Die TAZ hat über die neue italienische Tageszeitung “Il Fatto Quotidiano” berichtet – die sehr wohl als regierungskritisch gelten kann, aber mehr ist, als das: Namen wie Marco Travaglio sorgen dafür, dass die Zeitung nicht auf einem Auge blind ist. Dazu auch dies. Und zur Erinnerung auch noch das.
Archiv: September 2009
“Mafia” als Taschenbuch. Und mein spezieller Leser.
“Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” erscheint am 5. Oktober als Taschenbuch bei Droemer-Knaur. Hierzu die Pressemitteilung:
München, 29. September 2009 — Am 11. September 2009 hat der wegen Mafiaunterstützung im Dezember 2004 zu neun Jahren Haft verurteilte Marcello Dell’Utri, Forza Italia-Abgeordneter, Europaparlamentarier und rechte Hand Berlusconis, in der rechtskonservativen Tageszeitung “Libero”, eine Klage gegen Petra Reskis Buch Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ angekündigt, das unter dem Titel “Santa Mafia” soeben in Italien erschienen ist. Marcello Dell’Utri beschuldigt in dem Zeitungsinterview ebenfalls den stellvertretenden nationalen Antimafiastaatsanwalt Vincenzo Macrì , der das Vorwort verfasst hat. Durch sein Vorwort zu einem Buch, in dem der Berlusconi-Vertraute Dell’Utri beschuldigt werde, im Mittelpunkt eines mafiosen Komplotts zu stehen, habe sich der Antimafiastaatsanwalt nach den Worten von Dell’Utri zum “Komplizen der haarsträubenden Lügen” des Buches von Petra Reski gemacht.
Der Starkomiker und Anführer der außerparlamentarischen Opposition Beppe Grillo schreibt in der neuen regierungskritischen Zeitung „Il Fatto quotidiano“:“Mit dem Kapital der Mafia kann ganz Europa gekauft werden – was die Mafiosi im Übrigen bereits schon tun. Petra erklärt es in ihrem Buch. Die mafiose Gemeinschaft Europas ist nur eine Frage der Zeit.“
Das Taschenbuch der deutschen Ausgabe, aus aktuellem Anlass durch ein Nachwort von Vincenzo Macri ergänzt und mit einem Vorwort der Autorin versehen, in dem diese die bisherige Rezeption des Buches rekapituliert, erscheint am 5. Oktober 2009 im Knaur Taschenbuchverlag.
Weitere Informationen: carlsbergschillercommunication, info@csc-agentur.cim, 089-51 777 270
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Wer mehr über den zur Zeit in Palermo laufenden Mafia-Prozess gegen Marcello Dell’Utri wissen will und Italienisch spricht, sollte sich dieses Video vom letzten Verhandlungstag ansehen: Dell”Utri-Prozess in Palermo. Nur am Rande sei erwähnt, dass kein einziger italienischer Fernsehsender über den in Palermo laufenden Prozess berichtet – obwohl es doch nicht unerheblich ist, wenn in zweiter Instanz gegen den Berlusconi-Vertrauten und Forza-Italia-Gründer Marcello Dell’Utri wegen Mafiabeihilfe verhandelt wird.
Santa Mafia bei Beppe Grillo
Grazie a Beppe Grillo. Interessant sind auch die Kommentare: Italienisch für Fortgeschrittene. Mehr zu Beppe Grillo hier und hier.
Grazie a Beppe Grillo
Voglio ringraziare Beppe Grillo. Per il suo blog. Mi sono sentita meno sola.
Senza il sostegno del suo blog, Santa Mafia non sarebbe mai stato pubblicato in Italia.
Solidarietà con Rino Giacalone
Voglio esprimere la mia solidarietà con Rino Giacalone, un cronista antiamafia in un territorio molto difficile, a Trapani. Rino è stato citato per danni al sindaco di Trapani. Un caso di intimidazione per vie legali, scrive l’antimafia duemila.
Come le strategie si assomigliano, in Germania e in Italia.
Der Hund
Erst sah ich nur den Hund. Ein freundlicher Labrador, der begeistert neben einem Mann hochsprang, ganz so, als könne er nicht abwarten, dass nun endlich das Spiel losginge. Der Hund schnellte aus dem Stand hoch, federnd wie ein Gummiball. Er stellte sich auf die Hinterbeine, reckte sich zur Bühne hoch und steckte die Nase in Deko-Blumen und Plastikgrün. Er kroch freundlich wedelnd unter die Bühne und hinter die Lautsprecherboxen, und ich war kurz davor, ihn zu streicheln, weil er mir so sympathisch war.
Dann fiel mir auf, dass der Mann, der den verspielten Labrador an der Leine führte, nicht aussah wie einer der üblichen Besucher des Unità-Festes: kein Metallarbeiter im Sonntagsstaat, sondern ein Hüne im dunkelblauen T-Shirt, der wirkte, als käme er gerade aus einem Body-Building-Studio. Als er sich mit dem Hund von der Bühne entfernte, drehte er sich um, und ich sah den Schriftzug DIA auf dem T-Shirt, Direzione investigativa antimafia.
Später saß ich neben dem Antimafia-Staatsanwalt Antonio Ingroia auf der Bühne, um mein Buch “Santa Mafia” vorzustellen. Ingroia ist der Staatsanwalt, dessen Anklage Marcello Dell’Utri in erster Instanz neun Jahre Haft wegen Unterstützung der Mafia eingebracht hat. Im Moment ermittelt Ingroia die “trattativa“, also die Verhandlungen zwischen der Mafia und dem Staat, die auf die Attentate auf Falcone und Borsellino folgten, beziehungsweise vorausgingen. Ingroia war einer der Schützlinge von Paolo Borsellino. Als Ingroia sprach, dachte ich wieder an den Hund. Und an die anderen Männer der Antimafia-Spezialeinheit der Polizei, die den Saal mit Metalldetektoren untersucht hatten – zwischen den Stuhlreihen, unter der Bühne, hinter den Lautsprecherboxen. Auf der Suche nach Sprengstoff.
Ich kann das immer noch nicht normal finden.

verfasst von reski