“Es nutzt aber niemandem, wenn die traditionellen Medien wie besessen sind von ihrer antiquierten Auffassung, sie müssten grundsätzlich immer beide Seiten eines Problems darstellen – selbst wenn die Wahrheit eines Sachverhalts klar und deutlich auf der einen oder der anderen Seite verortet werden kann. Die Wahrheit liegt eben nicht immer genau in der Mitte. Stattdessen lauert sie mitunter irgendwo im Graubereich.”
Archiv: März 2009
In eigener Sache IV
Petra Reski kämpft weiter für ihr Buch „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ (Droemer Verlag)
München, 27. März 2009 – Am 7. April geht Petra Reski knapp drei Monate seit der letzten Urteilsverkündung in die zweite Runde ihres Kampfes für ihr Buch „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ (Droemer Verlag). Die Autorin wehrt sich gegen die rechtlichen Angriffe einiger im Buch erwähnter Personen Das Buch ist zur Zeit mit einigen geschwärzten Passagen lieferbar.
Am 7. April ist um 10.45 Uhr beim Oberlandesgericht München die Berufungsverhandlung gegen die am 15. Dezember 2008 vom Landgericht München I bestätigte und von Spartaco Pitanti erwirkte einstweilige Verfügung angesetzt. Am 8. April um 11 Uhr folgt vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf die Berufungsverhandlung gegen Antonio Pelle und Rolf Milser.
Ohne den Ausgang dieser Verfahren abzuwarten, haben Antonio Pelle und Rolf Milser, dessen Antrag auf einstweilige Verfügung in erster Instanz abgelehnt worden war, beim Landgericht München nun Hauptsacheklage gegen Verlag und Autorin eingereicht; auch mit Strafanzeigen versucht man Petra Reski einzuschüchtern.
Petra Reski lässt keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit: „Wenn dies der Versuch sein sollte, Journalisten mundtot zu machen, so wird er scheitern.“
Sowohl Petra Reski wie auch der Droemer Verlag sind in allen Fällen zuversichtlich Recht zu bekommen, nicht zuletzt deshalb, weil Petra Reski ihre Aussagen mit zahlreichen stichhaltigen Beweisen untermauern kann.
Helden bei der Arbeit
Gestern Abend sah ich wieder mal die legendäre Sabina Guzzanti in der Sendung Anno Zero. Wie sie das hinkriegt! Das Nuscheln! Den Berlusca-Sprech! Das Zähnefletschen! Einzigartig!
Das Potenzial einer Frau
Ich las: Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Bildung einer illegalen Vereinigung und dachte: Kommt mir doch bekannt vor. Aber dann folgte keine Mafiageschichte, sondern eine über Fußball. Ich lese nie Artikel über Fußball. Und wenn ich schon keine Artikel über Fußball lese, dann erst recht keine Artikel über die fußballerische Meta-Ebene, also über Verbände, Schachereien, Fifa … Eigentlich. Aber dann las ich doch weiter: Racheengel mit zwei Koffern. Eine wunderbare Geschichte, die davon handelt, wie das schlichte Gemüt des peruanischen Spieleragenten Carlos Delgado auf fatale Weise das Potenzial einer Frau unterschätzte. Worauf ein Erdbeben folgte. Von Peru bis nach Bremen.
Um so ein Risiko zu vermeiden, betrügen Mafiosi ihre Frauen nicht. Jedenfalls nicht so plump wie dieser Spieleragent.
Die Freunde der Freunde
Der WDR hat einen interessanten Beitrag über die Mafia in Deutschland gesendet.
Hofschranzen der Mafia (Mafia und Medien II)
Als ich von der Festnahme von Giovanni Strangio erfuhr – einem der Killer der Duisburger Mafiamorde – erinnerte ich mich an das Interview, das er der italienischen Wochenzeitung Panorama gegeben hat: Ein Interview, in dem er sich, wie es die PR-Strategen der Mafia für Deutschland vorgegeben haben, als unschuldig verfolgter Italiener darstellt, dessen einzige Schuld darin bestehe, in San Luca geboren zu sein. Und deshalb von Justiz und Medien in Sippenhaft genommen worden sei.
Immer wieder geschieht es, dass Journalisten Mafiosi breiten Raum zur Selbstdarstellung und zur ungefilterten Übertragung ihrer Botschaften einräumen (auch ein Mitarbeiter des Berliner Kurier rühmt sich, per mail ein Interview mit Strangio geführt zu haben: “Interview mit einem Killer”). Ob die Journalisten es tatsächlich nicht merken, dass sie benutzt werden? In Hofschranzen der Mafia verwandelt werden?
Wie wichtig es der Mafia ist, ihr Bild in den Medien zu kontrollieren, machte auch der Anwalt von Giovanni Strangio klar. Nachdem die Auslieferung Strangios nach Italien beantragt wurde, sagte er: “Das einzige, was uns erschreckt, ist der Medienrummel. Wir hoffen auf einen gerechten Prozess – der sich auf Beweise stützt und nicht auf suggestive Rekonstruktionen”.
Schreiben. Im Ruhrgebiet.

