die Bäuche gegeneinander zu reiben. Serena, ihre Mutter und ihre Tante aber fielen Mutter keineswegs vor Lachen von den Stühlen, sondern sahen der Annäherung ergriffen zu. Um jetzt ihren Ausdruck zu benutzen: „Bis in die Nackenhaare bewegt, erfüllt von zu Herzen gehenden Taktwechseln, verzweifelten Todesgesängen und gläsernen Orchestersätzen. Das ist das wahre Wunder der Musik: zwei Zeppeline zu sehen und an die Liebe zu denken.“

Bei Nessun dorma fing Serena Vitale an zu heulen. Was nicht so erstaunlich ist, wie es klingt. Sie bricht sogar bei Nationalhymnen in Tränen aus, selbst bei der nicht singbaren italienischen, sie heult bei Militärmärschen, bei Blechmusik ohnehin, und bei Trauermärschen, so wie man sie auf den Karfreitagsprozessionen in Sizilien hört, etwa  „Una lacrima sulla tomba di mia madre“ ist bei ihr kein Halten mehr.

Hätten Sie jetzt nicht gedacht? Tja, an Serena Vitale gibt es eben noch viele Seiten zu entdecken. Wir haben uns für das neue Jahr verabredet, sie will mir ein paar Sachen erzählen. Und das, was sie mir angedeutet hat, klang schon so unfassbar, na ja, mehr will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Fortsetzung folgt.

 

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone

Über Männer. Und historische Fehleinschätzungen

Dienstag, 27. Dezember 2016

„Eine digitale Rampensau“, so hat mich neulich eine Freundin (wozu Feinde, wenn man Freundinnen hat?) genannt, als ich sie mal wieder zum Bloggen peitschen wollte und sie mich bei der Gelegenheit daran erinnerte, dass sie es war, die mich im fernen Jahr 2008 dazu überredet hat, mit der supereinfachen WordPress-Software einen Blog zu schreiben. Perfiderweise brachte sie auch einen meiner Texte zur Sprache, in dem sie ein beeindruckendes Beispiel einer historischen Fehleinschätzung sah: Ein Text, den ich im noch ferneren Jahr 1997 über Mobiltelefone (so nannte man das damals noch, liebe Kinder, es waren Geräte, groß und schwer wie Dampfbügeleisen, wenn man damit zu lange telefoniert  hatte, glühte das Ohr) geschrieben habe, eine gut bezahlte Auftragsarbeit, was soll ich sagen: Ich war jung und brauchte das Geld.

Der Italiener an meiner Seite reibt mir übrigens bis heute unter die Nase, dass ich mich über sein erstes Handy (es war ein Motorola und sah aus wie ein Satellitentelefon, mit dem man auch in den Bergen Afghanistans eine Konferenzschaltung hinkriegt) aufgeregt habe, ich hätte angeblich sogar dafür plädiert,  den Gebrauch von Handys in Restaurants zu verbieten, ähnlich wie das Rauchen. Meine Handy-Aversion legte sich schlagartig, als mir meine Mutter das erste Handy schenkte, welches ich kurz darauf in einem Münchener Taxi verlor, weshalb ich in Tränen aufgelöst den Italiener an meiner Seite anrief, der dann seinerseits mein Handy so lange anrief, bis der Münchener Taxifahrer es endlich unter dem Autositz klingeln hörte und mir zurückbrachte. Ich habe ihm fünfzig Mark geschenkt, dem Taxifahrer.

Hier also der Text:

Nach dem Pferdeschwanz, dem Knopf im rechten Ohr und Calvin Kleins Unterhosen sind die Männer wieder mal einer geschmacklichen Verirrung erlegen: dem Funktelefon, kurz und neckisch „Händi“ genannt. (öbrigens: Heißt der Computer bei solchen Männern Compi, der Mercedes Merci und ihre Frau Susi?? Etwa so: „Gerade hab‘ ich Susi aus dem Merci mit dem Händi angerufen“?)

Eine Frau mit Stil jedenfalls hat einen Sekretär oder mindestens einen Anrufbeantworter und denkt nicht im Traum daran, jeden Anruf selbst und noch dazu in jeder Lebenslage entgegenzunehmen. Aber Männer sind sich ja für nix zu blöd. Kein Herrenmagazin von Rang kommt mehr ohne eine Doppelseite mit den neuesten 113-Gramm-Modellen aus, jeder Gemüsehändler glaubt sich unersetzlich und will immer und für alle erreichbar sein.

Seither klingelt es überall: im Bett, im Restaurant, auf der Straße, im Beichtstuhl, auf dem Klo.

Natürlich ist die Welle aus Italien nach Deutschland geschwappt, einem Land, in dem das Mitteilungsbedürfnis existentiell („Ich telefoniere, also bin ich“) ist. Umberto Eco meinte zwar, dass nur drei Kategorien von Menschen das Recht auf ein Telefonino haben: Behinderte, Politiker und Ehebrecher, aber diese Erkenntnis ist noch nicht nach Deutschland vorgedrungen. Hier sind die Männer, die normalerweise nicht mehr als „Hm, hm, hm, aha, aha“ am Telefon rauskriegten, und es nicht mal schafften, die Grundgebühr zu vertelefonieren, neuerdings von einer ungermanisch zu nennenden Geschwätzigkeit befallen. Kein Mann kann sich mehr vorstellen, dass es mal ein Leben ohne Händi gab. Was man sich da hatte alles verkneifen müssen! Im Flughafenbus wird gleich nach der Landung, klapp-klapp, das kleine schwarze Monstrum ans Ohr gehalten, um was mitzuteilen? Die unverzichtbare Botschaft: „Hilde, ich bin jetzt im Bus. Gerade gelandet.“ (mehr …)

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestShare on TumblrEmail this to someone