Archiv: Dezember 2008

Mafia und Medien

Freitag, 12. Dezember 2008

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Natürlich ist die Mafia schon lange dazu übergegangen, die Medien für ihre Zwecke zu benutzen. Sie weiß: Nichts ist wichtiger als ihr Bild in der Öffentlichkeit. Der noch gesuchte vermutliche Killer der Duisburger Mafiamorde, Giovanni Strangio, gab der italienischen Wochenzeitschrift Panorama ein Interview, in dem er, was sonst, seine Unschuld beteuert. Strangio stammt aus San Luca und betrieb zuletzt eine Pizzeria im nordrheinwestfälischen Kaarst. In dem Interview bezeichnete sich Giovanni Strangio als unschuldig verfolgter Italiener, dem nichts anders vorzuwerfen sei, als in San Luca geboren worden zu sein – ein armer, arbeitsamer Italiener, den die Arbeitslosigkeit zwang, nach Deutschland zu emigrieren. Einer, der nach dem Massaker von Duisburg in Sippenhaft genommen worden sei. Für den Mafioso war das Interview ein voller Erfolg. Denn ihm gelang es nicht nur, darin die Existenz der ‘Ndrangheta zu leugnen, sondern auch sich als zärtlich sorgender Vater darzustellen, dessen junge Ehefrau nichts anderes sehnlicher erwartet, als die Rückkehr des zu Unrecht Verfolgten. Ein junger Vater, der überdies noch mit Baby im Arm abgebildet wurde. Im familientreuen Italien bleibt das nicht ohne Wirkung.

Schön ist, wie ein Blogger das Interview von Strangio kommentiert hat: Wenn du so unschuldig bist, dann kannst du dich doch auch der Polizei stellen.

Aber weil viele Leser eben nicht die Hintergründe kennen – und von den Medien, die sich für diese Mafiabotschaften einspannen lassen, auch nicht aufgeklärt werden, lohnt es sich für die Mafia immer, ein Interview zu geben, einen offenen Brief zu veröffentlichen: So gelangt es dem Sohn von des Cosa-Nostra-Bosses Santapaola sich aus der Hochsicherheitshaft zu Wort zu melden – ohne dass sein Brief in irgendeiner Weise redaktionell kommentiert worden wäre.

Zuletzt gaben sich Angelo und Francesco Provenzano die Ehre: Die Söhne des vor zwei Jahren verhafteten Bosses, der es geschafft hat, sich 43 Jahre lang zu verstecken, gaben der Repubblica ein Interview, in dem sie sich als liebende Söhne (“Er ist vor allem unser Vater”) darstellten und ansonsten die üblichen Gemeinplätze strapazierten: Die Mafia ist überall, also ist sie nirgendwo. Die Mafiausssteiger sind das größte Übel.

Immerhin lebten die beiden Provenzano-Söhne 16 Jahre lang mit dem Vater auf der Flucht. Darüber wollten sie nicht sprechen.

Hochwasser für Fortgeschrittene II (Acqua alta corso superiore II)

Freitag, 12. Dezember 2008

Endlich hat sich jemand meines Gummistiefelproblems angenommen.

Hochwasser für Fortgeschrittene (Acqua alta – corso superiore)

Donnerstag, 11. Dezember 2008

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Gestern Abend war ganz Venedig damit beschäftigt, zu retten, was zu retten ist, tonnenschwere Möbelstücke auf Getränkekisten zu hieven, weil das Holz noch vom letzten Hochwasser nass war, Stühle in höher gelegene Räumen zu tragen, Steckdosen abzukleben, weil es immer so lange dauert, wenn man sie nach dem Hochwasser mit dem Fön trocknet, Kühlschränke auf Obstkisten zu stellen. Heute morgen sollte das Hochwasser bis auf 1,40 Meter steigen. Und mehr.

Es war noch Nacht, als die Hochwassersirenen heulten. Auf die Sirenen folgt immer ein Geräusch, das sich anhört, als würde es die Landung von Außerirdischen ankündigen, ein Sirren, ein heller Ton, der jeden Schlaf durchdringt. Was dann folgt, ist Stille. Man hört nichts, keine Manöver der Müllboote, kein Schreien der Bootsleute, die sonst um diese Uhrzeit mit ihren Lastkähnen am Ufer gegenüber anlegen. Nichts. Selbst die Möwen sind verstummt. Die Stille, die sich bei Hochwasser ausbreitet, kriecht wie ein kalter Hauch in das Herz, es ist, als wäre man allein auf der Welt, als wäre Venedig verlassen worden. Als wären wir die letzten Überlebenden.