Heute morgen blätterte ich dem wunderbaren Bildband “Als der Pott noch kochte” des Fotografen Horst Lang (dem mein Buch “Meine Mutter und ich” auch sein Umschlagbild verdankt). Ein Schattenreich aus Fördertürmen, Zechensiedlungen, rußgeschwärztem Backstein, Kohlenhalden: Die Bilder von dem Ruhrgebiet, in dem ich aufgewachsen bin, wirken heute so entrückt wie Szenen aus einem Film von Sergej Eisenstein.
Und da fiel mir wieder mein Schriftstellerkollege Heinrich Peuckmann ein. Der genau wie ich als Sohn eines Bergmanns in Kamen aufgewachsen ist – und schon früh beschloss, Schriftsteller zu werden – ein Berufswunsch, der in einer Bergmannsfamilie ungefähr ähnlich ernst genommen wird wie der Wunsch, Balletttänzer zu werden.
Heinrich Peuckmann hat sich nicht beirren lassen. Heute blickt er auf ein umfassendes Werk zurück, er hat Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Opernlibretti und Gedichte, Kinder- und Jugendbücher geschrieben, er hat über das Ruhrgebiet geschrieben und über China, über Bergmänner und über thailändische Säbelfechter.
Gerade habe ich seinen letzten Krimi gelesen: “Zweites Leben”, der zwischen Kamen, Münster, Unna und Dortmund spielt, bei dem ziemlich viel herumgefahren wird – und der mich an die Bleierne Zeit erinnert, als wir ganze Abende damit verbrachten, von Unna nach Kamen zu fahren, von Kamen nach Dortmund, von Dortmund nach Münster, als wir die Freiheit in einem VW-Bus wähnten oder in einem verrosteten Renault vier. Der garantiert immer von der Polizei an die Seite gewunken und kontrolliert wurde – weil damals die ganze Welt auf der Suche nach Terroristen war. Peuckmann gelingt es, in seinem Krimi die ideologieschwere Zeit der Achtziger Jahre in die Gegenwart zu transportieren. Mehr sage ich nicht. Ist ja ein Krimi.
Manchmal kann sich der Kommissar nicht entscheiden. Jedenfalls, was Frauen betrifft.
Ostpreussen (La prussia orientale)

Heute morgen ist dieses Buch angekommen, es ist die polnische Übersetzung meines Buches “Ein Land so weit”: Daleki Kraj. Ich begann vorsichtig darin zu blättern und versuchte, meine Sätze auf Polnisch zu verstehen, was natürlich Quatsch ist, aber dennoch ein schönes Gefühl. Ich bin glücklich über diese Übersetzung, die von dem polnischen Kulturinstitut “Borussia” initiiert und vom Goethe-Institut sowie von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert wurde.
Es mag Zufall sein, dass dieses Bücherpaket gerade heute hier angekommen ist – dem Tag, an dem Erika Steinbach auf ihren Platz im Stiftungsrat der geplanten Gedenkstätte gegen Vertreibung verzichtete. Die Steinbach-Hysterie der letzten Wochen hat mich schlagartig in die Siebziger Jahre zurückversetzt, als meine herbe Gesellschaftskundelehrerin in jedem Lippenstift ein Zeichen für Unterdrückung wähnte und alle Vertriebenen als Revanchisten schmähte. Oft ertappe ich mich bei dem naiven Glauben daran, dass sich der Mensch weiterentwickeln kann. In den letzten Wochen ist mir dieser Glauben etwas abhanden gekommen. Ich holte dann einen alten Artikel hervor, den ich im fernen Jahr 2003 über den Streit um das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in der ZEIT geschrieben habe. Er ist immer noch aktuell. Leider, muss ich sagen.

verfasst von reski