Ich war mal wieder in Duisburg.
Archiv: November 2008
Dank Goethe (Grazie a Goethe)
Dank der Großherzigkeit des Goethe-Instituts Neapel und speziell dank des Engagements der Direktorin Maria Carmen Morese hatte ich Gelegenheit, mein Buch zum ersten Mal in Italien vorzustellen: Ich war überwältigt von dem Interesse und der Anteilnahme, die man meinem Buch in Neapel entgegenbrachte, in der Tageszeitung „Il Mattino“ waren Auszüge erschienen, die Zeitung “Il Roma” berichtete ausführlich, und Franco Roberti, der leitende Oberstaatsanwalt der Antimafiaermittlungsbehörde war gekommen und sagte: “Organisierte Kriminalität wird vor allem im Ausland als ein Fremdkörper in der Sozialstruktur betrachtet – was jedoch überhaupt nicht der Fall ist. Bücher wie dieses, das wir heute Abend hier vorstellen, sind aus diesem Grunde so wichtig, weil sie dabei helfen, das Wissen über die Mafia zu verbreiten – eine Mafia, die vor allem vom Stillschweigen lebt und von der Ignoranz. Alles, was die Decke aus Schweigen durchbricht, ist hilfreich.”
Und dann waren da die beiden kleinen, feinen Damen, die sagten, dass sie mich mit einem Preis auszeichnen wollten. Wenn mir jemand sagt, dass er mir einen Preis geben will, werde ich schlagartig argwöhnisch. Ich vermute sofort, dass man mir auf diese Weise einen Staubsauger andrehen will oder ein Abo für zehn Kosmetikbehandlungen, von denen eine kostenlos ist. Deshalb reagierte ich mit Misstrauen, als mich die beiden kleinen Damen ansprachen.
Wir möchten Ihnen unseren Preis verleihen, insistierten sie und erklärten mir, dass es sich um den Preis einer Bürgervereinigung von Nocera handelt, einer kleinen Stadt in der Provinz Salerno, die den Premio Civitas verleihe, mit dem Frauen ausgezeichnet würden, die Engagement gegen die Mafia bewiesen hätten.
Sie machen die Deutschen auf die Mafia aufmerksam, sagten die beiden kleinen Damen, das ist Ihr Verdienst.
Und da hätte ich fast angefangen zu heulen.
Nicht in unserem Namen
In Folge der Berlusconischen Obama-Peinlichkeit haben Italiener einen Blog gegründet, auf dem sie klarmachen, dass ihr Ministerpräsident nicht für sie spricht.
Bloß Worte III (solo parole III)
“Ich habe Angst um meine Familie. Aber niemand von ihnen hat mir jemals gesagt: ‘Rosaria, halt den Mund.’”
Rosaria Capacchione ist Journalistin in Caserta, wo sie für die Tageszeitung Il Mattino als Gerichtsreporterin arbeitet. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet sie unter Polizeischutz: Caserta gehört zum Herrschaftsgebiet der Casalesi, des mächtigsten Camorraclans Kampaniens. Weil Rosaria seit 1985 über die Machenschaften der Casalesi berichtet, wurde sie von zwei inhaftierten Bossen bedroht – die über ihre Anwälte Rosaria beschuldigten, mit ihren Artikeln das Gericht zu beeinflussen. Drei abtrünnige Mafiosi berichteten darüber, dass man schon seit langem Rosarias Gewohnheiten ausgekundschaftet habe – sie nach Redaktionsschluss verfolgte, um festzustellen, wann die beste Gelegenheit sei, sie zu ermorden. Es wurde beschlossen, Rosaria Capacchione vor dem Redaktionsgebäude zu erschießen.
Die Mordpläne seien nur deshalb noch nicht nicht umgesetzt worden, weil es dringendere Dinge zu erledigen gab.
Journalismus als Liebhaberobjekt (giornalismo come oggetto per amatori)
Christof Siemes hat in die Zukunft des Qualitätsjournalismus geblickt. Ich persönlich glaube, dass wir bereits in der Zukunft angelangt sind. Freie Journalisten jedenfalls betreiben ihren Beruf schon lange aus reiner Liebhaberei. Und nicht etwa zum Gelderwerb.
Bloß Worte II (solo parole II)
Gestern fand in Duisburg eine Verhandlung zu einer einstweiligen Verfügung gegen mein Buch statt. Der Droemer-Verlag hat dazu folgende Presseerklärung verfasst:
“Geld statt Ehre? Überraschende Entwicklung in der Verhandlung zur Einstweiligen Verfügung gegen Mafia-Buch von Petra Reski in Duisburg
München, den 5. November 2008 – In der heutigen, teilweise sehr emotional geführten Verhandlung vor dem Landgericht Duisburg zur von Antonio Pelle beantragten Einstweiligen Verfügung gegen das im Droemer Verlag erschienene Buch der Journalistin Petra Reski „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ hat es einen überraschenden Vorschlag des Antragstellers gegeben: Gegen eine Zahlung von 10.000 bis 15.000 Euro dürfe der Name des Antragstellers weiterhin genannt und das Buch unverändert im Umlauf bleiben Der Antrag war darauf gerichtet, dass der Name Pelles nicht weiterhin genannt werden darf. Der von Droemer beauftragte Anwalt hatte demgegenüber vorgeschlagen, den Namen Pelles und das Landhaus Milser in zukünftigen Auflagen des Buches zu verändern.
Der Verlag zum ungewöhnlichen Vorschlag: „Wir fragen uns ernsthaft, worum es dem Antragsteller eigentlich geht. Das überraschende Vergleichsangebot der Gegenseite verstehen wir jedenfalls so, dass die angebliche Schädigung des Ansehens letztlich doch nicht so schwerwiegend zu sein scheint, als dass man sie nicht mit einer Geldzahlung begleichen könnte. Vermutlich geht es doch wohl eher darum, hier schnelles Geld zu machen, und weniger darum, Persönlichkeitsrechte zu wahren. Die Gegenseite führt damit ihren eigenen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung ad absurdum.“
Petra Reski beschäftigt sich in ihrem von der deutschen Presse hochgelobten Buch auch mit den Geschäften der Mafia in Deutschland.”
Zwei Zeitungen haben über die Verhandlung berichtet:
Bloß Worte (solo parole)
Lasst uns gegen die Angst und gegen die Mafia kämpfen – schreiben die beiden kalabrischen Journalisten Francesco Saverio Alessio und Emiliano Morrone, die das Buch “La Società Sparente” verfasst haben, das die Verbindungen zwischen der kalabrischen ‘Ndrangheta, der kampanischen Camorra und den Freimaurern aufdeckt. Seither werden sie von der Mafia bedroht, verklagt, beleidigt, eingeschüchtert. “Und es wird noch weitere Beleidigungen, Klagen, Drohungen geben – bis man uns hinrichten wird”, schreiben die beiden Journalisten in ihrem Aufruf.
Und: “Die Mörder, die Mafiosi, die Politiker, die Freimaurer haben Angst vor unseren Worten.”

verfasst von reski