Wäre Tag gewesen, hätte ich auf das Fundament des Hauses gegenüber starren können: Wenn der istrische Marmor unter Wasser steht, ist auch unser Erdgeschoss überflutet. Aber es war Nacht. Und so lagen wir da und belauschten die Stille. Bis eine sms des Wasseramtes ankündigte, dass sich der angekündigte Hochwasserstand um zwanzig Zentimeter gesenkt hatte. Zwanzig Zentimeter, die glücklich machen können.

Blonde (Bionda)

Mittwoch, 10. Dezember 2008

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Hochwasser für Anfänger (Acqua Alta per principianti)

Mittwoch, 10. Dezember 2008

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Heute morgen lag das Hochwasser bei 1,30 Metern, beinahe eine quantité négligeable – bei 1,30 kann man sich noch mit kniehohen Gummistiefeln schützen. Weniger beruhigend ist die Aussicht, dass es in den nächsten Tagen noch steigen soll. Meine Gummistiefel sind eigentlich Reitstiefel und stehen selbst im Hochsommer neben unserer Haustür – als Zeichen der Beschwörung. Denn sobald ich sie in den Schrank räume, werden wir überschwemmt. Und das nicht mehr nur im November und März, den klassischen Hochwassermonaten, sondern auch Anfang Juni oder im Dezember. Die Venezianer sagen dann: Non c’è più religione!, was soviel heißt wie: Es gibt alles. Nicht mal das Hochwasser ist mehr glaubensfest: verlässlich einsetzend im Frühjahr und im Herbst.

Was anderswo ganze Armeen und Bundeskanzler auf den Plan ruft, ist in Venedig Alltag. Es beginnt mit der Sirene, die klingt, als stünde ein Bombenangriff bevor. Wenn das Signal ertönt, steht ein Hochwasser über 110 Zentimetern bevor und den Venezianern bleiben noch drei, vier Stunden Zeit, ihre Ware hochzustellen und ihre Büros zu sichern – was besonders dann nicht einfach ist, wenn die Stadt nachts vom Hochwasser heimgesucht wird. Ertönt die Sirene nach einiger Zeit noch mal, droht ein außergewöhnliches Hochwasser von über 1,40 Metern. Ab 1,60 Meter wird der Notstand ausgerufen – der zur Folge hat, dass die Venezianer die Schäden, die das Hochwasser verursacht hat, geltend machen können. Und weshalb Bürgermeister Massimo Cacciari gegenwärtig der meistgehassteste Mann in Venedig ist, weil er den Wasserstand des letzten katastrophalen Hochwassers auf 1,57 Meter runtergelogen haben soll.

Die venezianischen Geschäftsleute sind diejenigen, die am meisten unter dem Hochwasser zu leiden haben: Das Erdgeschoss wird in Venedig traditionsgemäß nicht bewohnt, sondern dient fast immer als Lager, Geschäftsraum oder Büro. Für den durch das Hochwasser entstehenden Schaden kommt keine Versicherung auf. Also stellen die Venezianer ihre Waren hoch, wenn die Alarmsirenen heulen, ziehen ihre Gummistiefel an, pumpen das Wasser aus ihren Läden, waschen schließlich alles mit Süßwasser ab – und hoffen, dass sich der Wind dreht.

Denn zu Hochwasser kommt es nicht, weil es zu stark geregnet hat, sondern weil Luftdruck und Wind aus Südost Wasser in die Lagune drücken – wie in jener Novembernacht im Jahre 1966, als sich dieses Zusammenspiel von Luftdruck und Wind für Venedig verheerend auswirkte: Eine vom Schirokko aufgepeitschte Sturmflut der Adria ließ das Wasser der Lagune bis auf 1,94 Meter über den normalen Pegelstand steigen. In den Gassen des Stadtzentrums stand das Wasser brusthoch. Strom, Gas und Telefon fielen aus.

Seit Jahrzehnten gehen über der Stadt ganze Generationen von Projekten, Absichtserklärungen und Plänen nieder, die gepriesen, bitter bekämpft, verworfen und wieder gefeiert werden. Je nach politischer Großwetterlage. Zuletzt brachte das Consortio Venezia Nuova, ein Zusammenschluß privater Industrie- und Baufirmen, das Projekt “Mose” hervor: Bewegliche Wassertore am Meeresgrund, die bei einer großen Flut wie Dämme funktionieren sollen. Die Umweltverträglichkeit der teuren Schleusen (4,3 Milliarden Euro) ist jedoch noch keineswegs geklärt: der notwendige Wasseraustausch in der Lagune wird durch sie gefährdet. Hinzu kommt, dass „Mose“ lediglich Hochwasser ab 110 Zentimetern verhindern würde, alle anderen Hochwasser aber weiter ungehindert in die Stadt fließen.

