Archiv: Mai 2009

Pressefreiheit II. Libertà della stampa II

Sonntag, 31. Mai 2009

Die Times hat ein Interview mit dem italienischen Komiker Daniele Luttazzi geführt: Vor acht Jahren wagte es Luttazzi, Berlusconi vor laufender Kamera zu kritisieren: Er hatte den Journalisten Marco Travaglio in seine Late-Night Show auf RAI due eingeladen und mit ihm über die mafiosen Verflechtungen von Berlusconis Vertrauten und Forza-Italia-Gründer, Marcello dell’Utri, gesprochen. Luttazzi wurde daraufhin von Berlusconi auf 20 Millionen Euro verklagt, Luttazzi gewann das Verfahren – und ist seitdem vom Bildschirm verschwunden. 

Papi

Mittwoch, 27. Mai 2009

Papi Berlusconi hat einen Brief an seine Wähler geschrieben. Bitte weitergeben!

Lebensmüde. Und die Schubser.

Montag, 25. Mai 2009

Es geht doch nichts über den Pragmatismus der Chinesen. 

Ich fühle mich geehrt. Mi sento onorata

Freitag, 22. Mai 2009

Am 20. Juni werde ich mit dem Amalfi Coast Media Award ausgezeichnet. Als man mir diese Nachricht mitteilte, war ich erst etwas ungläubig, wie immer, wenn man mir einen Preis gibt. Dann rang ich um Fassung und suchte hektisch nach Worten, um meinen Dank angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ich wollte sagen, dass mich diese Geste der der italienischen Journalisten glücklich macht und stolz zugleich, ich wollte sagen, dass ich una giornalista umile sei,  also eine bescheidene Journalistin, die sich durch diesen renommierten Preis sehr geehrt fühlt, mi sento onorata. Etwas in diesem Sinne wollte ich sagen. Aber mein Mund klebte zusammen und dann hörte ich mich sagen: Mi sento umiliata, grazie! Was so viel heißt wie: Ich fühle mich gedemütigt, vielen Dank!

Ich redete dann ganz schnell weiter und hoffte, dass man meinen Versprecher der schlechten Telefonverbindung zur Last legen und mir vergeben würde. Grazie, grazie mille. 


Berlin-Amsterdam-Neapel-Cosenza

Donnerstag, 21. Mai 2009

Als ich heute am Flughafen ankam, fragte mich ein Polizist, woher ich käme – offenbar sah er mir an, dass hinter mir eine Route liegt, die einem Drogenkurier alle Ehre machen würde. Oder einem Waffenhändler. Oder beiden. In Berlin Berettas gekauft, in Amsterdam Kokain, per Zug weiter nach Neapel (nie mit dem Auto, da ist das Risiko, gefilzt zu werden, zu groß), das Kokain in Neapel verkauft, die Waffen in Cosenza.

Tatsächlich war es eine Reise, in dessen Verlauf ich ziemlich zugenommen habe – so nennt man das in Italien, wenn man sich über ein Lob freut: Mi sono ingrassata, ich bin dicker geworden. In Amsterdam hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, meinem Übersetzer gegenüberzusitzen, Marcel Misset (der übrigens den Holländern auch Charlottes Roche Feuchtgebiete näherbrachte) , dann die Preisverleihung in Nocera (Heute konnte ich in dem Bericht des Mattino nachlesen, wie Generalstaatsanwalt Franco Roberti in seiner Rede die katholische Kirche kritisiert hat, was in Italien geradezu blasphemisch ist: Wenn die Kirche eine deutlichere Position gegenüber der Mafia bezogen hätte, dann gäbe es kein Schweigegebot mehr, sagte er. ) Die Generalkonsulin von Neapel, Angelika Völkel, hat ebenfalls eine wunderbare Rede gehalten, in deren Verlauf ich auch etwas zunahm, und um die Einzigartigkeit italienischer Preisverleihungen noch mehr herauszuheben, will ich nicht verschweigen, dass wir danach zum Lunch in der Villa Lanzara eingeladen waren: auf Einladung der Baronessa Cettina Lanzara, einer wunderbaren Dame mit karmesinroten Lippen und karmesinrotem Nagellack, deren Hände auf dem elfenbeinernen Knauf ihres Spazierstocks ruhten (für das Alter merken: Nie das Haus verlassen ohne Karmesinrot auf den Lippen!). Umschwirrt von Dienern in weißer Livree nahmen wir den Apéritif im Garten unter riesigen Kamelienbäumen ein, es folgte der Lunch im Liberty-Salon. Es war wie in einem Visconti-Film. Wenn nicht auf einem kleinen Grundstück neben dem Palazzo gerade illegal einer der vielen Betonbunker hochgezogen wurde, mit dem Nocera bis zur Unkenntlichkeit zerstört wurde. Von der Camorra. 

Dann fuhr ich mit dem Zug weiter Richtung Cosenza (Drogenhändler, so heißt es, verstecken ihre Ware übrigens gerne in der Toilette über dem Wasserkasten), wo ich mein Buch an der Universität von Kalabrien vorgestellt habe – auf Einladung der hier seit über 30 Jahren lehrenden, von mir hochverehrten, deutschen Soziologin Renate Siebert. Da habe ich noch mehr zugenommen. Alles in allem mindestens zwanzig Kilo.

Grazie. 

