Archiv: Februar 2008

Bleistiftabsätze (tacchi a spillo) und Beckenboden

Freitag, 15. Februar 2008

Dies ist ein Gedanke, den ich mit der Stilpäpstin vertiefen muss. Gerade stand ich vor dem Schaufenster von Cesare Paciotti. Die Stilettos sahen aus wie eine Pop-Art-Skulptur. Etwas von Alan Jones, das man auf ein kleines Podest stellt, von Punktstrahlern beleuchtet. Ich wusste: Diese Schuhe werden wirksam sein gegen zu viel Magensäure und die Angst vor dem Tod. Gegen Ohnmachtsgefühle und Drehschwindel. Neue Schuhe helfen gegen alles, besonders gesundheitsfördernd sind: spitze Schuhe, rote Schuhe und alle Schuhe mit einem Absatz, der so hoch ist, dass man seiner Lieblingsrivalin auf den Kopf spucken kann.Es musste natürlich eine Italienerin kommen, die endlich die Heilkraft von hohen Schuhen bewies: Stöckelschuhe helfen gegen Inkontinenz. Yes! Wobei es keine Kunst ist, auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen ins Auto zu wanken, um dann in der Bar auf ein Sofa zu fallen. Venedig ist die wahre Herausforderung: Trachytpflaster, Brücken rauf und runter, zum Vaporetto zu sprinten, bevor es ablegt, hier beweist sich wahre Meisterschaft. In Venedig sieht man, wer es wirklich will. Alle anderen können es natürlich bequem haben. Im Alter werden sie es bereuen. Zu spät. 

immondizie (Müll)

Donnerstag, 14. Februar 2008

Beppe Grillo hat einen Aufruf veröffentlicht: Er will die italienischen Politiker zusammen mit dem kampanischen Müll nach Deutschland schicken. Heute im Feuilleton der Zeit. Hier geht es zur italienischen Version.

Campo San Fantin

Donnerstag, 14. Februar 2008

Er hatte in Venedig geheiratet, dreißig Gäste waren zusammen mit dem Hochzeitspaar aus Wien angereist, um nach der standesamtlichen Trauung  im Antico Martini zu Mittag zu essen. Sie waren ein schönes Paar, er war blond und hochgewachsen, sie war klein und trug die dunklen Haare als Pagenschnitt. Ich weiß noch, dass er gut Italienisch sprach, wenngleich auch ohne das R zu rollen. Er trug immer Krawatte, auch an heißen Tagen. Und am Ende des Hochzeitsessens hinterließ er im Gästebuch die Visitenkarten: Seine alte Adresse, ihre alte Adresse und ihre neue gemeinsame Adresse. Das sei in Österreich so üblich, wurde mir gesagt. 

Zwei Jahre lang kehrten sie nach Venedig zurück, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Wenn sie kamen, blieben sie eine Woche und aßen jeden Tag im Martini zu Abend. Und dann kam eines Tages ein Brief mit zwei Visitenkarten an: seine neue Adresse zusammen mit der alten, gemeinsamen Adresse.

Im gleichen Jahr besuchte er wieder das Martini. Er ließ einen Tisch für zwei Personen reservieren, den gleichen Tisch wie immer, auf der Terrasse hinten rechts. Als er kam und Platz nahm, fragten ihn die Kellner: Sollen wir mit der Bestellung noch auf die Signora warten? Und er antwortete: Aber nein, wir sind ja hier. Er sagte: Heute steht uns der Sinn nach Pasta. Oder ist dir eine Minestrone lieber, meine Liebe? 

So ging das sechs Jahre lang. Immer der gleiche Tisch. Der Oberkellner sagte: Wenn ich ihn sehe, fange ich an zu weinen. 

Und weisst du was, wenn sie nicht wieder zu mir zurückgekommen wäre, dann wäre ich auch verrückt geworden. 