Bis eines fernen Tages eine Lösung gefunden wird, balancieren die Venezianer also über die passarelle, die Hochwasserbänke. Und glücklicherweise dauert der Ausnahmezustand immer nur ein paar Stunden – bei Ebbe fließt das Hochwasser wieder ab. Bis dahin sollte der Venedigbesucher entweder mit einem guten Buch im Bett liegen bleiben oder den Portier darum bitten, Gummistiefel zu besorgen. Im Hotel weiß man auch genau, um wieviel Uhr das Wasser wieder abfließt.

Wer unterwegs vom Hochwasser überrascht wird, kann bei den fliegenden Händlern Wegwerf-Stiefel kaufen: Plastikstiefel, die über die normalen Schuhe gezogen werden und die im wesentlichen aus einer Plastiksohle und einer Plastiktüte bestehen. Droht abends vor dem Abendessen Hochwasser, so empfiehlt es sich, die Stiefel bereits mit ins Restaurant zu nehmen. Venezianer verstecken sie meist in Einkaufstüten.

Zu den Benimmregeln im Hochwasser gehört: Im Wasser langsam laufen, ohne zu planschen oder Bugwellen zu verursachen – mit Rücksicht auf die anderen Passanten, die vielleicht nicht ganz so hohe Gummistiefel tragen wie Sie – und mit Rücksicht auf die Venezianer, die das Hochwasser nicht wirklich lustig finden. Nie auf den Hochwasserbänken stehenbleiben! Egal wie schön das Fotomotiv ist. Man riskiert sonst, von den Bänken ganz gemein heruntergeschubst zu werden. Und weil die Touristen das Hochwasser so amüsant finden, denkt das venezianische Fremdenverkehrsbüro auch bereits darüber nach, aus der Not eine Tugend zu machen: Extra-Hochwasser-Pakete für die, die schon alles hatten – außer Wasser unterm Bett. Zehn Prozent Rabatt und ein paar Gummistiefel gratis für Hochwasser-Touristen.

Was meine Reitstiefel betrifft, so haben sie leider einen entscheidenden Nachteil: Sie sind nicht rutschfest. Falls Sie also wissen, wo es den ultimativen, eleganten, rutschfesten Hochwasser-Gummistiefel zu kaufen gibt: Geben Sie mir ein Zeichen!

Geständnis II (confessione II)

Montag, 08. Dezember 2008

Und ich habe eine Schwäche für diesen Mann, der definitiv nicht singen kann. Das aber auf einzigartige Weise.

Mafiadrohungen I (minaccie mafiose I)

Sonntag, 07. Dezember 2008

Eine klassische Mafiadrohung wurde von Michele Greco ausgesprochen, Gott sei seiner Seele gnädig, der Anfang dieses Jahres verstarb.

“Ich möchte an dieser Stelle einen Wunsch aussprechen. Ich wünsche Ihnen Frieden. Ich wünsche Ihnen allen Frieden. Denn der Frieden ist die Ruhe der Seele und des Gewissens. Denn für die Aufgabe, die Euch bevorsteht, entschuldigen Sie mich bitte, Herr Vorsitzender Richter, ist der innere Frieden fundamental. Dies sind nicht meine Worte, es sind die Worte unseres Herrn. Der zu Moses sagte: ‘Wenn du Urteile zu fällen hast, dann muss der höchste innere Frieden herrschen.’ Das ist die Grundlage von allem. Und ich wünsche Ihnen, Herr Richter, dass dieser innere Frieden Sie für den Rest Ihres Lebens begleiten möge.”

Die Staatsanwälte, denen Michele Greco seine lebenslange Haft verdankte, waren Giovanni Falcone und Paolo Borsellino.

Stylebus

Sonntag, 07. Dezember 2008

Der stylebus hat endlich wieder seine Fahrt wieder aufgenommen. Mit einer Todesanzeige.

Männer und Mafia (mafia e mariti)

Freitag, 05. Dezember 2008

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Der Spiegel hat ein Interview mit Donna Leon und mir zum Thema Mafia geführt. In dem Donna gesteht, dass sie nicht gezögert hätte, mir meinen Mann abspenstig zu machen.

Balsam (balsamo)

Donnerstag, 04. Dezember 2008

Jürgen Busche hat in Cicero mein Buch besprochen. Es gibt Momente, da tut Balsam besonders gut.