Non so cosa è peggio, il cinismo con il quale la politica italiana si è arrangiata con la mafia o la caparbietà con la quale la politica tedesca nega l’esistenza della mafia in Germania.
Archiv: März 2010
Sie war schon da
Wo, wenn nicht in Venedig, kann man einen Film drehen, der den programmatischen Titel “The Tourist” trägt? Seitdem fühle ich mich verfolgt. Egal, wo ich hinkomme, Brangelina war schon da. Fahre ich über den Canal Grande, sehe ich überall die schwimmenden Sichtblenden, die alle Paparazzi der Welt darauf aufmerksam machen sollen, dass hier Palazzo Mocenigo steht, in dem Brangelina wohnt. Gehe ich zum Sport, erzählt mir mein Trainer, dass ein ganzes Fitnesstudio in den Palazzo Mocenigo geliefert worden sei, weil Brangelina nicht einfach so in ein Sportstudio gehen kann, obwohl ihr angeboten wurde, extra für sie am Sonntag zu öffnen. Gehe ich zu La Perla, flüstert die Verkäuferin, dass gerade die Ware für Brangelina abgeholt worden sei, weshalb man sich bei La Perla besonders geehrt, ja geadelt fühle, gehe ich zu meiner Nageltechnikerin, erzählt sie mir voller Neid, dass eine Kollegin vom Festland für Brangelinas Fingernägel angeheuert werden sollte, auf Acrylbasis, was die Kollegin allerdings abgelehnt habe, nicht wegen des Acryls, sondern weil sie nicht verstehen konnte, warum sie sich verpflichten sollte, für Brangelinas Nägel vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung zu stehen. Gehe ich in die Bar, um einen Espresso zu trinken, erzählt mir der Barmann, wie halb Venedig dafür angestanden hat, als Komparsen in Brangelinas Film aufzutreten, und sogar jene venezianische Adelige sei akzeptiert worden, die von allen immer nur Bag Lady genannt wird, weil sie so aussieht, als hätte sie gerade in einer Mülltonne nach Essensresten gesucht. Treffe ich eine Freundin, erzählt sie mir, dass sie Florian Henkel von Donnersmarck (vulgo Brangelinas Regisseur) auf einer Party traf, weshalb sie besinnungslos vor Bewunderung den Faux-Pas beging, in seiner Gegenwart das böse Wort Remake zu benutzen, welches der Film ja schließlich ist, nämlich von dem französischen Original “Anthony Zimmer”. Schlage ich den Gazzettino auf, springt mir Brangelina entgegen, die soeben den Palazzo Grassi besichtigt hat und ihre Kinder wie Stoffhasen hinter sich herschleift, und weil sie für die ganze Familie sogar Eintrittskarten gekauft hat, wird sie bald zur Ehrenbürgerin ernannt.
Di Girolamo II
Nachdem er eine herzerweichende Rede im Senat gehalten hat und dort von den Kollegen zum Abschied umarmt wurde, ist der Senator Nicola di Girolamo nun verhaftet worden. Er tat mir schon fast leid. Was hat sich zuschulden kommen lassen, fragten sich viele Italiener, dass seine Parteikollegen und Spießgesellen ihn so ungerührt fallen ließen? Weil er sich, anders als seine Spießgesellen, erwischen ließ?
“Ich habe weder die Cosa Nostra noch die ‘Ndrangheta in diese Säle geschleust”, sagte Di Girolamo. Das Einschleusen war auch nicht mehr nötig. Die Mafia benutzt schon lange den Haupteingang. Dafür hatten schon andere gesorgt.
Was übrig bleibt.
Die Affäre um den erzwungenen Rücktritt des Senators Nicola di Girolamo ist in zwischen auch in Deutschland angekommen. Interessant dabei ist, was bei der Überquerung der Alpen auf der Strecke geblieben ist: In der deutschen Berichterstattung wird diese Geschichte vor allem als weiteres Beispiel für die hinlänglich bekannte Mafia-Verstrickung Berlusconis angeführt – und kaum jemand spricht mehr davon, dass Di Girolamo laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mit den von der ‘Ndrangheta in Deutschland gefälschten Stimmen ins Amt gehoben wurde. Speziell von den Clans im Raum Stuttgart, den Clans Farao und Arena. Aber offenbar beunruhigt es niemanden in Deutschland, wie effektiv die ‘Ndrangheta in Deutschland ihr Territorium kontrolliert. Geht ja nur um Italiener. Denn: Die Wahlfälschung italienischer Wahlzettel ist in Deutschland kein Verbrechen.

verfasst von reski