la casta

Mittwoch, 13. Februar 2008

Neuwahlen gehören zu Italien wie Vorstrafen zu italienischen Parlamentariern.  Anders als in Deutschland angenommen, sind die Neuwahlen jedoch keineswegs ein Zeichen von Wechselhaftigkeit, sondern vielmehr ein Ritual der Beständigkeit einer seit fünfzig Jahren herrschenden Politikerkaste. Es gibt hier seit dreißig Jahren keine neuen Gesichter in der Politik. Wer es geschafft hat, ins Parlament einzuziehen, bleibt im Parlament sitzen, bis er stirbt (Andreotti wird nie sterben). Hier schafft man es, einen Mann wie den Linksdemokraten Walter Veltroni, Bürgermeister von Rom und seit den siebziger Jahren im Politikgeschäft, als neu zu verkaufen. Weil er ein Newcomer ist, im Vergleich zum 90jährigen Giulio Andreotti. Selbst Berlusconi gelingt es hier, sich als neu zu verkaufen. Gestern Abend sah man ihn auf Rai Uno, in einer der Propagandashows der italienischen Parteien, die hier fälschlicherweise Talkshow genannt werden. Berlusconi plauderte mit einer Hofschranze, versprach Steuerleichterungen und steigende Gehälter und strich sich über sein frischverpflanztes Haar. Gegen die Mafia hilft uns die Justiz und die Polizei, sagte Santo Versace in einem Interview (leider nur auf Italienisch) mit dem Corriere della Sera, aber wer hilft uns, unsere politische Klasse zu bekämpfen?

Nackt. (Nudo)

Dienstag, 12. Februar 2008

Venedig ist leer. So leer, dass man sich erschreckt, wenn einem jemand nachts in einer Gasse begegnet. Die wenigen Touristen, die sich nach Venedig verirren, werden sofort betäubt und dann in ein Muranoglasgeschäft verschleppt. Heute sprach ich mit der Galeristin Holly Snapp, und wir hatten das beklemmende Gefühl, zu Überlebenden zu gehören. Bald wird man auch uns unter Denkmalschutz stellen.

Ich habe mir vorgenommen, kein Touristenbashing mehr zu machen, und deshalb wünsche ich mir jetzt ein paar von den zwanzig Millionen Touristen zurück, aber nur, wenn sie mir versprechen, nicht zu viert nebeneinander in einer Gasse zu spazieren. Es ist traurig, Venedig nackt zu sehen. So tot. 

dipendenza

Sonntag, 10. Februar 2008

[youtube=http://www.youtube.com/v/RKVbgkfFygY&rel=1"] Der Italiener an meiner Seite ist süchtig nach Amy Winehouse. Und ich schäme mich, weil ich sie für eine Art Britney-Spears-Klon hielt. Mea culpa. 

SKY

Samstag, 09. Februar 2008

Weil uns die achtzig italienischen Programme und siebenhundert Satellitenprogramme nicht mehr reichten, haben der Italiener und ich uns dafür entschieden, SKY-TV installieren zu lassen. Auch aus dem Grunde, weil man auf SKY Dokumentationen und Hintergrundreportagen sehen kann, ein Genre, das im italienischen Fernsehen unbekannt ist. Und wenn ich im deutschen Fernsehen eine Hintergrundreportage über arme, alte Menschen in der Ukraine sehe, schläft der Italiener aus Protest immer ein. SKY-TV soll die Lösung sein: Endlich werden wir die Hintergrundreportagen über arme, alte Menschen in der Ukraine auf Italienisch sehen können. 

SKY ist ein Pay-TV und gehört Rupert Murdoch, was ideologisch natürlich eine Belastung ist. Vor allem, wenn man weiß, dass Berlusconi seinem Freund Murdoch das Pay-TV überließ, damit er den Free-TV-Markt für sich allein hat. Egal, welche Taste der Fernbedienung man drückt, man befindet sich immer auf der falschen Seite. 

Der Techniker erklärte uns alles, hier müssen Sie prima fila drücken und dann den Code eingeben, es gibt auch die Möglichkeit, Filme extra zu kaufen, schließen Sie einfach nur ihr Telefon direkt an den Fernseher und geben Sie den Code ein und Ihr Password, hier ist die Taste für das Programm, und vergessen Sie nicht, den Satelliten über hotbird auszustellen. Der Italiener an meiner Seite fragte: Hast du das verstanden? Und der Techniker sagte: Was ich wirklich schwierig finde, ist, eine Waschmaschine zu programmieren. Mit Feinwäsche und Vorwäsche und so.

Wahrscheinlich wollte er mir damit einen Gefallen tun. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, jemals im Leben eine Waschmaschine programmiert zu haben. 

imbarazzante

Freitag, 08. Februar 2008

Manchmal ist es mir peinlich, Journalistin zu sein.

anima

Freitag, 08. Februar 2008

Das ist die Seele eines Blogs – besser kann man es nicht sagen:

blog like nobody’s watching
dance like you’ve never been hurt

So heißt es auf Anke Gröners Blog. Eine Blog-Veteranin, wenn man das mal so ungalant sagen darf.

Campo Sant’Angelo

Donnerstag, 07. Februar 2008

 

Das Leiden an der Liebe ist immer noch das beste von allen Leiden, sagte er. Auf jeden Fall fühlst du, dass du noch lebst. Ich fühle mich wieder wie ein Kind. 

 

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