Pressefreiheit. Libertà della stampa

Donnerstag, 21. Mai 2009

Hier auch etwas zu meinen Erfahrungen mit Pressefreiheit in Deutschland. 

Berlin-Amsterdam-Neapel

Montag, 18. Mai 2009

Erst war ich in Berlin, wo ich mich fragte, ob es noch andere Berliner gibt ausser Russen, dann saß ich in der Herrengracht, wohin mich mein holländischer Verleger eingeladen hat (Oscar Van Gelderen: Wenn ich jemals die Idee haben werde, ueber einen Verleger zu schreiben, der von einem ausgeprägten Jagdinstinkt getrieben wird, dann werde ich an ihn denken!), und jetzt in Neapel, wo mir in Nocera der Premio Civitas verliehen wurde.

Es ist das erste Mal, dass ich in Italien mit einem Preis ausgezeichnet wurde, und ich kann es nur empfehlen: Italienische Preisverleihungen sind die schönsten der Welt! Nicht nur, dass die Zeremonie (eine, die den Namen verdient!) im Rathaus von Nocera stattfand, sondern auch, dass unendlich viele Reden gehalten wurden, wunderbare, bewegende, mich preisende, lobhudelnde, herzenswärmende Reden, vom Bürgermeister, vom Präfekten, von der Vorsitzenden von ANDE (Associazione donne elettrici) Nocera, von der deutschen Generalkonsulin von Neapel, von der Direktorin des Goetheinstituts Neapel, vom Chef der Carabinieri und vom Generalstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Salerno, Franco Roberti, bei dessen Rede ich kurz davor war, in Tränen auszubrechen. Nicht nur, weil er redete wie ein römischer Redner der Antike, sondern weil er sagte, dass die Richter, die meinem Buch mit den Schwärzungen einen Schmiss beigebracht haetten, uno sfregio, wie es auf Italienisch heisst, was mehr ist als ein Schmiss: eine Erniedrigung, eine Demütigung – diese Richter also seien eben Richter gewesen, die sich darauf beschränkt haetten, das Gesetz anzuwenden. Mehr musste er nicht sagen.



Maffia

Sonntag, 10. Mai 2009

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So sieht die holländische Ausgabe meines Buchs aus. Sie erscheint in diesen Tagen im Verlag Lebowski

Glauben. La Fede.

Donnerstag, 07. Mai 2009

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Es ist bekannt, dass der Psychozwerg umfragesüchtig ist. Um ihn zufrieden zu stellen, wurden heute die Umfragewerte nach Berlusconis Scheidungsshow “Jetzt rede ich” veröffentlicht. Nicht mal die Repubblica hatte den Mut, sich dem zu entziehen – und betet fromm nach, dass 57 Prozent der Italiener Berlusca überzeugend gefunden hätten. Von den Wählern der Rechtskoalition hätten ihn natürlich sagenhafte 89 Prozent überzeugend gefunden, gegenüber immerhin 67 Prozent der “nicht-praktizierenden” Katholiken – schöner Ausdruck übrigens – die ihn auch noch irgendwie glaubhaft gefunden hätten. Die praktizierenden Katholiken hätten ihn angeblich immerhin noch zu 49 Prozent überzeugend gefunden. Die einzigen, die etwas zu mäkeln hatten und Berluskaiser etwas fadenscheinig, also nicht so ganz überzeugend gefunden hätten, seien die Atheisten gewesen: 37 Prozent. Gott sei Dank!

Nasse Nasen. (Nasi bagnati)

Mittwoch, 06. Mai 2009

Gestern Abend verfolgten der Italiener und ich eine weitere Folge des Berlusconischen Rosenkriegs, auf RAI uno zur besten Sendezeit. Das heißt, ich verfolgte ihn. Auch weil nichts schöner ist, als festzustellen, dass jenes Veronica-Portrait, das man vor Jahren geschrieben hat, immer noch brandaktuell ist.

Ich regte mich wie üblich etwas über Bruno Vespa auf, einer der erfahrensten Berlusconi-Höflinge, der dem mandarinengelb gepuderten Ministerpräsidenten die Stichworte lieferte, damit dieser der linken Presse die Schuld für seine bevorstehende Ehescheidung geben konnte, und der Italiener an meiner Seite blätterte demonstrativ in einem Band über venezianische Lackarbeiten des 18. Jahrhunderts. Als es um die von Veronica Berlusconi geschmähten Luder auf den Wahllisten für die Europawahl ging, hörte er schon gar nicht mehr zu. Da sagte Berlusconi: “Wir bringen Frauen in das Parlament, die den Männern die Nasen nässen.”

Ich überlegte, was er damit gemeint haben könnte. Mir fielen kalte, nasse Hundenasen ein, Nasen, die wegen Pollenflugs nässen und Nasen, die feucht werden, wenn man im Winter eine heiße Suppe ist. Insgesamt lösen nasse Nasen bei mir eher unangenehme Assoziationen aus. 

Was heißt das: den Männern die Nasen nässen?, fragte ich den Italiener an meiner Seite, schließlich kann man nicht jede idiomatische Wendung parat haben. 

Das heißt nichts, sagte der Italiener. 

Wie, das heißt nichts?, fragte ich nach. 

Es hat keine Bedeutung, sagte der Italiener. 

Warum sagt er etwas, das keine Bedeutung hat?, fragte ich.

Weil er Berlusconi ist, sagte der Italiener.